82 Friedlich oder gewaltsam … … in die Unabhängigkeit? Gewaltloser Widerstand Der Weg der Kolonien in die Selbstständigkeit war sehr unterschiedlich. Das bekannteste Beispiel für gewaltlosen Widerstand war Indien unter der Führung von Mahatma Gandhi. Er verzichtete bewusst auf den Einsatz von Gewalt, führte Verhandlungen und organisierte friedliche Demonstrationen. Großbritannien verlor weltweit massiv an Ansehen, weil mit Waffengewalt gegen diese Demonstrationen vorgegangen wurde. Dem öffentlichen Druck, Indien in die Unabhängigkeit zu entlassen, gab Großbritannien 1947 schließlich nach. Dabei entstanden die Staaten Indien und Pakistan, das vorerst aus Westpakistan und Ostpakistan bestand. Ostpakistan erkämpfte sich später die Selbstständigkeit und heißt seither Bangladesch. Auch Malaysia, Ceylon (heute: Sri Lanka) und Burma (heute: Myanmar) wurden von Großbritannien kampflos in die Unabhängigkeit entlassen. Bewaffnete Unabhängigkeitskriege Anders gestaltete sich die Lage in den französischen Kolonien in Asien. Während Frankreich Laos und Kambodscha 1953 in die Unabhängigkeit entließ, beharrte es auf seinem Anspruch auf Vietnam. Vor allem in Afrika erkämpften sich viele ehemalige Kolonialstaaten die Unabhängigkeit durch Kriege. Kongo wurde von Belgien, Algerien von Frankreich und Angola von Portugal unabhängig. Häufig konnten sich nach Abzug der Kolonialmächte verschiedene Bevölkerungsgruppen nicht einigen, wer künftig regieren sollte. Es kam zu Bürgerkriegen. Truppen der UNO hatten in den Friedenseinsätzen den Auftrag, beispielsweise in Angola oder Namibia, Konflikte zu verhindern und die politische Lage zu stabilisieren. Auch heute sind UNO-Friedenstruppen in Krisengebieten im Einsatz. A B Kubanischer Arzt vor einem Plakat von Fidel Castro (Kuba, Foto, 2024) Die Insel Kuba erlangt 1898 mithilfe der USA die Unabhängigkeit von Spanien. Diese behielten auch nach der Unabhängigkeit Militärstützpunkte auf der Insel. Kuba wurde auch wirtschaftlich immer abhängiger von amerikanischen Firmen. Von den USA unterstützte Diktatoren regierten das Land. Viele Menschen flohen, vor allem in die USA. 1959 gelang es dem Rechtsanwalt Fidel Castro zusammen mit seinen bewaffneten Kämpfern den regierenden Diktator zu vertreiben. Castro errichtete eine kommunistische Diktatur. Großgrundbesitzer der Zuckerplantagen wurden enteignet. Es gelang der Regierung, Verbesserungen in den Bereichen Bildung und Gesundheit zu erzielen. Wirtschaftlich konnte sich Kuba nicht entwickeln. Viele Menschen verließen das Land. Seit 2021 erlaubt die kubanische Regierung den Menschen, durch kleine private Geschäfte ihr Einkommen zu verbessern. 2 Der indonesische Unabhängigkeitskrieg (Foto, niederländische Soldaten in einer Wagenkolonne, Java 1947) Indonesien war bis 1945 von Japan besetzt. Nach der Unabhängigkeitserklärung 1945 kam aber die ehemalige Kolonialmacht Niederlande zurück. In einem Krieg unterlagen die indonesischen Truppen trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit schnell den niederländischen, weil diese besser ausgebildet und moderner ausgerüstet waren. Die Weltöffentlichkeit stellte sich auf die indonesische Seite. Auf Druck der USA und der UNO mussten die Niederländer Indonesien 1949 endgültig verlassen. Bis heute gibt es große Unterschiede zwischen vielen extrem armen und einigen reichen Gebieten. 1 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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