Zeitbilder 4, Schulbuch

50 Widerstand gegen den Nationalsozialismus M1 Szene aus dem Film „Stauffenberg“ (österreichischdeutscher Film, Regie: Jo Baier, Foto 2003) M4 Denkmal für die „Weiße Rose“ von Robert Schmidt-Matt (geb. 1954) in München (Foto 2017) Widerstand Die Nationalsozialisten sahen Menschen, die Widerstand gegen die Diktatur leisteten, als Verbrecher und Hochverräter, „Volksschädlinge“ und „Wehrkraftzersetzer“. Heute sehen viele in ihnen mutige Menschen, die ihrem Gewissen folgten. Sie riskierten ihr Leben für Freiheit und Menschlichkeit. Arten des Widerstands Kommunistische und sozialdemokratische Widerstandsgruppen organisierten Flugblattaktionen. Geistliche predigten gegen die Unmenschlichkeit der Nationalsozialisten. Führende Persönlichkeiten der verbotenen Parteien sammelten Widerstandsgruppen um sich. Zahlreiche Menschen gewährten Verfolgten Unterschlupf und versorgten sie mit Lebensmitteln. Soldaten und Offiziere weigerten sich Befehle auszuführen, um so den Krieg zu beenden. Es gab Attentate auf Hitler, die jedoch fehlschlugen. Die „Weiße Rose“ Um die Geschwister Sophie und Hans Scholl bildete sich in München die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Ihre Mitglieder verteilten Flugblätter, um vor allem Jugendliche dazu zu bewegen, sich gegen die Diktatur aufzulehnen. Sie hatten erkannt, dass sie getäuscht und verführt worden waren. M2 Radioansprache Hitlers am 21.7.1944 Q Wenn ich heute zu Ihnen spreche, dann aus zwei Gründen: Damit Sie meine Stimme hören und wissen, dass ich selbst unverletzt bin. Zweitens, damit Sie aber auch das Nähere erfahren über ein Verbrechen, das in der deutschen Geschichte seinesgleichen sucht. (nach: Innsbrucker Nachrichten, 21.7.1944) „Operation Walküre“ Je schlechter die Kriegslage für Deutschland wurde, desto stärker wuchs der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Eine Gruppe von Offizieren plante unter dem Decknamen „Operation Walküre“, Hitler am 20. Juli 1944 zu ermorden, führende Nationalsozialisten zu verhaften und den Krieg zu beenden. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg schmuggelte eine Bombe in das „Führerhauptquartier Wolfsschanze“ in Ostpreußen. Die Explosion verletzte Hitler jedoch nur leicht. Der Plan war gescheitert. Einige der Verschwörer wurde sofort erschossen, die anderen später gehenkt. M3 Inge Scholl, die Schwester von Hans und Sophie Scholl, erzählt. Q Am 18. Februar 1943 füllten Hans und Sophie noch einen Koffer mit Flugblättern. Sie machten sich mit dem Koffer auf den Weg zur Universität. Kaum hatten sie die Wohnung verlassen, klingelte ein Freund an ihrer Tür, der ihnen eine dringende Warnung überbringen sollte. Mittlerweile hatten die beiden die Universität erreicht. Und da in wenigen Minuten die Hörsäle sich öffnen sollten, legten sie die Flugblätter in den Gängen aus und leerten den Rest ihres Koffers vom obersten Stock in die Eingangshalle der Universität hinab. Erleichtert wollten sie die Universität verlassen. Aber der Hausmeister hatte sie erspäht. Alle Türen der Universität wurden sofort geschlossen. Damit war das Schicksal der beiden besiegelt. Die rasch alarmierte Gestapo brachte meine Geschwister in das Gefängnis. Und nun begannen die Verhöre. Tage und Nächte, Stunden um Stunden. Die Mitgefangenen, die Gefängnisgeistlichen, die Gefangenenwärter, ja selbst die Gestapobeamten waren von ihrer Tapferkeit aufs Höchste betroffen. Der Scharfrichter sagte, so habe er noch niemanden sterben sehen. Hans, ehe er sein Haupt auf den Block legte, rief laut, dass es durch das große Gefängnis hallte: „Es lebe die Freiheit!“ (nach: I. Scholl, Die Weiße Rose, 1952) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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