Zeitbilder 4, Schulbuch

Anwendungsbereich 3: Shoah und Genozid 71 19. Jh. heute Genozid an den Tutsi in Ruanda 1994 töteten radikale Angehörige der Hutu-Mehrheitsbevölkerung aus Armee, Gendarmerie und Zivilisten innerhalb von drei Monaten ca. eine Million Tutsi und auch Hutu, die sich an diesem Völkermord nicht beteiligen wollten oder gegen ihn auftraten. Hutu und Tutsi gehören zur selben Volksgruppe und gleichen sich in Sprache und Kultur, doch hatten die Tutsi einen höheren sozialen Status. UN-Friedenstruppen waren zwar in Ruanda stationiert, griffen aber nicht ein. Der Internationale Strafgerichtshof für Ruanda verhandelte bis Ende 2015 und erhob Anklage gegen mehr als 90 Personen, von denen über 60 schuldig gesprochen wurden. Genozid an Bosniaken 1995 töteten in Srebrenica Angehörige der serbischen Armee, Polizei und Milizen unter Ratko Mladić etwa 8 000 muslimische bosnische Männer und Buben und verscharrten sie in Massengräbern. Bis heute ist unklar, warum die in der Schutzzone anwesenden UN-Soldaten nicht eingriffen. Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verurteilte die Hauptverantwortlichen für das Massaker zu jahrzehntelangen bis lebenslänglichen Haftstrafen. Genozid am jesidischen Volk Diese Volksgruppe wird meist zu den Kurden gerechnet. Ihre monotheistische Religion wird mündlich weitergegeben. 2014 überfiel die Terrormiliz Islamischer Staat die jesidische Bevölkerung im Nordirak, ermordete über 5 000 Männer und Buben und entführte und versklavte über 7000 Frauen und Kinder. Viele mussten zum Islam konvertieren. Etwa 300 000 flohen mit Unterstützung kurdischer Milizen in die Berge und hoffen seit Jahren (Stand 2025) auf Hilfe. Genozid-Vorwürfe Chinesische Verbrechen an den Uiguren Die Uiguren sprechen türkisch und sind meist islamisch. Etwa elf Mio. leben in der chinesischen Provinz Xinjiang. Die chinesische Führung hat „Umerziehungslager“ eingerichtet. Dort herrscht laut Human Rights Watch brutale Gewalt, Frauen und Kinder werden vergewaltigt, es gibt Zwangsarbeit und Zwangssterilisationen. Die, die nicht in diesen Lagern gefangen sind, müssen oft gewaltbereite Chinesen als „Lehrer für den Kommunismus“ bei sich daheim aufnehmen. Die Uiguren sollen vernichtet werden. Russische Verbrechen am ukrainischen Volk Nach dem Massaker von Butscha 2022 im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sprach der ukrainische Präsident von einem „Völkermord“ an seinem Volk. Damit der juristische Tatbestand des Völkermordes erfüllt wäre, müsste Russland aber planen, die ukrainische Bevölkerung auszulöschen. Selenskyj verwendete den Begriff hier im politischen Sinn, um auszudrücken, wie schwerwiegend die russischen Verbrechen sind. Juristisch gesehen handelt es sich hier um Kriegsverbrechen. M6 Internationale Stellungnahmen Q Umerziehungslager und Zwangssterilisationen: China geht hart gegen die Minderheit der Uiguren vor. Amerikas Außenminister spricht von einem Genozid. Die französische Nationalversammlung hat den Umgang der chinesischen Behörden mit der Volksgruppe der Uiguren als Genozid qualifiziert. „Die Nationalversammlung erkennt offiziell die Gewalttaten, die von den Behörden der Volksrepublik China gegen die Uiguren verübt werden, als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und als Völkermord an“, heißt es in der Resolution. (nach: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.1.2021) M7 Ein chinesischer Funktionär für religiöse Angelegenheiten über die Uiguren (10.8.2017) Q Zerbrecht ihre Abstammung, zerbrecht ihre Wurzeln, ihre Verbindungen und ihren Ursprung. Grabt die Wurzeln der hinterlistigen Menschen heraus, buddelt sie aus, und gelobt, gegen diese hinterlistigen Menschen zu kämpfen! (nach: hrw.org/report, 19.4.2021) 1 Beschreibe M1. Erläutere, wie die Erbauer des Denkmals auf den Genozid in Armenien Bezug nahmen. (HOK II) 2 Interpretiere M2 und M3. Erkläre, wie die Hungersnot, aber auch der christliche Glaube dargestellt sind. Interpretiere die Gaben in M3. Vergleiche M2 und M3. Begründe, welches Denkmal dich mehr anspricht. (HOK III) 3 Fasse M4 zusammen. Analysiere die Gründe, die für die Kämpfe genannt werden. (HMK II) 4 Beurteile mithilfe von M5 und dem Schulbuchtext, ob eine baldige Versöhnung möglich erscheint. (HFK III) 5 Formuliere mithilfe von M6 die Sichtweisen der USA und Frankreichs auf die Lage der Uiguren. (PSK III) 6 Beurteile die Befehle in M7. Arbeite das Vorurteil gegenüber den Uiguren heraus. (HMK III) 7 Erkläre mithilfe des Schulbuchtextes den Unterschied zwischen politischer und juristischer Verwendung des Begriffs „Genozid“. (PMK II) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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