BioTOP 4, Schulbuch

62 Arbeitsheftseite 31 Homo erectus verbreitete sich über Millionen Jahre hinweg im heutigen Afrika, Europa und Asien. Durch die räumliche Verbreitung entwickelten sich unabhängig voneinander zwei neue Arten der Gattung Homo, die an die jeweiligen Umweltbedingungen angepasst waren. Der Neandertaler und Homo sapiens bevölkerten gleichzeitig die Erde. Homo neanderthalensis – der Neandertaler Der Neandertaler (Homo neanderthalensis) ist nach der Fundstätte seiner ersten Skelettreste im Neandertal nahe Düsseldorf benannt ( B 1). Fossilien dieser Menschenart finden sich aber von Spanien bis nach Westasien. Die ältesten Fossilien sind etwa 130 000 Jahre alt. Bei den Überresten des Neandertalers handelt es sich teils um vollständige Skelette, weil der Neandertaler seine Toten bestattete ( B 2). Da bei den Skeletten viele Pollen gefunden wurden, geht man davon aus, dass der Neandertaler den Toten Blumen ins Grab legte. Dies weist auf seine hohe Kultur hin. Das widerspricht gänzlich der ursprünglichen Vermutung, dass der Neandertaler im Vergleich zum Homo sapiens ein primitiver Mensch gewesen ist. Diese Vorstellung ergab sich wohl daraus, dass der Neandertaler im Gegensatz zum Homo sapiens ausgestorben ist. Der Neandertaler war ein kräftiger Jäger. Er war mit rund 1,6 m kleiner und mit durchschnittlich 75 kg massiger als der heutige Europäer. Der kräftige Körperbau war aufgrund der klimatischen Bedingungen auch notwendig. Europa war zu dieser Zeit von einer Eisschicht überzogen (Eiszeit). Die Knochen waren besonders stark und deuten darauf hin, dass er starke körperliche Belastungen ausdauernd ertrug. Das Skelett des Neandertalers zeigt deutliche Unterschiede zum Skelett von Homo sapiens wie die Knochen des Schädels oder der Bau des Beckens. Das spricht neben DNA-Vergleichen dafür, dass der Neandertaler kein direkter Vorfahre des heute lebenden Menschen ist. Das Gehirn des Neandertalers war ähnlich wie das des Homo sapiens, teils sogar größer. Manche Wissenschafterinnen und Wissenschafter vermuten, dass er dennoch weniger Intelligenz besaß als Homo sapiens. Sie gehen davon aus, dass das Gehirn durch den kräftigeren Körperbau anders strukturiert und mehr auf Bewegung ausgerichtet war. Aufgrund eines ähnlichen Kehlkopfs geht man davon aus, dass er sprechen konnte. Der Neandertaler nutzte Werkzeuge aus Stein und Knochen. Er konnte auch Holz bearbeiten und als erster Mensch Kleidung, zB aus Tierhaut, herstellen ( B 3). So schützten sich die Menschen vor der Kälte. Die ersten Höhlenmalereien stammen vom Neandertaler. Als das Klima in Europa etwas wärmer wurde, besiedelte Homo sapiens Europa. Genetische Funde zeigen, dass Neandertaler und Homo sapiens sich fortpflanzen konnten; noch heute tragen wir Neandertaler-DNA in uns. Der Neandertaler starb vor etwa 40 000 Jahren aus, vermutlich durch Klimaveränderungen oder Verdrängung durch Homo sapiens. B 1 Nachbildung eines Neandertalers B 2 Neandertaler haben ihre Toten bewusst begraben. B 3 Nachbildung einer Neandertalerfamilie mit Kleidung und Werkzeugen am Feuer B 4 Schädel eines Homo sapiens Zusatzmaterial v4xk6v Die Entwicklung des modernen Menschen Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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