Bausteine Geschichte 4, Schulbuch [Prüfauflage]

12 Alltagsleben… … in der jungen Demokratie Hektische Stadt, ruhiges Dorf? Die entsetzlichen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg und die Probleme der Nachkriegszeit brachten auch in Österreich gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Besonders in den Städten gab es Menschen, die einen neuen Lebensstil ausprobieren wollten. Ihre neuen Tänze, die Kleidung der Frauen und der freie Umgang mit Sexualität ärgerten aber andere. Konservative Parteien* und die Kirchen kämpften mit Verboten und Demonstrationen gegen dieses angeblich „sündhafte“ neue Leben. Im bäuerlichen Alltag waren die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen weniger spürbar. Die tägliche harte Arbeit, die Sorgen wegen der wirtschaftlichen Probleme und die immer noch recht geschlossene Gemeinschaft im Dorf behinderten Neuerungen. Es wurde an Traditionen festgehalten und neue Ideen konnten sich nur langsam durchsetzen. Sozialgesetze gegen Armut und Krankheit Für einen Großteil der Bevölkerung gab es lange Arbeitszeiten, schlechte Löhne und kaum Freizeit. Armut und Krankheiten waren weit verbreitet. Dazu kamen besonders in den Städten Hunger und Unterernährung infolge des Krieges. 1918 starben außerdem viele Menschen an der „Spanischen Grippe“, einer weltweiten Pandemie. Nach der Wahl 1919 wurden zur Lösung dieser Probleme rasch Sozialgesetze* beschlossen. Obwohl die Parteien unterschiedliche Ansichten hatten, wurden ein kurzer Urlaub, der AchtStundentag und die Einführung von Betriebsräten* gesetzlich geregelt. Die Arbeiterkammer* und die Handelskammer* wurden gegründet. A B Der Karl-Marx-Hof, ein „Gemeindebau“ (Foto, 2011) Die Wiener Stadtregierung baute ungefähr 400 Wohnanlagen in der Zwischenkriegszeit. Der Karl-MarxHof ist über einen Kilometer lang und bietet Wohnraum für über 4 000 Menschen in 1 300 Wohnungen. Die Anlage für die Arbeiterfamilien hatte eine hohe Wohnqualität mit Gemeinschaftseinrichtungen und Grünflächen. Auch die Gesundheitsvorsorge und die Sozialeinrichtungen der sozialdemokratisch regierten Stadt Wien bekamen international Aufmerksamkeit. 1 Werbeplakat der 1920 Jahre für Schreibmaschinen Frauen hatten mehr Möglichkeiten in einem Beruf eigenes Geld zu verdienen und selbstständiger zu werden. Das ermöglichte ihnen mehr Freiheit, ihr Leben zu gestalten. Verheiratete Frauen durften jedoch nur mit der Zustimmung ihres Ehemannes arbeiten. Er konnte jederzeit und gegen ihren Willen für sie kündigen. 2 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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