global 4. Geographie und wirtschaftliche Bildung, Schulbuch [Teildruck]

3 In diesem Kapitel lernst du, … • die Verteilung der Bevölkerung und die Bevölkerungsentwicklung aus einer globalen Perspektive zu analysieren. • Städte, Ballungsräume und Peripherien mit (Geo-)Medien zu beschreiben und zu vergleichen. • die Zusammenarbeit sowie den Wandel der Machtverhältnisse zwischen Staaten, Bündnissen, NGOs, Konzernen, internationalen Organisationen und Bewegungen zu untersuchen. • nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten und Beziehungen in der globalisierten Welt zu diskutieren. Entwicklungen in einer globalisierten Welt 62 1 Benenne globale Ballungsräume in dem Satellitenbild. (OK, I) 2 USA, Indien, Brasilien und Indonesien zählen zu den bevölkerungsreichsten Staaten der Erde. Diskutiert, ob das Satellitenbild Aussagen über die Bevölkerungszahl zulässt. (UK, III) 3 Beurteile, ob das Satellitenbild Rückschlüsse auf den Wohlstand von den folgenden Staaten zulässt: Australien, China, Kanada, Namibia, Norwegen. (UK, II) 63 Auftaktseiten Jedes der zwei Großkapitel dieses Schulbuchs beginnt mit zwei besonders gestalteten Seiten. Sie geben dir einen ersten Eindruck davon, was dich im folgenden Kapitel erwartet. Die Seiten wollen deine Neugier wecken. Du kannst auch zeigen, was du zu diesem Thema schon weißt. Die große Beschleunigung: Der Mensch beeinflusst die Natur Der Mensch hinterlässt Spuren, seit er die Erde bewohnt. Und momentan sind die anthropogenen Einflüsse so groß, dass unsere Spuren vermutlich über Jahrmillionen erkennbar bleiben werden. Die massiven Veränderungen waren der Grund, ein neues Erdzeitalter auszurufen. Was bedeutet „Anthropozän“? Der Beginn der neuen erdgeschichtliche Epoche „Anthropozän“ wurde mit 1950 angesetzt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonten damit den Einfluss des Menschen, der noch Millionen von Jahren erkennbar bleiben wird (M1). Vor allem seit Mitte des 20. Jahrhunderts hinterlassen die Eingriffe des Homo sapiens an allen Orten der Erde Spuren: • Klimawandel: Die Erhitzung der Erde beschleunigt sich. • Der Meeresspiegel steigt global in Folge der Erderwärmung. • Immer mehr Arten sterben unter dem Einfluss des Menschen aus. • Menschen gestalten Naturräume großflächig um. Daneben sorgte der Mensch zB auch für die Ausbreitung von Krankheiten, Übernutzung von Böden, radioaktiven Staub oder die Verbreitung von Kunststoffen in der Natur (M2). M3 Wie sieht es unter einem Parkplatz aus? Auf dem Boden liegt verschiedener Müll auf, wie Zigarettenstummel, Stifte und Verpackungen. Darunter befinden sich Bauschutt, Ziegel und verdichteter Boden. anthropogen: vom Menschen verursacht Der Mensch (griechisch anthropos) benennt ein Erdzeitalter nach sich. Er trennt seine Gegenwart ab von jenem Abschnitt der Erdgeschichte, der seit dem Ende der Eiszeit herrscht, dem Holozän. Dessen Name, gebildet aus griechisch hólos (ganz) und kainós (neu), heißt eigentlich schon das „ganz Neue“. Aber neuer geht ja immer. Im Jahr 2000 hat der Ozonloch-Entdecker und Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen den Begriff „Anthropozän“ provokant in die Welt gesetzt, „um die zentrale Rolle der Menschheit in Geologie und Ökologie zu betonen“. (nach: diezeit.de, abgerufen am 7.10.2024) M2 Die Ausrufung des Anthropozäns Schadstoffablagerungen menschliche Bautätigkeiten vom Menschen beeinträchtigte Böden Gefährdung und Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten Zerstörung der Riffe vermehrte Klimaextreme Ansteigen des Meeresspiegels verstärkte Eisabschmelzung verstärkte radioaktive Verseuchungen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 M1 Menschliche Spuren sind auf dem Planeten Erde Millionen von Jahren erkennbar. 