Zeitbilder 4 Arbeitsheft
1. Auflage (Druck 0001) © Österreichischer Bundesverlag Schulbuch GmbH & Co. KG, Wien 2026 www.oebv.at Alle Rechte vorbehalten. Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, gesetzlich verboten. Schulbuchvergütung/Bildrechte © Bildrecht GmbH/Wien 2026 Redaktion: Dr. Dietlind Pichler, Andrea Truppe, Wien Herstellung: Sigrid Prünster, Wien Umschlaggestaltung & Layout: Jens-Peter Becker, normaldesign GbR, Schwäbisch Gmünd Layout: Jens-Peter Becker, normaldesign GbR, Schwäbisch Gmünd Satz: Arnold&Domnick, Leipzig Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Horn ISBN 978-3-209-13154-6 (Zeitbilder-US AH 4) Zeitbilder 4, Arbeitsheft Schulbuchnummer: 225263 Mit Bescheid des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom 7. Oktober 2025, Geschäftszahl 2024-0.675.165, gemäß § 14 Absatz 2 und 5 des Schulunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 472/86, und gemäß den derzeit geltenden Lehrplänen als für den Unterrichtsgebrauch an Mittelschulen und allgemein bildenden höheren Schulen – Unterstufe für die 4. Klasse im Unterrichtsgegenstand Geschichte und Politische Bildung geeignet erklärt. Dieses Werk wurde auf der Grundlage eines zielorientierten Lehrplans verfasst. Konkretisierung, Gewichtung und Umsetzung der Inhalte erfolgen durch die Lehrerinnen und Lehrer. Liebe Schülerin, lieber Schüler, du bekommst dieses Schulbuch von der Republik Österreich für deine Ausbildung. Bücher helfen nicht nur beim Lernen, sondern sind auch Freunde fürs Leben. Kopierverbot Wir weisen darauf hin, dass das Kopieren zum Schulgebrauch aus diesem Buch verboten ist – § 42 Abs. 6 Urheberrechtsgesetz: „Die Befugnis zur Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch gilt nicht für Werke, die ihrer Beschaffenheit und Bezeichnung nach zum Schul- oder Unterrichtsgebrauch bestimmt sind.“ Umschlagbild: akg-images / Matthias Koeppel Grafiken und Illustrationen: Adam Silye, Wien; Alicia Sancha, Wien Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
Barbara Kronberger-Schmid Zeitbilder 4 Arbeitsheft Geschichte und Politische Bildung www.oebv.at Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
Inhalt Österreich wird eine Republik Anwendungsbereich 1: Demokratie in der Zwischenkriegszeit Die Erste Republik.......................................................................................................................................................................................4 Leseecke: Heimkehr nach Österreich.................................................................................................................................................5 Der lange Weg zum Frauenwahlrecht in Österreich....................................................................................................................6 Schattendorf und die Folgen.................................................................................................................................................................8 Der Justizpalastbrand................................................................................................................................................................................9 Faschismus – Nationalsozialismus – Kommunismus Anwendungsbereich 2: Faschismus – Nationalsozialismus – Kommunismus Stalinismus – Diktatur in der UdSSR.................................................................................................................................................10 Faschismus in Italien und Austrofaschismus................................................................................................................................11 Deutschland wird eine nationalsozialistische Diktatur............................................................................................................12 Das Ende der Demokratie und der Ersten Republik...................................................................................................................13 Nationalsozialismus in Österreich ....................................................................................................................................................14 Frauen: viele Kinder für das Reich! ...................................................................................................................................................15 Jugend im Nationalsozialismus ..........................................................................................................................................................16 Der Weg in den Zweiten Weltkrieg ...................................................................................................................................................18 „Blitzkriege“ und Weltkrieg ..................................................................................................................................................................19 Widerstand gegen den Nationalsozialismus ..............................................................................................................................20 Vom „totalen Krieg“ zur totalen Niederlage ..................................................................................................................................21 Atombombe – Atomkraft ......................................................................................................................................................................21 Leseecke: Sadako will leben ...............................................................................................................................................................23 Von Rassismus, Völkermord und Erinnerungskulturen Anwendungsbereich 3: Shoah und Genozid Vom Antisemitismus zur Shoah ........................................................................................................................................................24 Aus dem Leben von Anne Frank .......................................................................................................................................................26 Leseecke: Das Tagebuch der Anne Frank .....................................................................................................................................27 Weitere Opfer des nationalsozialistischen Terrors ...................................................................................................................28 „Davon haben wir nichts gewusst!“ ................................................................................................................................................30 Genozid an den Uiguren .......................................................................................................................................................................31 Anwendungsbereich 6: Geschichtskulturen – Erinnerungskulturen – Erinnerungspolitik Auf den Spuren der Habsburger – Rätselrallye in Wien..........................................................................................................32 Erinnern: Zweiter Weltkrieg und Shoah ........................................................................................................................................33 Warum Erinnern wichtig ist.................................................................................................................................................................34 Das Fest der Freude.................................................................................................................................................................................35 Zweite Republik und Gesellschaft in Österreich Anwendungsbereich 4: Zweite Republik Österreich Die Zweite Republik – ein neues Österreich.................................................................................................................................36 Jüdische Kinder in Österreich vor und nach der Shoah...........................................................................................................37 Österreichs Politik im Wandel.............................................................................................................................................................38 Österreich bewährt sich – wirtschaftlich und politisch...........................................................................................................39 Anwendungsbereich 5: Soziale Ungleichheiten und Strategien zu deren Überwindung Generation Nesthocker..........................................................................................................................................................................40 Leseecke: 2084 Noras Welt....................................................................................................................................................................41 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
