Zeitbilder 4, Schulbuch

Anwendungsbereich 2: Faschismus – Nationalsozialismus – Kommunismus 29 Austrofaschismus – Diktatur in Österreich Der autoritäre „Ständestaat“ Im März 1933 nutzte Bundeskanzler Engelbert Dollfuß eine Krise im Parlament bewusst zu dessen Ausschaltung. Mit einer neuen Verfassung (1934) wurde die bisherige demokratische Regierungsform auch offiziell durch eine autoritäre, d. h. diktatorische ersetzt. Regiert wurde Österreich bis 1938 durch Verordnungen der Regierung. Dollfuß errichtete einen „Ständestaat“. Er gründete die Vaterländische Front als Sammelbewegung aller „vaterlandstreuen“ Menschen in Österreich. Parteien wurden verboten, an ihre Stelle sollten die „Stände“ treten: Mitglieder einer Berufsgruppe (zB Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft) wurden jeweils zu einem Stand zusammengefasst. Diese autoritäre Herrschaftsform in Österreich von 1933 bis 1938 wird heute als Austrofaschismus bezeichnet. Dieser orientierte sich am italienischen Faschismus Mussolinis. Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1933 bis zu seiner Ermordung 1934), danach bis 1938 Bundeskanzler Kurt Schuschnigg* hatten fast die gesamte politische Macht. M7 Diktatur in Österreich Q Das neue Gesetz sagt: Der Bundeskanzler ist Führer der Vaterländischen Front. Er ernennt alle ihre Funktionäre. Er kann sie jederzeit abberufen. All das bedeutet: Die Mitglieder der Vaterländischen Front haben gar keine Rechte, keine Befugnisse, nichts zu reden. Alles entscheidet nach seinem Ermessen der Bundeskanzler als Führer der Vaterländischen Front. Der Bundeskanzler ist nicht ein Organ der Vaterländischen Front, sondern die Vaterländische Front ist ein willenloses Herrschaftsinstrument des Bundeskanzlers. Das neue Gesetz ist also nichts anderes als die Verkündigung des schrankenlosen persönlichen Absolutismus des Bundeskanzlers. (nach: Arbeiter-Zeitung, 10.6.1936) Merkmale des Austrofaschismus • enge Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche • Zensur • Verbot politischer Parteien • einzig zugelassene politische Organisation: „Vaterländische Front“ • Ablehnung des Nationalsozialismus (S. 32) • „Anhaltelager“ oder Todesstrafe für politische Gegnerinnen und Gegner M5 Zustimmung zur Vaterländischen Front Q Es gibt in Österreich nach wie vor nur einen Führer, einen Willen und einen Weg. Die Grundsätze der Vaterländischen Front bieten Raum für jeden gutgesinnten Österreicher, denn Mitglied der Vaterländischen Front sein, heißt, auch in besonderer Bedeutung deutsch sein, national sein und Dienst am gesamtdeutschen Volk leisten durch den Einsatz aller Kräfte für das Vaterland Österreich. (nach: Neues Wiener Journal, 15.7.1936) 1 Beschreibe M1. Vergleiche die hier dargestellte Szene mit der (angeblich) faschistischen Interpretation des „Marsches auf Rom“ in M4. (HSK II) 2 Ermittle, welche der auf S.25 aufgezählten Merkmale des Faschismus sich auch in M2 zeigen. (HFK II) 3 Interpretiere M3. Analysiere die Symbole, die verwendet wurden. (PMK III) 4 Fasse M4 zusammen. Erläutere, warum Mussolini als „der ungekrönte König Italiens“ bezeichnet wird. (PUK II) 5 Erkläre die Begriffe „Ständestaat“ und „Austrofaschismus“ in eigenen Worten. (PSK II) 6 Erläutere mithilfe von M5 und M7 die politische Rolle der Vaterländischen Front. Rekonstruiere, warum der Bundeskanzler nun autoritär herrschte. Arbeite die unterschiedlichen Einstellungen aus den beiden Artikeln heraus. HSK II, PMK III) 7 Arbeite aus M6 die Forderung der Vaterländischen Front heraus. Ermittle den Namen des Symbols des österreichischen Ständestaates auf der Fahne. (HMK II) M6 Kundgebung der Vaterländischen Front in Wien (Foto, Albert Hilscher (1892–1964), 31.7.1936) 1922 1938 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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