8 Menschen und Natursysteme Wo hinterlassen Menschen Spuren? – Beispiel 1 – Schülerinnen und Schüler entsorgen Müll Beispiel 2: Das Sonnblick-Observatorium (Österreich) Jedes Frühjahr sieht man Schülerinnen und Schüler mit Müllsäcken in der Stadt Waidhofen Müll sammeln. Heuer entwickelten die Schülerinnen und Schüler nun ihr eigenes, vorbildliches Projekt für saubere Klassen. „Das Ziel waren saubere Klassen. Jede Klasse bekam 300 Punkte, die es zu erhalten gab. Zeigte sich bei der Kontrolle, die durch Schüler sechs Mal durchgeführt wurde, dass Müll am Boden lag, gab es entsprechende Abzüge“, erzählte eine der Initiatoren, Carina Schörghofer. „Die Idee kam uns durch das Projekt Plastikfasten. Wir wollten auch einen Beitrag dazu leisten. Es ist falsch, Müll zu produzieren, noch schlimmer ist es, ihn achtlos wegzuwerfen oder falsch zu trennen“, berichtete die engagierte Schülerin. „Es zahlt sich aus, bei solchen Projekten mitzumachen – aber nicht nur wegen eines möglichen Gewinnes, sondern weil es uns ein Anliegen ist“, freute sich Direktorin Doris Aigner. „Es fängt im Kleinen an: saubere Klassen, saubere Schule, sauberes Waidhofen“. (nach: noen.at, 8.6.2019) M4 Schülerinnen und Schüler entsorgen Müll richtig M9 Bei der Verarbeitung von Rohstoffen und bei der Produktion von Waren gelangen Chemikalien in Gewässer. Hier: Industrielandschaft in Karabasch, Russland. das Nanoplastik: Nanometer kleine Plastikteilchen, kleiner als Mikroplastik, mit freiem Auge nicht sichtbar; ein Nanometer ist ein Millionstel eines Millimeters. M7 Los Angeles im Smog, einem Gemisch aus Ruß, Staub und Schwefeldioxid, Stickoxiden, Kohlenmonoxid und Nebel M8 In der Landwirtschaft werden Düngemittel in Mengen eingesetzt, die die natürliche Aufnahmekapazität überschreiten. Forscher weisen Nanoplastik auf Sonnblick nach Messungen des in 3 106 Meter Seehöhe gelegenen Sonnblick-Observatoriums haben gezeigt, dass pro Jahr auf jeden Quadratkilometer etwa 42 Kilogramm Nanoplastik herunterrieseln. Teils wurden Teilchen bis zu 2 000 Kilometer durch die Lüfte transportiert. Rund 30 Prozent der winzigen Teilchen stammen aus Städten, die höchstens 200 Kilometer vom Sonnblick entfernt sind. Die Daten deuten aber auch auf einen weiträumigen und globalen Transport hin. Teilweise liege die Quelle des Nanoplastiks im Atlantik, wo es offenbar über die Gischt der Wellen in die Luft gelangt. (Quelle: orf.at, abgerufen am 07.10.2024) M5 Österreichs höchstgelegene Forschungsstation liegt auf dem Gipfel des Hohen Sonnblick (3 106 m). M6 Der Weg des Nanoplastiks in die Alpen 1 Ordne die menschlichen Spuren in M1 der Grafik zu und zähle Folgen der menschlichen Einwirkung auf Natursysteme auf. (OK, I) 2 Das Projekt „Natur der Dinge“ lädt Menschen dazu ein, an einer digitalen Sammlung der Umweltveränderungen mitzuarbeiten. Besuche die Website www.changing-natures.org. Benenne Gegenstände aus deinem Leben, die Veränderungen in deiner Umwelt dokumentieren. (HK, I) 3 Recherchiert, wie lange der Abbau folgender Verpackungen in der Natur dauert: Aludose, Plastiksackerl, Zigarettenstummel. (HK, II) 4 Initiiert eine einstündige Müllsammelaktion an eurer Schule. Überlegt gemeinsam, wie ihr die Ergebnisse präsentiert. (HK, III) O AH S. 4 9 Themenseiten Jedes Großkapitel umfasst mehrere Einzelthemen. Auf diesen Seiten erarbeitest du mit Hilfe von Informationen, Bildern, Karten und Grafiken ein geographisch-wirtschaftliches Thema. Wichtige Begriffe sind in Grün geschrieben und werden in der in der Randspalte erklärt. Online-Code: Gib den Code im Suchfenster auf www.oebv.at ein und du wirst zu Bonus-Material weitergeleitet. Die Arbeitsaufträge fördern dein selbstständiges Arbeiten. Die in Klammer geschriebenen Abkürzungen und römischen Ziffern zeigen, welche Kompetenzen in welchem Anforderungsbereich trainiert werden (S. 5). Methode Expertengespräch zum Thema NGOs Für „Ärzte ohne Grenzen“ in Afrika Der Wiener Fabian Havlik, Logistiker der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ berichtet aus der Demokratischen Republik Kongo: NGOs