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Erziehung & Unterricht 2021 | 3+4

Themenschwerpunkt: Theorie und gelungene Praxis im Umgang mit Heterogenität

Der Vielfalt, der Verschiedenheit, dem Unterschied, dem Individuum, dem So-Sein, dem Anders-Sein entsprechen und gerecht werden, ist immer noch Herausforderung. Herausforderung für die Struktur eines Bildungssystems – „selektiv oder gesamt“ – und ebenso für die Zuordnung in Schularten, Klassen, Leistungsgruppen, Deutschförderklassen usw. und wesentlich für die Gestaltung von Unterricht.

Dieses Heft nimmt sich dieses besonders anspruchsvollen pädagogischen Themas an, das wesentlich die Herausforderungen im Unterricht anspricht. Wissenschaft und Praxis kommen zu Wort und zeigen die Komplexität, die Möglichkeiten und auch die Grenzen im Umgang mit dem Unterschied auf.


Editorial

Theorie und gelungene Praxis im Umgang mit Heterogenität

Der Begriff Heterogenität und die Bedeutung von Heterogenität in der Schule lassen einem unweigerlich die Karikatur von Hans Traxler (1975) mit den verschiedenen Tieren, die auf den Baum sollen, vor dem geistigen Auge entstehen: Zum Ziele einer gerechten Auslese lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich – Klettern Sie auf den Baum!

Nach so vielen Jahren steht der Cartoon immer noch für den Begriff der Chancengleich-heit und so wenig, wie der Elefant den Wipfel erreicht hat, so wenig hat das Schul-, das Bildungssystem diesen Anspruch eingelöst.

Lieber sollten wir aber ein Bild von Schülerinnen und Schülern entstehen lassen, die unterschiedlich groß, unterschiedlich begabt, unterschiedlich erfahren, unterschiedlich unterstützt, unterschiedlich ... sind.

Der Vielfalt, der Verschiedenheit, dem Unterschied, dem Individuum, dem So-Sein, dem Anders-Sein entsprechen und gerecht werden, ist immer noch Herausforderung. Heraus-forderung für die Struktur eines Bildungssystems – „selektiv oder gesamt“ – und ebenso für die Zuordnung in Schularten, Klassen, Leistungsgruppen, Deutschförderklassen usw. und wesentlich für die Gestaltung von Unterricht.

Als Schülerin, als Schüler darf man sich freuen, wenn die Ansprüche und Erwartungen eingelöst werden und Schule zu einem Ort machen, an dem man seinen Platz finden kann und der der Person und dem Potential gerecht wird.

Oder setzen wir nach wie vor auf „schulische Sortiermaschinen“ und fragwürdige Vor-stellungen von Gerechtigkeit, die sich dann verwirklicht sehen, wenn es für alle gleich ist? Soziale Parameter, Milieufaktoren oder Status bestimmen oft, in welcher Schule, in welcher Schulart Schülerinnen und Schüler landen. Die Lehrkraft – vor allem in der Volksschule – kann zur Schicksalsfrage oder zum Glücksfall werden, je nachdem, wie der Individualität tatsächlich nachgekommen wird und werden kann. Die Ansprüche an die Professionalität von Lehrerinnen und Lehrern, an LehrerInnen-Kooperation, an gute Führung und Schul-kultur gehen einher mit den Ansprüchen an guten Unterricht, der dem Individuum Schülerin und Schüler möglichst viele Chancen und Gelegenheiten für Lernen bietet.

Dieses Heft nimmt sich also eines besonders anspruchsvollen pädagogischen Themas an, das wesentlich die Herausforderungen im Unterricht anspricht. Wissenschaft und Praxis kommen zu Wort und zeigen die Komplexität, die Möglichkeiten und auch die Grenzen im Umgang mit dem Unterschied auf.

Helga Braun (Herausgeberin) & Rudolf Beer (Herausgeber)


Article Summaries

Rudolf Beer – Isabella Benischek

Vielfalt, Normalitätsvorstellungen, Heterogenitätsdimensionen und eine heterogenitätsgerechte Schule

Summary: Die „Heterogenitätstatsache“ ist anzunehmen. Sie ist die Regel. Heterogenität ist aber auch ein subjektives Konstrukt und hängt von den gesellschaftlich getragenen Normalitätsvorstellungen ab. Auf dem Weg zu einer inklusiven Schule kann die Auseinandersetzung mit allen möglichen Heterogenitätsdimensionen hilfreich sein. Merkmale solch einer heterogenitätsgerechten Schule bilden Wegmarken zukünftigen pädagogischen Handelns.

