Bausteine Geschichte 4, Schulbuch [Prüfauflage]

16 1918 –1934: Der Weg in den Bürgerkrieg Kämpfe statt Gespräche in Österreich Bürgerkrieg: Wie war das möglich? Die wirtschaftliche Not ließ viele Menschen verzweifeln. Radikale Politiker versprachen Hilfe. Sie hetzten zum Kampf gegen die anderen Parteien auf. Nach dem Ersten Weltkrieg behielten viele ehemalige Soldaten ihre Waffen. So konnten bewaffnete Organisationen gebildet werden. Auf Politiker, die Gespräche statt Kampf forderten, wurde kaum gehört. Gegeneinander statt miteinander Die Spannungen zwischen den Parteien wurden immer größer. Die Christlichsozialen fürchteten zu radikale soziale Reformen, die Sozialdemokraten warnten vor einer Unterdrückung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Es entstanden bewaffnete Wehrverbände: Die „Heimwehr“ arbeitete mit den Christlichsozialen zusammen, der „Republikanische Schutzbund“ mit den Sozialdemokraten. Dazu kamen noch andere gewaltbereite Gruppen wie die „Frontkämpfer“* und die Nationalsozialisten. Nach dem Brand des Justizpalastes 1927 wurden die Auseinandersetzungen noch heftiger. Dazu kamen für Österreich wirtschaftliche Probleme nach dem Börsenkrach 1929. Auch der Druck auf die Regierung durch die Nationalsozialisten aus Deutschland wuchs. Bei einer Abstimmung im Parlament am 4. März 1933 wollten auch die Nationalratspräsidenten ihre Stimme abgeben. Dazu traten sie nacheinander zurück. Das erklärte der christlichsoziale Bundeskanzler Dollfuß zur „Selbstausschaltung“ des Parlaments. Dagegen wehrten sich die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Das führte schließlich zum Bürgerkrieg 1934. Die Christlichsozialen siegten. Es wurde 1934 eine neue Verfassung verkündet. Es gab nur noch eine erlaubte Partei, die „Vaterländische Front. A B Bürgerkrieg in Österreich (Foto einer zerschossenen Arbeiterwohnung 1934, Goethehof, 22. Bezirk in Wien) Zwischen 12. und 15. Februar 1934 kämpften Bundesheer, „Heimwehr” und Polizei gegen den „Republikanischen Schutzbund”. Anlass war die Suche nach versteckten Waffen in einem Linzer Parteiheim der Sozialdemokraten. Laut Regierung gab es 314 Tote, die sozialdemokratische Partei nannten 1 400 Tote. Das faschistische Italien war das Vorbild für die neue Regierung. Sie verbot die anderen Parteien, ließ Gegner verhaften und verurteilen. Sie baute sogenannte „Anhaltelager“ als Gefängnisse für politische Gegner. Nur regierungsfreundliche Medien waren erlaubt. 2 Brand des Justizpalastes in Wien (Foto, 1927) Am 15. Juli 1927 wurde der Justizpalast in Wien in Brand gesteckt. Grund war der große Zorn der Sozialdemokraten über den Freispruch von „Frontkämpfern“. Sie hatten bei einer Kundgebung einen Schutzbundmann und ein Kind erschossen. Man sah im Freispruch ein ungerechtes Urteil aus politischen Gründen. Die christlichsoziale Regierung ließ daraufhin auf die Demonstrierenden schießen. Es gab über 100 Tote. 1 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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