Sprachräume, Deutsch für die AHS-Oberstufe, Maturatraining

Stefan Schäfer | Johann Stangel Sprachräume Sprach räume Maturatraining

Sprachräume Maturatraining Schulbuchnummer: 185732 Mit Bescheid des Bundesministeriums für Bildung vom 28. Dezember 2017, GZ BMB-5.018/0035-IT/3/2017, gemäß § 14 Absatz 2 und 5 des Schulunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 472/86, und gemäß den derzeit geltenden Lehrplänen als für den Unterrichtsgebrauch für die 7.−8. Klasse an allgemein bildenden höheren Schulen − Oberstufe im Unterrichtsgegenstand Deutsch (Lehrplan 2017) geeignet erklärt. Liebe Schülerin, lieber Schüler, Sie bekommen dieses Schulbuch von der Republik Österreich für Ihre Ausbildung. Bücher helfen nicht nur beim Lernen, sondern sind auch Freunde fürs Leben. Kopierverbot Wir weisen darauf hin, dass das Kopieren zum Schulgebrauch aus diesem Buch verboten ist – § 42 Abs. 6 Urheberrechtsgesetz: „Die Befugnis zur Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch gilt nicht für Werke, die ihrer Beschaffenheit und Bezeichnung nach zum Schul- oder Unterrichtsgebrauch bestimmt sind.“ 2. Auflage (Druck 0003) © Österreichischer Bundesverlag Schulbuch GmbH & Co. KG, Wien 2017 www.oebv.at Alle Rechte vorbehalten. Schulbuchvergütung/Bildrechte ©Bildrecht GmbH/Wien 2017 Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, gesetzlich verboten. Redaktion: Mag. Elke Fuger, Wien Herstellung: Pia Moest, Wien Umschlaggestaltung und Layout: Petra Michel, Gestaltung & Typografie, Essen Satz: Mag. Adam Silye, Wien Druck: Samson Druck GmbH, St. Margarethen ISBN 978-3-209-08872-7 (Sprachräume OS MT) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

www.oebv.at Sprach Räume Stefan Schäfer | Johann Stangel Maturatraining Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

2 Zur Arbeit mit diesem Buch: Mit Hilfe dieses Matura-Trainingbandes können Sie sich gezielt auf Ihre schriftliche Maturaprüfung vorbereiten – durch: ƒƒeine schrittweise Anleitung zum Erwerb aller relevanten Fähigkeiten (= Teilkompetenzen): Lesetechniken einsetzen, argumentieren, Sprache und Stil untersuchen und beschreiben, Sachtexte und nichtlineare Texte auswerten und analysieren, Kontexte ermitteln, Aufgabenstellung erfassen, Texte planen, zitieren, paraphrasieren, Interpretationshypothesen entwickeln sowie Texte inhaltlich und sprachlich überarbeiten. ƒƒeine ausführliche Darstellung der zu verfassenden Textsorten mit einer entsprechenden Schreibanleitung; ƒƒMuster-Maturaaufgaben, die Sie bearbeiten und anhand vollständig ausgearbeiteter Musterlösungen überprüfen können. Mit Ausnahme des Auftakt- und der beiden Schlusskapitel sind alle „Sprachräume-Kapitel“ gleich aufgebaut: Nach einem Text- und Materialteil zu einem bestimmten Thema finden Sie im ersten Abschnitt Aufgaben, die Sie zum Erwerb bestimmter Teilkompetenzen führen; diese Teilkompetenzen sind natürlich auch übersichtlich in Wissensboxen dargestellt. Im zweiten Abschnitt des Kapitels wird in einer Wissensbox jeweils eine Textsorte dargestellt; Aufgaben unterstützen Sie beim Erarbeiten dieser Textsorte und geben Ihnen Hilfestellungen für das Schreiben. Der dritte Abschnitt besteht schließlich aus Muster-Maturaaufgaben, d. h. zwei voneinander unabhängigen Aufgabenstellungen. Die verschiedenen Kapitel bauen aufeinander auf, denn die Muster-Maturaaufgaben berücksichtigen immer sowohl die im laufenden Kapitel dargestellte als auch die im vorhergehenden Kapitel erarbeitete Textsorte. Deshalb gibt es im Auftakt-Kapitel auch noch keine Muster-Maturaaufgabe und im vorletzten Kapitel wird keine neue Textsorte mehr eingeführt. Dieser Aufbau verlangt auch, dass Sie bei der Bearbeitung des Bandes der vorgegebenen Reihenfolge folgen; dies erleichtert Ihnen dann aber das gezielte Wiederholen und Üben, weil Sie punktgenau auf Textsorten oder Kompetenzen zurückgreifen können. Bei der schriftlichen Deutsch-Matura erhalten Sie drei Pakete mit jeweils zwei voneinander unabhängigen Aufgabenstellungen, von denen Sie dann ein Paket auswählen und erarbeiten. Ein solches Paket finden Sie im Schlusskapitel; dort wird auch erklärt, wie die Pakete aufgebaut sind und wie Sie am besten das für Sie passende Aufgaben-Paket auswählen können. Vieles von dem, was Sie im Matura-Trainingband dargestellt finden, wird Ihnen dabei gar nicht neu sein, denn Sie haben in den Bänden 1 bis 3 der „Sprachräume“ schon viel Wichtiges gelernt. Dieses Wissen können Sie hier vertiefen, in neuen Zusammenhängen erproben und sich damit gezielt auf eine erfolgreiche Maturaprüfung vorbereiten. So funktionieren die Online-Codes: Um zu den Musterlösungen zu kommen, gehen Sie auf www.oebv.at und geben Sie dort im Suchfeld den Online-Code ein, der am Anfang des entsprechenden Kapitels mit diesem Symbol 654321 abgedruckt ist. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