Europa in einer globalisierten Welt Anwendungsbereich 7: Aspekte von Globalisierung im 20. und 21. Jahrhundert Die UNO – der Traum vom Weltfrieden ..........................................................................................................................................42 Der Wettstreit zwischen Ost und West............................................................................................................................................43 Der Kalte Krieg in Europa – die Teilung Deutschlands ............................................................................................................44 Der Kalte Krieg und sein Ende............................................................................................................................................................45 Das Ende des Kolonialismus................................................................................................................................................................46 Globalisierung............................................................................................................................................................................................ 48 Anwendungsbereich 8: Europäisierung Das gemeinsame Haus Europa .........................................................................................................................................................49 EU heute, Europa nach 1989 ...............................................................................................................................................................50 EU-Notizen ...................................................................................................................................................................................................51 Von der friedlichen Revolution zur Wiedervereinigung .........................................................................................................52 Anwendungsbereich 9: Gesellschaftlicher Wandel im 20. und 21. Jahrhundert in Österreich Viele Menschen engagieren sich ......................................................................................................................................................53 Wie entsteht Nachhaltigkeit? .............................................................................................................................................................54 Leseecke: Die Sonne so strahlend und schwarz.........................................................................................................................55 Arm sein in Österreich ..........................................................................................................................................................................56 Gesellschaft und Sozialstaat ..............................................................................................................................................................57 Politik und Medien Anwendungsbereich 10: Politische Mitbestimmung in Gegenwart und Zukunft Nationalratswahl in Österreich..........................................................................................................................................................58 Interessen von Kindern und Jugendlichen wahrnehmen ......................................................................................................59 Nicht mit mir! ............................................................................................................................................................................................60 Ich rede mit .................................................................................................................................................................................................61 Anwendungsbereich 11: Medien und politische Kommunikation in Gegenwart und Zukunft Informationen oder Fake News? .......................................................................................................................................................62 Politische Rede: Diktatoren im 20. Jahrhundert..........................................................................................................................63 Das will ich wissen! ................................................................................................................................................................................64 Quellen- und Bildnachweis..................................................................................................................................................................65 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
