Bausteine Bausteine 4 Geschichte · Politische Bildung Prüfauflage für Lehrerinnen und Lehrer
Bausteine Geschichte 4, Schulbuch + E-Book Bausteine Geschichte 4, Schulbuch mit E-BOOK+ Dieses Werk wurde auf der Grundlage eines zielorientierten Lehrplans verfasst. Konkretisierung, Gewichtung und Umsetzung der Inhalte erfolgen durch die Lehrerinnen und Lehrer. Liebe Schülerin, lieber Schüler, du bekommst dieses Schulbuch von der Republik Österreich für deine Ausbildung. Bücher helfen nicht nur beim Lernen, sondern sind auch Freunde fürs Leben. Kopierverbot Wir weisen darauf hin, dass das Kopieren zum Schulgebrauch aus diesem Buch verboten ist – § 42 Abs. 6 Urheberrechtsgesetz: „Die Befugnis zur Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch gilt nicht für Werke, die ihrer Beschaffenheit und Bezeichnung nach zum Schul- oder Unterrichtsgebrauch bestimmt sind.“ Umschlagbild: Rüdiger Moegelin, Berlin, Baustelle Fasanenstraße mit Blick auf Gedächtniskirche, 1993 (Original 180 x 200cm) 1. Auflage © Österreichischer Bundesverlag Schulbuch GmbH & Co. KG, Wien 2026 www.oebv.at Alle Rechte vorbehalten. Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, gesetzlich verboten. Schulbuchvergütung/Bildrechte © Bildrecht GmbH/Wien Redaktion: öbv, Wien Herstellung: Oliver Stolz, Wien Umschlaggestaltung: Visuelle Lebensfreude, Bodem + Sötebier GbR, Hannover Layout: Power-Design Thing GmbH, Berlin; Arnold & Domnick GbR, Leipzig Satz: Arnold & Domnick GbR, Leipzig Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Horn ISBN: 978-3-209-12199-8 (Bausteine Geschichte SB 4 + E-Book) ISBN: 978-3-209-12208-7 (Bausteine Geschichte SB 4 + E-BOOK+) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
www.oebv.at Michael Bachlechner Conny Benedik Franz Graf Franz Niedertscheider Michael Senfter Geschichte · Politische Bildung Bausteine 4 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
2 Wie arbeite ich mit diesem Buch 4 DIE ERSTE REPUBLIK 6 Kein Kaiser mehr in Österreich 8 Ende und Anfang 10 Alltagsleben … 12 Die Wirtschaftsmacht USA … 14 1918–1934: Der Weg in den Bürgerkrieg 16 Das kann ich! 18 DER ZWEITE WELTKRIEG 20 Autoritäre Systeme … 22 Der totalitäre Staat 24 Ideologie der Unmenschlichkeit 26 Eine Diktatur wird errichtet 28 Von Österreich zur Ostmark … 30 Alltag im Deutschen Reich 32 Jugend … 34 Der Zweite Weltkrieg … 36 Propaganda und Vernichtungskrieg 38 Kriegsende 40 Das Gesicht des Krieges … 42 Ausgrenzen … 44 Verfolgen … 46 Vernichten … 48 Widerstehen und handeln … 50 Genozide … 52 Methode: Zeitzeugen befragen 53 Das kann ich! 54 DIE ZWEITE REPUBLIK 56 Österreich nach dem Krieg 58 Parteienvielfalt und Verfassung 60 Sozial und sicher? 62 Ungleichheit in der Gesellschaft 64 Erinnerungskultur 66 Methode: Ein Denkmal entschlüsseln 67 Erinnerungspolitik 68 Erinnerungen … 70 Das kann ich! 72 Inhalt Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
3 1945 BIS HEUTE 74 Die Welt nach dem Krieg 76 Der Kalte Krieg … 78 Entkolonialisierung 80 Friedlich oder gewaltsam … 82 Frieden! 84 Methode: Politisches Lied analysieren 85 Globalisierung … 86 Globale Herausforderungen … 88 China und Indien … 90 Die EU 92 Österreichs Beitritt zur EU 94 Die Sowjetunion … 96 Österreichs Nachbarn … 98 Jugendkulturen 100 Das wollen wir (nicht)! 102 Gefahren für die Demokratie 104 Arbeiten global … 106 Das kann ich! 108 POLITISCHE BILDUNG 110 Grundrechte 112 Räume für Demokratie 114 Demokratie leben 116 Wie funktioniert Österreich? 118 Medien und Politik 120 Medien machen Meinungen 122 Medien … 124 Das kann ich! 126 Methoden 128 Stichwortverzeichnis 133 Quellenverzeichnis 134 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
4 Wie arbeite ich mit diesem Buch Liebe Schülerin, lieber Schüler, auf dieser Doppelseite zeigen wir dir, wie Bausteine 4 aufgebaut ist. Dein Schulbuch für Geschichte und Politische Bildung hat fünf große Kapitel. Die Großkapitel haben Auftaktseiten, Themenseiten, Themenseiten mit Methodenschwerpunkt und Abschlussseiten. Jedem Thema ist eine Doppelseite gewidmet. Viel Spaß und Erfolg bei der Arbeit mit diesem Buch! DER ZWEITE WELTKRIEG 39 38 Propaganda und Vernichtungskrieg Der Krieg in seiner grausamsten Art Entmenschlichung des Gegners Menschen fällt es schwer, einen anderen zu töten. In der Propaganda stellten deshalb alle Kriegsparteien sich selbst als überlegen, unbezwingbar und tapfer dar, ihre Gegner aber als bösartig, gefährlich und hinterhältig. So sprach man den Kriegsgegnern das Menschsein ab. Die Hemmschwelle zu töten, sollte dadurch herabgesetzt werden. Vernichtungskrieg der Deutschen 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht trotz des Hitler-Stalin-Paktes* die Sowjetunion. Der Feldzug war als Vernichtungskrieg geplant, um für die Deutschen Gebiete im Osten zu sichern. Die Angehörigen der Wehrmacht sollten gegenüber der Bevölkerung keine Menschlichkeit und Schwäche zeigen. Tausende Menschen wurden erschossen oder als Zwangsarbeiterinnen oder Zwangsarbeiter ins Deutsche Reich transportiert. Deutsche Soldaten raubten Lebensmittel, Getreide und Vieh, um ihre Truppen und die eigene Bevölkerung zu versorgen. Von den über 5,5 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen kamen mehr als drei Millionen ums Leben. Vernichtungskrieg in Asien Während der Eroberungen der japanischen Armee kam es zu schrecklichen Gräueltaten. Massenerschießungen, Folterungen, Vertreibungen und verabscheuungswürdige Menschenversuche gehörten dazu. Millionen Menschen mussten unter katastrophalen Bedingungen Zwangsarbeit* leisten und starben. Die geschätzte Zahl der zivilen Opfer in der Zeit der japanischen Herrschaft in Teilen Chinas und Südostasiens liegt bei weit über 14 Millionen. A B C AH S. 18 AUFGABEN 1 Stelle fest, wann und warum deutsche Truppen die Sowjetunion überfielen. A–B 2 Erkläre in eigenen Worten, was unter einem „Vernichtungskrieg“ zu verstehen ist. B–C 2–3 3 Interpretiere 2 nach der Methode „Schriftliche Quellen auswerten“ auf Seite 129. 4 Interpretiere 1 nach der Methode „Bilder lesen“ auf Seite 128. Begründe, warum 1 und 2 in Zusammenhang stehen könnten. 5 Diskutiert, inwieweit jeder Mensch für sein Handeln, auch im Krieg, verantwortlich ist. 6 Vergleiche, wer auf den beiden Plakaten in 4 wie dargestellt wird und beschreibe die Unterschiede in allen Einzelheiten. 