Begegnungen mit der Natur 4, Schulbuch

Veränderung des Erbmaterials Manche Gene fehlen auf dem Y-Chromosom X- und Y-Chromosomen bestimmen nicht nur das Geschlecht ( S. 109). Auf ihnen befinden sich auch andere Gene. Da das Y-Chromosom kürzer ist, fehlen auf ihm Gene, die am X-Chromosom vorkommen. Das bedeutet, dass beim Mann – er besitzt ein Y- und ein X-Chromosom – nicht alle Erbanlagen doppelt vorhanden sind. Normalerweise stellt dies kein Problem dar, da alle benötigten Informationen im X-Chromosom vorliegen. Tritt allerdings in einem solchen Gen eine Mutation auf, können unter Umständen bestimmte Körperfunktionen beeinträchtigt werden. Ein Beispiel dafür sind Gene, die die Information für die Produktion bestimmter Blutgerinnungsfaktoren ( S. 48) enthalten. Sie befinden sich am X-Chromosom. Mutieren diese Gene, können die zur Blutgerinnung notwendigen Proteine nicht produziert werden: der Betroffene leidet an der Bluterkrankheit. Die mutierten „Blutgerinnungsgene“ sind rezessiv. Das heißt, dass eine Frau mit einem „Bluter-Allel“ gesund ist, da sie auf dem zweiten X- Chromosom ein intaktes dominantes „Blutgerinnungsallel“ hat. Die betreffende Frau ist allerdings Anlagenträgerin, das heißt, sie kann das „Bluter-Allel“ vererben ( Abb. 18). Da am Y-Chromosom das „Blutgerinnungsgen“ fehlt, ist ein Mann mit einem „Bluter-Allel“ Bluter. Es ist kein intaktes „Blutgerinnungsallel“ vorhanden, das sich gegen das „Bluter-Allel“ durchsetzt ( Abb. 19). Mutationen können auch positive Auswirkungen haben Durch Mutationen entstehen neue Merkmale bzw. Eigenschaften. Nicht immer sind sie ein Nachteil für das betroffene Lebewesen. Manche Mutationen bleiben wirkungslos, manche aber haben sogar positive Auswirkungen. Ohne Mutationen gäbe es keine Evolution ( Begegnungen mit der Natur, Band 3). Modifikationen werden nicht vererbt Du weißt bereits, dass die Entwicklung unseres Körpers, seine Funktion und unser Wesen von den Genen bestimmt werden. Neben den Genen spielen aber auch äußere Einflüsse eine Rolle. So kannst du zum Beispiel durch gezieltes Training Muskeln aufbauen. Da diese veränderten Körpermerkmale nicht genetisch verankert sind, werden sie auch nicht an die Nachkommen weitergegeben. Solche Veränderungen aufgrund von Umwelteinflüssen nennt man Modifikationen. 18 Vererbung der Bluterkrankheit; Mutter ist Anlagenträgerin Bluterkrankheit Blutgerinnungsstörung, bei der Blutungen gar nicht oder nur sehr langsam zum Stillstand kommen, da Blutgerinnungsfaktoren fehlen. Modifikationen modifare (lat.) = umformen 19 Vererbung der Bluterkrankheit; Vater ist Bluter 20 Vererbung der Bluterkrankheit; Vater ist Bluter 1. In sehr seltenen Fällen ist die Bluterkrankheit auch bei Frauen möglich. Erkläre unter welchen Voraussetzungen dies eintreten kann. Fülle dazu die blauen Kästchen in Abb. 20 aus. Rot markiert ist das bluterkranke Mädchen. 2. Die Rot-Grün-Farbsehschwäche und der frühzeitige Haarausfall werden genauso vererbt wie die Bluterkrankheit. Kläre dazu ab, a) ob ein Sohn rot-grün-farbsehschwach sein, wenn sein Vater rot-grün- farbsehschwach ist und seine Mutter keine Anlagenträgerin. Erstelle dazu ein Kreuzungsschema (Xf = mutiertes Gen, das zu Farbsehschwäche führt). b) ob Enkelsöhne frühzeitigen Haarausfall zeigen können, wenn der Großvater mütterlicherseits auch davon betroffen war. Erstelle dazu ein Kreuzungsschema (Xh = mutiertes Gen, das zu frühzeitigem Haarausfall führt). Du bist dran! Mutter (Anlagenträgerin) Sohn Sohn (Bluter) Tochter Tochter (Anlagenträgerin) Vater XY XXb XY XbY XX XXb Mutter Sohn Sohn Tochter (Anlagenträgerin) Tochter (Anlagenträgerin) Vater (Bluter) XbY XX XY XY XXb XXb Mutter Sohn Sohn Tochter Tochter (Bluterin) Vater 115 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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