96 Arbeitsheftseite 54 Alle Nutztiere stammen von Wildtieren ab. Über Jahrhunderte bis Jahrtausende haben sich durch Zucht Rassen gebildet, die sich an den Menschen gewöhnt haben. Wie wurden Rinder durch Zucht verändert? Der Vorfahre aller Zuchtrinder ist der Europäische Auerochse (der Ur), der mittlerweile ausgestorben ist ( B 1). Vor etwa 8 000 Jahren begann der Mensch, dieses wild lebende Rind zu zähmen, um Milch und Fleisch zu bekommen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich weltweit 1 000 verschiedene Rassen, die an unterschiedliche Landschaften und Klimazonen angepasst sind. Durch Züchtung, also die Paarung von Kühen und Stieren mit den gewünschten Eigenschaften, unterscheiden sich unsere Rinder vom Ur. Sie sind kleiner, haben kürzere Beine und kürzere Hörner. Sie wachsen schneller und sind früher geschlechtsreif. Sie sind weniger aggressiv und haben keine Scheu vor dem Menschen. So entstanden Rassen, die auf engem Raum gehalten und gemolken werden können. Rinderzucht heute Etwa 70 % der Kühe werden künstlich besamt. Die Landwirtinnen und Landwirte wählen aus Samenbanken die Stiere aus, deren Eigenschaften für ihren Betrieb erwünscht sind. Es wird darauf geachtet, Inzucht (die Paarung naher Verwandter) zu verhindern. Bei der Rinderzucht wird auf die Erhöhung der Milch- oder Fleischproduktion Wert gelegt. Wenn die Kühe ihren Eisprung haben, wird das aufgetaute Sperma von der Tierärztin oder dem Tierarzt mit einer stumpfen Spritze durch die Scheide in die Gebärmutter eingebracht. Bei Milchrassen ist das Zuchtziel, dass die Kühe viel Milch geben. Kühe geben erst Milch, wenn sie ein Kalb geboren haben. Nach der Geburt des Kalbes steigt die Milchproduktion der Kuh an, nach etwa 6 Wochen nimmt sie wieder ab, denn Kälber beginnen zu dieser Zeit, auch Gras zu fressen. Die Kuh wird erneut besamt und weiterhin gemolken, dadurch wird auch weiterhin Milch produziert. Etwa 2 Monate vor der Geburt wird das Melken eingestellt, damit die Kuh Kraft für das im Bauch heranwachsende Kalb und die Geburt hat. Kälber werden direkt nach der Geburt von der Mutter getrennt und in eigene Boxen gebracht, wo sie dann vom Menschen aufgezogen werden. Fleischrassen werden für einen besonders schnellen Fleischaufbau gezüchtet. Diese Tiere sind sehr muskulös und kräftig gebaut. Sie erscheinen durch die große Masse kurzbeinig. Nach nur 1 ½ Jahren werden die männlichen Tiere geschlachtet. Sie wiegen 400 bis 600 kg. Da die Milch nicht verkauft wird, ist Mutterkuhhaltung möglich, bei der die Kälber bei der Mutter bleiben und von ihr gesäugt werden. In Österreich werden meist sogenannte Zweinutzungsrassen gehalten, die sowohl Milch als auch Fleisch liefern. Weibliche Kälber werden für die Milchproduktion verwendet. Männliche Kälber werden kastriert und gemästet. Dafür bekommen sie spezielles, eiweißreiches Futter (Kraftfutter), um rasch Muskelmasse aufzubauen. B 1 Der Europäische Auerochse B 2 Rinder in Anbindehaltung B 3 Rinder in Laufstallhaltung B 4 Die Freilandhaltung ist die artgerechteste Haltungsform für Rinder. Zusatzmaterial v63qz5 Rinderzucht und -haltung Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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