 

Katrin Hasengruber – Christoph Weber

Heterogenitätsmerkmal Sozialstatus – Herausforderungen durch soziale Heterogenität auf unterschiedlichen Ebenen

Summary: Der Beitrag befasst sich mit dem Heterogenitätsmerkmal Sozialstatus. Es wird ein Überblick über die Bedeutung des Sozialstatus für den Bildungserfolg von Schüler*innen gegeben und die soziale Heterogenität im österreichischen Schulsystem kurz skizziert. Abschließend werden durch soziale Heterogenität bedingte Herausforderungen thematisiert, die bei unzureichender Bewältigung zu einer Verstärkung von Bildungsungleichheiten führen können.

 

Thorsten Bohl – Albrecht Wacker

Zum „Umgang“ mit Heterogenität. Forschungsbefunde und didaktische Implikationen

Summary: Der erste „Reflex“ bei der Frage, wie mit Heterogenität umzugehen sei, liegt häufig in der Antwort „differenzieren“. Das ist naheliegend: Nur mit unterschiedlichen Angeboten kann man den unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler gerecht werden. Gleichzeitig gehen mit Differenzierungsprozessen zahlreiche Herausforderungen und auch Risiken einher. Auf der Basis empirischer Befunde zielt dieser Beitrag darauf, Überlegungen und Vorschläge für eine Didaktik zum Umgang mit Heterogenität zu skizzieren. Die Überlegungen münden in zwei Unterrichtskonzepten, die beide geeignet für die Arbeit mit heterogenen Lerngruppen sind.

 

Wolfgang Schönig

Der Vielfalt der Lernenden gerecht werden. Zum Umgang mit Zeit und Raum in heterogenen Settings

Summary: Ausgehend von der Frage, ob Differenzierung ein pädagogisches Prinzip sei, wird die innere Differenzierung angesichts zunehmender Heterogenität der Schülerschaft beleuchtet. An den Dimensionen Zeit und Raum wird gezeigt, welche Gestaltungswege für die Herstellung gerechter Bildungsverhältnisse gegangen werden müssten. In diesem Zusammenhang wird der Auftrag, eine inklusive Schule zu verwirklichen, gesondert betrachtet.

 

Herbert Altrichter – Barbara Herzog-Punzenberger – Sieglinde Fulterer – Martin Brown – Denise Burns – Guri A. Nortvedt – Guri Skedsmo – Eline Wiese – Funda Nayir – Magdalena Fellner – Gerry McNamara – Joe O’Hara

Leistungsbeurteilung und kulturelle Vielfalt: Herausforderungen und Bewertungspraktiken in Schulen der Sekundarstufe I in Österreich, Irland, Norwegen und der Türkei

Summary: Globale Mobilität sowie wirtschaftliche und politische Krisen in einigen Teilen der Welt haben neue Konstellationen der „kulturellen Vielfalt“ in die europäischen Klassenzimmer gebracht (OECD, 2019). Daraus ergeben sich spezifische Herausforderungen für den Unterricht, aber auch für die Leistungsbeurteilung. Anhand qualitativer Interviewdaten von 115 Lehrpersonen und Schulleitungen in 20 Schulen der Sekundarstufe I in Österreich, Irland, Norwegen und der Türkei werden einerseits die von Lehrpersonen wahrgenommenen Aspekte der Vielfalt und die angewandten Strategien in Beurteilungssituationen aufgezeigt, andererseits auch hemmende oder förderliche Bedingungen für den Umgang mit Diversität verdeutlicht.

 

Gabriele Khan-Svik

Die Heterogenitätsdimensionen „Migration“ und „Ethnie“ und die Schule

Summary: Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit den Begriffen „Migration“ und „Ethnie“ widmet sich der Artikel der Frage, wie seitens der Wissenschaft und der schulischen Praxis damit umgegangen werden könnte. Dabei werden einige Forschungsfelder umrissen, die einer genauen Durchleuchtung harren, und es wird exemplarisch überlegt, welche Inhalte und Formate in der Lehrer_innen-Bildung geeignet wären.

 

Hannelore Faulstich-Wieland

Heterogenitätsdimension: Geschlecht

Summary: Was kann Heterogenität im Kontext von Geschlecht überhaupt heißen? Geschlechtergruppen sind keineswegs homogen – die Grenzen verlaufen in der Regel nicht zwischen den Geschlechtern. Dennoch gibt es Erkenntnisse zu und Annahmen von Geschlechterungleichheiten und Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit. Was ist damit gemeint und was folgt für pädagogisches Handeln daraus?

