Begegnungen mit der Natur 3, Schulbuch

Evolution Gemeinsame Merkmale durch gemeinsame Abstammung Ein wichtiger Beweis für eine gemeinsame Abstammung sind Homologien. Man versteht darunter das Auftreten gemeinsamer Merkmale als Folge der gemeinsamen Abstammung. Ein Maulwurf, ein Pferd, ein Salamander, eine Fledermaus, ein Vogel und ein Wal sind so unterschiedlich, dass man hier rein äußerlich betrachtet kaum gemeinsame Vorfahren vermutet. Vergleicht man jedoch das Skelett, kann man beträchtliche Übereinstimmungen finden. So bestehen beispielsweise die Vorderextremitäten wie auch beim Menschen jeweils aus Oberarmknochen, zwei Unterarmknochen, Handwurzelknochen, Mittelhandknochen und Fingern. Der Bauplan ist jedoch als Anpassung an die jeweiligen Lebensbedingungen mehr oder weniger abgewandelt ( Abb. 15). Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich dieser Grundbauplan bei den vielen verschiedenen Wirbeltierarten zufällig in derselben Weise entwickelt hat. Vielmehr können wir hier auf eine gemeinsame Abstammung, also auf eine Verwandtschaft, schließen. Homologien homologos (griech.) = übereinstimmend rudimentäre Organe Organe, die im Laufe der Evolution funktionslos geworden sind und deshalb über viele Generationen bis auf einen Rest zurückgebildet wurden; rudimentum (lat.) = Rest Grund für die Rückbildung ist die natürliche Selektion. Da es „unwirtschaftlich“ wäre, im Laufe der Evolution zwar intakte, aber funktionslos gewordene Organe zu besitzen und mit Nährstoffen, Sauerstoff etc. zu versorgen, bringt die Rückbildung eines Organs einen Selektionsvorteil. 14 Pferdefußknochen Mensch Maulwurf Pferd Fledermaus Vogel Wal Salamander 15 Vergleich der Vordergliedmaßen verschiedener Wirbeltiere Auch Maulwurf und Giraffe haben gemeinsame Vorfahren Vom Aussehen her würdest du sicher nicht annehmen, dass der kurzhalsige Maulwurf und die langhalsige Giraffe gemeinsame Vorfahren haben. Beim Vergleich der Halswirbelsäule kannst du jedoch Überraschendes feststellen. Beide haben – wie alle Säugetiere – je sieben Halswirbel. Auch Maulwurf und Giraffe sind also miteinander verwandt. Rudimentäre Organe sind ebenfalls Beweise für die Evolution Betrachtet man das Skelett des Pferdebeins ( Abb. 14), erkennt man eine stark ausgebildete Mittelzehe. Links und rechts des dritten Mittelfußknochens liegt je ein dünner, schwacher Knochen. Diese so genannten Griffelbeine sind dem zweiten und dem vierten Mittelfußknochen anderer Wirbeltiere homolog. Da sie für die Fortbewegung des Pferdes nicht notwendig waren, kam es im Lauf der Evolution zur Zurückbildung: Man spricht hier von so genannten rudimentären Organen. Rudimentäre Organe gibt es auch beim Menschen. So hatten unsere Vorfahren wahrscheinlich einen viel längeren Blinddarm als wir heute. Der größte Teil dieses Blinddarms ist zum Wurmfortsatz (Appendix) geschrumpft. Das Steißbein ist das Rudiment einer ehemaligen Schwanzwirbelsäule. Dass das Organ zwar noch vorhanden, allerdings funktionslos geworden ist, weist auf eine Rückbildung eines ursprünglich nützlichen Organs im Laufe der Zeit als Folge einer Anpassung an veränderte Bedingungen hin – ein Beweis für die Evolution. 1. Vergleiche die Skelette der Vordergliedmaßen in Abb. 15. Gib an, welche Farbe für welche Knochen steht. grün: gelb: violett: pink: hellrosa: 2. Überlege, welche Funktionen die ursprünglichen Organe hatten, aus denen der Appendix und das Steißbein als rudimentäre Organe hervorgingen. Du bist dran! Röhrbein (= dritter Mittelfußknochen) Griffelbein Zehenknochen Mittelfußknochen Fußwurzelknochen 114 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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