7 Prüfe, wie das Thema dieser Doppelseite in anderen Medien (Sachbuch, TV) dargestellt wird. Chinesische Gefangene im chinesisch-japanischen Krieg (Foto, 20. Jahrhundert, Japan) Kriegsgefangene und Zivilbevölkerung wurden von japanischen Soldaten oft äußerst grausam behandelt, zu harter Arbeit gezwungen und ermordet. 3 Unternehmen „Barbarossa“ (deutsche Soldaten überqueren einen Fluss, Propagandafoto, Fotograf unbekannt, 1941) 1 Quelle: „Barbarossa-Erlass*“ (Auszug, 1941) • „Für Handlungen, die Angehörige der Wehrmacht […] gegen feindliche Zivilpersonen begehen, besteht kein Verfolgungszwang, auch dann nicht, wenn die Tat zugleich ein militärisches Verbrechen oder Vergehen ist. • Freischärler* sind […] im Kampf oder auf der Flucht schonungslos zu erledigen. • Auch alle anderen Angriffe feindlicher Zivilpersonen […] sind von der Truppe auf der Stelle mit den äußersten Mitteln bis zur Vernichtung des Angreifers niederzukämpfen. • Gegen Ortschaften […] werden […] kollektive* Gewaltmaßnahmen durchgeführt, wenn die Umstände die Feststellung einzelner Täter nicht gestatten.“ 2 Lexikon Barbarossa-Erlass „Unternehmen Barbarossa“ war der Deckname für die Vorbereitungen der deutschen Wehrmacht zum Angriff auf die Sowjetunion. Dieser begann am 22. Juni 1941. Ein Erlass ist eine Anordnung, in diesem Fall vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW). Freischärler sind Freiwillige eines militärischen Verbandes, der nicht einem Staat untersteht. Hitler-Stalin-Pakt ist die Bezeichnung für den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom 23. August 1939. In einem Zusatzprotokoll wurden die Einflussgebiete der beiden Staaten in Osteuropa abgegrenzt. Ebenso wurde die Aufteilung Polens beschlossen. kollektiv gemeinschaftlich, gruppenweise Zwangsarbeit ist Arbeit, die unter unmenschlichen Bedingungen unter Zwang oder als Strafe verrichtet werden muss. 4 Propagandaplakate – Japan aus der Sicht der USA; Werbung für die japanische Luftwaffe (Propagandaplakate, 1942, USA und Japan) Auf dem amerikanischen Plakat steht: „Das ist der Feind“. Auf dem japanischem Plakat steht: „Anwerbung junger Heerespiloten – Funk, Wartung, Steuerung – Heeresflugschule“. Themenseiten Materialien: Fotos, Zeichnungen, Karten, Tabellen, Zusatztexte, Quellen … Bei Herrschenden werden in Klammer immer die jeweiligen Zeiten ihrer Herrschaft angegeben. Informationstexte: Wichtige Begriffe werden fett gedruckt. Im Lexikon werden Wörter mit * erklärt. Aufgaben Verweis auf das Arbeitsheft Auftaktseiten Kapitelfarbe, Kapitelsymbol Das große Bild stellt die Verbindung zum Heute her. Einstiegstexte als Erstinformation Impulsfragen führen in ein neues Thema ein. Die Zeitleiste gibt dir eine Übersicht, wann bestimmte Abschnitte der Geschichte waren. 7 6 Gewaltsame Auseinandersetzungen im Bürgerkrieg in Österreich (Foto, Februar 1934) 3 Plakat zum Film Modern Times 1936 (ÖNB, ANNO, 13.11.1918) 4 Deutsche Banknoten 1923 (Foto, 21. Jhd.) 2 DIE ERSTE REPUBLIK Wie konnte das Zusammenleben nach vier Jahren Krieg neugestaltet werden? Es gab viele wirtschaftliche und politische Probleme, die gelöst werden mussten. Neue Grenzen entstanden. Statt Monarchien gab es nun Republiken. Für die Menschen war es schwierig, sich auf die vielen neuen Herausforderungen dieser Zeit einzustellen. Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Menschen vieler europäischer Staaten in großen Schwierigkeiten. Besonders die Arbeitslosigkeit und die politischen Konflikte waren im Alltag spürbar. Die Menschen wollten rasch eine Lösung ihrer Probleme. Radikale Politiker hatten Erfolg. Sie lehnten die Demokratie ab und versprachen eine rasche Lösung der Probleme durch einen starken „Führer“. Die Österreichisch-Ungarische Monarchie zerfiel 1918 in neue selbstständige Staaten. Österreich wurde eine demokratische Republik. Durch die demokratische Verfassung von 1920 und die Entwicklung von Sozialgesetzen wurden auch die Grundlagen für die heutige Republik Österreich geschaffen. Republikdenkmal in Wien (Foto) IMPULSE 1 Erkläre, warum sich viele Menschen bei großen persönlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen unsicher fühlen. 2 Beschreibe kurz, welchen Eindruck du durch die Bilder auf Seite 6 von der Zwischenkriegszeit bekommst. Verkündigung der Republik (ÖNB, ANNO 13.11.1918) 1 20. JAHRHUNDERT 1900 1905 1910 1915 1920 1925 1930 1940 1945 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2050 1935 21. JAHRHUNDERT Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
5 Alle Aufgaben in diesem Buch sind mit einem dreieckigen Zeichen markiert. Damit weißt du auf einen Blick, um welche Aufgabenart es sich handelt. Wenn du die Aufgaben löst, kannst du selbst überprüfen, was du gut beherrschst und wobei du dir noch schwer tust. Aufgaben mit diesem Zeichen helfen dir, Fachwissen zu erwerben und Grundfertigkeiten zu erlernen. Bei diesen Aufgaben kannst du dein erworbenes Fachwissen und deine erlernten Grundfertigkeiten anwenden. Diese Aufgaben fordern dich auf, selbstständig Lösungswege zu finden oder etwas zu beurteilen. Dabei kann es notwendig sein, dass du zusätzliche Informationen benötigst, zum Beispiel aus dem Internet oder aus Nachschlagewerken. 54 55 DER ZWEITE WELTKRIEG Das kann ich! a) Ordne der Tabelle die passenden Begriffe zu Abschaffung der Gewaltenteilung – Adolf Hitler – Antisemitismus – autoritäres System – Benito Mussolini – Deutschland – Diktatoren – Duce – Einparteiensystem – „Führer“ – Herrschaft durch Angst und Terror – Italianisierung – Italien – Missachtung der Menschenrechte – politische Morde – Propaganda – Symbol Hakenkreuz – totalitäres System – Verbot demokratischer Parteien Nationalsozialismus Faschismus beide Regime b) Beschreibe kurz, ob sich durch das Kapitel dein Bild von „Demokratie und Diktatur“ verändert hat. 1 Im Juni 1941 kam es zum Einmarsch deutscher Truppen in die Sowjetunion und zur Angliederung der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Die SS organisierte gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung des Baltikums und Weißrusslands Pogrome. Dabei wurden Menschen jüdischen Glaubens getötet. Analysiere die folgenden Zeitzeugenberichte. Arbeite heraus, wer in der geschilderten Situation für dich eine Mitläuferin oder ein Mitläufer ist. Erkläre, wie es zu so einem Verhalten kommen konnte. Begründet dann eure Entscheidung. „[…] In der linken Ecke des Hofes war eine Gruppe von Männern im Alter