 

Ernst Hany – Sandra Klaubert

Begabungsgerechte Persönlichkeits- und Leistungsförderung: Sind Lehramtsstudierende dazu bereit?

Summary: In dem Beitrag wird individuelle Förderung bei Heterogenität unter dem Gesichtspunkt unterschiedlicher Lernvoraussetzungen hinsichtlich eines besonderen Leistungspotenzials beschrieben und begründet. Neben der Leistungsförderung wird ein besonderer Akzent auf die Persönlichkeitsentwicklung gelegt. Vorgestellt werden erste Befunde aus Erhebungen an Lehramtsstudierenden, die zeigen, dass die Überzeugungen von der Notwendigkeit einer Förderung besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler und die Bereitschaft sich dabei zu engagieren relativ unterschiedlich ausgeprägt sind. Daraus werden Empfehlungen für die Lehrerinnen- und Lehrerbildung abgeleitet.

 

Carla Carnevale

Modelle eines sprachsensiblen Unterrichts zum Aufbau von Bildungs- und Fachsprache

Summary: Für das fachliche Lernen in den einzelnen Unterrichtsgegenständen brauchen Schüler/innen bildungs- und fachsprachliche Kompetenzen, die nicht allein im Deutschunterricht entwickelt werden können, weil sprachliches und fachliches Lernen einander bedingen und Unterrichtsfächer ihre eigenen Fachsprachen und Kommunikationsformen haben. Lehrpersonen aller Fächer und Schularten sind daher von der Volksschule bis zur Matura für den Aufbau von Bildungs- und Fachsprache in ihrem Unterricht zuständig. Der Beitrag zeigt Möglichkeiten auf, wie sprachliches und fachliches Lernen miteinander verbunden werden können, damit Lernende nicht an der Sprache scheitern und bessere Chancen auf Bildungserfolg haben.

 

Maria Dinold – Daniela Piller

Gelingensbedingungen zur Bewältigung von Heterogenität bei Bewegung, Sport und Tanz

Summary: Schüler und Schülerinnen haben unterschiedliche körperliche, kognitive und entwicklungsbedingte Voraussetzungen für Bewegung. Ein inklusiver Sport- oder Tanzunterricht soll/muss diese Diversität berücksichtigen. Wie kann das gelingen? Der Beitrag bezieht sich auf Heterogenität im Spektrum von schwerer Behinderung bis Höchstbegabung und führt einige Prinzipien auf, wie damit umgegangen werden kann, welche methodischen Konzepte dabei herangezogen werden können und will versuchen, diese an einigen praktischen Beispielen zu demonstrieren.

 

Oskar Dangl

Religiöse Bildung im Kontext von Heterogenität

Summary: Das religiöse Feld ist durch Pluralität und Heterogenität geprägt. Eine der Ursachen dafür ist das Menschenrecht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit (Art. 18, AEMR). Dieses Recht muss auch Gegenstand der Pädagogik sein. Gefordert wird eine religionssensible Pädagogik der Menschenrechte. Für religiöse Bildung zentral erscheint der analytische Umgang mit konfligierenden Wahrheitsansprüchen. Dafür ist die skeptisch-transzendentalkritische Pädagogik mit ihrem Bildungskonzept prädestiniert.

 

Eva Frauscher

Gezielte pädagogische Diagnostik im Schuleingangsbereich
Heterogenität in der Klasse erfolgreich meistern

Summary: Kooperieren Kindergärten und Volksschulen im Zeichen einer gelingenden Transition, kann bereits die Zeit vor dem Schuleintritt genützt werden, um durch den Einsatz verschiedener Beobachtungsinstrumente die einzelnen Kinder kennenzulernen und sie so von Beginn an möglichst gut in ihren Fähigkeiten, Bedürfnissen und unterschiedlichen Ausgangslagen wahrzunehmen. Pädagogische Diagnostik im Schuleingangsbereich bietet folglich eine Möglichkeit, die heterogene Zusammensetzung der Klassen nicht nur zu berücksichtigen, sondern gezielt mit ihr zu arbeiten. Die vorliegend beschriebenen Beobachtungs- bzw. Diagnoseinstrumente zur Bestimmung der individuellen Lernstände haben sich in der Praxis bewährt. Sie helfen Lehrpersonen, umsichtig und verantwortungsvoll zu handeln.

