Anwendungsbereich 4: Zweite Republik Österreich 87 SPÖ FPÖ Koalition 1983 verlor die SPÖ die absolute Mehrheit. Sie bildete nun eine Kleine Koalition mit der FPÖ, die erstmals in der Regierung war. Ab 1986 folgten 13 Jahre Großer Koalitionen (SPÖ–ÖVP). ÖVP FPÖ Koalition Obwohl die ÖVP 1999 nur drittstärkste Partei wurde, stellte sie den Bundeskanzler. Erstmals war die mandatsstärkste Partei (SPÖ) nicht in der Regierung. 2005 wurde die Kleine Koalition mit dem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), einer Abspaltung der FPÖ, fortgeführt. Von Rot Schwarz zu Türkis Blau Von 2006 bis 2017 regierten Große Koalitionen mit SPÖ Bundeskanzlern. 2017 erlangte die ÖVP als „Liste Sebastian Kurz – die neue Volkspartei (ÖVP)“ die relative Mehrheit. Sie bildete, mit neuer Parteifarbe Türkis, mit der FPÖ eine Kleine Koalition. Diese endete im Mai 2019 mit dem „Ibiza Skandal“: FPÖ Vizekanzler Strache trat von allen politischen Funktionen zurück. Als der FPÖ Innenminister auf Vorschlag von Kanzler Kurz entlassen wurde, legten alle FPÖ Regierungsmitglieder ihre Ämter zurück. Übergangsregierung Die Oppositionsparteien sprachen der neu besetzten Bundesregierung das Misstrauen aus. Bundespräsident Van der Bellen musste sie abberufen. Er beauftragte Brigitte Bierlein mit der Regierungsbildung. Sie leitete als erste Bundeskanzlerin bis Jänner 2020 eine aus Beamtinnen und Beamten bestehende Übergangsregierung. Türkis–Grün Bei der der Nationalratswahl im September 2019 erreichte die „Neue Volkspartei (ÖVP)“ mit deutlichem Stimmenzuwachs eine relative Mehrheit. Die Grünen schafften den Wiedereinzug ins Parlament. Im Jänner 2020 wurde die Kleine Koalition Türkis–Grün unter Bundeskanzler Kurz angelobt. ÖVP, SPÖ, NEOS Bei der Nationalratswahl am 29. September 2024 wurde erstmals die FPÖ stimmenstärkste Partei. Bundespräsident Van der Bellen beauftragte dennoch den amtierenden Bundeskanzler Nehammer mit der Bildung einer neuen Regierung. Zunächst fanden Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP, SPÖ und NEOS statt, die jedoch scheiterten. Daraufhin starteten Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ, die allerdings auch zu keinem Ergebnis führten. ÖVP, SPÖ und NEOS nahmen erneut Verhandlungen auf. Seit 3. März 2025 gibt es unter Bundeskanzler Christian Stocker in Österreich die erste Dreier Koalition. Vielfalt der Parteien 2024 kandidierten bundesweit neun Parteien. Den Einzug ins Parlament schafften aber nur fünf. Seit 1986 verloren die Großparteien bei fast jeder Wahl Stimmen. Sie sanken bald zu Mittelparteien ab. Gleichzeitig wuchs die 1956 gegründete FPÖ von einer Kleinpartei zu einer Mittelpartei. Seit 1986 waren die Grünen als Kleinpartei im Nationalrat vertreten. 2006 erreichten sie mehr als zehn Prozent. 2020 bis 2025 waren sie erstmals Regierungspartei. Die Neos sind seit 2013 als liberale Kleinpartei im Parlament vertreten. Neuerungen und Gesetze Unter allen genannten Regierungen gab es wichtige Erneuerungen, Gesetze und Reformen, zB mehrere Pensionsreformen, Steuerreformen, Einführung des Pflegegeldes, Gesetze und Verordnungen zum Klimaschutz, Zusammenlegung der Sozialversicherungen ua. 1 Ermittle die Zahl der Parteien, die bisher in der Zweiten Republik im Nationalrat vertreten waren. Vergleiche die Grafik M1 mit dem Schulbuchtext. Erkläre, welche anderen Regierungsbildungen seit 1986 möglich gewesen wären. (PSK II) 2 Analysiere M2. Formuliere die Entwicklung der Wahlergebnisse der Grünen in ganzen Sätzen. (PMK III) 3 Analysiere M3 nach der Methode „Mit Bildern arbeiten – Diagramme“. Erläutere, welche Koalitionen bei einem derartigen Wahlergebnis möglich wären. (PMK I, PMK II, PMK III) 4 Bewerte Kanzler Kreiskys Aussage: „Ein paar Milliarden mehr Schulden bereiten mir weniger schlaflose Nächte als hunderttausend Arbeitslose.“ (PUK III) M2 Wahlergebnisse der Grünen bei den Nationalratswahlen 1986 bis 2024 (BMI 2024) 1996 1998 2000 1994 1992 1990 1986 1988 2002 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 0,0 % 2,0 % 4,0 % 6,0 % 8,0 % 10,0 % 12,0 % 14,0 % 16,0 % M3 Wer sollte Ihrer Meinung nach Kanzler werden? Umfrage im Dezember 2025 (Der Standard, Statista 2024) 29% 18% 22% 14% 4% 11% 12% Herbert Kickl (FPÖ) Karl Nehammer (ÖVP) Andreas Babler (SPÖ) Beate Meinl-Reisinger (NEOS) Werner Kogler (Grüne) keinen davon weiß nicht / keine Angabe 1945 heute Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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