3 Argumentationskompetenz Schriftliche Kompetenz Textkompetenz Interpretationskompetenz Sprachreflexion Sachkompetenz Inhalt sprachraum 1 Digitale Lebenswelt – Lesetechniken erarbeiten 6 Textsorte: Zusammenfassung Johannes Kuhn: Reale Träume von der virtuellen Welt (Sachtext/Zeitungsartikel) Thomas Hödlmoser/Christian Resch: Gesichert für die Ewigkeit? (Sachtext/Zeitungsartikel) sprachraum 2 Flucht – Argumentieren 12 Textsorte: (Offener) Brief Gerald John: Wenn der „Ansturm“ der „Asylanten“ losbricht (Sachtext/Zeitungsartikel) „Asylant“ und Co: „Dann darf ich das Wort eben nicht verwenden“ (Interview) Umfrage zur Flüchtlingssituation in Österreich (Diagramm) Thomas Hödlmoser: Schicksale (Sachtext/Zeitungsartikel) Hans Christian Andersen: Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern (Kunstmärchen) Matura-Aufgabe: Offener Brief Matura-Aufgabe: Zusammenfassung sprachraum 3 Unterwegs und zuhause – Sprache und Stil untersuchen und beschreiben 22 Textsorte: Textanalyse Kurt Tucholsky: Die Kunst, falsch zu reisen (Satire) Robert Walser: Der verlorene Sohn (Erzählung/Parabel) Andrea Sailer: 14 Tage Griechenland (Gedicht) Gottfried Benn: Reisen (Gedicht) Matura-Aufgabe: Textanalyse Matura-Aufgabe: Offener Brief sprachraum 4 Glück – Sachtexte und nichtlineare Texte auswerten 32 Textsorte: Kommentar Marcus Rohwetter: Fühl dich gut zum kleinen Preis (Sachtext/Zeitungsartikel) András Szigetvari: Suche nach dem Index für Lebensqualität (Sachtext/Zeitungsartikel) Was Österreicher glücklich macht (Diagramm) Dalai Lama: Ratschläge des Herzens (Essay) Matura-Aufgabe: Kommentar Matura-Aufgabe: Textanalyse sprachraum 5 Wissenschaft und Verantwortung – Bilddominierte Materialien auswerten 40 Textsorte: Erörterung Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker (Drama) Herfried Münkler: Sicherheit und Risiko (Essay) Michael Holtschulte: Kopftransplantation (Karikatur) Pränataler Screeningtest (Anzeige) Matura-Aufgabe: Erörterung Matura-Aufgabe: Kommentar Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

4 Argumentationskompetenz Schriftliche Kompetenz Textkompetenz Interpretationskompetenz Sprachreflexion Sachkompetenz spraChrauM 6 Ökologie – Kontexte ermitteln 48 Textsorte: Leserbrief Dürs Grünbein: Belebter Bach (Gedicht) Ingeborg Bachmann: Freies Geleit (Gedicht) Salzburger Nachrichten: Die Menschen verprassen ihre Ressourcen (Sachtext/Zeitungsartikel) Der Standard: Studie: Ersatz von Palmöl kann Umweltprobleme verschärfen (Sachtext/Zeitungsartikel) Palmöl – Nutzung weltweit (Diagramm) Johannes Lau: Strahlenwarnung für die Menschen der Zukunft (Sachtext/Zeitungsartikel) Matura-Aufgabe: Leserbrief Matura-Aufgabe: Erörterung spraChrauM 7 Ich und die anderen – Aufgabenstellungen erfassen, Texte planen 56 Textsorte: Meinungsrede Manfred Perterer: Warum dürfen wir nicht so leben, wie wir wollen? (Sachtext/Zeitungsartikel) Heinrich Heine: Lyrisches Intermezzo (Gedicht) Joesi Prokopetz: Der Plan (Rede) Liberté (Cartoon) Matura-Aufgabe: Erörterung Matura-Aufgabe: Meinungsrede spraChrauM 8 Ungehorsam, Entrüstung, Widerstand – Interpretationshypothesen entwickeln 66 Textsorte: Empfehlung Stéphane Hessel: Empört euch! (Essay) Werner Wintersteiner: Empört euch! (Kommentar) Erich Fried: Die Abnehmer (Gedicht) Peter Turrini: Das Nein (Gedicht) Gioconda Belli: Niemand sucht aus (Gedicht) Eduardo Galeono: Das Recht zum Träumen (Essay) Matura-Aufgabe: Meinungsrede Matura-Aufgabe: Empfehlung spraChrauM 9 Liebe – Texte überarbeiten 74 Textsorte: Textinterpretation Trude Marzik: Allaan bist gar nix (Gedicht) Oliver Trenkamp: Jugendstudie: Keusche Kuschler (Sachtext) Jagoda Marinić: Ausgestochen (Kurzgeschichte) Bertolt Brecht: Liebe zu wem? (Parabel) Johann Wolfgang von Goethe: Mailied (Gedicht) Matura-Aufgabe: Empfehlung Matura-Aufgabe: Textinterpretation Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

5 Argumentationskompetenz Schriftliche Kompetenz Textkompetenz Interpretationskompetenz Sprachreflexion Sachkompetenz sprachraum 10 Erziehung – Zitieren, Paraphrasieren 82 Martina Leibovici-Mühlberger: Ein Appell an die besonnenen Kräfte (Sachtext) Werner Kofler: Lernprozesse (Kurzgeschichte) Amy Chua: Die Mutter des Erfolgs. Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte (Sachtext) Matura-Aufgabe: Textinterpretation Matura-Aufgabe: Zusammenfassung sprachraum 11 Ein Matura-Aufgabenpaket bearbeiten 88 Glossar wichtiger Fachbegriffe für die Analyse von literarischen Texten 91 Textquellenverzeichnis, Bildquellenverzeichnis U3 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

