80 Entkolonialisierung Kolonien werden selbstständige Staaten. Warum Freiheitsbewegungen? Während des Zweiten Weltkriegs und auch danach konnten die Kolonialmächte die Kontrolle über ihre noch bestehenden Kolonien nur noch schwer aufrechterhalten. In den Kolonien in Asien und später auch in Afrika entstanden Unabhängigkeitsbewegungen. Sie wurden häufig von Männern angeführt, die an Universitäten studiert hatten. Dort lernten sie kommunistisches Gedankengut und die Ideen der Demokratie und des Nationalismus kennen. Die UNO forderte das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein. Neue Staaten entstanden. Die ehemaligen Kolonialmächte, die USA und die Sowjetunion versuchten zur Zeit des Kalten Krieges und danach, diese Staaten politisch zu beeinflussen. Sie wollten militärische Stützpunkte und billige Rohstoffe für ihre Industrie weiter sichern. Folgen für die neuen Staaten Die Hoffnung auf ein besseres Leben in den neuen Staaten erfüllte sich selten, weil die wirtschaftliche Abhängigkeit von den Industriestaaten bestehen blieb. Nach dem Abzug der Kolonialmächten fehlten Fachleute in allen Bereichen. Häufig stritten sich verschiedene Interessensgruppen, wer künftig regieren sollte. Oft setzte sich ein Diktator mithilfe des Militärs oder der Großmächte durch, für die wirtschaftliche Interessen wichtiger als Menschenrechte waren. Naturkatastrophen, Hungersnöte, Seuchen und medizinische Unterversorgung verschlimmerten die Lage. Religions- und Sprachenvielfalt sowie Grenzstreitigkeiten mit Nachbarstaaten führen bis heute zu Bürgerkriegen und Kriegen, in denen tausende Menschen getötet oder in die Flucht getrieben werden. A B Weißer Aufseher und Versklavte bei der Zuckerrohrverarbeitung (West Indies, Haiti, 1749) 1804 wurde Haiti als erstes Land in Lateinamerika unabhängig. Die indigene Bevölkerung und später afrikanische Sklavinnen und Sklaven waren jahrhundertelang von der französischen Kolonialmacht ausgebeutet worden. Mit der Unabhängigkeit wurde auch die Sklaverei abgeschafft. Haiti musste dafür hohe Zahlungen an Frankreich leisten. Bis 1947 zahlte Haiti die rund 20 Milliarden plus Zinsen ab. Bis heute wirken sich diese Zahlungen negativ auf die Wirtschaft aus. 1 Flüchtlinge in der Demokratische Republik Kongo (an der Grenze zu Uganda, nach Kämpfen zwischen der Armee und Rebellen, April 2022) Kämpfe zwischen den Volksgruppen in den ehemaligen Kolonien sind bis heute die Ursache für Zerstörungen und Vertreibungen. Menschen flüchten oft sowohl innerhalb des Staates als auch ins Ausland. 2 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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