Zeitbilder 4, Schulbuch

76 Erinnern: Zweiter Weltkrieg und Shoah M1 Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz in Wien (Deserteursdenkmal) (Foto 2019) M5 Denkmal für die Opfer der NS-Justiz in Köln, Deutschland (Foto 2009) Die Erinnerungskultur ändert sich Die alten Gedächtnisorte Nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg bildeten die Kriegerdenkmäler auf den Friedhöfen vieler Gemeinden einen wichtigen Gedächtnisort. Die Bevölkerung dachte dort an die gefallenen Soldaten vielfach als Helden und Verteidiger der Heimat. Menschen, die aktiv gegen die NS-Herrschaft Widerstand geleistet hatten oder desertiert waren, bekamen dagegen nur wenig oder gar keine Anerkennung. Das galt besonders für militärischen Widerstand: Dieser wurde noch lange nach dem Krieg als Verletzung der Gehorsamspflicht und des Treueeids angesehen. Bewusster Umgang mit der Vergangenheit – neue Gedenkkultur Das Bekenntnis von Bundeskanzler Franz Vranitzky zur Mitverantwortung (S.74) 1991 hatte Auswirkungen. Es führte in den nachfolgenden Jahren zu Entschädigungszahlungen für noch lebende Opfer sowie zur Rückgabe von entwendetem NS-Raubgut auch an Angehörige der NS-Opfer. Gleichzeitig änderte sich auch die Gedenkkultur. Seit Beginn des 21. Jh. erinnern zahlreiche Gedenkveranstaltungen und Projekte an die Opfer des Nationalsozialismus und die Menschen im Widerstand. M2 Über die Notwendigkeit des Erinnerns Q Nur wenn wir immer wieder erzählen, was sich früher ereignet hat, ist so etwas wie Vergangenheitsbewältigung möglich. Der Blick zurück auf Ereignisse, die Jahrzehnte zurückliegen, hilft uns, Ereignisse im Hier und Jetzt besser einzuschätzen. Wer das Heute verstehen will, der muss verstehen, was gestern und vorgestern passiert ist. (nach: Sacha Batthyany, 2018) M4 Initiativen für ein Deserteursgedenken Q Die ersten Gedenkinitiativen für österreichische Opfer der NS-Militärjustiz gehen auf die Angehörigen zurück. Aus Scham oder Angst vor den Folgen blieb die Trauer auf Gedenksteinen jedoch privat. Eine Gruppe Studierender an der Universität Wien machte sich um die Jahrtausendwende erstmals an die historische Erforschung der NS-Militärgerichtsbarkeit. Im Oktober 2009 beschlossen SPÖ, ÖVP und Grüne im Parlament das Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz; damit sind alle Urteile der Wehrmachtsgerichte pauschal und umfassend aufgehoben. Ein Jahr später vereinbarte die rot-grüne Stadtregierung die Errichtung eines Deserteursdenkmals in Wien. (nach: erinnern.at) M3 „Unseren Helden im Völkerkriege“: Kriegerdenkmal von 1921 in Graz – St. Peter (Foto 2018) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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