zwischen 30 und 50 Jahren […] Ein junger Mann […] zog jeweils einen Mann aus der Gruppe heraus, erschlug ihn mit einer Brechstange durch einen oder mehrere Hiebe auf den Hinterkopf. Auf diese Weise hat er innerhalb einer dreiviertel Stunde die ganze Gruppe von 45–50 Personen erschlagen. […] Das Verhalten der anwesenden Zivilpersonen (Frauen und Kinder) war unwahrscheinlich, denn nach jedem Erschlagenen fingen sie an zu klatschen […]“ Quelle: Kurzfassung nach Originalbericht eines Fotografen über eine Situation im Juni 1941 in Kowno „[…] kam ich an einer Tankstelle vorüber, die von einer dichten Menschenmenge umlagert war. In dieser befanden sich auch viele Frauen, die ihre Kinder hochhoben oder, um besser sehen zu können, auf Stühlen und Kisten standen. Der immer wieder aufbrausende Beifall – Bravo-Rufe, Händeklatschen und Lachen – ließ mich zunächst eine Siegesfeier oder eine Art sportliche Veranstaltung vermuten […] [ich wurde] Augenzeuge wohl des furchtbarsten Geschehens, das ich im Verlauf von zwei Weltkriegen gesehen habe […] wurde auf die bestialischste Weise mit einem Holzknüppel zu Tode geprügelt, wobei jeder Schlag von begeisterten Zurufen seitens der Zuschauer begleitet wurde.“ Quelle: Kurzfassung nach Originalbericht eines Oberst der deutschen Wehrmacht über dieselbe Situation im Juni 1941 in Kowno 2 AH S.26–27 Vergleiche die beiden Texte nach der Methode „Schriftliche Quellen auswerten“ auf Seite 129. Was schildern die beiden Personen gleich, was unterschiedlich? Nimm Stellung zu den Unterschieden. Quelle: Bericht eines Offiziers und Schilderung der Jüdin Hilde Shermann über die Deportationsfahrt von Düsseldorf nach Riga (Kurzfassung nach den Originalberichten) „Der Transport vom 11.12.1941 umfasste 1 007 Juden beiderlei Geschlechts zwischen Säugling und 65 Jahren. Zwei Personen versuchten auf dem Weg zum Bahnhof erfolglos zu fliehen. Die Jüdinnen und Juden standen ab 4 Uhr an der Verladerampe bereit. Das Einladen geschah unter größter Hast. Abfahrt des Zuges: 10:30 Uhr. Die Heizung reichte nicht bis in die hinteren Wagen. Es regnete. Ich musste mit Ausfällen durch Erkrankung rechnen. Die Juden versuchten, auf jedem Bahnhof Wasser von anderen Reisenden zu bekommen. Ankunft: 17.12., 21:50, minus 12 Grad. 2 km Fußweg zum Ghetto.“ „Mein Mann Kurt und ich mussten am 10.12. mit maximal 50 kg Gepäck zur Sammelstelle. Dort wurde uns das Gepäck weggenommen und ich zum ersten Mal in meinem Leben geschlagen. Wir mussten die ganze Nacht stehen. Ein Mann wollte wissen, wie lange wir da noch stehen müssen. Er wurde totgeschlagen. Unser Wagen war voll und beheizt. In anderen sind Kinder fast erfroren. Wir hatten Brot, aber kein Wasser. Als wir stehen blieben, wussten wir nicht, wo wir waren. Es war dunkel und eisig kalt. Wachen mit Hunden holten uns. Wir gingen ungefähr 20 km ins Ghetto.“ 3 Interpretiere die Karten nach der Methode „Geschichtskarten lesen“ auf Seite 128. Machtbereiche im Zweiten Weltkrieg (Geschichtskarten) 4 Paris London Berlin Narvik Leningrad Moskau Stalingrad Rom Tunis Tripolis El Alamein Mongolei China Burma Thailand Indochina Sumatra Borneo Celebes Neu-Guinea Pazifischer Ozean Philippinen Mandschurei Japan UdSSR Tokyo Wien Größte Ausdehnung des deutschen Machtbereiches während des Zweiten Weltkrieges Neutrale Staaten Gegner des Deutschen Reiches Verbündete Staaten des Deutschen Reiches Deutsches Reich 1939 Größte Ausdehnung des japanischen Machtbereiches während des Zweiten Weltkrieges 0 750 km 0 850 km Paris London Berlin Narvik Leningrad Moskau Stalingrad Rom Tunis Tripolis El Alamein Mongolei China Burma Thailand Indochina Sumatra Borneo Celebes Neu-Guinea Pazifischer Ozean Philippinen Mandschurei Japan UdSSR Tokyo Wien Größte Ausdehnung des deutschen Machtbereiches während des Zweiten Weltkrieges Neutrale Staaten Gegner des Deutschen Reiches Verbündete Staaten des Deutschen Reiches Deutsches Reich 1939 Größte Ausdehnung des japanischen Machtbereiches während des Zweiten Weltkrieges 0 750 km 0 850 km Abschlussseiten Aufgaben zum Üben und Wiederholen Aufgaben zum Vertiefen des Gelernten Mit jeder Aufgabe, die du löst, baust du schrittweise Kompetenzen auf. DIE ZWEITE REPUBLIK 67 66 AH S. 32 Erinnerungskultur Wir lernen, Denkmäler zu entschlüsseln. Privates Erinnern Wie einzelne Menschen und eine Gesellschaft mit Vergangenem umgehen, bezeichnet man als Erinnerungskultur. Private Erinnerungskultur zeigt sich zum Beispiel im Aufbewahren von Fotoalben, Dokumenten und Souvenirs, aber auch im Feiern von Jubiläen, dem Besuch von Gräbern oder dem Gespräch mit Großeltern als Zeitzeugen. Öffentliches Erinnern Wenn viele Menschen Interesse daran haben, sich an etwas zu erinnern, kann es zur Errichtung von Denkmälern und Ähnlichem kommen. Damit wird die Erinnerung öffentlich. Die politischen Verantwortlichen einer Gemeinde können beschließen, an bestimmte Personen oder Ereignisse öffentlich erinnern zu wollen. A B Dasselbe gilt für die Bundesländer und ganz Österreich. Um sich später einmal erinnern zu können, müssen Informationen, wie Fotos, archiviert werden. In Archiven wird zu bestimmten Themen, zum Beispiel der Geschichte einer Stadt, alles gesammelt, was die Archivarinnen und Archivare für wichtig halten: Dokumente, Zeitungen, Plakate, Bücher, Fotos, aber auch Gegenstände können archiviert werden. In Ausstellungen oder Museen werden Teile dieser Sammlungen dann der Öffentlichkeit präsentiert. Gedenkstätten, Denkmäler, Straßennamen oder auch Gedenktage sind weitere Möglichkeiten, auch längere Zeit an Personen oder Ereignisse zu erinnern. Alles, was wir in der Öffentlichkeit wahrnehmen, beeinflusst unsere persönliche Erinnerung und somit unser Geschichtsbild. AUFGABEN 1 Nenne mindestens drei Möglichkeiten, die du und deine Familie wählen, um sich an Personen oder Ereignisse zu erinnern. Wer sammelt bei euch zuhause Erinnerungen? A 1 2 Nenne Unterschiede zwischen einer öffentlichen Bibliothek heute und der kaiserlichen Hofbibliothek ab dem 18. Jahrhundert. 2 3 Formuliere Fragen an das Denkmal in 3 nach der Methode „Historische Fragen stellen“ auf Seite 129. 4 Begründe, warum Zeitzeugenberichte nicht die gesamte Vergangenheit widerspiegeln können. Was muss man als Zuhörerin oder Zuhörer bedenken? 5 Interpretiere 3 nach der Methode „Ein Denkmal entschlüsseln“. 