10 Österreich wird eine Republik M4 Demobilisierung: aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrende Soldaten an der Grenzstation Marchegg im November 1918 (Foto 1918) Das Ende der Habsburgermonarchie – Republik (Deutsch-)Österreich Als sich die Niederlage der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg abzeichnete, begann die Auflösung der Donaumonarchie. Im Oktober 1918 erklärten Tschechen, Südslawen und Ungarn ihre Selbstständigkeit. Kaiser Karl I. verzichtete am 11. November 1918 auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften. Schon am nächsten Tag riefen die Präsidenten der provisorischen Nationalversammlung vor dem Parlament vor einer riesigen Menschenmenge die „Republik Deutschösterreich“ aus. Der Friedensvertrag – „Österreich ist, was übrigbleibt!“ Im Friedensvertrag von Saint Germain vom 10. September 1919 waren die neuen Grenzen Österreichs festgelegt. Viele deutschsprachige Gebiete wurden anderen Nachfolgestaaten der Donaumonarchie zugesprochen: Das Sudetenland kam zur Tschechoslowakei, Südtirol sowie das Kanaltal zu Italien und die Untersteiermark zu Jugoslawien. Das überwiegend deutschsprachige Westungarn (seit 1921 Burgenland) wurde dem Kriegsverlierer Österreich zugesprochen. Aus Deutschösterreich wird Österreich Alle Parteien hofften auf eine Vereinigung mit dem Deutschen Reich, weil niemand glaubte, dass das kleine Österreich lebensfähig sei. Weil der Friedensvertrag eine solche Vereinigung verbot, musste die Bezeichnung „Deutschösterreich“ auf „Österreich“ geändert werden. Volksabstimmungen Jugoslawien erhob Anspruch auf die zweisprachigen (Deutsch und Slowenisch) Gebiete in Kärnten. Im November 1918 besetzten jugoslawische Truppen Südkärnten. Die provisorische Landesregierung beschloss den bewaffneten Widerstand. Die Menschen in Südkärnten mussten laut Friedensvertrag abstimmen, ob das Gebiet zu Jugoslawien oder zu Österreich gehören sollte. Die Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 ging mit 59 % für Österreich aus. Viele Menschen mit slowenischer Muttersprache stimmten für einen Verbleib bei Österreich. Die ungarische Regierung widersetzte sich der Abtretung Westungarns und forderte schließlich Ödenburg (Sopron). Nach einer Volksabstimmung in Ödenburg (Sopron) im Dezember 1921 verblieben die Stadt und einige umliegende Dörfer bei Ungarn. M2 Plakat zur Wahl der konstituierenden Nationalversammlung 1919 M3 „Mutter, stimme nicht für Jugoslawien, sonst muss ich für König Peter in den Krieg ziehen!“ (österreichisches Propagandaplakat in slowenischer Sprache, 1920) M1 Aus der Verzichtserklärung Kaiser Karls I. Q Seit meiner Thronbesteigung war Ich unablässig bemüht, Meine Völker aus den Schrecknissen des Krieges herauszuführen, an dessen Ausbruch ich keinerlei Schuld trage. Nach wie vor von unwandelbarer Liebe für alle meine Völker erfüllt, will Ich ihrer freien Entfaltung Meine Person nicht als Hindernis entgegenstellen. Im Voraus erkenne Ich die Entscheidung an, die Deutschösterreich über seine künftige Staatsform trifft. Das Volk hat durch seine Vertreter die Regierung übernommen. Ich verzichte auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften. (nach: Wiener Zeitung, Extraausgabe, 11.11.1918) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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