5 Alle Aufgaben in diesem Buch sind mit einem dreieckigen Zeichen markiert. Damit weißt du auf einen Blick, um welche Aufgabenart es sich handelt. Wenn du die Aufgaben löst, kannst du selbst überprüfen, was du gut beherrschst und wobei du dir noch schwer tust. Aufgaben mit diesem Zeichen helfen dir, Fachwissen zu erwerben und Grundfertigkeiten zu erlernen. Bei diesen Aufgaben kannst du dein erworbenes Fachwissen und deine erlernten Grundfertigkeiten anwenden. Diese Aufgaben fordern dich auf, selbstständig Lösungswege zu finden oder etwas zu beurteilen. Dabei kann es notwendig sein, dass du zusätzliche Informationen benötigst, zum Beispiel aus dem Internet oder aus Nachschlagewerken. 54 55 DER ZWEITE WELTKRIEG Das kann ich! a) Ordne der Tabelle die passenden Begriffe zu Abschaffung der Gewaltenteilung – Adolf Hitler – Antisemitismus – autoritäres System – Benito Mussolini – Deutschland – Diktatoren – Duce – Einparteiensystem – „Führer“ – Herrschaft durch Angst und Terror – Italianisierung – Italien – Missachtung der Menschenrechte – politische Morde – Propaganda – Symbol Hakenkreuz – totalitäres System – Verbot demokratischer Parteien Nationalsozialismus Faschismus beide Regime b) Beschreibe kurz, ob sich durch das Kapitel dein Bild von „Demokratie und Diktatur“ verändert hat. 1 Im Juni 1941 kam es zum Einmarsch deutscher Truppen in die Sowjetunion und zur Angliederung der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Die SS organisierte gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung des Baltikums und Weißrusslands Pogrome. Dabei wurden Menschen jüdischen Glaubens getötet. Analysiere die folgenden Zeitzeugenberichte. Arbeite heraus, wer in der geschilderten Situation für dich eine Mitläuferin oder ein Mitläufer ist. Erkläre, wie es zu so einem Verhalten kommen konnte. Begründet dann eure Entscheidung. „[…] In der linken Ecke des Hofes war eine Gruppe von Männern im Alter zwischen 30 und 50 Jahren […] Ein junger Mann […] zog jeweils einen Mann aus der Gruppe heraus, erschlug ihn mit einer Brechstange durch einen oder mehrere Hiebe auf den Hinterkopf. Auf diese Weise hat er innerhalb einer dreiviertel Stunde die ganze Gruppe von 45–50 Personen erschlagen. […] Das Verhalten der anwesenden Zivilpersonen (Frauen und Kinder) war unwahrscheinlich, denn nach jedem Erschlagenen fingen sie an zu klatschen […]“ Quelle: Kurzfassung nach Originalbericht eines Fotografen über eine Situation im Juni 1941 in Kowno „[…] kam ich an einer Tankstelle vorüber, die von einer dichten Menschenmenge umlagert war. In dieser befanden sich auch viele Frauen, die ihre Kinder hochhoben oder, um besser sehen zu können, auf Stühlen und Kisten standen. Der immer wieder aufbrausende Beifall – Bravo-Rufe, Händeklatschen und Lachen – ließ mich zunächst eine Siegesfeier oder eine Art sportliche Veranstaltung vermuten […] [ich wurde] Augenzeuge wohl des furchtbarsten Geschehens, das ich im Verlauf von zwei Weltkriegen gesehen habe […] wurde auf die bestialischste Weise mit einem Holzknüppel zu Tode geprügelt, wobei jeder Schlag von begeisterten Zurufen seitens der Zuschauer begleitet wurde.“ Quelle: Kurzfassung nach Originalbericht eines Oberst der deutschen Wehrmacht über dieselbe Situation im Juni 1941 in Kowno 2 AH S.26–27 Vergleiche die beiden Texte nach der Methode „Schriftliche Quellen auswerten“ auf Seite 129. Was schildern die beiden Personen gleich, was unterschiedlich? Nimm Stellung zu den Unterschieden. Quelle: Bericht eines Offiziers und Schilderung der Jüdin Hilde Shermann über die Deportationsfahrt von Düsseldorf nach Riga (Kurzfassung nach den Originalberichten) „Der Transport vom 11.12.1941 umfasste 1 007 Juden beiderlei Geschlechts zwischen Säugling und 65 Jahren. Zwei Personen versuchten auf dem Weg zum Bahnhof erfolglos zu fliehen. Die Jüdinnen und Juden standen ab 4 Uhr an der Verladerampe bereit. Das Einladen geschah unter größter Hast. Abfahrt des Zuges: 10:30 Uhr. Die Heizung reichte nicht bis in die hinteren Wagen. Es regnete. Ich musste mit Ausfällen durch Erkrankung rechnen. Die Juden versuchten, auf jedem Bahnhof Wasser von anderen Reisenden zu bekommen. Ankunft: 17.12., 21:50, minus 12 Grad. 2 km Fußweg zum Ghetto.