94 Österreichs Beitritt zur EU Ein umstrittenes Thema Ringen um eine Entscheidung Österreich hatte sich 1955 zur Neutralität verpflichtet. Die Sowjetunion sah lange in einem EU-Beitritt Österreichs eine mögliche Verletzung der Neutralität. Michail Gorbatschow, der spätere Präsident der Sowjetunion, erklärte, dass das die alleinige Entscheidung Österreichs wäre. Im Land wurden heftige Diskussionen geführt. Die Gegnerinnen und Gegner des Beitritts befürchteten, dass Österreich die Neutralität aufgeben müsse. Außerdem könnte Österreich zu Kriegseinsätzen in anderen Gebieten verpflichtet werden. In einigen einheimischen Unternehmen sah man es als Vorteil, dass österreichische Betriebe vor der Konkurrenz aus dem Ausland geschützt waren. So konnte man die Preise innerhalb von Österreich bestimmen. Die Befürworterinnen und Befürworter aber erhofften sich eine Erleichterung ihrer Exporte durch den Wegfall der Zölle. Das Volk entscheidet Nach schwierigen Verhandlungen fand am 12. Juni 1994 eine Volksabstimmung zum EU-Beitritt statt. Dieser war eine umfangreiche Informationskampagne der Bundesregierung vorausgegangen. Sie betonte vor allem die Vorteile, die sich durch die uneingeschränkte Teilnahme am europäischen Markt für österreichische Firmen ergeben sollten. Gegnerinnen und Gegner des Beitritts befürchteten negative Auswirkungen auf die Umwelt oder Nachteile am österreichischen Arbeitsmarkt. Bei der Volksabstimmung stimmten rund zwei Drittel der gültigen Stimmen für eine Mitgliedschaft. Am 1. Jänner 1995 wurde Österreich Mitglied der Europäischen Union. 2002 löste der Euro die bis dahin gültige Währung, den Schilling, ab. Die Bevölkerung Österreichs steht heute der EU teilweise skeptisch gegenüber. Das Wissen über die verschiedenen Einrichtungen der EU ist sehr gering. A B Pro-und-Kontra-Diskussion (Fotos, Österreich, 1994) Die Argumente der Vertreterinnen und Vertreter beider Standpunkte waren vor der EU-Abstimmung 1994 vielfältig. Hier sind einige Beispiele. 1 Befürworterinnen und Befürworter: 1. Die Selbstständigkeit Österreichs geht durch EU-Gesetze teilweise verloren. 2. Österreich kann europäische Politik mitgestalten. 3. Firmen können Geschäfte im ganzen EU-Raum machen. 4. Es entsteht mehr Transitverkehr: Die Durchfuhr von Waren und die Durchreise von Personen durch Österreich nimmt zu. 5. Exportchancen werden verbessert. 6. Kleine Betriebe können gegen Konzerne schwer bestehen. 7. Durch größeres Angebot werden Produkte billiger. 8. Der Arbeitsmarkt wird von billigen Arbeitskräften überschwemmt. 9. EU-Förderungen schaffen Arbeitsplätze. 10. K leinbauern können gegen große Landwirtschaftsbetriebe nicht konkurrieren. 11. Wohnort und Ort eines Studiums können frei gewählt werden. 12. Arbeitssuche ist im ganzem EU-Raum möglich. 13. D ienstleistungen können im ganzen EU-Raum angeboten werden. 14. Zölle fallen innerhalb der EU weg. Gegnerinnen und Gegner: Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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