 

Marlies Matischek-Jauk – Claudia Stöckl

„Wir und die anderen?“ – Pädagogische Förderung durch sozial-emotionales Lernen

Summary: Die international renommierte Collaborative for Academic, Social, and Emotional Learning (CASEL) hat fünf Dimensionen sozial-emotionalen Lernens definiert. In diesem Beitrag beziehen wir uns auf diese Förderbereiche mit dem Fokus auf Heterogenität in Schulklassen. Darauf aufbauend zeigen wir Möglichkeiten zur Umsetzung von förderlichen Maßnahmen im Schulsetting auf, die evidenzbasiert und praktikabel für Pädagoginnen und Pädagogen sind. In einem abschließenden Resümee thematisieren wir, was aus pädagogischer Sicht besonders wertvoll erscheint, um einem „Wir-und-die-anderen-Denken“ mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen.

 

Herbert Schwetz – Isabella Benischek

„Denn wer hat, dem wird gegeben …“
Zum Matthäuseffekt als Begleiterscheinung von leistungssteigerndem Unterricht in heterogenen Klassen

Summary: Unterricht soll für alle Schülerinnen und Schüler gewinnbringend sein, sie sollen Kompetenzen erwerben, vertiefen, erweitern und anwenden. Lehrerinnen und Lehrer bereiten Unterricht vor, führen diesen durch und analysieren die Ergebnisse. Beeinflussend dabei sind die persönlichen Einstellungen, Zielsetzungen und Unterrichtsbilder der Lehrpersonen. So kann es (unbeabsichtigt) geschehen, dass sich die Leistungsschere zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern vergrößert. Dieser Effekt wird als „Matthäuseffekt“ bezeichnet. Evidenzbasierung und kompensatorischer Unterricht im Sinne eines Optimums für jede Schülerin und jeden Schüler kann die Vergrößerung der Unterschiede verhindern.

 

Klaus Greier – Clemens Drenowatz

Entwicklungsbedingte Heterogenität im Sportunterricht

Summary: Während sich im Wettkampfsport Athletinnen und Athleten mit möglichst ähnlichen Leistungsvoraussetzungen (z.B. sportliches Niveau, Trainings¬umfang, Gewichtsklassen etc.) messen, finden sich im Sportunterricht Kinder und Jugendliche, die sich hinsichtlich ihrer sportlichen Vorerfahrung, motorischen Leistungsfähigkeit und biologischen Entwicklung teilweise stark unterscheiden. Diese Überblicksarbeit widmet sich der Frage, welche Herausforderungen sich aus der entwicklungsbedingten Heterogenität (Akzeleration vs. Retardation) für den Sportunterricht ergeben.

 

Reinhold Embacher

Unsere Schule sind wir ALLE – in einer Schule für alle

Summary: Der Beitrag beleuchtet den Umgang mit Heterogenität an der Mittelschule 2 Schwaz. Dabei werden zehn Jahre gelungener Schulentwicklung von der Hauptschule zur Mittelschule nachgezeichnet. Nachdem das Modell der Leistungsgruppen überwunden war, mussten neue Lehr- und Lernformen und eine „andere Sicht“ auf die Schülerinnen und Schüler Platz greifen, um den Anforderungen in heterogenen Lerngruppen gerecht zu werden. Einleitend wird die Entwicklung des Standorts von der Hauptschule über die NMS bis zum aktuellen Schuljahr 2020/21 verfolgt. Die einzelnen Abschnitte des Beitrags beschreiben den Umgang mit Heterogenität am Beispiel der verschränkten Planarbeit, der Transparenz in der Leistungsbeurteilung, der Förderangebote und Wahlfächer und der Inklusion. Im Sinne des titelgebenden Mottos der Schule kommen im Beitrag (ehemalige) Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und Eltern zu Wort. Am Ende wird Direktor Johann Walder zitiert, der für die positive Entwicklung der Schule verantwortlich zeichnet und die MS 2 Schwaz durch sein Motto nachhaltig geprägt hat: „Unsere Schule sind wir ALLE – in einer Schule für alle.“

Karin Berger

Offen unterrichten – differenziert Lernen:
Ein Modell in der Praxis

Summary: Bunt zusammengewürfelte Klasse, steigende Anforderungen an Kinder, Lehrer und Eltern: Das war der Anlass einen offenen kompetenzorientierten Unterricht zu organisieren, der möglichst viele dieser Vorgaben impliziert. Das war der Startschuss von KID, einem Modell des Offenen Unterrichts. Viele Jahre der Entwicklung folgten, immer wurde ergänzt, angepasst und erweitert. Somit flossen der Lehrplan, Kompetenzen und Kompetenzentwicklung, Minimalanforderungen, individuelles und differenziertes Lernen, die unterschiedlichen Lerntypen, Kontrollfunktionen für Lehrerinnen und Lehrer sowie eine Informationsgrundlage für Eltern in die Konzeptionierung mit ein. Damit verbindet das Modell Fachwissen und die Möglichkeit dieses Wissen zielgerichtet in variablen Situationen handelnd einzusetzen. Es legt damit den Grundstein Wissen und die Anwendung dieses Wissens zur Bewältigung von wechselnden Aufgaben- und Problemstellungen einzusetzen.

