142 Lebensbedingungen und Globalisierung M1 Demonstration in Straßburg, Frankreich (14.2.2006) M5 Anzahl der Working Poor in Österreich von 2014 bis 2024 (Statista 2025, Statistik Austria, EU-SILC 2025) 2014 2015 2016 2017 2019 2018 2021 2020 2023 2024 2022 0 50 000 100 000 150 000 200 000 250 000 300 000 350 000 266 000 297 000 313 000 300 000 316 000 306 000 289 000 297 000 331 000 316 000 304 000 Working Poor (Erwerbsarmut) Manche können sich das Lebensnotwendigste nicht leisten, obwohl sie Arbeit haben. Zu den Working Poor eines Jahres rechnet man Menschen zwischen 18 und 64 Jahren, die länger als sechs Monate Voll- oder Teilzeit gearbeitet haben und trotzdem als „arm“ gelten. Davon waren laut der International Labour Organization 2020 weltweit 595 Mio. Menschen betroffen: Sie hatten Arbeit, mussten aber mit weniger als 3,2 US-Dollar (ca. 3 Euro) pro Tag auskommen. (Die Lebenshaltungskosten sind in manchen Ländern viel geringer, das wird eingerechnet.) 2005 waren es noch 1,1 Mrd., die Zahl der Working Poor weltweit ist also bis 2020 um 45,5 % zurückgegangen. Atypische Arbeitsverhältnisse Alle Beschäftigungsformen, die keine unbefristete Vollzeitbeschäftigung sind, bezeichnet man als atypisch: zB Teilzeit, geringfügige Beschäftigung, Leiharbeit oder befristete Beschäftigung. Atypische Beschäftigungsverhältnisse nehmen laut Statistik Austria am österreichischen Arbeitsmarkt stetig zu. So war 2024 bereits mehr als ein Drittel aller Unselbstständigen in einer atypischen Beschäftigung tätig. Mehr als die Hälfte der unselbstständig erwerbstätigen Frauen arbeitet in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis, in erster Linie in Teilzeit. Prekäre Arbeitsverhältnisse Geringer Lohn, keine soziale Absicherung und keine Zukunftsperspektiven sind Kennzeichen prekärer Arbeitsverhältnisse. Nicht jedes atypische Arbeitsverhältnis ist prekär: Es kommt darauf an, ob man mit dem Einkommen auskommen kann und ob einen die Befristung eines Beschäftigungsverhältnisses beunruhigt oder nicht. Auch Vollzeitbeschäftigungen können prekär sein, wenn man vom Einkommen nicht würdig und selbstbestimmt leben kann. M2 Vorteile eines Sozialstaates Q Starke Sozialstaaten reduzieren Abstiegsgefahr und schützen die Mitte vor Armut. Sozialleistungen tragen entscheidend zum sozialen Ausgleich bei und wirken vorbeugend gegen Armut. Sie reduzieren die Armutsgefährdung von 44% auf 15%. Am stärksten wirken Arbeitslosengeld, Notstands- und Mindestsicherung sowie Wohnbeihilfe und Pflegegeld. Die Angleichung der Notstandshilfe auf das zuletzt bezogene Arbeitslosengeld in der Corona-Krise hat zB vorbeugend gewirkt, so das Netzwerk Armutskonferenz. (nach: armutskonferenz.at, 2021) M3 Wer ist arm in Österreich? Q Erwerbslos, alleinerziehend, Working Poor, zugewandert: Arm ist nicht nur, wer in Pappschachteln am Bahnhof übernachten oder die Tage auf Parkbänken verbringen muss, sondern arm ist, wer am Alltagsleben nicht teilnehmen kann. (nach: armutskonferenz.at, 2021) M4 Arm trotz Arbeit (Karikatur, Leopold Maurer, 7.2.2023) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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