30 Von Österreich zur Ostmark … … im Deutschen Reich Der Weg zum „Anschluss“ Die nationalsozialistische Regierung wollte alle Gebiete mit deutschsprachiger Bevölkerung ihrem Reich eingliedern. Sie wusste, dass viele Menschen in Österreich einen „Anschluss“ an Deutschland wünschten, obwohl das durch den Friedensvertrag von St. Germain verboten war. 1933 wurden die Nationalsozialisten in Österreich verboten. 1934 versuchten sie, mit dem Juliputsch an die Macht zu kommen und ermordeten Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Sein Nachfolger wurde Kurt Schuschnigg. Seit dem Juliabkommen* erhöhten nationalsozialistische Propaganda und Bombenanschläge den Druck auf Österreich, sich dem Deutschen Reich anzuschließen. Der „Anschluss“ 1938 setzte die NS-Regierung die weitere Aufnahme von Nationalsozialisten in wichtige österreichische Regierungsämter durch. Um die Unabhängigkeit Österreichs zu bewahren, setzte Schuschnigg eine Volksabstimmung an, die jedoch auf Druck Deutschlands abgesagt wurde. Kurt Schuschnigg trat am 11. März zurück, eine nationalsozialistische Regierung wurde eingesetzt. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen am 12. März wurde Österreich ein Teil des Deutschen Reiches („Anschluss“). Als Teil des totalitären Regimes des Deutschen Reiches hörte Österreich auf zu bestehen und wurde in Ostmark (später: „Alpen- und Donaureichsgaue“) umbenannt. Alle wichtigen Ämter wurden mit Nationalsozialisten besetzt. Der „Anschluss“ brachte dem Deutschen Reich einen Gebiets- und Bevölkerungszuwachs sowie den Zugriff auf die Gold- und Devisenvorräte*, die Eisen- und Stahlproduktion und das Erdöl Österreichs. A B Plakat zur Volksabstimmung am 13. März 1938 Der Wahlspruch Kurt Schuschniggs für die am 13. März 1938 festgesetzte Volksabstimmung lautete: „Für ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, ein christliches und einiges Österreich!“ 3 Quelle: Ein Zeitzeuge berichtet Jakob Bachlechner erinnerte sich an die Zeit knapp vor dem deutschen Einmarsch 1938. „Die Nazis beschmierten viele Wände mit Sprüchen und Hakenkreuzen […] Ein Bekannter von mir, ein Rechtsanwalt, war ein Gegner des Nationalsozialismus. Ihm schossen sie die Tür ein und demolierten seine Fenster […] Schuschnigg […] hielt in Innsbruck eine Rede im Stadtsaal. […] Als ich den Stadtsaal verließ, pfiffen und johlten die Nazis vor dem Eingang und ich schaute, dass ich heimkam.“ 2 Arbeitslose in Österreich (1919–1939, Daten aus Hoffmann, Entstehung und wirtschaftliche Konsequenzen des deutsch-österreichischen Vermögensvertrages, Hanel, 2007) Die Arbeitslosigkeit war nach dem Ersten Weltkrieg ein großes Problem. Durch die Weltwirtschaftskrise wuchs sie bedrohlich an. 1938 war etwa ein Viertel der österreichischen Arbeitskräfte ohne Arbeit. Viele Familien hungerten. Die nationalsozialistische Propaganda versprach Hilfe. 1 0,0 1919 1923 1925 1927 1929 1931 1933 1935 1937 1939 5,0 10,0 15,0 20,0 25,0 Anteil der arbeitslosen Arbeitskräfte in Prozent Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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