6 Wähle zusammen mit deiner Lehrperson ein Denkmal in deiner näheren Umgebung aus und interpretiere es nach der Methode „Ein Denkmal entschlüsseln“. Stelle deine Ergebnisse in Form einer digitalen Präsentation deiner Klasse vor. Private Erinnerungen (Foto, 2017) In vielen Familien werden regelmäßig Fotos von wichtigen Ereignissen gemacht. Manchmal wird später auch eine „Familien-Chronik“ erstellt. Sie bildet die Geschichte einer Familie ab. Für diese Art von Chroniken wird oft auch Ahnenforschung betrieben. Dabei wird vesucht, möglichst viel Wissen über die einzelnen Familienmitglieder zu sammeln. Dabei kann ein Stammbaum helfen. Viele Erinnerungen werden heute auch mit dem Handy festgehalten. Dadurch werden wesentlich mehr Fotos gemacht und gesammelt als früher. 1 Öffentliche Erinnerungen (Lesesaal der Österreichischen Nationalbibliothek, Pressefoto, Fotograf Jeff Mangione, 2017) Die Vorgängerin der österreichischen Nationalbibliothek war die kaiserliche Hofbibliothek der Habsburger. Ihre Wurzeln reichen bis ins Spätmittelalter zurück. Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1368. Anfangs wurden vorwiegend religiöse Bücher gesammelt, ab dem 16. Jahrhundert auch wissenschaftliche Werke, Landkarten, Globen, Musikhandschriften, Zeichnungen und vieles mehr. Im 18. Jahrhundert wurde die Hofbibliothek samt Prunksaal errichtet, um die vielen Werke nicht nur zu sammeln, sondern auch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit Öffentlichkeit waren würdige inländische und ausländische Besucher, häufig Wissenschaftler, gemeint. Sie mussten vor ihrem Besuch schriftlich um Erlaubnis fragen. 2 Als Denkmal bezeichnet man ein bewusst zur Erinnerung an eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Ereignis errichtetes Bauwerk. Es soll eine bestimmte Botschaft vermitteln und steht häufig an zentralen Orten einer Gemeinde. Kompetenz aufbauen 1. Beschreiben – Was siehst du? (Gebäude, Figuren …) – Was steht im Mittelpunkt? – Was steht auf der Gedenktafel? – Wie lautet der offizielle Name des Denkmals und wie wird es üblicherweise genannt? – Wo steht das Denkmal? 2. Analysieren – Wer ist die Künstlerin oder der Künstler des Denkmals? Wer gab den Auftrag? – Was hat der Aufstellungsort mit dem Denkmal zu tun? Welche Wirkung sollen die Darstellung und die Inschrift haben? – Wann wurde es aufgestellt? 3. Interpretieren – Zu welchem Zweck wurde es errichtet? – Wie wurde das Denkmal von der Bevölkerung beurteilt? Gab es Kritik oder Lob? Von wem? (Nicht immer sind alle Fragen beantwortbar.) – Welche Gefühle erzeugt das Denkmal bei dir? – Was sagt es für dich aus? Wie beurteilst du es? METHODE: Ein Denkmal entschlüsseln Denkmal für gefallene Soldaten der beiden Weltkriege (Private Fotos, Fotografin Gabriele Swoboda-Asmera, Donnerskirchen/Burgenland, 2010) Der biblische Spruch auf dem Denkmal wurde während des Ersten Weltkriegs für die Kriegspropaganda eingesetzt. 3 Themenseiten mit Methodenschwerpunkt Dein Schlüssel zum erfolgreichen Forschen in Vergangenheit und Gegenwart Methodenkasten mit genauen Anleitungen, wie du vorgehen sollst, um deine Kompetenz zu schulen. Einen Methodenüberblick findest du auf den Seiten 128–132. Online-Codes verweisen auf das Online-Zusatzmaterial. Gehe auf www.oebv.at und gib den Code im Suchfeld ein Zusatzmaterial zum kostenlosen Download. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
6 Gewaltsame Auseinandersetzungen im Bürgerkrieg in Österreich (Foto, Februar 1934) 3 Plakat zum Film Modern Times 1936 (Filmplakat, 1936) 4 Deutsche Banknoten 1923 (Foto, 21. Jhd.) 2 DIE ERSTE REPUBLIK Wie konnte das Zusammenleben nach vier Jahren Krieg neugestaltet werden? Es gab viele wirtschaftliche und politische Probleme, die gelöst werden mussten. Neue Grenzen entstanden. Statt Monarchien gab es nun Republiken. Für die Menschen war es schwierig, sich auf die vielen neuen Herausforderungen dieser Zeit einzustellen. Die Abdankung Kaiser Karls am 12. November 1918 (ÖNB, ANNO 12.11.1918) 1 20. JAHRHUNDERT 1900 1905 1910 1915 1920 1925 1930 1940 1945 1950 1955 1960 1935 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
7 Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Menschen vieler europäischer Staaten in großen Schwierigkeiten. Besonders die Arbeitslosigkeit und die politischen Konflikte waren im Alltag spürbar. Die Menschen wollten rasch eine Lösung ihrer Probleme. Radikale Politiker hatten Erfolg. Sie lehnten die Demokratie ab und versprachen eine rasche Lösung der Probleme durch einen starken „Führer“. Die Österreichisch-Ungarische Monarchie zerfiel 1918 in neue selbstständige Staaten. Österreich wurde eine demokratische Republik. Durch die demokratische Verfassung von 1920 und die Entwicklung von Sozialgesetzen wurden auch die Grundlagen für die heutige Republik Österreich geschaffen. Republikdenkmal in Wien (Foto) IMPULSE 1 Erkläre, warum sich viele Menschen bei großen persönlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen unsicher fühlen. 2 Beschreibe kurz, welchen Eindruck du durch die Bilder auf Seite 6 von der Zwischenkriegszeit bekommst. 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2050 21. JAHRHUNDERT Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
8 Kein Kaiser mehr in Österreich Die Erste Republik* Ein schwieriger Beginn Am 11. November 1918 verzichtete Kaiser Karl I. darauf, weiter zu regieren. Als am nächsten Tag die Republik ausgerufen wurde, gab es bewaffnete Auseinandersetzungen und viele offene Fragen: • Soll eine Demokratie* angestrebt werden? Welche Verfassung* sollte der neue Staat bekommen? • Sollte sich Österreich an Deutschland anschließen? • Welche Grenzen würde der neue Staat haben? • Wie sollten die wirtschaftlichen und sozialen Probleme gelöst werden? • Wie könnte den hungernden Menschen geholfen werden? Im Februar 1919 fanden die ersten Wahlen statt, bei denen Frauen nicht nur erstmals das Wahlrecht hatten, sondern auch als Abgeordnete gewählt werden konnten. Die Sozialdemokratische Partei, die Christlichsoziale Partei und die Großdeutsche Partei erhielten die meisten Stimmen. Der neue Staat hieß zunächst Deutsch-Österreich. Friedensvertrag und Verfassung Nach dem Friedensvertrag von St. Germain, einem Pariser Vorort, erhielt der neue Staat 1919 den Namen Österreich. Auch neue Grenzen wurden bestimmt. Über den Verlust von Gebieten, besonders den von Südtirol, waren viele Menschen enttäuscht. Ein Zusammenschluss mit Deutschland wurde verboten. Von ihm hatten sich viele Menschen eine Lösung der wirtschaftlichen Probleme erwartet. Über eine neue Verfassung wurde lange verhandelt. Die Parteien misstrauten einander und hatten unterschiedliche Ideen. Doch im Oktober 1920 wurde eine demokratische Verfassung beschlossen. Diese gilt mit einigen Änderungen bis heute. A B Von der provisorischen (= vorläufigen) Verfassung zur neuen Verfassung Die Abgeordneten des österreichischen Teiles der Monarchie bildeten 1918 die provisorische Nationalversammlung und berieten über die Verfassung der Republik. 