SprAChrAuM 1 Digitale Lebenswelt 6 Digitale Lebenswelt Eigentlich, so sollte man meinen, kann es nur eine Realität, nur eine Lebenswelt geben – die natürliche. Moderne Medien erlauben aber zugleich andere, digital erweiterte oder ausschließlich digitale Realitäten. 27n7kn Sprachraum 1 Johannes Kuhn: Reale Träume von der virtuellen Welt Was zwischen den Gipfeln der Zukunft und den Niederungen der Gegenwart liegt, misst John Carmack in knappen Sätzen aus. „Ich kann mir eine Welt vorstellen, in der eine Milliarde Menschen Virtual-Reality-Helme nutzen“, beginnt der Oculus-Technikchef seinen Auftritt auf der Game Developers Conference (GDC) in San Francisco. Eine Weile später allerdings wundert er sich, „dass es nicht mehr Youtube-Videos gibt, auf denen Menschen mit Samsung Gear beim Kotzen zu sehen sind.“ Dass manchem der Sprung in die virtuelle Realität (VR) körperlich übel bekommt, ist nicht alleine das Problem der durch Oculus angetriebenen Samsung-Brille Gear VR. Und es ist nicht das einzige Problem, dass die Branche bei der Erschaffung einer komplett digitalen Umgebung zu bewältigen hat. Die Spiele-Entwickler aus aller Welt, die in dieser Die Euphorie auf der GDC war dennoch deutlich spürbar, Branchenvertreter vergleichen die Gegenwart immer wieder mit den Anfangszeiten des iPhones. Die VR-Technik hat in den vergangenen zwölf Monaten große Fortschritte gemacht, wie die Demo-Anwendungen zeigen: Nutzer können unter dem Datenhelm nun ein Basketball-Spiel der NBA am Spielfeldrand verfolgen, am Strand sitzen und den Wellen zuhören oder sich von einem Dinosaurier erschrecken lassen – und das so realitätsnah, dass reale Woche auf der GDC zusammenkamen, stehen derzeit vor einer existentiellen Frage: Für welches System sollen sie ihre Programme entwickeln? Das inzwischen zu Facebook gehörende Oculus galt lange als Platzhirsch. Doch weil die angekündigte PC-Brille Oculus Rift – offiziell dem Perfektionismus der Entwickler geschuldet − noch nicht in Sicht ist, wittert die Konkurrenz ihre Chance. […] Die Aufspaltung des Marktes ist theoretisch eine gute Nachricht für Konsumenten, allerdings steigt das Risiko, dass die hohen Erwartungen durch unfertige Systeme enttäuscht werden. „Wir haben Angst, dass ein wirklich schlechtes VR-Produkt erscheint und die Branche zurück in die Neunziger katapultiert“, warnte Carmack, der als Entwickler von Klassikern wie Doom, Quake und Wolfenstein einen legendären Status genießt. und virtuelle Welt auf den ersten Blick kaum auseinanderzuhalten sind. Die wenige Minuten langen Ausschnitte sagen allerdings noch nichts darüber aus, wie komplex die digitalen Umgebungen der ersten Generation wirklich sein werden. Um einen dreidimensionalen Raum zu erschaffen, muss ein Computer für jedes Auge ein eigenes Bild berechnen. Je detaillierter die digitale Umwelt und je stärker der Datenbrillen-Träger den Kopf bewegt, desto höher der Rechenaufwand und 2 4 6 8 10 12 14 16 36 38 40 42 44 18 20 22 24 26 28 30 32 34 46 48 50 52 54 Virtual Reality vs. Augmented Reality Während die „Virtual Reality“ das komplette Abtauchen in eine digitale Umgebung bedeutet, verschmelzen in der „Augmented Reality“ physische und digitale Welt miteinander durch dreidimensionale Einblendungen. Entsprechende Smartphone-Anwendungen existieren, konnten sich aber nicht durchsetzen; Googles Datenbrille Glass floppte. Microsoft stellte mit Hololens jüngst eine eigene Datenbrille vor, ist aber nur einer von vielen Akteuren. Die Faustregel: Während Virtual Reality für den Unterhaltungssektor ist, findet Augmented Reality in der Geschäftswelt Anwendung – zum Beispiel können sie Ärzte bei Operationen unterstützen oder Entwicklungs- teams im Büro 3-D-Modelle von Prototypen vor Augen führen. 2 4 6 8 10 12 14 16 Textkompetenz Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

7 Thomas Hödlmoser/Christian Resch: Gesichert für die Ewigkeit? „iezt wünsch ich eine gute nacht, scheissen sie ins beet daß es kracht; schlafens gesund, reckens den arsch zum mund, ich gehe izt nach schlaraffen, und thue ein wenig schlaffen.“ So schrieb ein junger Mann mit dem Namen Wolfgang Amadé Mozart im November 1777 an seine Cousine, das „bäsle häsle“ in Augsburg. Den Vorgängen im menschlichen Verdauungstrakt räumte Mozart, „Edler von Sauschwanz“, in seinen Briefen an die Cousine viel Platz ein. Es wäre ein Jammer, hätte er schon ein Handy besessen – die Nachwelt wüsste nichts von den schelmischen Sprüchen, die das Musikgenie während der Reise nach Paris zu Papier brachte. Denn heute würde sich Mozart wohl via SMS mit dem „Bäsle“ austauschen – und allzu freche digitale Nachrichten beizeiten wieder löschen. Schließlich wird jetzt so gut wie alles digital mitgeteilt. Die Liebeserklärung kommt via SMS – und wird gelöscht, bevor sie der Ehepartner auf dem Handy entdeckt. Die Ansichtskarten, die früher jahrelang die Pinnwände der Büros zierten, sind verschwunden, weil Fotos aus dem Urlaub über WhatsApp verschickt werden. Briefe schreibt kaum noch jemand, dafür umso mehr E-Mails. Letztgenannte werden spätestens dann in Bausch und Bogen gelöscht, wenn das Postfach voll ist. Wer nicht aufpasst und E-Mails die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Verzögerungen kommt − jenes Phänomen, das Nutzer buchstäblich zum Kotzen finden. Gerade die Smartphone-Anwendungen dürften deshalb weniger opulent daherkommen, und dennoch viel Rechenkraft benötigen, sodass Handy-Batterien in Rekordzeit ausgesaugt werden. Ein anderes ungelöstes Problem in der VR-Welt liegt unterhalb des Halses – denn bislang gibt es noch kein Patentrezept, um Körperbewegungen dort abzubilden. In einigen Prototypen-Anwendungen bewegt sich der Nutzer noch per Konsolen-Controller, ein ziemlich altbackenes Rezept für die neuen Wunderwelten. Die Alternativen sind vielfältig und haben neue