Zeitbilder 4, Schulbuch

Anwendungsbereich 11: Medien und politische Kommunikation in Gegenwart und Zukunft 159 M6 Neujahrsbaby Asel Q Kürzlich haben wir über das Wiener Neujahrsbaby Asel (türkischer Mädchenname) berichtet, das am Neujahrstag um 0.47 Uhr das Licht der Welt erblickte. Während sich viele Leser mit der jungen Familie über ihr Glück freuten und gratulierten, herrschte bei anderen Nutzern vor allem auf Facebook absolut blanker Hass. Beschimpfungen, Beleidigungen, Rassismus und sogar Todeswünsche fanden sich in den Kommentaren. Um die Frage zu klären, warum es sowohl bei Medien als auch im Netz allgemein vermehrt unpassende Kommentare gibt, haben wir mit dem Leiter der Fachstelle Social Media Management an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich, gesprochen. H: Manuel, unsere Freischalter berichten von einem klar spürbaren Anstieg rassistischer, sexistischer, ehrverletzender und anderer beleidigender Kommentare. Kannst du uns erklären, woran das liegt? M: Ich glaube, dass das ein Zeitgeist-Phänomen ist. Der Umgang miteinander hat sich in den letzten Jahren extrem verändert, der Ton ist rauer geworden. Die Kommentarspalten und das Internet allgemein sind nur ein Abbild unserer Gesellschaft. Wenn man früher auf eine kritische politische Demo ging, hat man sich noch vermummt. Heute outet man sich ganz öffentlich auf Facebook und ruft Parolen auf der Straße, die sich seit 1945 keiner mehr getraut hat laut auszusprechen. H: Können wir dem Ganzen irgendwie entgegenwirken? M: Ja. Das Problem sind die vielen stillen Beobachter, die sich lieber nicht einmischen, um keinen Shitstorm zu kassieren. Was absolut menschlich und verständlich ist. Vor allem, weil die Trolle ja immer Zeit zu haben scheinen, im Gegensatz zu uns, die nicht 24/7 im Netz hängen können. Aber damit tun wir unserer Gesellschaft keinen Gefallen. Wir müssen auch im Online-Diskurs mehr Zivilcourage zeigen. (nach: heute.at, 2.1.2018) Trolle nicht füttern! Antworte ihnen nicht! Lösche ihre Mitteilungen! Sorge dafür, dass sie von deinem Computer blockiert werden! M5 Trolle nicht füttern! (Karikatur, Vladislav Ashikhmin, 2017) heute Hasspostings Aggressive, provozierende Postings im Internet erfüllen oft einen Straftatbestand und werden gerichtlich verfolgt. Es macht rechtlich keinen Unterschied, ob ein Delikt in der realen Welt oder im Internet, zB in einem Online-Forum, begangen wird. Hasspostings können zB Einzelpersonen oder Gruppen von Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Geschlechts, ihrer Religion, … diskriminieren. Fake News Das Internet und soziale Netzwerke eignen sich besonders gut, um Falschnachrichten (Fake News) oder Halbwahrheiten zu verbreiten. Informationen werden geliked, geteilt und weitergeschickt, ohne dass man sie auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Doch selbst wenn Nachrichten später als unwahr erkannt werden, können sie rufschädigend wirken. Populismus Auch Privatpersonen können populistisch sein, wenn sie die „Elite“ der Regierenden angreifen, „das Volk“ bestimmen lassen wollen und ganz streng zwischen „Gut“ und „Böse“ ohne Zwischenstufen unterscheiden. Sie vertrauen eher auf Lebenserfahrung und „Bauchgefühl“ als auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Verschwörungsmythen zB zu Corona-Impfungen verbreiten sich in Social Media rasch. Radikalisierung Extremistische Organisationen kommunizieren in der Hoffnung auf Anonymität über das Internet, verbreiten Propagandamaterial und rekrutieren neue Mitglieder. Radikalisierung junger Menschen passiert allerdings meistens durch ein Zusammenspiel der realen und der digitalen Welt und nicht im Netz allein. Allerdings ist es leichter, dort Kontakte zu knüpfen und Gleichgesinnte zu treffen. 1 Beschreibe M1 und M4. Nenne Vor- und Nachteile dieser Art der Informationsweitergabe. (PSK I) 2 Vergleiche die Informationsweitergabe über das Internet (M2) mit den beiden traditionellen Methoden (M1 und M4). Beurteile, ob du alle Familienereignisse über X bekannt geben würdest. (PUK III) 3 Arbeite aus M3 die unterschiedlichen Methoden, Nachrichten zu verbreiten, heraus. (HMK II) 4 Erläutere mithilfe von M5, wie man mit Trollen im Netz umgehen sollte. (PSK II) 5 Fasse die Gründe zusammen, die der Experte (M6) für den Anstieg der Hasspostings anführt. Erkläre seine Aussage, dass Trolle „24/7 im Netz hängen“. Fasse zusammen, welche Vorgangsweise er gegen Hasspostings empfiehlt. Vergleiche sie mit M5. (PSK II) 6 Erkläre den Begriff Zivilcourage. (PSK II) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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