1 „17. Oktober 1918: Kaiser erlaubt Provisorische Nationalversammlung!“ „11. November 1918: Kaiser Karl verzichtet auf Amtsgeschäfte!“ „16. Februar 1919: Neu gewähltes Parlament berät Verfassung!“ „7. Dezember 1929: Verfassungsänderung! Der Bundespräsident wird vom Volk gewählt werden!“ „30. Oktober 1918: Provisorische Verfassung“ beschlossen!“ „12. November 1918: Wir sind eine demokratische Republik!“ „1. Oktober 1920: Lange verhandelt – heute beschlossen! Österreich hat eine neue Verfassung!“ Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
Die Erste Republik 9 AH S. 4 2 Wahlplakate 1919 Auf dem linken unteren Bild versuchen viele Menschen, die Kaiserkrone umzustürzen. Die Krone ist ein Symbol für die Monarchie. Auf der Krone sitzen Personen, die das verhindern wollen. Sie sind aus Gruppen der Gesellschaft, die in der Monarchie Vorteile hatten. Dabei erdrückt die Krone viele Menschen unter sich, die gegen die Monarchie sind. Lexikon Demokratie/demokratisch bedeutet „Herrschaft des Volkes“. Bei dieser Regierungsform dürfen alle Staatsangehörigen ab einem bestimmten Alter durch zum Beispiel Wahlen oder Volksabstimmungen mitbestimmen. Dabei sind alle gleichberechtigt. Republik lateinisch: res publica = öffentliche Sache; Republik ist eine Staatsform. Für Österreich bedeutet das, dass alle wahlberechtigten Staatsbürgerinnen und Staatsbürger das Staatsoberhaupt und die Volksvertreterinnen und Volksvertreter wählen. Verfassung Die Grundregeln, nach denen ein Staat regiert werden darf, werden in der Verfassung festgelegt. In einer Demokratie gehören die Kontrolle der Macht und die Einhaltung der Menschenrechte dazu. AUFGABEN 1 Arbeite heraus, warum sich viele Menschen große Sorgen um die Zukunft Österreichs machten. A–B 2 Erkläre in eigenen Worten, welche wichtigen Ereignisse es bei der Entwicklung der Verfassung gab. A–B 1 3 Arbeitet zu zweit. Ordnet den Plakaten in 2 folgende Begriffe zu: brennende Fackel (1) – Kaiserkrone (2) –Bombe (3) – kaiserlicher Offizier (4) – rote Arbeitermütze (5) – Handwerkerschürze (6) – reicher Mann (7) – Priester (8) – Wien (9) – Österreichische Fahne (10). 4 Prüfe im Internet mit dem Suchbegriff „Österreichische + Verfassung + Text“, was in den Artikeln 1, 2, 7 und 8 steht. Was bedeutet das? 5 Begründe, warum es zum friedlichen Zusammenleben in einer Demokratie notwendig ist, Vereinbarungen zu treffen, mit denen beide Seiten leben können. B Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
10 Ende und Anfang Dramatische Veränderungen Europa in der Krise Durch den Ersten Weltkrieg verloren Millionen Menschen ihr Leben. Einige Gebiete Europas waren vollkommen zerstört. Fast alle Staaten hatten große Schulden und Schwierigkeiten, von Kriegswirtschaft auf Friedenswirtschaft umzustellen. Der Einfluss Europas auf seine Kolonien sank. Viele Arbeitslose und ihre Familien hungerten. Sieger und Besiegte waren gleichermaßen betroffen. Es gab aber keine Zusammenarbeit zur Lösung der Wirtschaftsprobleme. Frankreich und Großbritannien hatten ihre Kriegskosten mithilfe US-amerikanischer Kredite finanziert. Dadurch waren sie finanziell abhängig von den USA. Österreich und Deutschland mussten Gebiete an andere Länder abtreten. Zusätzlich verlangten die Siegermächte hohe Entschädigungszahlungen. Die USA wurden zu einem der reichsten Staaten der Welt. Die verbreiteten Existenzängste machten es radikalen Parteien* und deren Führern leichter, Menschen für ihre Ideen zu gewinnen. Die Weimarer Republik Nach Arbeiterstreiks in Berlin dankte Kaiser Wilhelm II. im November 1918 ab. Daraufhin versammelte sich das Parlament aus Angst vor Putschversuchen* radikaler Parteien in Weimar. Deshalb wird die erste deutsche Republik „Weimarer Republik“ genannt. Die demokratisch gewählte Regierung stand vor großen wirtschaftlichen Problemen. Außerdem empfand die Mehrheit der Bevölkerung den Friedensvertrag von Versailles* als ungerecht. Absichtlich verbreitete Lügen von ehemaligen Offizieren gaben den demokratischen Politikern die Schuld an der Niederlage im Krieg. Diese ungerechtfertigte Schuldzuweisung führte auch dazu, dass die radikalen Parteien immer mehr Anhängerinnen und Anhänger gewannen. A B Veranstaltungsplakat der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) (1931) Die NSDAP war eine Partei, die die Bestimmungen des Friedensvertrags von Versailles bekämpfte. Außerdem gaben ihre Mitglieder den demokratischen Politikern die Schuld an der Niederlage im Ersten Weltkrieg. 2 Porto für einen Brief bis 20 g 1.10.1918 0,15 Mark 1.10.1919 0,20 Mark 1.4.1921 0,60 Mark 1.7.1922 3,00 Mark 1.7.1923 300,00 Mark 1.10.1923 2 000 000,00 Mark 1.11.1923 100 000 000,00 Mark 12.11.1923 10 000 000 000,00 Mark 1.12.1923 100 000 000 000,00 Mark 1 Inflation* Während des Krieges produzierten die Staaten hauptsächlich für die Kriegswirtschaft und weniger für den Konsum. Die Steuereinnahmen sanken dadurch. Die Staaten druckten trotzdem weiter Geld, um die Kriegsschulden zu bezahlen. Die Folge war, dass eine Briefmarke im Dezember 1923 100 Milliarden Mark kostete und ein Lehrling eine Billion Mark verdiente. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