Hardware-Hersteller auf den Plan gerufen: Eine Firma mit dem Namen Optitrack bietet Tausende Dollar teure Kamera-Systeme an, die Nutzer-Bewegungen minutiös verfolgen, aber viel Platz brauchen. Das Hongkonger Startup Perception Neuron verkauft eine Art Sensoren-Überwurf inklusive Datenhandschuh, der die Bewegungen überträgt. Virtuix Omni sieht wie ein Fitnessgerät aus, es umschließt die Hüften des Spielers lässt ihn auf der Stelle laufen, damit er in der virtuellen Welt vom Fleck kommt. Und HTC-Partner Valve hat mit Lighthouse ein System mit besonderer Relevanz nicht zuvor sichert, eliminiert möglicherweise wertvolle Inhalte per Mausklick. Fotos von Familienfeiern und Ausflügen waren früher eine Besonderheit. Jeder Film kostete bares Geld, umso mehr Mühe gab man sich deshalb beim Fotografieren, umso genauer wurde jedes Bild ausgewählt, ins Fotoalbum geklebt und dann fein säuberlich mit einem Bildtext versehen. Heute wird zu jeder Zeit alles festgehalten. Es gibt eine Unmenge an Fotos, die dann unbeachtet irgendwo auf einer Festplatte versteckt schlummern. „Ich habe meine Diplomarbeit 1994 auf Diskette gespeichert. Jetzt passt die Diskette in keinen Computer mehr.“ „Nein, dieses Handyfoto von unserem Ausflug hab ich nicht mehr, weil das Handy kaputt gegangen ist.“ „Die ersten Worte unserer Kinder? Die können wir nicht mehr abspielen – das Aufnahmegerät hat den Geist aufgegeben und die Kassette passt in neue Geräte nicht mehr rein.“ Solche Sätze hört man immer öfter. Im Alltag hat man den Eindruck, als würde die fortschreitende Technik langfristig dazu führen, dass von uns weit weniger in Erinnerung bleiben wird als von den Generationen vor uns, die Briefe, Tagebücher und angekündigt, das die Bewegungen von Datenhelm-Trägern per Laser vermisst. Womöglich aber spielt der Bewegungs-Faktor in der virtuellen Welt eine weniger große Rolle, als viele derzeit glauben. „Gamer müssen endlich aufhören zu glauben, dass das ihre Technologie ist“, sagt der Spielkultur-Experte Jamin Warren, der die Seite Kill Screen betreibt. „Womöglich werden die Menschen in der virtuellen Realität ästhetisch anspruchsvolle Rückzugsorte suchen.“ Statt durch 3-D-Umgebungen zu hetzen, könnten Menschen die Technologie für Sport-Übertragungen, den Besuch virtueller Reiseziele oder dreidimensionale Videochats nutzen. Und auch die von Oculus-Technikchef Carmack beschriebene weltweite Verbreitung der Datenbrillen hängt von Gerätepreisen, Breitband-Durchdringung der Entwicklung unverzichtbarer Anwendungen und nicht zuletzt einer weniger klobigen Form der Datenbrillen ab. Entsprechend liegen die Marktprognosen für das Jahr 2018 je nach Optimismus weit auseinander – die Schätzungen gehen von einer bis zu sieben Milliarden US-Dollar. (Süddeutsche Zeitung, 06.03.2015; Auszug) 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 82 84 86 88 90 92 94 96 98 100 102 Textkompetenz Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

SprAChrAuM 1 Digitale Lebenswelt 8 Schwarz-Weiß-Fotos hinterlassen haben. Was also bleibt von uns? Diese Frage beschäftigt mittlerweile Wissenschafter auf der ganzen Welt. „Digitales Vergessen“ nennen sie das Phänomen – das verbunden ist mit der diffusen Angst, wir könnten einem neuen, „dunklen Zeitalter“ entgegengehen. Ganz ähnlich der Zeit nach dem Untergang des Imperium Romanum, aus der Historiker kaum schriftliche Quellen haben, eine quasi ahistorische Zeit. Und eine Gesellschaft, die ihre Vergangenheit verloren hat, sei, so die Befürchtung, nicht fähig für eine blühende Zukunft. „Das ist ein Kulturpessimismus, den ich verstehe, aber nicht teile“, sagt dazu Holger Simon. Der Kunsthistoriker und Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen hat sich die Erhaltung unserer Kulturgüter und deren Sicherstellung in der digitalen Zeit zur Lebensaufgabe gemacht. So entwickelte er an der Uni Köln das Bildarchiv Prometheus sowie das Digitale Historische Archiv Köln. Eines bestätigt Simon aber sofort: „Die digitale Transformation verändert alles.“ Simon sieht aber nicht Gefahren, Abstieg und Kulturverlust, sondern ungeahnte Chancen: „Daten so effektiv zu speichern wie heute, das konnten wir in der Weltgeschichte noch nie. Und: Noch nie hatten wir diese unglaublichen Möglichkeiten, auf diese Riesenmenge an Daten schnell und effektiv zuzugreifen.“ Simon nennt das Beispiel eines Archivars in der antiken Bibliothek zu Alexandria. Dieser habe nie alle 500.000 Schriftrollen dort lesen oder auch nur sichten können. Und er sei machtlos gewesen, als das Gebäude samt Bestand mehrfach in seiner Geschichte ein Raub der Flammen wurde. Heute könnte besagter Archivar über Suchsysteme auf alles Wissen zugreifen. Daten würden dezentral auf Servern und Computern in der „Cloud“ gespeichert – und würden nie durch ein Einzelereignis wie Brand oder Krieg zerstört. Simons Kernthese lautet daher: „Das digitale Buch ist langlebiger als das analoge.