Zeitbilder 4, Schulbuch

84 Die Zweite Republik – ein neues Österreich M1 Brot und Lebensmittelkarten (Juni 1945) M5 Anstellen für Obst und Gemüse (Foto um 1947) Kriegsende Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands endete am 8. Mai 1945 der Zweite Weltkrieg in Europa. Auch in Österreich gab es viele Opfer und Kriegsschäden. Die Menschen hungerten. Alliierte Soldaten, die das Land befreit hatten, hatten die Befehlsgewalt. Migration Nach Kriegsende kehrten Zwangsarbeiterinnen und arbeiter und die hier festgehaltenen Kriegsgefangenen heim. Umgekehrt gab es einen enormen Flüchtlingsstrom nach Österreich, zB kamen hunderttausende vertriebene Sudetendeutsche aus der damaligen Tschechoslowakei oder Donauschwaben aus dem damaligen Jugoslawien, Rumänien und Ungarn. Viele der Vertriebenen blieben aber nicht in Österreich. Parteienbildung und Provisorische Staatsregierung Nach der nationalsozialistischen Diktatur und dem Krieg arbeiteten die früher verfeindeten Politiker der Ersten Republik gemeinsam für ein neues, selbstständiges und unabhängiges Österreich. Noch vor Kriegsende, im April 1945, entstanden drei Parteien: die Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ), die Österreichische Volkspartei (ÖVP) als Nachfolgerin der Christlichsozialen Partei und die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ). Deren Vertreter einigten sich mit Unterstützung der Sowjetunion auf eine provisorische Staatsregierung. Diese erklärte die demokratische Republik Österreich für wiederhergestellt. Wenig später erkannten Großbritannien, die USA und Frankreich die provisorische Regierung in Wien an. M2 Erstausgabe „Neues Österreich“ Q Die deutschen Kriegsverbrecher haben vor ihrem Abzug die Vorratslager aufgebrochen und der Plünderung preisgegeben, Getreidespeicher in Brand gesteckt. Gesprengte Brücken und Bahnanlagen, zerstörte Betriebe, zerbombte Wohnungen und hinter allem das Gespenst des Hungers, das danken wir dem „Anschluss“. Die Adolf-HitlerStraße hat in die größte Katastrophe aller Zeiten geführt. Jetzt heißt es: Heraus aus der Katastrophe! Mit vereinten Kräften ans Werk! (nach: Neues Österreich, 23.4.1945) M3 Der zerstörte Stephansdom (Foto 1945) M4 Kundmachung der Provisorischen Staatsregierung Österreichs Q Deutschlands Heere haben den Kampf eingestellt und endlich bedingungslos kapituliert. Damit ist für Europa der Krieg beendet. Das Volk Österreichs begrüßt die Beendigung des Waffenganges und dankt den verbündeten Weltmächten dafür, dass sie Österreich von dem Druck der deutschen Gewaltherrschaft erlöst haben. Die nahe Zukunft wird schwer, unser aller Leben nicht leicht sein; aber wir sind endlich wieder Herren unseres eigenen Schicksals, Österreich gehört wieder den Österreichern. Unzerstörbare demokratische Einrichtungen werden die Bürgschaft dafür sein, dass sich die unglückseligen Ereignisse dieser sieben Jahre niemals mehr wiederholen. Wir haben gelernt und werden das Gelernte nie mehr vergessen! Und so wollen wir unser Land durch die Tatkraft aller Bürger wieder aufbauen. (nach: Neues Österreich, 9.5.1945) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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