4 zu den Schulbuchseiten 10 bis 13 Die Erste Republik Der Friedensvertrag von Saint Germain dabei wurde Bundeskanzler Dollfuß erschossen. Kaiser Karl I. von Österreich verzichtete auf die Krone, daher stieg die Arbeitslosigkeit stark an. In der Provisorischen Nationalversammlung beschloss die Koalitionsregierung 1920 verkündete Hitler die Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich. Viele Betriebe mussten schließen, legte die neuen Grenzen des Staats Österreich fest. In Schattendorf kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Heimwehr und Schutzbund, die Verfassung des deutschösterreichischen Staats. Zahlreiche empörte Menschen, vor allem Arbeiterinnen und Arbeiter, marschierten zum Justizpalast Österreich wurde eine Republik. 1934 versuchten die Nationalsozialisten, in Österreich durch einen Putsch an die Macht zu kommen, und steckten ihn in Brand. Nachdem die deutsche Wehrmacht im März 1938 kampflos in Österreich einmarschiert war, und obwohl zwei Menschen getötet worden waren, wurden die Täter im Zweifel freigesprochen. M1 Hier stimmt was nicht! 1 Ermittle, wie die Sätze in M1 richtig heißen müssen. Schreibe sie auf. (HSK I) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
5 zu den Schulbuchseiten 10 bis 13 Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Der Schriftseller Stefan Zweig, der einige Zeit im Ausland unterwegs war, kehrt nun nach Österreich zurück. Es herrschen Hungersnot und Inflation. Er kommt in sein Haus nach Salzburg. Heimkehr nach Österreich 1 Lies den Text aufmerksam. Arbeite Stellen heraus, die dir wichtig erscheinen. (HMK II) 2 Recherchiere die Bedeutung von Begriffen, die du nicht verstehst, und schreibe sie in dein Heft. (HMK II) Jeder Gang in die Stadt hinab war damals ein erschütterndes Erlebnis; zum ersten Mal sah ich einer Hungersnot in die gelben und gefährlichen Augen. Das Brot krümelte sich schwarz und schmeckte nach Pech und Leim, Kaffee war ein Gebräu von gebrannter Gerste, Bier ein gelbes Wasser, Schokolade gefärbter Sand, die Kartoffeln erfroren; die meisten zogen sich, um den Geschmack von Fleisch nicht ganz zu vergessen, Kaninchen auf, in unserem Garten schoss ein junger Bursche Eichhörnchen als Sonntagsspeise ab, und wohlgenährte Hunde oder Katzen kamen nur selten von längeren Spaziergängen zurück. Was an Stoffen angeboten wurde, war in Wahrheit präpariertes Papier, Ersatz eines Ersatzes; die Männer schlichen fast ausschließlich in alten, sogar russischen Uniformen herum, in denen schon mehrere Menschen gestorben waren; Hosen, aus alten Säcken gefertigt, waren nicht selten. Jeder Schritt durch die Straßen, wo die Auslagen wie ausgeraubt standen, der Mörtel wie Grind von den verfallenen Häusern herabkrümelte und die Menschen, sichtlich unterernährt, sich nur mühsam zur Arbeit schleppten, machte einem die Seele verstört. Besser stand es am flachen Lande mit der Ernährung; bei dem allgemeinen Niederbruch der Moral dachte kein Bauer daran, seine Butter, seine Eier, seine Milch zu den gesetzlich festgelegten „Höchstpreisen“ abzugeben. Er hielt, was er konnte, in seinen Speichern versteckt und wartete, bis Käufer mit besserem Angebot zu ihm ins Haus kamen. Bald entstand ein neuer Beruf, das so genannte „Hamstern“. Beschäftigungslose Männer nahmen ein oder zwei Rucksäcke und wanderten von Bauer zu Bauer, fuhren sogar mit der Bahn an besonders ergiebige Plätze, um illegal Lebensmittel aufzutreiben, die sie dann in der Stadt zum vierfachen und fünffachen Preise verhökerten. Erst waren die Bauern glücklich über das viele Papiergeld, das ihnen für ihre Eier und ihre Butter ins Haus regnete, und das sie ihrerseits „hamsterten“. Sobald sie aber mit ihren vollgestopften Brieftaschen in die Stadt kamen, um dort Waren einzukaufen, entdeckten sie zu ihrer Erbitterung, dass, während sie für ihre Lebensmittel nur das Fünffache verlangt hatten, die Sense, der Hammer, der Kessel, den sie kaufen wollten, unterdes um das Zwanzigfache oder Fünfzigfache im Preise gestiegen war. Von nun ab forderten sie Sachwert für Sachwert. Ware für Ware. Durch das ganze Land begann ein grotesker Handel. Die Städter schleppten zu den Bauern hinaus, was sie entbehren konnten, chinesische Porzellanvasen und Teppiche, Säbel und Flinten, photographische Apparate und Bücher, Lampen und Zierat. Substanz, nur kein Geld, das wurde die Parole. Manche mussten sich den Ehering vom Finger und den Lederriemen vom Leibe ziehen, nur um den Leib zu nähren. Von Woche zu Woche wurde das Chaos größer, die Bevölkerung aufgeregter. Denn von Tag zu Tag machte sich die Entwertung des Geldes fühlbarer. Bald wusste niemand mehr, was etwas kostete. Die Preise sprangen willkürlich; eine Schachtel Zündhölzer kostete in einem Geschäft, das rechtzeitig den Preis aufgeschlagen hatte, das Zwanzigfache wie in dem anderen, wo ein biederer Mann arglos seine Ware noch zum Preise von gestern verkaufte; zum Lohn für seine Redlichkeit war dann in einer Stunde sein Geschäft ausgeräumt, denn einer erzählte es dem andern, und jeder lief und kaufte, was verkäuflich war, gleichgültig ob er es benötigte oder nicht. (nach: Stefan Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. 1939–1941) Österreich wird eine Republik Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