“ Was am 3. März 2009 in Köln passierte, scheint diese These zu bestätigen: An diesem Tag stürzte das Stadtarchiv ein, eines der wichtigsten europäischen Kommunalarchive, das Stadtgedächtnis von Köln. 30 Regalkilometer an Archivmaterial wurden verschüttet. Mehr als tausend Jahre Stadt-, Regional und Kirchengeschichte lagen unter Schutt, unter Trümmern und im Wasser – Urkunden, Testamente, Handschriften, Originale von Albertus Magnus, Napoleon, Giuseppe Verdi, Heinrich Böll und vielen anderen. Es war die größte Kulturgut-Katastrophe in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Die geborgenen Bestände liegen noch immer in mehreren „Asyl-Archiven“ in Deutschland, sie werden nach und nach in ein zentrales Sammelmagazin nach Düsseldorf gebracht. Was schwerer wiegt: 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind noch Jahrzehnte damit beschäftigt, das Archivgut zu restaurieren und wieder in einen Bestandszusammenhang zu bringen. „30, 40 Jahre brauchen wir für den Abschluss der Arbeiten“, sagt Archivdirektorin Bettina Schmidt-Czaia. „Unser Anspruch ist, dass alles, was geborgen ist, gerettet wird – und sei es als Fragment.“ Die historischen Schätze werden aber nicht nur restauriert, sondern allesamt auch digitalisiert. So sollen sie vor Unfällen und dem Zahn der Zeit geschützt werden, der an alten Quellen nagt. Außerdem wird auf diese Weise der Zugang der Bürger zu den Beständen erleichtert, da sich der Weg in die Bibliothek erübrigt. Die Digitalisierung sei ein wichtiger Schritt hin zu einem „Bürgerarchiv“, sagt Schmidt-Czaia. Ähnlich sieht man das in der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB). Generaldirektorin Johanna Rachinger spricht von einer „Demokratisierung des Zugangs zum Wissen“. Denn mit der Digitalisierung von historischen Quellen sei auch die Zahl der Nutzer erheblich gestiegen. „Seitdem greifen wesentlich mehr Menschen darauf zu“, sagt Rachinger. In den Lesesälen der Nationalbibliothek seien pro Tag rund 800 Personen. „Beim Projekt ,Anno‘ haben wir täglich 3000 Leser.“ „Anno“ – das ist der digitale Zeitungslesesaal der Nationalbibliothek. Mehr als 15 Millionen Seiten von Zeitungsausgaben sind dort bereits gespeichert. Das älteste Blatt, das online von jedem Ort der Welt eingesehen werden kann, stammt aus dem Jahr 1568. Die digitalisierten historischen Quellen würden künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen. „Was in Zukunft nicht online ist, wird nicht mehr wahrgenommen werden“, sagt Rachinger. In der Nationalbibliothek werden neben Zeitungen auch historische Postkarten und Bilder archiviert. Sogar das Wissen im Netz wird gesammelt: Ein Mal in zwei Jahren gibt es eine Web-Archivierung, bei der Inhalte aller Seiten der at-Domain in einer Momentaufnahme gespeichert werden. Archiviert werden überdies elektronische Publikationen – etwa EBooks oder wissenschaftliche Zeitschriften, die nur online erscheinen. Und wie lange bleibt all das erhalten? Sind digitalisierte Daten so langlebig wie Papyrus oder Pergament? „Wir gehen davon aus, dass wir die digitalen Daten langfristig archivieren können“, sagt Rachinger. „Wir denken in Ewigkeitskategorien.“ Freilich: Hier sprechen Wissenschafter, Profis in Fragen der Archivierung, die entsprechend auf staatliche Ressourcen und damit auf das Geld des Steuerzahlers zugreifen können. Ganz anders verläuft der Kampf gegen das „digitale Vergessen“, wenn ihn Menschen im Alltag führen müssen. Gewiss, ihre Hinterlassenschaften mögen nicht von historischer Bedeutung sein. Oder manchmal vielleicht doch? „Was der deutsche Soldat aus Kunduz an seine Familie mailt, wer wird das in zweihundert Jahren noch lesen können?“, fragt etwa Paul Klimpel. Der Jurist, Philosoph und Kulturmanager beschäftigt sich seit Jahren mit den Folgen der Digitalisierung für Kultur 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96 98 100 102 104 106 108 110 112 114 116 118 120 122 124 126 128 130 132 134 136 138 140 142 144 146 148 150 152 154 156 158 160 162 164 166 168 Textkompetenz Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

9 Lesetechniken erarbeiten Formulieren Sie Ihre Erwartungen, die Sie an einen Zeitungstext mit der Überschrift „Reale Träume von der virtuellen Welt“ haben. 1.1 Lesen Sie nun den Text „Reale Träume von der virtuellen Welt“ (zunächst ohne den Infokasten „Virtuell Reality vs. Augmented Reality“). Suchen Sie dann gemeinsam mit Ihrem Sitznachbarn/Ihrer Sitznachbarin im Text die Stellen, die die Bedeutung der folgenden Wörter bzw. Ausdrücke verdeutlichen. virtuelle Realität (Z. 11) existentiell (Z. 19) Euphorie (Z. 35) a b c Lesen Sie nun den Infokasten „Virtuell Reality vs. Augmented Reality“ und lösen Sie das folgende Satzgefüge in einzelne Hauptsätze auf. Achten Sie dabei darauf, dass Sie zusammengehörende Informationen in einem Satz bündeln. Die Faustregel: Während Virtual Reality für den Unterhaltungssektor ist, findet Augmented Reality in der Geschäftswelt Anwendung – zum Beispiel können sie Ärzte bei Operationen unterstützen oder Entwicklungsteams im Büro 3-D-Modelle von Prototypen vor Augen führen. 1.2 1.3 und Kulturbetriebe. „Es ist eine Tatsache, dass 80 Prozent aller Internetlinks nach 20 Jahren tot sind“, sagt er. „Der große Unterschied ist: Früher musste man etwas einfach nur nicht wegwerfen, um es zu erhalten. Heute muss man ganz konkrete Schritte setzen, um die Vernichtung zu verhindern.