Aber ich war viel zu aufgeregt, um noch weiter so einfach Hand in Hand mit ihr gehen und erzählen zu können. Doch Helga hat den ganzen Weg so getan, als wenn es ganz selbstverständlich wäre, mit einem Juden auszugehen. Sie hat von zu Hause erzählt, von den Kindern im Kindergarten und von den Ferien. Und meine Hand hat sie genommen und ganz fest gehalten. Vor ihrer Haustür ist Helga dann stehen geblieben. Sie hat mich lange angeschaut. Dann hat sie gesagt: „Nächsten Sonntag treffen wir uns wieder. Wir gehen aber nicht in den Stadtgarten. Wir fahren gleich nach draußen, in den Wald. Da gibt es keine gelben Bänke!“ Ich habe es ihr ausreden wollen, aber mittendrin war sie weg, im Haus. Den Abend und die halbe Nacht bin ich in der Stadt herumgelaufen. Erst lange nach der Sperrstunde bin ich nach Hause gekommen. Zum Glück hat mich niemand geschnappt. Aber Vater hat ziemlich geschimpft. Die ganze Woche habe ich überlegt, ob ich hingehen soll oder nicht. Aber am Sonntag bin ich dann doch nicht hingegangen. Ich kann doch nicht. Das Mädchen kommt doch ins Lager, wenn es mit mir gesehen wird! Aus: Hans Peter Richter: Damals war es Friedrich. dtv, München 2012. Beantwortet zu zweit die 2 Fragen zum Text in Ü16. 1 Was hatte Friedrich dem Mädchen nicht über sich sagen können, weil er sie sonst nicht mehr hätte abholen dürfen? 2 Wie wirkt sich der nationalsozialistische Antisemitismus sonst noch auf Helga und Friedrich aus? Was dürfen sie nicht tun? Was wäre die Folge? Markiere die entsprechenden Stellen im Text. Versetzt euch in die Lage von Friedrich. Überlegt dabei mit Hilfe der folgenden Fragen, warum er bei dem Treffen im Stadtgarten nicht glücklich sein kann. 1 Warum kommt auf der grünen Bank kein entspanntes Gespräch zu Stande? 2 Warum geht Helga mit ihm zur gelben Bank? 3 Warum ist Friedrich dort noch immer aufgeregt? Beantworte die folgenden Fragen zum Text in Ü16. Schreibe dafür jeweils 2–3 Sätze in dein Heft. 1 Wie geht Helga damit um, dass Friedrich Jude ist? 2 Warum hat sie ihn lange angeschaut (Zeile 53)? 3 Warum riskiert sie so viel dafür, dass sie ihn weiter treffen kann? Wähle Aufgabe 1 oder 2 und schreibe in dein Heft. 1 Versetze dich in Friedrich und schreibe einen Brief an Helga, warum du nicht zu dem von ihr vorgeschlagenen Treffpunkt gekommen bist. 2 Versetze dich in Helga. Sie hat am Sonntag vergeblich auf Friedrich gewartet. Ihre Gedanken schreibt sie in ihr Tagebuch. 50 55 60 Ü17 B Ü18 B Ü19 M Ü20 M 1AH 9–15 75 Inhaltsangabe und Interpretation Sprachbewusstsein Zuhören / Sprechen Schreiben Lesen 3 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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