Zeitbilder 4, Schulbuch

72 Geschichte und Gegenwart M1 Heldendenkmal der Roten Armee am Schwarzenbergplatz in Wien: Das Denkmal wurde 1945 auf Beschluss der Roten Armee zur Erinnerung an die bei der Schlacht um Wien gefallenen russischen Soldaten errichtet. (Foto 2022) M3 Parade des österreichischen Bundesheers am Nationalfeiertag: Anlässlich 50 Jahre Bundesheer fand am 26.10.2005 eine große Leistungsschau auf der Wiener Ringstraße statt. (Foto 2005) Private und öffentliche Gedenktage und Gedenkjahre Kultur der Erinnerung Tage, die an bestimmte Ereignisse oder Personen erinnern, gibt es in allen Familien. Auch in der öffentlichen Erinnerung gibt es solche Gedenktage. Sie beziehen sich auf den Jahrestag eines folgenreichen Ereignisses (Krieg, politische Umstürze, Unabhängigkeit). Einige Gedenktage wurden offizielle nationale Feiertage. Jahre, in denen sich bedeutende geschichtliche Ereignisse jähren, werden zu Gedenkjahren. Denkmäler als Erinnerungszeichen Statuen oder Bauten werden errichtet, um die Erinnerung an Menschen und Ereignisse wachzuhalten. Auch in Österreich gibt es viele Denkmäler für Persönlichkeiten aus Politik, Kunst, Wissenschaft oder Militär. Diese bewahren nicht nur Vergangenes, sondern zeigen auch den gegenwärtigen Umgang mit dieser Vergangenheit. Erinnerungskulturen Jeder Mensch sieht historische Ereignisse und Personen anders. Die Bewertung historischer Ereignisse ist aber auch von der jeweiligen Zeit abhängig, in der man sich an sie erinnert. Wie Erinnerungen gepflegt werden, welche Denkmäler aufgestellt und welche Jubiläen gefeiert werden, sagt viel über eine Gesellschaft und ihre Kultur aus. Sie zeigen, welche Werte und Ideen der Gesellschaft, der Volksgruppe oder dem Staat wichtig sind. Die Bewertung vergangener Ereignisse und offizielles Gedenken hängen von den jeweiligen politischen Verhältnissen ab. So haben sich Erinnerungskulturen im Laufe der Zeit manchmal gewandelt. M2 Aus der Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen beim Fest der Freude am 8. Mai 2019 Q Wir erinnern uns in Dankbarkeit an die Befreiung Österreichs vom nationalsozialistischen Terrorregime. Die bedingungslose Kapitulation (= Eingeständnis der Niederlage) der deutschen Wehrmacht erfolgte am 7. Mai 1945. Sie trat am 8. Mai in Kraft. Die Macht einer menschenverachtenden, mörderischen Denkweise, die in den dunkelsten Stunden so unbesiegbar schien, war endlich gebrochen. Wir verneigen uns vor den Befreiern Österreichs. Und wir verneigen uns vor allen Opfern, die vom Nationalsozialismus verfolgt, gequält, ermordet wurden. Wir verneigen uns aber auch vor allen, die den Glauben und die Hoffnung an das Gute nicht verloren haben und ihm so zum Sieg verhalfen. Es sind heute neben einigen Überlebenden der Shoah auch acht Befreier aus der ehemaligen Sowjetunion unter uns. Wir würden die Opfer verraten, wenn wir uns nicht auch daran erinnern würden, wie dieser Wahnsinn überhaupt zustande kommen konnte. Wir wären gefühllos und ignorant, wären wir der Meinung, dass heute alles in bester Ordnung ist. Nichts ist in Ordnung, wenn Menschen gegeneinander aufgebracht werden, wenn sie zu „wir“ und „den Anderen“ gemacht werden. Das ist für mich die Wurzel allen Übels: die grundsätzliche Gemeinschaft aller Menschen zu leugnen. Denn so öffnet sich die Tür ins Verderben. Dann ist es plötzlich in Ordnung, Menschen herabzuwürdigen, als dumm, als böse und als Sündenbock darzustellen. Wenn wir dem nicht entgegentreten, mit aller Macht entgegentreten, dann ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis den Worten Taten folgen. (nach: bundespraesident.at) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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