“ Wer will, dass seine gelöschten E-Mails nicht auf ewig verloren sind, muss dafür sorgen, dass sie im Papierkorb des E-Mail-Faches erhalten bleiben. Wer ein SMS sucht, nachdem es versehentlich gelöscht worden ist, muss diese über die Handysoftware-Anbieter, zum Beispiel Microsoft oder Apple, sichern. Das ist freilich alles weitaus aufwendiger und umständlicher, als einen Brief in einem Schrank aufzubewahren, wie es früher üblich war. Daten auf neue Speicher zu überführen, zu archivieren, umzuformatieren, damit seien „Normalmenschen“ oft überfordert, sagt Klimpel. Auch das maßlose Vertrauen in die Speicherkapazität des Netzes an sich, in die „Cloud“, teilen Kritiker wie Klimpel nur bedingt: „Wer sagt, dass es den Provider und seine Server in 20 Jahren noch gibt? Und erst in 200 Jahren?“ (Salzburger Nachrichten, 04.06.2016) 170 172 174 176 178 180 182 184 186 188 190 Erschließen Sie sich den Text „Reale Träume von der virtuellen Welt“ (vgl. die Schritte 4 und 5 in der Wissensbox) inhaltlich. Gliedern Sie den Text in Sinnabschnitte und fassen Sie diese Abschnitte knapp zusammen. Arbeiten Sie in Ihrem Heft. 1.4 Schriftliche Kompetenz Textkompetenz Interpretationskompetenz Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

SprAChrAuM 1 Digitale Lebenswelt 10 Beim Erschließen von Texten können Sie so vorgehen: Schritt 1: Leseerwartung formulieren: Ausgehend von der Überschrift, dem Autor/der Autorin, der Textsorte und dem Leseanlass klären: Welche Informationen kann der Text enthalten? Was will ich von dem Text wissen? Was könnte die Absicht des Textes sein? Schritt 2: Text genau lesen, schwierige oder noch unverständliche Textstellen markieren Schritt 3: Leseklippen überwinden - Bei schwierigen oder unbekannten Wörtern suchen Sie im Text nach Stellen, die Hinweise auf die mögliche Bedeutung enthalten, und erschließen so die Bedeutung. Die meisten Wörter lassen sich so klären. - Komplexe Sätze können Sie vereinfachen, indem Sie das Gefüge in mehrere Teilaussagen zerlegen. Schritt 4: Inhaltsfragen an den Text richten: Beantworten Sie für sich aus dem Text heraus, worum es geht (wer, wo, was, wann, wie, warum, mit welchen Folgen). Schritt 5: Textmarkierungen vornehmen – Textmarkierungen sollen nicht nur helfen, wichtige Inhalte schnell wiederzufinden, sondern sollen auch die Textstruktur verdeutlichen. Neben Unterstreichungen sollte man deshalb auch mit Pfeilen (um Verbindungen zwischen Textstellen zu verdeutlichen) und unterschiedlichen Farben (für unterschiedliche Themen, Positionen, Begriffsfelder, …) arbeiten. Schritt 6: Bewertungsfragen an den Text richten: Welche Fragen werden beantwortet, welche dagegen nicht? Welche neuen Fragen ergeben sich aus dem Text? Welche Absicht verfolgt der Autor/die Autorin mit seinem/ ihrem Text? Überzeugen Aufbau/Struktur des Textes? Wie ist die Sprache des Textes? Schritt 7: Leseergebnisse schriftlich festhalten (z. B. in Form von Randspaltennotizen, als Tabelle …) Bewerten Sie den Text „Reale Träume von der virtuellen Welt“: Welches Ziel verfolgt der Autor Johannes Kuhn mit seinem Text? Tauschen Sie sich mit Ihren Mitschülerinnen und Mitschülern aus. Halten Sie für den Text „Gesichert für die Ewigkeit?“ die wesentlichen formalen Angaben (Autor/Autorin, Titel, Thema, …) in Form einer Aufzählung (Liste) fest. 1.5 1.6 Zusammenfassungen schreiben Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Informationen aus dem Text „Gesichert für die Ewigkeit?“ stichwortartig in der Reihenfolge, wie sie im Text vorkommen, dargestellt. Diskutieren Sie in kleinen Gruppen, wie sich die verschiedenen Informationen verknüpfen und gegebenenfalls weiter zusammenfassen lassen. Welche Informationen können vielleicht ganz gestrichen werden? Welche müssen präzisiert werden? Erstellen Sie in der gleichen Gruppe einen Schreibplan für eine Zusammenfassung. Stellen Sie im Plenum Ihre Gruppenarbeitsergebnisse vor und diskutieren Sie diese. a b c 1.7 1. Beispiel Mozart-Zitat, das überliefert ist, aber als SMS wohl verloren gegangen wäre 2. digital übermittelte Informationen (weitere Beispiele: SMS, Bild per WhatsApp, E-Mail) werden häufig bald gelöscht oder bleiben in der Masse an Informationen (z. B. Unmenge an Fotos auf der Festplatte) unbeachtet 3. drei konkrete Beispiele in Form von wörtlicher Rede für Fälle, in denen Speichermedien versagt haben 4. Beispiele könnten auf das Phänomen des „digitalen Vergessens“ hinweisen 5. Phänomen des „digitalen Vergessens“ könnte darauf deuten, dass die Menschen einem neuen „dunklen Zeitalter“ entgegengehen 6. Kunsthistoriker Holger Simon, der sich die Erhaltung von Kulturgütern zur Lebensaufgabe gemacht hat (Bildarchiv Prometheus und Digitales Historisches Archiv Köln), sieht in der Angst vor einem „dunklen Zeitalter“ Kulturpessimismus 7. Simon bestätigt: „Die digitale Transformation verändert alles.“ – sieht dies aber positiv (effektive Speichermöglichkeiten und guter Zugriff auf die Daten) 8. Beispiel: antike Bibliothek in Alexandria mit 500.000 Schriftrollen, die von einem einzelnen Menschen nicht gesichtet werden konnten – heute dagegen gibt es Suchsysteme 9. Dateien sind außerdem dezentral und in „Clouds“ gespeichert und deshalb weniger zerstörungsanfällig 10. These Simons: „Das digitale Buch ist langlebiger als das analoge.“ 11. Beispiel, das die These Simons bestätigt: Einsturz Argumentationskompetenz Schriftliche Kompetenz Textkompetenz Interpretationskompetenz Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