bedeuten oft freiwillige Arbeit So wie Fabian bieten viele Menschen in und außerhalb Österreichs ihre freiwillige Mitarbeit in einer NGO an. Das bedeutet, dass Menschen in privaten Organisationen Aufgaben und Verantwortung übernehmen. NGOs wollen Leid verringern, Arme unterstützen oder die Umwelt schützen. Für diese Organisationen arbeiten Menschen oft ehrenamtlich, also unbezahlt. Sie engagieren sich in ihrer Freizeit, um soziale Projekte zu unterstützen oder sich für bestimmte Anliegen einzusetzen. NGOs tragen zum Zusammenhalt in der Gesellschaft bei, indem sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und die Zivilgesellschaft stärken. Für ihre Tätigkeit sind NGOs auf Spenden angewiesen. Zuletzt wurden pro Jahr ca. 1 Milliarde Euro gespendet. Das meiste Geld geht an Tiere oder Kinder. Es ist besonders wichtig, dass das Geld der Spendenden auch tatsächlich ankommt, wo es benötigt wird. Daher erhalten kontrollierte NGOs das Spendengütesiegel. der Logistiker/die Logistikerin: Person, die den Transport und die Lagerung von Waren plant, koordiniert, steuert und überwacht. „Habt ihr euch schon mal einmal gefragt, wie medizinische Hilfsgüter zu den Einsatzprojekten, die über das ganze Land verteilt sind, kommen? Die Demokratische Republik Kongo ist ungefähr 28-mal so groß wie Österreich. Das heißt viele Transporte werden mit dem Flugzeug gemacht, vor allem wenn es schnell gehen muss. Da auch unsere medizinische Nothilfe vor allem in entlegeneren Gebieten gebraucht wird, bringen wir von Bukavu und anderen größeren Städten Material und Personal mit dem Flugzeug in die Projekte. […] je länger ich hier bin, desto mehr merke ich, wie viel Verantwortung ich eigentlich trage. […] Ich fühle mich, als würde ich hier mein volles Potential ausschöpfen. Auch sehe ich hier jeden Tag, wie sehr sich die Ausbildung, mein Maschinenbaustudium, ausgezahlt hat. Das ganze theoretische Wissen und auch das vernetzte Denken, das ich mir während des Studiums angeeignet habe, machen sich hier voll bezahlt. Aber natürlich auch meine Sprachkenntnisse, vor allem Französisch und Englisch, werden hier auf die Probe gestellt.“ (Quelle: aerzte-ohne-grenzen.at, abgerufen am 06.10.2024) M2 Auszüge aus Fabians Bericht M1 „Das Österreichische Spendengütesiegel steht für Sicherheit und Transparenz beim Spenden. Es belegt, dass eine Spendenorganisation mit den ihr anvertrauten Geldern sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht und stellt sicher, dass Spendengelder zweckbestimmt und wirtschaftlich eingesetzt werden.“ (Quelle: www.osgs.at) M3 Fabian bei einem Projekt in Katasomwa (DR Kongo) 96 Entwicklungen in einer globalisierten Welt Methode: Expertengespräch Die Expertenbefragung bietet dir die Möglichkeit, Informationen von Expertinnen und Experten direkt zu erhalten. Das können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sein, die sich in ein Thema eingearbeitet haben. Expertinnen und Experten sind aber auch Menschen, die sich zu einem bestimmten Thema besonders gut auskennen, zB weil sie in einer NGO mitarbeiten. Um ein Experteninterview professionell zu führen, bedarf es mehrerer Schritte: • Einarbeitung ins Thema Grenze die Fragestellung ein. Du kannst nicht alle Themen besprechen. Recherchiere vorab gründlich zum Thema. • Interviewleitfaden vorbereiten Schreibe deine Fragen auf. Das hilft dir, im Gespräch nichts zu vergessen. Achte darauf, dass die Fragen verständlich formuliert sind. Verzichte auf Entscheidungsfragen („Ja/Nein-Fragen“). • Eckpunkte festlegen Überlege genau, wer als Gesprächspartnerin oder -partner in Frage kommt. Beachte, dass Gespräche auch online stattfinden können. Besprecht vorab Inhalt, Termin und Ort des Gesprächs. • Gespräch durchführen Überlege dir, welche Hilfsmittel du benötigst (Fragebogen, Schreibzeug, Mobiltelefon oder Aufnahmegerät, Fotoapparat, …). Führe das Interview, nimm es (nach Erlaubnis!) auf (M5) oder führe ein Protokoll. • Interview auswerten Fasse die wichtigsten Aussagen zusammen. Präsentiere die Ergebnisse. Wähle dafür eine passende Präsentationsform. So steigst du ins Gespräch ein: „Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben, mit mir das Thema … zu besprechen …“ M4 Interview mit einer Ärztin nach einer Naturkatastrophe. Ein Expertengespräch kann mit Hilfe von geeigneten Geräten aufgezeichnet werden. So endet dein Interview: „Danke für das aufschlussreiche Gespräch mit Ihnen. Es hat mir geholfen, … besser zu verstehen.