“ „Mein Mann Kurt und ich mussten am 10.12. mit maximal 50 kg Gepäck zur Sammelstelle. Dort wurde uns das Gepäck weggenommen und ich zum ersten Mal in meinem Leben geschlagen. Wir mussten die ganze Nacht stehen. Ein Mann wollte wissen, wie lange wir da noch stehen müssen. Er wurde totgeschlagen. Unser Wagen war voll und beheizt. In anderen sind Kinder fast erfroren. Wir hatten Brot, aber kein Wasser. Als wir stehen blieben, wussten wir nicht, wo wir waren. Es war dunkel und eisig kalt. Wachen mit Hunden holten uns. Wir gingen ungefähr 20 km ins Ghetto.“ 3 Interpretiere die Karten nach der Methode „Geschichtskarten lesen“ auf Seite 128. Machtbereiche im Zweiten Weltkrieg (Geschichtskarten) 4 Paris London Berlin Narvik Leningrad Moskau Stalingrad Rom Tunis Tripolis El Alamein Mongolei China Burma Thailand Indochina Sumatra Borneo Celebes Neu-Guinea Pazifischer Ozean Philippinen Mandschurei Japan UdSSR Tokyo Wien Größte Ausdehnung des deutschen Machtbereiches während des Zweiten Weltkrieges Neutrale Staaten Gegner des Deutschen Reiches Verbündete Staaten des Deutschen Reiches Deutsches Reich 1939 Größte Ausdehnung des japanischen Machtbereiches während des Zweiten Weltkrieges 0 750 km 0 850 km Paris London Berlin Narvik Leningrad Moskau Stalingrad Rom Tunis Tripolis El Alamein Mongolei China Burma Thailand Indochina Sumatra Borneo Celebes Neu-Guinea Pazifischer Ozean Philippinen Mandschurei Japan UdSSR Tokyo Wien Größte Ausdehnung des deutschen Machtbereiches während des Zweiten Weltkrieges Neutrale Staaten Gegner des Deutschen Reiches Verbündete Staaten des Deutschen Reiches Deutsches Reich 1939 Größte Ausdehnung des japanischen Machtbereiches während des Zweiten Weltkrieges 0 750 km 0 850 km Abschlussseiten Aufgaben zum Üben und Wiederholen Aufgaben zum Vertiefen des Gelernten Mit jeder Aufgabe, die du löst, baust du schrittweise Kompetenzen auf. DIE ZWEITE REPUBLIK 67 66 AH S. 32 Erinnerungskultur Wir lernen, Denkmäler zu entschlüsseln. Privates Erinnern Wie einzelne Menschen und eine Gesellschaft mit Vergangenem umgehen, bezeichnet man als Erinnerungskultur. Private Erinnerungskultur zeigt sich zum Beispiel im Aufbewahren von Fotoalben, Dokumenten und Souvenirs, aber auch im Feiern von Jubiläen, dem Besuch von Gräbern oder dem Gespräch mit Großeltern als Zeitzeugen. Öffentliches Erinnern Wenn viele Menschen Interesse daran haben, sich an etwas zu erinnern, kann es zur Errichtung von Denkmälern und Ähnlichem kommen. Damit wird die Erinnerung öffentlich. Die politischen Verantwortlichen einer Gemeinde können beschließen, an bestimmte Personen oder Ereignisse öffentlich erinnern zu wollen. A B Dasselbe gilt für die Bundesländer und ganz Österreich. Um sich später einmal erinnern zu können, müssen Informationen, wie Fotos, archiviert werden. In Archiven wird zu bestimmten Themen, zum Beispiel der Geschichte einer Stadt, alles gesammelt, was die Archivarinnen und Archivare für wichtig halten: Dokumente, Zeitungen, Plakate, Bücher, Fotos, aber auch Gegenstände können archiviert werden. In Ausstellungen oder Museen werden Teile dieser Sammlungen dann der Öffentlichkeit präsentiert. Gedenkstätten, Denkmäler, Straßennamen oder auch Gedenktage sind weitere Möglichkeiten, auch längere Zeit an Personen oder Ereignisse zu erinnern. Alles, was wir in der Öffentlichkeit wahrnehmen, beeinflusst unsere persönliche Erinnerung und somit unser Geschichtsbild. AUFGABEN 1 Nenne mindestens drei Möglichkeiten, die du und deine Familie wählen, um sich an Personen oder Ereignisse zu erinnern. Wer sammelt bei euch zuhause Erinnerungen? A 1 2 Nenne Unterschiede zwischen einer öffentlichen Bibliothek heute und der kaiserlichen Hofbibliothek ab dem 18. Jahrhundert. 