6 zu den Schulbuchseiten 10 bis 15 Der lange Weg zum Frauenwahlrecht in Österreich M1 Die Wahlrechtsentwicklung in Österreich 1848–1919 D 1848 Reichstagswahlen (nur Männer) 1849 Gemeindewahlrecht für Besitzende (auch Frauen) 1861 Landtagswahlrecht für Besitzende (auch Frauen) 1873 direkte Wahl des österreichischen Abgeordnetenhauses zum Reichsrat (Zensus-, Kurienwahlrecht: Nur in der Kurie der Großgrundbesitzerinnen und Großgrundbesitzer gibt es auch einige wahlberechtigte Frauen.) 1888 Entzug des den steuerpflichtigen Frauen Niederösterreichs bis dahin zustehenden Gemeinde- und Landtagswahlrechts 1896 Allgemeines Männerwahlrecht (Zensuswahlrecht) 1907 Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts für Männer (Ausschluss aller Frauen) 1918 Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen Wahlrechts für alle Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts 1919 Wahl zur österreichischen Nationalversammlung (Frauen haben erstmals das aktive und passive Wahlrecht.) (nach: onb.ac.at, 24.4.2025) M2 Am 19. März 1911 fand in Wien anlässlich des ersten Internationalen Frauentags eine Demonstration für den Kampf um das Frauenstimmrecht auf der Ringstraße statt. Die „Arbeiter-Zeitung“ berichtete von 20 000 Teilnehmerinnen. Diese Bewegung wurde auch von einzelnen Männern unterstützt. (Foto 1911) M3 Frauenwahlrecht: Bei der Wahl zur konstituierenden Nationalversammlung im Februar 1919 konnten erstmals auch Frauen ihr Wahlrecht ausüben. (Zeitschrift Wiener Bilder, Sonntagsbeilage zu „Das Interessante Blatt“, 23.2.1919) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
7 zu den Schulbuchseiten 10 bis 15 1 Fasse M1 in eigenen Worten schriftlich zusammen. Beschreibe M2 und M3. (HMK I) 2 Beschreibe, analysiere und interpretiere M2 und M3. Welche Personen sind abgebildet? Was machen sie? Wo befinden sie sich? Vergleiche die Aussagen der beiden Abbildungen. (HMK I, HMK II, HMK III) 3 Fasse M4 in eigenen Worten schriftlich zusammen. (HMK I) 4 Die acht Frauen, die 1919 in die Nationalversammlung gewählt wurden, waren Anna Boschek, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Therese Schlesinger, Gabriele Proft, Amalie Seidl, Marie Tusch und Hildegard Burjan. Wähle eine der Frauen aus. Recherchiere über ihr Leben und ihre Verdienste. Verfasse ein Porträt. Stelle „deine“ Abgeordnete der Klasse vor. (HFK III) 5 Gestaltet gemeinsam eine Wandzeitung, auf der ihr eure Porträts über die weiblichen Abgeordneten aus dem Jahr 1919 vorstellt. (PHK III) M4 Frauen dürfen endlich wählen. D Am 12. November 1918 wurde nach dem Zusammenbruch der Habsburger-Monarchie die „Republik Deutschösterreich“ ausgerufen. Der neue Staat musste nun unter den schwierigen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen nach dem Ersten Weltkrieg aufgebaut werden. In den ersten Gesetzen traf die Provisorische Nationalversammlung grundsätzliche Entscheidungen für das demokratische System Österreichs. Ohne weitere Komplikationen und Schwierigkeiten brachte Staatskanzler Karl Renner am 12. November 1918 im Staatsrat das „allgemeine, gleiche, direkte und geheime Stimmrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts“ durch. Das Frauenwahlrecht war damit endlich erreicht und gehörte zu den frühesten in Europa. Am 18. Dezember 1918 wurde die genaue Wahlordnung beschlossen. Das Wahlalter wurde auf 20 Jahre festgelegt, das passive Wahlrecht erlangten Personen mit 29 Jahren. Frauen waren nun zu einem entscheidenden und noch unbekannten Faktor in der Politik geworden. Als eine Folge des Kriegs stellten sie mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten. Die Parteien konnten ihr Wahlverhalten noch nicht einschätzen. Die Plakate und Flugzettel zeigen erstmals das Werben der Parteien speziell um die Frauen als neue Wählerschicht. Die Wahlkampfthemen für Frauen reduzierten sich dabei fast ausschließlich auf das Wohlergehen der Familie und die Zukunft der Kinder. Das öffentliche Bild von Politik war durchwegs männlich dominiert. Auf Plakaten waren als politische Akteure fast ausschließlich Männer dargestellt. Frauen wurden dagegen nur sehr selten abgebildet und wenn, dann meist in der Rolle als Hausfrau und Mutter. Einige kandidierende Parteien nahmen im Wahlkampf überhaupt keine besondere Rücksicht auf die neuen Wählerinnen. Allerdings ist zumindest die Anrede „An alle Wähler und Wählerinnen!