Zeitbilder 4, Schulbuch

28 Faschismus in Italien und Austrofaschismus M1 Marsch auf Rom: Die italienischen Faschisten behaupteten, sie hätten ihre Machtergreifung 1922 ihrem „Marsch auf Rom“ zu verdanken. In Wirklichkeit zogen Mussolinis Truppen erst am Tag, nachdem König Victor Emmanuel III. Mussolini (dritter von links, im Anzug) die Macht übertragen hatte, in der Hauptstadt ein. (Foto, 28.10.1922) zum Regierungschef ernannt werde. Der König – Italien war damals eine parlamentarische Monarchie – beauftragte ihn schließlich mit der Bildung einer Regierung. Faschistische Militärdiktatur Mussolini verwandelte Italien in eine Diktatur mit enormem Kult um seine eigene Person. Er setzte massive Propaganda ein und baute seine faschistische Partei zur Massenpartei aus. Alle anderen Parteien waren verboten, und Rede-, Versammlungs- und Pressefreiheit wurden aufgehoben. Ab 1934 war das faschistische Italien auch als Militärmacht aktiv und erklärte Libyen zur italienischen Kolonie. 1935 griffen italienische Truppen das heutige Äthiopien an. M4 Eine steirische Zeitung beruft sich auf italienische Berichte. Q Es scheint, dass die Regierung in Italien ihre Aktion darauf beschränkt, mit offiziellen Beschlüssen das Werk der faschistischen Partei zu krönen. Wenn die Faschisten Befehle erlassen, so findet die Regierung nur so viel Kraft, um durch ihre verwirrten Beamten die Verordnungen der Faschisten ausführen zu lassen. Es ist klar, dass diese Zustände nicht länger zu ertragen sind. Mussolini, der Führer der Faschisten, der ungekrönte König Italiens, hat den „Marsch auf Rom“ angekündigt. Sozialistische Blätter haben ihn wörtlich aufgefasst und erzählt, dass sie hinter einen geheimen Plan gekommen seien: In der Zeit ab 22. Oktober sollen sich faschistische Gruppen in der Umgebung von Rom konzentrieren. Geplant ist, das Parlament zu besetzen, alle öffentlichen Gewalten abzusetzen und durch faschistische Parteigänger zu ersetzen. Dem hat die faschistische Partei widersprochen und festgestellt, dass der „Marsch auf Rom“ symbolisch gemeint sei und die verfassungsmäßige Übernahme der Regierung nach Neuwahlen bedeute. Sie verlangen die Auflösung des Parlaments. Wenn die Regierung dieser Forderung nicht entspricht, dann ist es nicht ausgeschlossen, dass Gewalt angewendet wird. (nach: Grazer Volksblatt, 10.10.1922) Italien – der „Duce“ errichtet eine Diktatur Krise in Italien Italien gehörte zu den Siegern des Ersten Weltkriegs. Das Land befand sich aber zu Beginn der 1920-er Jahre in einer schwierigen Situation. Vielen waren die Gebietsgewinne in Tirol und Istrien zu wenig. Es gab politische Unruhen und große wirtschaftliche Probleme. „Duce“ (Führer) Benito Mussolini Er gründete 1919 faschistische Kampfbünde. Als seine Hauptgegner sah er die Sozialisten und Kommunisten und ließ sie von seinen „Schwarzhemden“ (faschistischen Schlägertrupps) terrorisieren. Häufig überfielen sie politische Gegner, viele ermordeten sie. Zahlreiche Großgrundbesitzer und Fabriksbesitzer unterstützten Mussolini. Sie hofften, die Faschisten würden die rebellierende Arbeiterschaft unter Kontrolle halten. Während einer Regierungskrise 1922 drohte Mussolini, Rom von seinen Kampfgruppen erobern zu lassen, falls er nicht M3 „Duce“ Benito Mussolini (Propagandaplakat, um 1930) M2 Faschismus Q 1. Der Faschist darf nicht an den ewigen Frieden glauben. 2. Strafen sind immer verdient. 7. Gehorsam ist der Gott der Heere, ohne ihn ist kein Soldat denkbar, aber es kommen Unordnung und Niederlagen. 8. Mussolini hat immer Recht. 9. Eines muss dir über allem stehen: das Leben des Duce. (nach: B. Mussolini, Der Geist des Faschismus, 1943) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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