58 Österreich nach dem Krieg Eine Gesellschaft im Aufbau Erste Wahlen Am 27. April 1945 wurde eine provisorische Regierung unter Karl Renner gebildet und die Unabhängigkeit Österreichs erklärt. Österreich wurde von alliierten Truppen besetzt und vom Alliierten Rat – Vertretern der Besatzungsmächte – kontrolliert. Die Aufgaben des Alliierten Rates waren beispielsweise, eine Verwaltung aufzubauen und freie Wahlen vorzubereiten. Die großen Parteien der Ersten Republik wurden unter neuen Namen neu gegründet. Bei den ersten Nationalratswahlen 1945 gewann die ÖVP (Österreichische Volkspartei). Sie regierte aber gemeinsam mit der SPÖ (Sozialdemokratische Partei Österreichs) und der KPÖ (Kommunistische Partei Österreichs). Sie wollten Einigkeit gegenüber den Alliierten und dem Volk zeigen. Die großen wirtschaftlichen Probleme machten die Hilfe der Alliierten nötig. Mit dem „Marshallplan“ begann der wirtschaftliche Aufschwung. Zur Sicherung wichtiger Industriebetriebe wurden diese verstaatlicht. Der Staatsvertrag Schon bald nach dem Krieg begannen die Alliierten über die Zukunft Österreichs zu beraten. Die USA und die Sowjetunion wollten ihre Macht und ihren Einfluss auf viele Staaten der Welt vergrößern. Deshalb gerieten die Verhandlungen ins Stocken. Im Mai 1955 kam es schließlich zur Unterzeichnung des Staatsvertrages. Damit wurde die alliierte Besatzung beendet. Österreich verpflichtete sich, als demokratische Republik, keinen „Anschluss“ an Deutschland anzustreben. Nationalsozialistische Wiederbetätigung blieb verboten. Die Rechte der kroatischen, slowenischen und ungarischen Minderheiten sowie der Roma und Sinti wurden geregelt. A B Der Wiederaufbau Österreichs (Plakat, 1950) Nach dem Weltkrieg war Österreich stark zerstört. Viele Städte lagen in Trümmern und die Menschen litten unter großer Armut. Österreich erhielt Hilfe durch den „Marshallplan“. Dieser war ein Wirtschaftsprogramm der USA für den Wiederaufbau Europas. Interessierten Staaten wurden Rohstoffe, Geld und Lebensmittel günstig zur Verfügung gestellt. Österreich nahm an diesem Programm teil. Mit dieser finanziellen Unterstützung wurden Fabriken, Wohnhäuser, Straßen und Schulen wiederhergestellt und Wasserkraftwerke gebaut. Durch die Modernisierung der Landwirtschaft konnte die Bevölkerung ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Auch der Tourismus nahm wieder zu. 1 Unterzeichnung des Staatsvertrags (Pressefoto, 1955) Am 15. Mai 1955 unterzeichneten im Schloss Belvedere in Wien Vertreter der Alliierten und der österreichischen Regierung den Staatsvertrag. Die Neutralitätserklärung wurde am 26. Oktober in die österreichische Verfassung aufgenommen. Österreich erklärte • keinen militärischen Bündnissen beizutreten, • keine fremden militärischen Stützpunkte auf seinem Staatsgebiet zuzulassen und • seine Unabhängigkeit mit allen Mitteln zu verteidigen. Im September 1955 wurde das österreichische Bundesheer gegründet. Es ist seitdem für die militärische Landesverteidigung verantwortlich. 2 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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