 

Petra Hecht, Robbert Smit

Lernsituationen im Tandem gestalten – gemeinsam statt einsam Unterricht für alle Kinder entwickeln

Summary: Der folgende Beitrag nimmt die gemeinsame Zusammenarbeit von Lehrpersonen zur Gestaltung und Entwicklung von Lernsituationen in inklusiven Unterrichtssettings in den Blick. Anstoß für diese Überlegungen bildet ein von der Internationalen Bodenseehochschule gefördertes Projekt1, in dem die Pädagogischen Hochschulen Vorarlberg und St. Gallen der Frage nachgehen, wie das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Bedarf in der Praxis gelingt. Ausgehend von der Agenda 2030 wird in Anlehnung an Hollenweger (2018) ein Vorgehen skizziert, in dem Unterrichts- und Förderplanung durch Regel- und Sonderschullehrperson so zusammengeführt werden, dass alle Kinder erreicht und kompetenzorientiert unterrichtet werden können.

 

Elisabeth Ostermann – Klaus Greier

Heterogenität als Thematik im Ausbildungskontext der Primarstufe

Summary: In der Neugestaltung der Lehramtsausbildung ist Heterogenität und damit der Erwerb von Kompetenzen im Bereich von Diversität und Inklusion zu einem fixen Bestandteil des Studiums geworden. Ein Blick in die österreichischen Ausbildungscurricula der Primarstufe zeigt, dass sämtliche Ausbildungsinstitutionen diese Thematik verankert haben und die Aneignung entsprechender Einstellungen sowie grundlegender Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Anforderungsprofilen verhaftet ist. Im Fokus des vorliegenden Beitrags stehen Einschätzungen von Studierenden zu deren erreichter „Diversitäts- und Inklusionskompetenz“ am Ende des Bachelorstudiums. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass sich alle Studierenden im Studienverlauf mit Aspekten von Heterogenität auseinandersetzen, wobei Absolventinnen des Schwerpunktes „Inklusive Pädagogik“ eine verstärkte Sensibilisierung aufweisen.

Julia Niederfriniger – Herbert Schwetz

Eine Analyse von Schulentwicklungsaktivitäten mit Fokus auf Heterogenität

Summary: Schule ist verpflichtet, evidenzbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung zu realisieren. Im Fokus dieser qualitätssichernden und qualitätsentwickelnden Maßnahmen steht eine heterogene Schülerschaft mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen. Dieser Beitrag gibt Einblick, wie an ausgewählten allgemein bildenden Schulen das Qualitätssystem SQA festgeschrieben und umgesetzt wird. Auf Basis der Angaben von 20 Schulleiterinnen und Schulleitern sowie Lehrerinnen und Lehrern konnte gezeigt werden, dass Schulentwicklungsaktivitäten auf Konstruktebene formuliert werden. Allzu breit und allgemein festgeschriebene Schulentwicklungsaktivitäten stellen ein Hindernis für die Evidenz-basierung und in weitere Folge für eine individualisierte Förderung der Schüler/innen dar.

 

Aus Theorie und Praxis

 

Verena Müller

„Weil ich dann selber meine Autos reparieren kann“ – Berufsvorstellungen von Kindern

Summary: Der Sachunterricht der Volksschule bietet den Kindern die Möglichkeit, einen systematischen Einblick in die Welt der Berufe zu bekommen. Der Lehrplan der Volksschule gibt dazu den inhaltlichen Rahmen vor. Erste Berufsvorstellungen haben viele Kinder schon lange vor Schuleintritt gebildet. Im Laufe ihrer Schulzeit werden diese regelmäßig revidiert und an die Gegebenheiten angepasst. Nun wurde der Frage nachgegangen, welche Berufsvorstellungen 8- bis 10-jährige Volksschulkinder aktuell mitbringen und welche Motive dabei leitend sind. Ergebnisse einer Befragung, ausgewertet auf Basis der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, zeigen nach Interesse und Fähigkeitskonzept angeleitete, geschlechtsspezifische Berufsvorstellungen.

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