Die Erste Republik 11 AH S. 5 Sowjetunion Österreich Ungarn Estland Lettland Litauen slowakei Finnland T ü r k e i Schwarzes Meer Mittelmeer Jugoslawien S.H.S. Rumänien (ab 1922) Staatsgrenzen von 1921 3 Europäische Staaten vor und nach dem Ersten Weltkrieg (Geschichtskarte) Durch die Friedensverträge nach dem ersten Weltkrieg entstanden neue Staaten. Die neuen Grenzen sicherten nicht den Frieden, sondern sorgten für neue Konflikte. Lexikon Friedensvertrag von Versailles ist der Vertrag zwischen den Siegermächten des Ersten Weltkriegs und dem Deutschen Reich, dem die alleinige Schuld am Ausbruch des Krieges gegeben wurde. Deutschland verlor große Gebiete. Das deutsche Heer wurde geschwächt, damit es keine Kriege mehr führen konnte. Der Vertrag wurde auch als „Diktatfrieden“ bezeichnet, weil der Vertrag nur von den Siegermächten beschlossen wurde. Deutschland hatte kaum die Möglichkeit, auf die Verhandlungen Einfluss zu nehmen. Inflation Wertverlust des Geldes; Für die gleiche Geldmenge bekommt man immer weniger Waren oder Dienstleistungen, das heißt, die Preise steigen. Putschversuch Parteiführer oder Militärbefehlshaber versuchen in einer überraschenden, meist gewaltsamen Aktion, die Macht im Staat zu übernehmen. radikale Partei Anhängerinnen und Anhänger radikaler Parteien wollen politische und gesellschaftliche Probleme ändern, ohne auf die Meinungen anderer einzugehen. Sie lehnen Meinungsfreiheit und Demokratie ab. AUFGABEN 1 Zähle auf, welche Probleme die Menschen in Europa nach dem Ende des Ersten Weltkrieges hatten. A–B 2 Erkläre, warum sich einige europäische Staaten von den USA finanziell abhängig machten. A 3 Vergleiche die beiden Karten in 3 . Nenne die neuen Staaten. 4 „Auch Milliardäre können verhungern!“ Begründe diese Aussage mit 1 . 5 Interpretiere 2 nach der Methode „Plakate analysieren“ auf Seite 130. 6 Interpretiere 3 nach der Methode „Geschichtskarten lesen“ auf Seite 129. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
12 Alltagsleben… … in der jungen Demokratie Hektische Stadt, ruhiges Dorf? Die entsetzlichen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg und die Probleme der Nachkriegszeit brachten auch in Österreich gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Besonders in den Städten gab es Menschen, die einen neuen Lebensstil ausprobieren wollten. Ihre neuen Tänze, die Kleidung der Frauen und der freie Umgang mit Sexualität ärgerten aber andere. Konservative Parteien* und die Kirchen kämpften mit Verboten und Demonstrationen gegen dieses angeblich „sündhafte“ neue Leben. Im bäuerlichen Alltag waren die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen weniger spürbar. Die tägliche harte Arbeit, die Sorgen wegen der wirtschaftlichen Probleme und die immer noch recht geschlossene Gemeinschaft im Dorf behinderten Neuerungen. Es wurde an Traditionen festgehalten und neue Ideen konnten sich nur langsam durchsetzen. Sozialgesetze gegen Armut und Krankheit Für einen Großteil der Bevölkerung gab es lange Arbeitszeiten, schlechte Löhne und kaum Freizeit. Armut und Krankheiten waren weit verbreitet. Dazu kamen besonders in den Städten Hunger und Unterernährung infolge des Krieges. 1918 starben außerdem viele Menschen an der „Spanischen Grippe“, einer weltweiten Pandemie. Nach der Wahl 1919 wurden zur Lösung dieser Probleme rasch Sozialgesetze* beschlossen. Obwohl die Parteien unterschiedliche Ansichten hatten, wurden ein kurzer Urlaub, der AchtStundentag und die Einführung von Betriebsräten* gesetzlich geregelt. Die Arbeiterkammer* und die Handelskammer* wurden gegründet. A B Der Karl-Marx-Hof, ein „Gemeindebau“ (Foto, 2011) Die Wiener Stadtregierung baute ungefähr 400 Wohnanlagen in der Zwischenkriegszeit. Der Karl-MarxHof ist über einen Kilometer lang und bietet Wohnraum für über 4 000 Menschen in 1 300 Wohnungen. Die Anlage für die Arbeiterfamilien hatte eine hohe Wohnqualität mit Gemeinschaftseinrichtungen und Grünflächen. Auch die Gesundheitsvorsorge und die Sozialeinrichtungen der sozialdemokratisch regierten Stadt Wien bekamen international Aufmerksamkeit. 1 Werbeplakat der 1920 Jahre für Schreibmaschinen Frauen hatten mehr Möglichkeiten in einem Beruf eigenes Geld zu verdienen und selbstständiger zu werden. Das ermöglichte ihnen mehr Freiheit, ihr Leben zu gestalten. Verheiratete Frauen durften jedoch nur mit der Zustimmung ihres Ehemannes arbeiten. Er konnte jederzeit und gegen ihren Willen für sie kündigen. 2 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
Die Erste Republik 13 AH S. 6 Ein Skiausflug (Foto, 1934, H. Roberts) 5 Säuglingspaket der Gemeinde Wien (Foto, Wienmuseum, 20. Jhd.) „Kein Wiener Kind darf auf Zeitungspapier geboren werden“ sagte Julius Tandler. Er war Arzt und Wiener Stadtrat und setzte sich für Verbesserungen im Gesundheitswesen ein. Wegen der großen Armut und den beengten Wohnverhältnissen gab es viele Hausgeburten unter unhygienischen Verhältnissen. 4 Lexikon Arbeiterkammer gesetzliche Vertretung der Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Betriebsräte sind gewählte Personen, die in einem Betrieb die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegenüber dem Unternehmen vertreten. Die Gewerkschaften tun dies in ganz Österreich. Handelskammer (heute: Wirtschaftskammer) gesetzliche Vertretung der Interessen der Unternehmen Konservative Parteien wollen momentane Zustände eher erhalten und Neuerungen nur vorsichtig zulassen. Sozialgesetze regeln zum Beispiel Krankenversicherung, Arbeitslosengeld, Wohnbeihilfen und Pensionen für die Bevölkerung. AUFGABEN 1 Nenne drei Unterschiede im Alltag zwischen Stadt und Land. A 2 Interpretiere 2 nach der Methode „Plakate analysieren“ auf Seite 130. 3 Begründe, wieso der soziale Wohnbau für die Bevölkerung sehr wichtig war. B 1 4 Stelle fest, was den Frauen auf dem Weg zur Gleichberechtigung ein Stück weiterhalf. A 2 5 Formuliere Fragen zu dieser Doppelseite nach der Methode „Historische Fragen stellen“ auf Seite 129. A–B 1–5 Quelle: Säuglingswäsche (Arbeiter-Zeitung, 13.2.1927) „Jede Mutter erhält die Säuglingswäsche von der Gemeinde […] auch Bettwäsche, ein Badetuch und die sonstigen für die erste Säuglingspflege notwendigen Gebrauchsgegenstände […]“ 6 Quelle: Sozialgesetze – Urlaubsanspruch Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kämpften Gewerkschaften um Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Erste Erfolge hatten sie noch in der Monarchie. Entscheidende Verbesserungen gab es ab 1919 durch mehrere Sozialgesetze. Die Verkürzung der Arbeitszeit und der Urlaubsanspruch veränderten die Arbeitswelt. 1859: Sonntagsruhe und 11-Stundentag 1919: 6-Tagewoche und 8-Stundentag 1 Woche Jahresurlaub, nach 5 Jahren: 2 Wochen 1921: Angestellte: 2 Wochen Urlaub später bis 5 Wochen 1922: auch Arbeiterinnen und Arbeiter 2 Wochen Urlaub 3 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