2 3 Formuliere Fragen an das Denkmal in 3 nach der Methode „Historische Fragen stellen“ auf Seite 129. 4 Begründe, warum Zeitzeugenberichte nicht die gesamte Vergangenheit widerspiegeln können. Was muss man als Zuhörerin oder Zuhörer bedenken? 5 Interpretiere 3 nach der Methode „Ein Denkmal entschlüsseln“. 6 Wähle zusammen mit deiner Lehrperson ein Denkmal in deiner näheren Umgebung aus und interpretiere es nach der Methode „Ein Denkmal entschlüsseln“. Stelle deine Ergebnisse in Form einer digitalen Präsentation deiner Klasse vor. Private Erinnerungen (Foto, 2017) In vielen Familien werden regelmäßig Fotos von wichtigen Ereignissen gemacht. Manchmal wird später auch eine „Familien-Chronik“ erstellt. Sie bildet die Geschichte einer Familie ab. Für diese Art von Chroniken wird oft auch Ahnenforschung betrieben. Dabei wird vesucht, möglichst viel Wissen über die einzelnen Familienmitglieder zu sammeln. Dabei kann ein Stammbaum helfen. Viele Erinnerungen werden heute auch mit dem Handy festgehalten. Dadurch werden wesentlich mehr Fotos gemacht und gesammelt als früher. 1 Öffentliche Erinnerungen (Lesesaal der Österreichischen Nationalbibliothek, Pressefoto, Fotograf Jeff Mangione, 2017) Die Vorgängerin der österreichischen Nationalbibliothek war die kaiserliche Hofbibliothek der Habsburger. Ihre Wurzeln reichen bis ins Spätmittelalter zurück. Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1368. Anfangs wurden vorwiegend religiöse Bücher gesammelt, ab dem 16. Jahrhundert auch wissenschaftliche Werke, Landkarten, Globen, Musikhandschriften, Zeichnungen und vieles mehr. Im 18. Jahrhundert wurde die Hofbibliothek samt Prunksaal errichtet, um die vielen Werke nicht nur zu sammeln, sondern auch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit Öffentlichkeit waren würdige inländische und ausländische Besucher, häufig Wissenschaftler, gemeint. Sie mussten vor ihrem Besuch schriftlich um Erlaubnis fragen. 2 Als Denkmal bezeichnet man ein bewusst zur Erinnerung an eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Ereignis errichtetes Bauwerk. Es soll eine bestimmte Botschaft vermitteln und steht häufig an zentralen Orten einer Gemeinde. Kompetenz aufbauen 1. Beschreiben – Was siehst du? (Gebäude, Figuren …) – Was steht im Mittelpunkt? – Was steht auf der Gedenktafel? – Wie lautet der offizielle Name des Denkmals und wie wird es üblicherweise genannt? – Wo steht das Denkmal? 2. Analysieren – Wer ist die Künstlerin oder der Künstler des Denkmals? Wer gab den Auftrag? – Was hat der Aufstellungsort mit dem Denkmal zu tun? Welche Wirkung sollen die Darstellung und die Inschrift haben? – Wann wurde es aufgestellt? 3. Interpretieren – Zu welchem Zweck wurde es errichtet? – Wie wurde das Denkmal von der Bevölkerung beurteilt? Gab es Kritik oder Lob? Von wem? (Nicht immer sind alle Fragen beantwortbar.) – Welche Gefühle erzeugt das Denkmal bei dir? – Was sagt es für dich aus? Wie beurteilst du es? METHODE: Ein Denkmal entschlüsseln Denkmal für gefallene Soldaten der beiden Weltkriege (Private Fotos, Fotografin Gabriele Swoboda-Asmera, Donnerskirchen/Burgenland, 2010) Der biblische Spruch auf dem Denkmal wurde während des Ersten Weltkriegs für die Kriegspropaganda eingesetzt. 3 Themenseiten mit Methodenschwerpunkt Dein Schlüssel zum erfolgreichen Forschen in Vergangenheit und Gegenwart Methodenkasten mit genauen Anleitungen, wie du vorgehen sollst, um deine Kompetenz zu schulen. Einen Methodenüberblick findest du auf den Seiten 128–132. Online-Codes verweisen auf das Online-Zusatzmaterial. Gehe auf www.oebv.at und gib den Code im Suchfeld ein Zusatzmaterial zum kostenlosen Download. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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