Anwendungsbereich 2: Faschismus – Nationalsozialismus – Kommunismus 41 M7 Gedenktafel am Akademischen Gymnasium in Wien (Foto 2018) M5 NS-Landesschulreferent Dr. Rudolf Lenk im Mai 1938 über das nationalsozialistische Erziehungsziel Q Das Erziehungsproblem unterliegt nicht mehr der Ansicht, der Meinung, der Diskussion, sondern ist erb- und blutgebundene Wahrheit. Ziel ist der politisch geformte wirkliche Mensch der völkischen Gemeinschaft, der Volksgenosse. Der Jugend Stolz sind Blut und Ehre. (nach: david.juden.at) Ausgrenzung jüdischer Schülerinnen und Schüler In ganz Österreich wurde jüdischen Kindern und Jugendlichen der Besuch öffentlicher Schulen verboten. Alle Lehrkräfte mussten nach dem „Anschluss“ Österreichs dem Nationalsozialistischen Lehrerbund beitreten. Weltanschauung statt Wissenschaft Regimetreue Direktionen sollten die Lehrkräfte durch intensive Schulungen vom Nationalsozialismus überzeugen. In jedem Klassenraum war ein Bild des „Führers“. Alle grüßten mit „Heil Hitler“. Sportunterricht wurde aufgewertet. Vor allem Geschichte, Biologie und Geographie sollten die nationalsozialistische „Rassen- und Erblehre“ erklären. Sie war wichtiger als wissenschaftliche Tatsachen, wie zB die, dass es keine verschiedenen Menschenrassen gibt. M8 Harry, ein zehnjähriger jüdischer Wiener Gymnasiast, erinnert sich an den „Anschluss“. O Ich weinte, weil mein neuer Atlas nun wertlos war – meine Eltern weinten auch, aber aus anderen Gründen. (nach: M. Krist, Vertreibungsschicksale) 1938 1945 Napola Nationalpolitische Erziehungsanstalten waren Internatsschulen, die mit Matura abschlossen und eine vormilitärische Ausbildung boten. Hier sollte „Führernachwuchs“ ausgebildet werden. Körperliche Fitness und Regimetreue wurden dort für wichtiger angesehen als geistige Fähigkeiten. Sie nahmen meist, aber nicht ausschließlich, Buben auf. M6 Kurt, ein elfjähriger jüdischer Gymnasiast aus Wien, erinnert sich an den „Anschluss“. O Am Montag kam ich in die Klasse und am Sonntag habe ich noch mit meinen Klassenkameraden oder Freunden auf der Gasse Fußball gespielt – und zwar Juden oder Nichtjuden, das war ja ganz egal. Und ich kam in die Klasse, und es hat da so geknistert, man hat gemerkt, irgendetwas kommt. Und wirklich, um acht Uhr läutet es, unser Klassenvorstand – seinen Namen weiß ich nicht mehr – grüßte in SA-Uniform „Heil Hitler“ und sein erster Satz war: „Juden heraustreten. Nehmt eure Schulsachen.“ Und wir wurden vom ersten Moment an von den nichtjüdischen Klassenkameraden getrennt. Wir sind in die Eselsbänke, in die rückwärtigen Bänke versetzt worden, und in Klassen, die nicht so stark waren wie unsere – also an Schüleranzahl –, gab es zwischen den Judenbänken und den nichtjüdischen Bänken eine leere Bankreihe. Wir wurden vom ersten Moment an wie Aussätzige, wie Schwerstkranke behandelt. Es gab Strafen, es gab Schläge, es war nicht angenehm. (nach: Interview mit Kurt Rosenkranz, weitererzaehlen.at) 1 Beschreibe die Schulsituation von Traudl (M1 und M3). Vergleiche sie mit der in M6 beschriebenen. (HMK II) 2 Analysiere M1. Stelle mithilfe von M3 fest, wie viele jüdische und wie viele Kinder insgesamt in dieser Klasse waren. (HMK II) 3 Arbeite aus M2 heraus, weshalb Frau Baum die Tochter von der Schule abmeldete und wie sie ihren Entschluss begründete. (HMK II) 4 Versetze dich in die Lage der Tochter (M2). Erkläre die Auswirkungen auf dein Leben in einem Brief an eine ehemalige Mitschülerin. (HFK II) 5 Fasse die Tätigkeiten der Mädchen beim BDM (M4) zusammen. Finde heraus, was eine „Flak“ ist. (HMK I) 6 Vergleiche M6 mit dem Schulbuchtext und M5. Erläutere, was im nationalsozialistischen Bildungssystem wichtig war und was nicht. Erläutere, wie sich der „Anschluss“ auf Kurts Leben auswirkte. (HSK II) 7 Recherchiere in der Schulchronik, ob auch deine Schule eine Tafel wie M7 braucht. (HOK II) 8 Erkläre mithilfe des Schulbuchtextes, warum der zehnjährige Harry weinte (M8) und aus welchen Gründen seine Eltern weinten. (HMK II) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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