14 Die Wirtschaftsmacht USA … … stürzte Europa in eine neue Krise. Wirtschaftsboom* Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die USA zu einem der reichsten Staaten der Welt. Autos, Kühlschränke, Waschmaschinen oder Kleidung wurden in Massenproduktion am Fließband hergestellt. Immer mehr Familien konnten sich die billigen Massenprodukte leisten. Ein Merkmal des „American way of life“ war, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung diese Güter auf Kredit kaufte. Viele Firmen machten hohe Gewinne. Wirtschaftsdepression* Der Wert von Aktien* stieg dauernd an. Viele Menschen kauften Aktien auch auf Kredit. Sie hofften, durch den rasch steigenden Wert der Aktien ihre Schulden zurückzahlen zu können und Gewinne zu machen. Damit wollten sie für Krankheit und Alter vorsorgen. 1929 begann die Wirtschaft schwächer zu werden und die Aktienwerte sanken. Die Menschen versuchten ihre Aktien so rasch wie möglich zu verkaufen. Aber niemand wollte sie kaufen. Dadurch wurden sie wertlos, und viele konnten ihre Bankschulden nicht mehr bezahlen. Dies führte dazu, dass das Finanzsystem zusammenbrach. Nach diesem Börsenkrach mussten viele Unternehmen schließen. Massenarbeitslosigkeit und Armut waren die Folge. Weltwirtschaftskrise Weil Kredite nicht zurückgezahlt werden konnten, kamen US-Banken in Schwierigkeiten. Sie forderten von Europa die sofortige Rückzahlung der Kredite. Dadurch entstand auch in Europa Geldmangel, die Produktion ging zurück und die Arbeitslosigkeit stieg. Die gesamte Weltwirtschaft war von der Krise in den USA betroffen: Sie wurde zur Weltwirtschaftskrise. A B C Geschäftsjahr Preis in US-Dollar Produktion in Stück (gerundet) 1908/09 850,00 1 000 1910/11 780,00 34 000 1912/13 600,00 168 200 1914/15 490,00 300 000 1916/17 360,00 785 400 1918/19 525,00 533 700 1920/21 bis 300,00 1 250 000 Wirtschaftswachstum – Autoindustrie in den USA (Ford T, Baujahr 1914, Foto 2008) 1 Wirtschaftskrise – Suppenküche für Arbeitslose (Foto, Fotograf unbekannt, 1930, New York/USA) In den USA gab es in der Zwischenkriegszeit keine verpflichtende Kranken- und Pensionsversicherung. Menschen aller Schichten, die arbeitslos wurden und keine Ersparnisse hatten, litten binnen kürzester Zeit bittere Not. Sie verloren ihre Wohnung, konnten sich keine ärztliche Versorgung mehr leisten und mussten sich um Gratissuppen anstellen. 2 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
Die Erste Republik 15 AH S. 7 Wirtschaftsaufschwung – „New Deal“ (Foto, 2015, Hoover-Staudamm/USA) Die US-amerikanische Regierung finanzierte nach dem Börsenkrach mit Staatsgeldern den Bau von Großprojekten wie Staudämmen, Flussregulierungen, Sportstätten und Gebäuden. Für die USA war das eine neue Situation. Zum ersten Mal griff der Staat direkt in die Wirtschaft ein. Dadurch wurden neue Arbeitsplätze geschaffen und die Nachfrage nach Waren aller Art stieg an. Die Wirtschaft wuchs wieder. Während der Präsidentschaft von Franklin D. Roosevelt (1933–1945) wurde dieses Reformprogramm „New Deal“ genannt. Beim Bau der Staumauer des abgebildeten Hoover-Staudamms waren von 1931–1935 durchschnittlich 3 500 Arbeiter beschäftigt. 3 John Maynard Keynes (Foto, erschienen in der Illustrated London News Ltd, 1946) Die Grundidee des britischen Wirtschaftsforschers war folgende: In einer Wirtschaftskrise soll der Staat große öffentliche Projekte finanzieren, auch wenn dies zu einer Staatsverschuldung (Defizit) führt. Die Arbeitslosigkeit werde dann sinken, die allgemeine Güternachfrage steigen und das Wirtschaftswachstum wieder beginnen. Ist die Krise vorbei, soll der Staat sparen und Schulden abbauen. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten als „Sozialpartner“ zusammenarbeiten. Der amerikanische Präsident Roosevelt und die skandinavischen Länder bekämpften nach seinen Ideen die Wirtschaftskrise. Frankreich, Deutschland und Österreich sparten bei den Staatsausgaben. 4 Lexikon Aktie Anteilschein; Wertpapier, mit dem man Miteigentum und eine Beteiligung am Gewinn eines Unternehmens kauft. Wirtschaftsboom Die Wirtschaft wächst besonders stark. Wirtschaftsdepression Die Produktion sinkt auf einen Tiefpunkt und dadurch geht die Wirtschaftsleistung stark zurück. Die Folgen sind viele Arbeitslose und Massenarmut. AUFGABEN 1 Nenne Gründe für den Wirtschaftsboom. A 2 Arbeite aus 1 heraus, um wie viel Prozent der Autopreis von 1910/11 bis 1920/21 gesunken ist. Warum war das möglich? Ermittle, welche Ursachen der Preisanstieg von 1916/17 auf 1918/19 gehabt haben könnte. 3 Erkläre in eigenen Worten, warum Menschen Aktien kauften. B 2 4 Nenne die Folgen des Börsenkrachs. B–C 2 5 Erkläre, wie die Idee von Keynes die Politik von Roosevelt beeinflusste. 3–4 6 Formuliere mithilfe der Methode „Historische Fragen stellen“ mindestens drei Fragen, die du den Männern in 2 zu ihrer Situation stellen könntest. Beantworte sie entweder selbst oder besprich sie mit einer Partnerin oder einem Partner. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
16 1918 –1934: Der Weg in den Bürgerkrieg Kämpfe statt Gespräche in Österreich Bürgerkrieg: Wie war das möglich? Die wirtschaftliche Not ließ viele Menschen verzweifeln. Radikale Politiker versprachen Hilfe. Sie hetzten zum Kampf gegen die anderen Parteien auf. Nach dem Ersten Weltkrieg behielten viele ehemalige Soldaten ihre Waffen. So konnten bewaffnete Organisationen gebildet werden. Auf Politiker, die Gespräche statt Kampf forderten, wurde kaum gehört. Gegeneinander statt miteinander Die Spannungen zwischen den Parteien wurden immer größer. Die Christlichsozialen fürchteten zu radikale soziale Reformen, die Sozialdemokraten warnten vor einer Unterdrückung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Es entstanden bewaffnete Wehrverbände: Die „Heimwehr“ arbeitete mit den Christlichsozialen zusammen, der „Republikanische Schutzbund“ mit den Sozialdemokraten. Dazu kamen noch andere gewaltbereite Gruppen wie die „Frontkämpfer“* und die Nationalsozialisten. Nach dem Brand des Justizpalastes 1927 wurden die Auseinandersetzungen noch heftiger. Dazu kamen für Österreich wirtschaftliche Probleme nach dem Börsenkrach 1929. Auch der Druck auf die Regierung durch die Nationalsozialisten aus Deutschland wuchs. Bei einer Abstimmung im Parlament am 4. März 1933 wollten auch die Nationalratspräsidenten ihre Stimme abgeben. Dazu traten sie nacheinander zurück. Das erklärte der christlichsoziale Bundeskanzler Dollfuß zur „Selbstausschaltung“ des Parlaments. Dagegen wehrten sich die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Das führte schließlich zum Bürgerkrieg 1934. Die Christlichsozialen siegten. Es wurde 1934 eine neue Verfassung verkündet. Es gab nur noch eine erlaubte Partei, die „Vaterländische Front. A B Bürgerkrieg in Österreich (Foto einer zerschossenen Arbeiterwohnung 1934, Goethehof, 22. Bezirk in Wien) Zwischen 12. und 15. Februar 1934 kämpften Bundesheer, „Heimwehr” und Polizei gegen den „Republikanischen Schutzbund”. Anlass war die Suche nach versteckten Waffen in einem Linzer Parteiheim der Sozialdemokraten. Laut Regierung gab es 314 Tote, die sozialdemokratische Partei nannten 1 400 Tote. Das faschistische Italien war das Vorbild für die neue Regierung. Sie verbot die anderen Parteien, ließ Gegner verhaften und verurteilen. Sie baute sogenannte „Anhaltelager“ als Gefängnisse für politische Gegner. Nur regierungsfreundliche Medien waren erlaubt. 