Zeitbilder 4, Schulbuch

Anwendungsbereich 2: Faschismus – Nationalsozialismus – Kommunismus 27 Kollektivierung der Landwirtschaft Die rasche Industrialisierung und die Versorgung der angewachsenen Industriestädte kosteten viel Geld. Um dies finanzieren zu können, forderte Stalin höhere Erträge in der Landwirtschaft. Seit 1928 wurde die bäuerliche Bevölkerung gezwungen, ihre privaten Betriebe aufzugeben. Diese wurden zu Großbetrieben zusammengefasst. Sie waren entweder genossenschaftlich verwaltet (Kolchosen*) oder Staatseigentum (Sowchosen*). Bäuerinnen und Bauern arbeiteten nun kollektiv in den Großbetrieben. Die Maschinen stellte der Staat zur Verfügung. Widerstand Die bäuerliche Bevölkerung schlachtete ihr Vieh und zerstörte ihre Geräte. Der Viehbestand und die Ernteerträge gingen stark zurück. Die Folge war eine Hungerkatastrophe. Etwa sieben Millionen Menschen starben. Stalin ging mit Gewalt gegen alle, die Widerstand leisteten, vor. Er ließ viele ermorden oder in Arbeitslager schicken. M7 Kollektivierung der Landwirtschaft: „Komm, Genosse, in unsere Kolchose!“ (Plakat von Vera Korabljowa (1887–1959), um 1930) M5 Lew Kopelew, Schriftsteller und späterer Stalingegner, berichtet 1975 über seine Zeit als Funktionär der kommunistischen Partei unter Stalin. Q Damals (um 1930) war ich von einem fest überzeugt: Das Ziel heiligt die Mittel. Unser großes Ziel war der Sieg des Weltkommunismus; um seinetwillen kann man und muss man lügen, rauben, hunderttausende, ja Millionen von Menschen vernichten – alle, die diesem Ziel hinderlich im Wege stehen oder auch nur im Wege stehen könnten. So urteilte auch ich, als ich sah, wie die „totale Kollektivierung“ durchgeführt wurde, wie die Bauern im Winter 1932/1933 erbarmungslos ausgebeutet wurden. Ich war selbst dabei, hörte nicht auf das Heulen der Weiber, das Winseln der Kinder. Damals war ich überzeugt, dass wir alle die große sozialistische Umgestaltung des Dorfes vollbringen, dass es danach allen Bauern unendlich viel besser gehen würde und dass die, die mich geschickt hatten, besser als die Bauern wussten, wie diese zu leben, zu pflügen, zu säen hatten. (nach: L. Kopelew, Aufbewahren für alle Zeit! 1975) M6 Held der Arbeit? D Der sowjetische Bergmann Alexei Stachanow fördert am 31.8.1935 in Donezk in einer Schicht 102 Tonnen Steinkohle und übererfüllt damit seine Arbeitsnorm um das Dreizehnfache. Der Rekord des Hauers dient der Sowjetführung als Vorwand für eine allgemeine Erhöhung der Arbeitsnormen um 15 bis 20%. Was kaum jemand weiß: Stachanows Aktion war zuvor sorgfältig geplant worden und unter völlig unrealistischen Arbeitsbedingungen zustande gekommen. Laut Sowjetpropaganda sei der Bergmann durch eine Stalin-Rede spontan inspiriert worden. Als Belohnung erhält Stachanow eine Prämie sowie ein Haus samt Einrichtung und wird Abteilungsleiter im Ministerium für Kohleindustrie. (nach: welt.de/geschichte) 1 Beschreibe M1. Erörtere, welche Wirkung das Plakat erzielen möchte. (PMK III) 2 Beschreibe mithilfe von M2, wie Stalin von der Bevölkerung der UdSSR wahrgenommen werden wollte. Erkläre den Begriff „Personenkult“. (PSK II) 3 Beschreibe M3. Recherchiere, warum die Statue in Gori steht. (HSK II) 4 Vergleiche die Merkmale von „Stalinismus“ mit der Definition von „Diktatur“ (S. 24). Beurteile mithilfe des Schulbuchtextes, M1 und M2, warum Stalinismus als Diktatur bezeichnet werden kann. (PSK III) 5 Stelle einen Zusammenhang von M4 mit dem Schulbuchtext zur Industrialisierung her. (HOK III) 6 Arbeite aus M5 heraus, wie Kopelew die Anwendung von Gewalt rechtfertigte. Nimm Stellung zu Kopelews Aussage „Das Ziel heiligt die Mittel“. (HFK III) 7 Erkläre mithilfe von M6, wie die Öffentlichkeit Stachanows Tun wahrnehmen sollte und was wirklich geschehen war. Bewerte die Gründe der Sowjetführung für diese Aktion. (HOK III) 8 Beschreibe M7. Erläutere, warum man hier von „sowjetischer Propaganda“ sprechen kann. (PMK II) 1922 1975 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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