Zeitbilder 4, Schulbuch

160 M Politische Rede Mit Texten arbeiten – Politische Rede Ziel einer politischen Rede ist eine Änderung von Denken oder Handeln, manche Rede will auch manipulieren. Kritische Interpretation ist daher wichtig. Politische Reden werden oft über Zeitungen, Radio, Fernsehen oder Internet verbreitet. Die Argumentation richtet sich durch Mimik, Gestik und emotionale Sprechweise eher an das Gefühl als an den Verstand. Rhetorische Mittel sind häufig: Übertreibungen, Ausrufe, Anreden, Wiederholungen und Vergleiche. Um die Rede zu interpretieren, muss man die zugrunde liegenden Wertvorstellungen beurteilen und mit den eigenen vergleichen. Beschreiben: Nenne das Thema und die Art der Rede. Analysieren: Inhalt: Arbeite Schlüsselwörter, Argumente, Gliederung und Wahrheitsgehalt heraus. Rednerin / Redner: Stelle fest, wer die Rede in welcher Absicht gehalten hat und welche Ideologie dahintersteht. Kontext: Stelle fest, wann, wo und zu welchem Anlass die Rede gehalten wurde. Publikum: Finde heraus, wer die Rede hörte, ob sie schriftlich veröffentlicht wurde und wie politische Gegnerinnen und Gegner angesprochen werden. Sprache und Rhetorik: Analysiere, ob informiert oder an das Publikum appelliert wird. Interpretieren: Erörtere das Ziel der Rede. Bewerte die Rede (Vortrag und Inhalt) aus heutiger Sicht. M1 Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei einer Pressekonferenz in Wien am 5.9.2023 M2 Der heutige König Charles III. spricht im Präsidentenpalast im indonesischen Jakarta am 3.11.2008. M3 Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, bei einer Pressekonferenz in Brüssel am 20.6.2023 Rhetorik Der Begriff (griech.: rhetoriké techné) bedeutet Redekunst. In der Antike gab es drei Kriterien für eine gelungene Rede: Der Redner musste glaubwürdig und seine Argumente gut sein, und er musste die Zuhörenden dazu bringen, an der Rede Anteil zu nehmen. Heutige Rhetorik geht von einer Kommunikation auf Augenhöhe und der Frage: Was wird wie gesagt? aus. Rhetorische Stilmittel (Fragen, Wiederholungen, Wortspiele) und bildhafte Sprache reißen die Zuhörenden mit. Daher können die brillante Rhetorik einer Populistin oder eines Populisten oder Hasspredigten gefährlich für die Demokratie werden. Körpersprache Nicht nur die Worte, auch der Auftritt der Rednerin oder des Redners tragen zu einer gelungenen Rede bei. Gesten können die Bedeutung einer Passage unterstreichen. Sichtbare Handflächen zeigen Offenheit und wirken positiv auf das Publikum. Eine ausbalancierte Körperhaltung im Sitzen oder Stehen (Hüften waagrecht) strahlt Gelassenheit aus. Breitbeiniger Stand oder Hände in die Hüften gestützt wirken nach Machtgehabe und wenig selbstsicher. Auch der Gesichtsausdruck sollte zum Gesagten passen, vor allem, wenn die Rede im Internet veröffentlicht oder auf Videowalls gezeigt wird. Anlässe Wie bei Privatpersonen gibt es in der Politik unterschiedliche Anlässe, das Wort zu ergreifen: eher aggressive und eindringliche Wahlkampfreden, nachdenkliche und motivierende Reden für Neujahrsansprachen, freudige, aber auch versöhnliche nach Wahlsiegen, patriotische an Nationalfeiertagen und traurige, betroffene und mitfühlende bei Verabschiedungen. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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