Bausteine Geschichte 4, Schulbuch [Prüfauflage]

46 Verfolgen, … … verhören, einsperren. Ghettos Ab 1941 durften Jüdinnen und Juden in den von Nationalsozialisten besetzten Gebieten Osteuropas nur noch in Ghettos leben. Als Ghetto bezeichnet man abgegrenzte Wohngebiete. In einigen Ghettos mussten auch Sinti und Roma leben. In über 1 000 Ghettos waren Menschen auf engstem Raum der Kontrolle und dem Terror der Nationalsozialisten ausgesetzt und wurden als Arbeitskräfte von der Industrie ausgebeutet. Rund 600 davon waren auf polnischem Boden. Die SS setzte einen „Judenrat“ ein. Dieser musste Anweisungen der SS im Ghetto durchsetzen. Der Alltag im Ghetto war geprägt von Hunger, Zwangsarbeit und dem Warten auf Entscheidungen der Nationalsozialisten. Zu den größten und bekanntesten Ghettos zählen die Ghettos in Litzmannstadt, heute Lodz, und Warschau. Konzentrationslager Zusätzlich zu Gefängnissen gab es Konzentrationslager. Im März 1933 wurde die Errichtung eines ersten Konzentrationslagers in Dachau bei München bekanntgegeben. Hier sollten 5 000 politisch Andersdenkende gefangen gehalten und „umerzogen“ werden. Die Existenz des Lagers war allgemein bekannt. Es wurde von der Gestapo und der Bevölkerung auch als Warnung und Drohung eingesetzt, sollte jemand laut Kritik an den Nationalsozialisten äußern. Das KZ Dachau diente als „Ausbildungslager“ für die SS-Wachmannschaften anderer Lagerstandorte. Selten wurden Häftlinge entlassen. Tatsächlich kamen Millionen Männer, Frauen und Kinder durch menschenunwürdige Lebensbedingungen, Folter, Hunger, Zwangsarbeit und Mord zu Tode. Insgesamt wurden 24 Hauptlager und über 1 000 Nebenlager errichtet. Das KZ Auschwitz im heutigen Polen ist das vermutlich bekannteste. Im KZ Ravensbrück waren Frauen und weibliche Jugendliche untergebracht. A B Propagandafoto (Dachau, 1933) Propagandafotos sollten die unmenschlichen Bedingungen in den Konzentrationslagern verschleiern. Sie wurden oft für internationale Besucher oder zur Täuschung der Öffentlichkeit genutzt. Sie wurden bewusst inszeniert, um den Eindruck zu erwecken, dass Häftlinge gut behandelt wurden und sogar Sport treiben konnten. Die Wirklichkeit sah völlig anders aus. 2 Warschauer Ghetto (Foto, 1943) Jüdinnen und Juden werden auf diesem Foto mit Gewalt aus ihren Häusern getrieben. Fast einen Monat lang dauerte die Räumung des Warschauer Ghettos im April/ Mai 1943. Die Bewohnerinnen und Bewohner leisteten verzweifelten Widerstand. Dieses und weitere 48 Fotos wurden vom SS-Gruppenführer Stroop aufgenommen. Sie sollten die erfolgreiche Räumung des Ghettos zeigen. Die Aufnahme gehört zu den weltweit bekanntesten Fotos aus dieser Zeit. 1 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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