11 Zusammenfassungen können aus ganz unterschiedlichen Anlässen verfasst werden, sie können alleine einen Text bilden oder in andere Textsorten (z. B. in eine Buch-Rezension, eine Empfehlung, eine Filmkritik usw.) integriert werden. Wesentliche Merkmale der Textsorte sind: ƒƒZusammenfassungen enthalten alle wesentlichen Angaben über den zusammengefassten Text: Autor/ Autorin, Titel, Thema, Textsorte, Entstehungszeit und Umfang. ƒƒZusammenfassungen reduzieren die Informationen, Handlungsschritte, Aussagen usw. des Ausgangstextes um unwichtige bzw. weniger wichtige Details. ƒƒZusammenfassungen werden stets im Präsens verfasst. Dies gilt auch für Erzähltexte oder historische Berichte. ƒƒZusammenfassungen werden immer in einem sachlichen Stil und in der Standardsprache verfasst und enthalten keine persönliche Bewertung (es sei denn, sie wird in der Aufgabenstellung ausdrücklich verlangt). Beim Schreiben einer Zusammenfassung können Sie so vorgehen: Schritt 1: Ausgangstext erschließen (siehe oben) Schritt 2: Zusammenfassung planen – Achten Sie besonders auf: - Einleitung: Hier sollten auf jeden Fall bereits schon wesentliche Aussagen über den Text enthalten sein; suchen Sie, wenn möglich, nach Alternativen zum Standardsatz „In dem Sachtext X aus der Zeitung Y beschreibt Z, wie …“ - Schluss: Hier sollten Sie sich vor dem Schreiben im Klaren darüber sein, mit welcher Information Sie Ihren Text abschließen möchten. - Gliederung: In den meisten Fällen ist es sinnvoll, sich in der Gliederung der Zusammenfassung an der Gliederung des Ausgangstextes zu orientieren. Manchmal, insbesondere bei Sachtexten, finden sich im Ausgangstext aber auch thematische Sprünge, bei denen es nicht sinnvoll ist, sie in die Zusammenfassung zu übernehmen. - Inhalt: Prüfen Sie vor und während des Schreibens immer wieder, ob Sie den Ausgangstext wirklich ausreichend verkürzt wiedergeben. Die meisten Menschen neigen dazu, ausführlicher „zusammenzufassen“ als nötig. Schritt 3: Schreiben der Zusammenfassung – Achten Sie auf einen sachlichen, standardsprachlichen Stil. Schritt 4: Überarbeiten der Zusammenfassung, vgl. Sprachraum 9. des Stadtarchivs Köln im März 2009; 200 Menschen sind über Jahrzehnte damit beschäftigt, das Archivgut zu restaurieren. 12. Was in Köln gerettet werden kann, wird zugleich digitalisiert, um die Dokumente zu schützen 13. zugleich ermöglicht es die Digitalisierung, dass mehr Menschen Zugang zu den Informationen bekommen 14. Beispiel Projekt „Anno“ der Österreichischen Nationalbibliothek, das 15 Millionen Zeitungsseiten digitalisiert hat: Im Lesesaal seien pro Tag 800, im digitalen Lesesaal dagegen 3000 Leser 15. Österreichische Nationalbibliothek digitalisiert außerdem Postkarten, Bilder, alle Inhalte der atDomains sowie elektronische Publikationen 16. Zitat Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek Johanna Rachinger: „Wir denken in Ewigkeitskategorien.“ 17. Schwierig sei, so der Kulturmanager Paul Klimpel, die dauerhafte Digitalisierung von Informationen für den „Normalmenschen“ – heute reicht es nicht, etwas einfach nur aufzubewahren Bewerten Sie die folgende Einleitung in eine Zusammenfassung des Textes „Gesichert für die Ewigkeit?“ im Gespräch mit Ihren Mitschülerinnen und Mitschülern. In ihrem Hintergrundbericht „Gesichert für die Ewigkeit?“, der am 4. Juni 2016 in den Salzburger Nachrichten erschienen ist, gehen die beiden Autoren Thomas Hödlmoser und Christian Resch der Frage nach, wie Informationen im digitalen Zeitalter am dauerhaftesten gespeichert werden können, wobei sie an alltägliche Erfahrungen anknüpfen (gelöschte E-Mails, veraltete Speichermedien). 1.8 Verfassen Sie auf der Grundlage Ihrer Vorarbeiten (Aufgabe 1.6 und 1.7) sowie der Einleitung aus Aufgabe 1.8 eine vollständige knappe Zusammenfassung des Textes „Gesichert für die Ewigkeit?“ (zwischen 270 und 330 Wörter). Tauschen Sie anschließend Ihre Zusammenfassung mit der eines Mitschülers bzw. einer Mitschülerin aus und geben Sie sich gegenseitig Verbesserungstipps. 1.9 Schriftliche Kompetenz Textkompetenz Lesen Sie ggf. noch einmal den Text „Reale Träume von der virtuellen Realität“ von Johannes Kuhn und schreiben Sie selbstständig eine knappe Zusammenfassung dieses Textes (zwischen 270 und 330 Wörter). Sie können dabei auf Ihre Arbeitsergebnisse aus den Aufgaben 1.3 bis 1.5 zurückgreifen. 