2 Brand des Justizpalastes in Wien (Foto, 1927) Am 15. Juli 1927 wurde der Justizpalast in Wien in Brand gesteckt. Grund war der große Zorn der Sozialdemokraten über den Freispruch von „Frontkämpfern“. Sie hatten bei einer Kundgebung einen Schutzbundmann und ein Kind erschossen. Man sah im Freispruch ein ungerechtes Urteil aus politischen Gründen. Die christlichsoziale Regierung ließ daraufhin auf die Demonstrierenden schießen. Es gab über 100 Tote. 1 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
Die Erste Republik 17 AH S. 8 Lexikon Frontkämpfer kleine Gruppe radikaler Gegner der Sozialdemokraten und der Kommunisten; der Wehrverband bestand zum Großteil aus ehemaligen Frontsoldaten der k.u.k. Armee. AUFGABEN 1 Stelle mit A und B fest, welches Verhalten deiner Meinung nach nicht zu einer Demokratie gehört. 2 Stelle mit B fest, welche Parteien in Österreich ihren politischen Einfluss vergrößern wollten. 3 Erkläre in eigenen Worten, wie es zum Brand des Justizpalastes kam. B 1 4 Analysiere und vergleiche die beiden Zeitungsartikel 3 und 5 . Markiere in den beiden Zeitungsartikeln die Antworten auf die folgenden Aufgaben. – Stelle dar, welche Position die Verfasser beziehen und markiere jene Stellen im Text, die darauf schließen lassen. – Erörtere, für wen und warum diese Artikel verfasst wurden. – Erläutere mögliche Reaktionen der Leser. 5 Gestalte eine kurze digitale Präsentation nach der Methode auf Seite 130, in der du den Weg Österreichs in den Bürgerkrieg darstellst. A–B 1–5 6 Erkläre, warum wirtschaftliche Probleme oft zur Stärkung radikaler Parteien führen. Quelle: „Arbeiterzeitung“ vom 15. Juli 1927 (gekürzt) „Mörder von Schattendorf freigesprochen! Nichts wird den drei Angeklagten, die am 30. Jänner in Schattendorf in eine Menschenmenge hineingeschossen, mit vollem Vorsatz die todbringenden Schüsse auf Menschen abgefeuert haben, die zwei Menschenleben vernichtet und fünf Menschen verletzt haben, nichts wird ihnen geschehen, kein Haar wird ihnen gekrümmt werden: die eidbrüchigen Gesellen auf der Geschworenenbank haben sie von allen Schuldfragen freigesprochen und unter dem Siegesgeheul der angesammelten Frontkämpfer sind sie, die zwei Menschenleben auf dem Gewissen haben, sofort in Freiheit gesetzt worden. Eine Schurkerei ist diese Freisprechung, wie sie […] vielleicht noch nie erlebt worden ist.“ 3 Quelle: „Reichspost“ vom 15. Juli 1927 (gekürzt) „Zwei Gruppen von Angeklagten standen im Schattendorfer Prozeß vor den Richtern. Die eine Gruppe, das waren die drei Frontkämpfer, denen der Staatsanwalt die […] Schuld an dem Tode des Schutzbündlers […] und des Knaben […] beigemessen hat. Die andere […] bestand aus […] kleinen Raufbolden und einflussreichen Parteimännern, gegen die keine formelle Anklage erhoben war […] Je weiter der Prozeß vorwärts kam, desto schärfer trat das Verbrechen der zweiten Gruppe hervor […] Selbst der Staatsanwalt konnte sich diesem Eindruck nicht entziehen. „Im vorliegenden Falle will ich ohne weiteres zugeben“, sagte er, „daß die moralische Schuld auf Seite jener liegt, die damals den sozialdemokratischen Gegenaufmarsch arrangiert haben.“ Auf diesem Sachverhalt beruht in erster Linie der heutige Freispruch […]“ 5 Putschversuch der Nationalsozialisten im Juli 1934 (Foto, Panzerwagen vor dem Bundeskanzleramt) Im Juli 1934 versuchten Nationalsozialisten mit Gewalt die Macht in Österreich an sich zu reißen. Dabei wurde der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß erschossen. In Oberösterreich, Salzburg, Kärnten und der Steiermark kam es zu Kämpfen. Der Putschversuch wurde schließlich niedergeschlagen. Neuer Bundeskanzler wurde Kurt Schuschnigg. 4 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
18 Das kann ich! 1 Nenne die gesellschaftlichen Gruppen, von denen sich diese Partei Unterstützung erhoffte. Welche Gruppen sind nicht auf dem Plakat? Bauern – Unternehmer – Handwerker – Soldaten – Mütter mit Kind – Arbeiter – Büroangestellte – Arbeitslose – reiche Frauen Wahlplakat (Plakat 1919) Die Bürgerlich-Demokratische Partei erreichte ein Mandat bei den Wahlen 1919. Beschreibe, wie die Familie mit den Kindern wohnt. Erkläre, warum die Errichtung von Gemeindebauten in Wien als soziale Maßnahme wichtig war. 2 Elendsquartier in Wien (Foto, 1930) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
19 Die Erste Republik AH S. 9 3 a) Analysiere die ersten acht Minuten des Films nach der Methode „Filmausschnitte interpretieren“ auf Seite 129. b) Bewerte, welche Position Chaplin in diesem Film zur Arbeitswelt und zum Umgang mit den Arbeitern einnimmt. Filmplakat des Films „Modern Times“ von Charlie Chaplin (Plakat, 1936) Interpretiere die Bildstatistik nach der Methode „Statistiken auswerten“ auf Seite 131. Beurteile, ob ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Säuglingssterblichkeit und den Sozialgesetzen bestehen kann. Weshalb starben im VIII. Bezirk weniger Neugeborene als im XVI. Bezirk? 4 Säuglingssterblichkeit in Wien (Grafik, Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum in Wien) Jedes der vier Bilder zeigt 20 Kinder. Die Zahl der Särge zeigt, wie viele Kinder von den 20 vor ihrem ersten Geburtstag gestorben sind. Im VIII. Bezirk von Wien lebten mehrheitlich Menschen mit gesichertem Einkommen. Im XVI. Bezirk lebten mehrheitlich Arbeiterfamilien mit geringem Einkommen. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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