26 Arbeitsheftseite 14 Menschen sind vielfältig ( B 1). Auch beim Begriff Geschlecht gibt es Vielfalt. Er kann in der deutschen Sprache irreführend sein, da man darunter das biologische und das soziale Geschlecht versteht. Was ist das biologische Geschlecht? Das biologische Geschlecht wird Menschen bei der Geburt zugewiesen. Grundlage dafür sind angeborene, körperliche Merkmale: die Geschlechtsorgane. Anhand derer wird das Geschlecht männlich oder weiblich angegeben. Bei manchen Menschen lässt sich anhand der körperlichen Merkmale nicht eindeutig das Geschlecht männlich oder weiblich zuweisen. Das nennt man Intergeschlechtlichkeit („inter“ bedeutet „dazwischen“). Es gibt unterschiedliche Formen der Intergeschlechtlichkeit, die im Verlauf einer Schwangerschaft entstehen. Intergeschlechtlichkeit ist etwas ganz Normales. Laut Weltgesundheitsorganisation sind 1,7 % der Menschheit intergeschlechtlich. In Österreich ist sie rechtlich anerkannt und auch als Geschlecht „divers“ in Dokumenten eingetragen. Was ist das soziale Geschlecht? Als soziales Geschlecht bezeichnet man Eigenschaften und Verhaltensweisen, keine körperlichen Merkmale. Es beschreibt, wie sich ein Mensch fühlt, und wird auch als Geschlechtsidentität bezeichnet. Jeder Mensch kann und darf für sich selbst entscheiden, welchem sozialen Geschlecht er sich zugehörig fühlt ( B 2). Das kann sich im Laufe des Lebens ändern. Manche Menschen merken schon in der Kindheit, dass sie sich in ihrem Körper nicht entsprechend ihres biologischen Geschlechts fühlen. Andere wiederum outen sich erst später im Leben als trans. Trans Personen nehmen sich selbst anders wahr, als ihr biologisches Geschlecht aussagt. Ein Mensch, dem bei der Geburt das biologische Geschlecht weiblich zugewiesen wurde, kann sich als trans Mann fü hlen. Ein Mensch mit biologisch männlichem Geschlecht kann sich als trans Frau fühlen ( B 3). Manche Menschen lehnen die Beschränkung auf zwei Geschlechter ab und bezeichnen sich als nicht-binär. Die Geschlechtsidentität kann auch wechseln: Genderfluide Menschen können sich mal mehr dem weiblichen, mal mehr dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen. Typisch Mann? Typisch Frau? – Rollenbilder Gesellschaftliche Vorstellungen haben einen Einfluss darauf, was man als „typisch Mann” oder „typisch Frau” wahrnimmt. Diese Stereotype sind vereinfachte Vorstellungen, wie jemand sein oder aussehen sollte. „Rollenbilder” werden von der Familie übernommen, aber auch das Umfeld (Freunde, Medien, Religion …) prägt. Es kann schwierig sein, wenn man gewisse Erwartungen nicht erfüllt. Aber diese Rollenbilder kann man aufbrechen. Menschen aller Geschlechter können sich verhalten und ausdrücken, wie sie möchten. Du entscheidest für dich, wie du deinen Alltag leben möchtest. B 1 Menschen und ihre Geschlechter sind vielfältig. B 2 Das soziale Geschlecht wählt man selbst. B 3 Das biologische Geschlecht männlich bedeutet nicht, dass man sich männlich fühlen „muss“. Hast du Fragen zum Thema Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung? Neben Rat auf Draht und der First Love- Ambulanz findest du hier Hilfe: Courage* Beratung www.courage-beratung.at AIDS-Hilfen Österreich www.aidshilfen.at Erste Hilfe Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierung Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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