50 Widerstehen und handeln … … auch wenn es lebensgefährlich ist? Warum so wenig Widerstand? Nur wenige Menschen hatten den Mut und die Entschlossenheit, Widerstand gegen die Nationalsozialisten zu leisten. Die Chancen auf Erfolg standen schlecht. Vielen fehlte die Zivilcourage*, sich gegen das Unrecht aufzulehnen. Sie passten sich an, um nicht unangenehm aufzufallen oder um vom System zu profitieren. Widerstand durch Kampf Im Deutschen Reich, aber auch in besetzten Gebieten gab es aktiven Widerstand der Bevölkerung gegen die Nationalsozialisten. Partisanen sind bewaffnete Kämpfer, die nicht der offiziellen Armee eines Staates angehören. Sie kämpften oft mit der Unterstützung der Zivilbevölkerung. Ortskenntnisse halfen bei Sabotageakten*, Spionage und Angriffen auf kleinere Einheiten des Feindes, zum Beispiel in Jugoslawien und Frankreich. Widerstand durch Desertation Widerstand konnte auch bedeuten, sich zu weigern, Gesetzen oder Befehlen Folge zu leisten. Desertation bezeichnet das unerlaubte Fernbleiben eines Soldaten von der Truppe. Dem Deserteur oder auch Fahnenflüchtigen wurde oft straferschwerend „Feigheit vor dem Feind“ vorgeworfen. Von den circa 26 000 Soldaten der deutschen Wehrmacht, die wegen Fahnenflucht während des Zweiten Weltkrieges verurteilt wurden, wurden bis 1944 10 000 hingerichtet. Verfolgte Personen zu verstecken oder ihnen bei der Flucht zu helfen, galt als Hochverrat. Den Wehrdienst zu verweigern, wurde „wegen Zersetzung der Wehrkraft“ mit dem Tod bestraft. Auch religiöse Gründe* zählten nicht. A B C Warum leisten Menschen Widerstand? – acht Motive Menschen leisten Widerstand, weil … 1 … sie unterdrückt werden. 2 … sie sich ungerecht behandelt fühlen. 3 … sie nichts tun wollen, was ihrem Glauben widerspricht. 4 … sie sich selbst oder ihre Familie verteidigen wollen. 5 … sie jemandem helfen wollen. 6 … sie eigene Ziele haben. 7 … sie mit Entscheidungen nicht einverstanden sind. 8 … sie eigene Meinungen vertreten. 1 Widerstand durch Worte (Bodendenkmal in der Ludwig-Maximilians-Universität München, Fotograf Martin Sierpmann, Foto, 2011) Die Studentengruppe „Weiße Rose“ schrieb, druckte und verteilte Flugblätter*. Darin verurteilte sie den Krieg und die Verfolgung der Jüdinnen und Juden und rief zum Widerstand auf. Es wurden beispielsweise Redefreiheit, Religionsfreiheit und Schutz vor staatlicher Willkür gefordert. Die Geschwister Sophie und Hans Scholl, der Tiroler Christoph Probst und ihre Freunde wurden zum Tod verurteilt und hingerichtet. 2 Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz (Wien, Ballhausplatz, Foto, 2019) Etwa 30 000 Todesurteile wurden von der Militärjustiz verhängt, die meisten davon gegen Deserteure. 3 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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