1.10 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Psychologie und Philosophie SB ISBN 978-3-209-08356-2 www.oebv.at Gerhard Donhauser W5318 09.10.2014 10:33:06 Psychologie und Philosophie SB ISBN 978-3-209-08356-2 www.oebv.at Gerhard Donhauser W5318 psyphsb_w5318_umschlag.indd 4-1 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Textquellenverzeichnis Sprachraum 1 S. 6: Johannes Kuhn: Reale Träume von der virtuellen Welt. Zitiert nach: http://www.sueddeutsche.de/digital/zukunft-der-datenbrillen-realetraeume-von-der-virtuellen-welt-1.2380700 (abgerufen am 12.09.2016). S. 7 ff.: Thomas Hödlmoser/Christian Resch: Gesichert für die Ewigkeit? − Salzburger Nachrichten vom 04.06.2016. Sprachraum 2 S. 12 f.: Gerald John: Wenn der „Ansturm“ der „Asylanten“ losbricht. − Der Standard, 13.11.2015. S. 13 f.: Interview von Maria Sterkl mit dem Sprachwissenschafter Anatol Stefanowitsch. − Der Standard vom 13.11.2015. S. 14: Thomas Hödlmoser: Schicksale. Salzburger Nachrichten vom 23.07.2016. Hans Christian Andersen: Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern. In: H. C. A.: Sämtliche Märchen. Übersetzt von Julius Reuscher. − Leipzig: Abel & Müller 1900. Sprachraum 3 S. 22: Kurt Tucholsky: Die Kunst, falsch zu reisen. Aus: Gesammelte Werke. Hg. von M. Gerold-Tucholsky u. Fritz J. Raddatz. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1989. Bd. 7 (1929). S. 117 f. (Orthografie angepasst). Robert Walser: Der verlorene Sohn. − Aus: R. W.: Das Gesamtwerk, Bd. 6. Hg. Von Jochen Greven. Genf/Hamburg: Kossodo Verlag 1966. S. 258−261. S. 24: Andrea Sailer: 14 Tage Griechenland. Aus: A. S.: Ohne Abschied. − Skizzen, Notizen, Betrachtungen. − Graz: Steirische Verlagsanstalt 2003. Gottfried Benn: Reisen. Aus: G. B.: Sämtliche Werke, Band I: Gedichte. − Stuttgart: Klett-Cotta 1986. S. 29 f.: Gleichnis vom verlorenen Sohn, Lukas 15 – Zitiert nach: http:// www.bibleserver.com/ref/42015011#/text/LUT/Lukas15 (abgerufen am 24.05.2011). Sprachraum 4 S. 32 f.: Marcus Rohwetter: Fühl dich gut zum kleinen Preis. − Die Zeit. Beilagen vom 17.12.2015, Nr. 51, S. 22 / ZEIT Geld S. 33: András Szigetvari: Suche nach dem Index für Lebensqualität. − Der Standard, 18.02.2011. S. 34: Diagramm „Was die Österreicher glücklich macht“. − Die Presse 18.05.2010. Dalai Lama: Ratschläge des Herzens. Übersetzt von Matthieu Ricard − Zürich: Diogenes 2003, S. 107 ff. Sprachraum 5 S. 40: Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker (1962). – Zürich: Diogenes 1998. S. 41: Herfried Münkler: Sicherheit und Risiko. – In: Der Spiegel 13, 28.3.2011. Sprachraum 6 S. 48: Durs Grünbein: Grauzone morgens. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1988. Ingeborg Bachmann: In: I. B.: Sämtliche Gedichte. – München: Piper 2003. Die Menschen verprassen ihre Ressourcen. Salzburger Nachrichten vom 08.08.2016. S. 49: Studie: Ersatz von Palmöl kann Umweltprobleme verschärfen. Der Standard vom 30.08.2016. S. 50: Johannes Lau: Strahlenwarnung für die Menschen der Zukunft. Der Standard vom 30.08.2016. Sprachraum 7 S. 56: Manfred Peterer: Warum dürfen wir nicht so leben, wie wir wollen? Salzburger Nachrichten vom 30.07.2016. S. 57: Joesi Prokopetz: Der Plan. Rede, ungedruckt. Rechte beim Autor Joesi Prokopetz. S. 58: Cartoon Liberté, aus: Puszta: Monokel Studio 1990. Sprachraum 8 S. 66: Stéphane Hessel: Empört euch! Übersetzt von Michael Kogon. – Berlin: Ullstein 2011. S. 67: Werner Wintersteiner: Empört euch! – Kleine Zeitung, 01.02.2011. Peter Turrini: Das Nein. Aus: P. T.: Turrini Lesebuch zwei. – Wien: Europa Verlag 1983. Erich Fried: Die Abnehmer. Aus: E. F.: Warngedichte. – Frankfurt/Main: Fischer 1980. S. 68: Gioconda Belli: Niemand sucht aus. Aus: G. B.: wenn du mich lieben willst. – Wuppertal: Peter Hammer 2000. Eduardo Galeano: Das Recht zum Träumen. Übersetzt von Heinrich Schäfer. – Wuppertal: Peter Hammer 2005. Sprachraum 9 S. 74: Trude Marzik: Allaan bist gar nix. Aus: T. M.: Kuchelkredenz. – Wien: Zsolnay 1971. Oliver Trenkamp: Jugendstudie: Keusche Kuschler. – Der Spiegel 2. 9. 2010. S. 75: Jagoda Marinić: Eigentlich ein Heiratsantrag. Geschichten. – Frankfurt: Suhrkamp 2001. Bertolt Brecht: Liebe zu wem? Aus: B. B.: Geschichten vom Herrn Keuner. – Frankfurt/Main: Suhrkamp 2006. Johann Wolfgang von Goethe: Mailied. In: J. W. G.: Werke, Band I. – München Beck 1974. Sprachraum 10 S. 82: Martina-Leibovici-Mühlberger: Wenn die Tyrannenkinder erwachsen werden. Warum wir nicht auf die nächste Generation zählen können. Wien: edition a. 2016. S. 83: Werner Kofler: Lernprozesse. Aus: W. K.: Guggile. – Wien: Edition Falter 1992. Amy Chua: Die Mutter des Erfolgs. Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte. Übersetzt von Barbara Schaden. – München: Nagel & Kimche 2011. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Schritt für Schritt zur Deutsch-Matura  Gezielt auf die schriftliche Deutsch-Matura vorbereiten  Alle maturarelevanten Kompetenzen trainieren  Die Matura-Textsorten angeleitet üben  Das nötige Grundlagenwissen auffrischen  Authentische Matura-Aufgabenpakete erproben  Anhand von Musteraufsätzen überprüfen und überarbeiten Sprachräume OS MT Schulbuchnummer 185732 ISBN 978-3-209-08872-7 www.oebv.at ISBN 978-3-209-08872-7

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