Vielfach Deutsch 1, Leseheft

Jugendliteratur lesen und verstehen 4 In der Jugendliteratur werden auch aktuelle und traurige Themen wie Flucht thematisiert. Buchtipp Frank Cottrell Boyce: Der unvergessene Mantel. Carlsen, Hamburg. Aus dem Englischen von Salah Naoura. Ich mache zuerst die Konzentrations- und Aufwärmübungen aus dem Einstiegskapitel. Lesen und Fragen beantworten Wenn Schülerinnen oder Schüler neu in eine Klasse kommen, ist das aufregend. Wenn Kinder aus einem anderen Land stammen und die neue Kultur noch nicht kennen, ist das oft eine besondere Herausforderung. Da wünscht man sich eine persönliche Ratgeberin oder einen persönlichen Ratgeber. Lest den Text aus dem Roman Der unvergessene Mantel mit verteilten Rollen. Ihr benötigt eine Erzählerin. Sie übernimmt auch die Sätze von Mimi und Julie. Ein Schüler spricht die wörtlichen Reden von Dschingis und eine Schülerin jene von Mrs Spendlove. Bereitet euch gemeinsam vor. Es war der Tag, als Mimi in der großen Pause zwei Jungen entdeckte – einen großen und einen kleinen –, die durch den Schulhofzaun herüberstarrten. Der Große hielt den Kleinen an der Hand, der Kleine hatte eine Fellmütze auf, und sie trugen die gleichen Mäntel. Die Dinger sahen verrückt aus, lang wie Morgenmäntel und von innen mit Pelz gefüttert. Allerdings hätte jeder Mantel verrückt ausgesehen, denn die Sonne brannte vom Himmel. Auf dem Schulparkplatz schmolz der Asphalt. Alle anderen trugen T-Shirts. Mimi ging zu den beiden rüber und fragte: „Was gibt’s denn hier zu gucken?“ Der Große brachte sie zum Schweigen, indem er einen Finger an die Lippen legte. „Gib Acht auf deine Lehrerin!“, sagte er und deutete zu Mrs Spendlove hinüber, die genau in diesem Moment in ihre Pfeife blies, um die Pause zu beenden – als hätte der Junge es vorausgesehen. Ich warf einen Blick auf den Kleinen, dem seine Mütze bis über die Augen gerutscht war. Es sah so unbequem aus, dass ich sie zurechtrücken wollte – aber der Große fasste mir unters Kinn und drehte meinen Kopf weg. „Schau ihn nicht an“, sagte er. Ganz im Ernst, damit hatte er sich eigentlich eine Ohrfeige verdient. Aber ehe ich mich darum kümmern konnte, kam Mrs Spendlove und ließ uns in den Klassenraum. Die beiden Jungs marschierten zielstrebig nach hinten, und der Kleine machte es sich auf dem Platz gemütlich, der sonst eigentlich meiner war. Ich stellte mich daneben und starrte ihn direkt an, in der Annahme, dass er den Wink kapieren würde. Fehlanzeige. „Ich möchte, dass ihr gemeinsam mit mir ein neues Gesicht in unserer Klasse begrüßt“, sagte Mrs Spendlove. „Ein fröhliches neues Gesicht hoffentlich. Darf ich vorstellen: Dschingis.“ Alle begrüßten ihn, außer mir. „Und der andere, Miss? Wie heißt der?“, fragte ich. Sie hatte den Kleinen noch gar nicht bemerkt. „Oh, Dschingis, dein kleiner Bruder ist leider nicht in dieser Klasse. Er ist bei Miss Hoyle, ein Stück weiter den Korridor runter.“ „Nein“, sagte Dschingis. „Mein kleiner Bruder ist hier in dieser Klasse. Sehen Sie, er sitzt doch neben mir.“ Alle lachten, außer Mrs Spendlove. „Entschuldigung, mein Fehler. Ich 1 C 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 40 Nur zu Pr fzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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