Killinger Literaturkunde, Schülerband

405 13. Verfassen Sie ein besonderes Erlebnis aus Ihrem Leben in einer Zweitsprache. 14. Untersuchen Sie, welche Schwierigkeiten Sie beim Schreiben wahrgenommen haben, die mit dem Gebrauch der Zweitsprache zusammenhängen: • Stellen Sie speziell problematischen Sätzen oder Absätzen die Formulierung in Ihrer Erstsprache gegenüber. • Erklären Sie auffällige Unterschiede. Mittlerweile nehmen viele Autorinnen und Autoren mit anderer Erstsprache als Deutsch einen prominenten Platz in der deutschsprachigen Literaturlandschaft ein, z.B.: Österreich: Doron Rabinovici (geb. 1961): Ohnehin (2004); Radek Knapp (geb. 1964): Herrn Kukas Empfehlungen (2000); Vladimir Vertlib (geb. 1966): Das besondere Gedächtnis der Rosa Masur (2001); Dimitré Dinev (geb. 1968): Engelszungen (2003); Julya Rabinowich (geb. 1970): Herznovelle (2008); Anna Kim (geb. 1977): Anatomie einer Nacht (2012); Tanja Maljartschuk (geb. 1983): Biografie eines zufälligen Wunders (2020); Ana Marwan (geb. 1980): Wechselkröte (2022) Deutschland: Feridun Zaimoglu (geb. 1964): Zwölf Gramm Glück (2012); Abbas Khider (geb. 1973): Die Orangen des Präsidenten (2011); Hatice Akyün (geb. 1969): Einmal Hans mit scharfer Soße (2007); Olga Grjasnowa (geb. 1984): Der Russe ist einer, der Birken liebt (2012) Einige dieser Autorinnen und Autoren wie Feridun Zaimoglu (2002), Tanja Maljartschuk (2018), Ana Marwan (2022) haben mit ihren Texten einen der renommiertesten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum, den Ingeborg-Bachmann-Preis, gewonnen und erfuhren damit internationale Anerkennung. Vladimir Vertlib: Zwischenstationen (1999) In diesem Roman erzählt Vladimir Vertlib (geb. 1966 in Leningrad, damalige Sowjetunion) die Geschichte von den Wegen einer russisch-jüdischen Familie aus der Sowjetunion in die erhoffte Freiheit. In Wien findet die Mutter Arbeit als Putzfrau bei einer Versicherung. Da sie keine Möglichkeit hat, ihren kleinen Sohn unterzubringen, nimmt sie ihn zur Arbeit mit. Die Ereignisse sind aus der Ich-Perspektive des Kindes geschildert. Am Ende des Ganges im Erdgeschoß ist ein kleines Zimmer, in dem sich alle Wasch- und Putzmittel befinden. Das Zimmer wird Besenkammerl genannt. Im Besenkammerl residiert die Chefputzfrau. Sie ist eine Frau undefinierbaren Alters, die einen hellgrauen Kittel mit weißem Kragen trägt. Der obere Kragenknopf ist immer sorgfältig geschlossen, der Kittel glattgebügelt. Sie lächelt nie, denn sie weiß ihre Macht würdevoll zu tragen, sitzt aufrecht, etwas steif auf ihrem Stuhl, erteilt in knappen Sätzen Befehle an ihre Untergebenen: Milena, Jovanka und meine Mutter. Milena stammt aus dem serbischen Sandschak1, spricht nur einige Brocken Deutsch, ist eine äußerst stille junge Frau, die beim Putzen, für die anderen kaum hörbar, ein Lied summt, nie eine Pause einlegt, nach getaner Arbeit nur ein schüchternes „Auf Wiedersehen“ murmelt und geht. 1 Sandschak: geographische Region beiderseits der Grenze zwischen Montenegro und Serbien 5 10 INTERKULTURELLE LITERATUR Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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