93 Radioaktivität Schau dir noch einmal Abb. 84.6 an. Die α-Strahlung hinterlässt in der Nebelkammer eine dicke Spur. Das bedeutet, dass ein einziges α-Teilchen auf kurzer Strecke sehr viele Teilchen ionisieren kann. Ein radioaktiver Stoff, der α-Strahlung abgibt, ist für den Menschen daher besonders gefährlich, wenn er sich im Körper (durch zB Einatmen) befindet. Denn hier kann die α-Strahlung auf kurzer Strecke viele Körperzellen schädigen. Die Wirkung von Strahlung auf den menschlichen Körper – die sogenannte Äquivalentdosis – wird mit der Maßeinheit 1 Sievert (1 Sv = 1 Joule pro kg) angegeben. Die Äquivalentdosis berücksichtigt die Strahlungsart und die Empfindlichkeit des betroffenen Körperorgans. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung in Österreich beträgt etwa 4,3 Millisievert pro Jahr (Abb. 93.1). Was geschieht bei einem Unfall mit radioaktiven Stoffen? Bei einem Unfall, zB beim Transport radioaktiver Stoffe, gelangen radioaktive Isotope in die Umwelt. Im Falle eines Unfalls mit Reaktorbruch in einem Kernkraftwerk werden radioaktive Stoffe in die Atmosphäre freigesetzt. Luftströmungen tragen sie über tausende Kilometer. Regnet es in dieser Zeit, ist die Strahlenbelastung etwa 100-mal höher. Der radioaktive Staub wird aus der Atmosphäre in den Boden gewaschen. Bei Kernkraftwerksunfällen werden besonders diese Isotope freigesetzt: Isotop Strahlung Halbwertszeit Wirkung Iod-131 β und γ 8 Tage Ablagerung in Schilddrüse Caesium-137 β und γ 30 Jahre Ersetzt Kalium in den Muskeln Strontium-90 β 28,8 Jahre Behindert die Blutbildung Wie kannst du dich vor erhöhter Radioaktivität schützen? Die Mauern einer Wohnung schützen vor α- und β-Strahlung. Gegen γ-Strahlung helfen die dicken Wände von Schutzräumen. Das Einatmen von radioaktivem Staub oder die Aufnahme über Nahrung muss verhindert werden (Nahrung waschen). Abwaschbare Schutzanzüge und Atemschutzmasken schützen ebenfalls vor erhöhter Radioaktivität (Abb. 93.2 und Abb. 93.3). Dosis 1,2 mSv Wirbelsäulenröntgen 2,8 mSv natürliche Jahresdosis 4,3 mSv Durchschnittsjahresdosis 10 mSv Ganzkörper-Computertomografie 100 mSv Kann bei 1 % der Bestrahlten Krebs auslösen. 500 mSv Löst in kurzer Wirkungsdauer akute Strahlenkrankheit aus. 7 000 mSv tödlich bei einmaliger Bestrahlung 93.1 Beispiele für Strahlendosen in Millisievert (mSv) Die Strahlung radioaktiver Stoffe wirkt ionisierend. Dadurch werden Körperzellen geschädigt oder zerstört. Unterschiedliche Strahlungsarten haben eine unterschiedliche Wirkung auf den menschlichen Körper. M Infobox: In Österreich gibt es einheitliche Zivilschutz-Warnsignale (Abb. 93.4) für Warnung, Alarm und Entwarnung. Diese werden jährlich am ersten Samstag im Oktober geprobt. FREIWILLIGE FEUERWEHR FREIWILLIGE FEUERWEHR FREIWILLIGE FEUERWEHR 3 Minuten 1 Minute 1 Minute 1. WARNUNG 3 Minuten gleichbleibender Dauerton − Herannahende Gefahr! Radio- oder Fernsehgerät (ORF) einschalten, Verhaltensmaßnahmen beachten. 1 Minute auf- und abschwellender Heulton − Gefahr! Schützende Räumlichkeiten aufsuchen, über Radio oder TV durchgegebene Verhaltensmaßnahmen befolgen. 1 Minute gleichbleibender Dauerton − Ende der Gefahr! Einschränkungen im täglichen Lebenslauf werden über Radio oder TV durchgegeben. 2. ALARM 3. ENTWARNUNG 93.4 Die drei Zivilschutz-Warnsignale. Wir schützen uns, indem wir Abstand von der Strahlungsquelle halten, Wohnräume aufsuchen und diese gegen Staubeintritt schützen und die Aufnahme von radioaktiven Stoffen durch Nahrung und Luft vermeiden. M 93.2 So können wir uns kurzeitig vor Kontamination schützen. 93.3 Überprüfung der Kontamination als Folge des Reaktorunfalls in Fukushima. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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