“ Einarbeitung in das Thema Interviewleitfaden vorbereiten Person, Termin, Ort, Inhalt festlegen Gespräch durchführen Interview auswerten 1 Überlege, ob du dir vorstellen kannst, in Zukunft Mitglied einer NGO zu werden. Welche Art von Organisation würde dich besonders interessieren und warum? 2 Suche auf der Seite https://www.aerzte-ohne- grenzen.at/blog nach aktuellen Berichten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der NGO „Ärzte ohne Grenzen“. (OK, I) 3 Ladet eine Expertin / einen Experten einer NGO ein, die /der sich mit humanitären Aufgaben (Armut, Flucht, Pflege/Betreuung, Menschenrechte etc.) befasst. Bereitet einen Fragebogen vor und führt ein Interview. Wertet die Ergebnisse im Anschluss aus. (HK, III) 4 Diskutiert, ob die Mitarbeit in einer NGO auch nach dem Interview für euch später in Frage kommt. (UK, II) O AH S. 40 97 Methodenseiten Hier lernst du für das Fach Geographie und Wirtschaftliche Bildung wichtige Methoden kennen. Sie helfen dir dabei, Informationen aus Bildern, Karten oder Texten zu gewinnen und auszuwerten Kompetenztraining 1 Zeichne die Außengrenzen Europas in der Karte M1 ein. Beschreibe den Grenzverlauf zu Asien. Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Grenze zu ziehen. Erkläre, für welche Grenze du dich entscheidest. (OK, II) 2 Verorte die folgenden britischen Überseegebiete mit Hilfe eines Geomediums in einer Karte. Schreibe in die Tabelle, in welchem Ozean oder Meer sich diese Gebiete befinden. (OK, I) Überseegebiet befindet sich im Falklandinseln Montserrat Pitcairn Bermuda 3 Ordne die Begriffe aus der Wörterbox M2 der richtigen Oberflächenform zu. (OK, I) Merkmale Beispiele Hochgebirge Mittelgebirge Tiefländer Vogesen – Pannonisches Becken – Schwarzwald – finnische Seenplatte – Gebirge über 1 500 m Höhe – Alpen – schroffe, kantige Formen – keine größeren Erhebungen – Gebirge bis zu 1.500 m Höhe – Karpaten – flache Landschaften – Ardennen – Poebene – wellige Oberflächen – teilweise Gletscher – viele Wälder – maximal 200 m über Meeresspiegel – Balkan M2 Begriffe zu Europas Oberflächenformen 4 Markiere auf der Karte M1 und erweitere die Legende: (OK, II) a) EU-Staaten, die den Euro als Währung haben, mit einem blauen €-Symbol. b) Nicht-EU-Staaten, die den Euro als Währung haben, mit einem grünen €-Symbol. c) EU-Staaten, die den Euro nicht als Währung haben, mit einem durchgestrichenen, roten €-Symbol. 5 Male auf der Karte M1 die EU-Beitrittskandidaten mit grüner Farbe aus. 6 Stell dir vor, der Euro würde in allen Euro-Staaten wieder abgeschafft werden. Nenne mindestens drei Nachteile, die sich daraus für dich ergeben würden. (UK, II) a) b) c) 0 500 1000 1500 2000 2500 km Staatsgrenze strittige Grenze M1 Europa 58 Europa und die Europäische Union 7 Füge wichtige Daten zur Geschichte der Europäischen Union im Zeitstrahl ein. Ordne die Daten in der richtigen Reihenfolge an, von den ältesten bis zu den neuesten Ereignissen. (OK, I) 1950 1952 Gründung der EGKS 59 Kompetenztrainingsseiten Am Ende eines Großkapitels findest du das Kompetenztraining. Es gibt dir die Möglichkeit, deine erworbenen Kenntnisse anzuwenden und dich aktiv mit geographischen und wirtschaftlichen Inhalten auseinanderzusetzen. So arbeitest du mit global 4 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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