“ bei den Flugblättern der meisten Parteien zu finden. Der Tag der Stimmabgabe war mit Spannung erwartet worden. Der Wahlkampf zeigte durchaus Erfolg. Entgegen den Erwartungen war die Wahlbeteiligung der Frauen nur wenig geringer als die der Männer. 82% der 1904741 wahlberechtigten Frauen und 87% der 1649501 wahlberechtigten Männer nahmen ihr aktives Wahlrecht wahr. Aufgrund des passiven Wahlrechts kandidierten insgesamt 142 Frauen für den Einzug in die Konstituierende Nationalversammlung, allerdings meist an völlig aussichtsloser Stelle. 1919 war es so weit – endlich durften Frauen wählen, und sie durften sich auch wählen lassen: Unter den 170 Abgeordneten zur konstituierenden Nationalversammlung waren acht Frauen, davon sieben von der Sozialdemokratischen Partei und eine Vertreterin der Christlichsozialen Partei. Diese Frauen wussten, wovon sie sprachen und wofür sie arbeiteten: Viele kamen aus bescheidenen Verhältnissen und versuchten nun, durch ihre parlamentarische Arbeit die Not in Österreich zu beseitigen und gegen soziale Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts zu kämpfen. Die erste von einer Frau gehaltene Rede im Hohen Haus stammte von Adelheid Popp und befasste sich mit der Abschaffung des Adels, das erste von Frauen vorbereitete und eingebrachte Gesetz war das Hausgehilfinnengesetz, das die alte Gesindeordnung ablöste. Manche noch heute gültigen sozialpolitischen Gesetze sind der Initiative dieser acht Frauen zu verdanken. (nach: onb.ac.at, 24.4.2025) Österreich wird eine Republik Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
8 zu den Schulbuchseiten 16 und 17 Schattendorf und die Folgen M1 1927: Schüsse von Schattendorf D Schattendorf war 1927 eine sozialdemokratisch geführte zweisprachige Gemeinde. Am 30. Jänner 1927 hielt in diesem Ort die rechtsgerichtete Frontkämpfervereinigung Deutsch-Österreichs in „ihrem“ Gasthof Tscharmann eine Versammlung ab. Schutzbündler, mit Verstärkung aus den Nachbargemeinden, hielten vorerst in 500 Metern Entfernung eine Gegendemonstration ab, aber bald zogen sie durch die Hauptstraße und vor das Gasthaus Tscharmann. Im Tumult fielen aus dem Gasthaus heraus Schüsse, die einen kroatischen Kriegsinvaliden und ein Kind tödlich verletzten. Die drei Schützen aus dem Gasthof wurden daraufhin festgenommen und der Justiz übergeben. (nach: Digitales Museum, hdgoe.at/schuesse-schattendorf, 20.3.2024) M2 1927: Schüsse von Schattendorf Q Ein wahnsinniges Verbrechen, scheinbar sinnlos, ist von bewaffneten Arbeiterhassern im Burgenlande gesetzt worden. In einem friedlichen sozialistischen Dorf des Burgenlandes sind bewaffnete Frontkämpfer als Versammlungsveranstalter maskiert eingefallen. Sie haben von ihrem Versammlungslokal aus zuerst auf friedliche Menschen geschossen. Um ½ 5 Uhr wurde nochmals von den Frontkämpfern geschossen: Ein Kriegsinvalider und ein Eisenbahnerkind waren nun die Opfer dieser Salve. Ihr Blut ist noch nicht vertrocknet, da sind schon bürgerliche Federn am Werke, um diesen Mord in einen angeblichen Brutalitätsakt des Republikanischen Schutzbundes umzulügen. (nach: Tagblatt, 2.2.1927) M3 Karl Renner zu den Schüssen von Schattendorf Q Es ist auch nach der Darstellung des Bundeskanzlers völlig klar geworden, dass es sich hier nicht um einen Akt der so genannten Notwehr gehandelt hat, denn der Mann, der hinter den vergitterten Fensterscheiben steht und von dort aus das Jagdgewehr und ein Militärgewehr benützt, um auf die Massen zu schießen, befindet sich nicht im Zustande der Notwehr. (nach: Arbeiter-Zeitung, 4.2.1927) M4 1927: Schüsse von Schattendorf Q Wir haben in der gestrigen Nachmittagausgabe die Vorgänge vor dem Bahnhof in Schattendorf geschildert, wo etwa 300 uniformierte Schutzbündler sich auf elf Frontkämpfer stürzten und mehrere von ihnen blutig misshandelten; das war eine Heldentat, würdig der Schutzbündler, eine Heldentat, die in den sozialdemokratischen Blättern sorgfältig verschwiegen wird. Es folgten die Ereignisse in Schattendorf, wo die Schutzbündler eine behördlich angemeldete Frontkämpferversammlung belagerten und gewalttätig ins Haus eindrangen, bis der Wirtssohn nach einigen Alarmschüssen mehrere scharfe Schüsse aus einem Jagdgewehr abgab, durch welche die schon genannten beiden Personen getötet worden seien – wie behauptet wird. Doch ist auch das bisher noch nicht erwiesen: die Untersuchung wird wohl die notwendige Aufklärung bringen; noch ist es ja nicht ausgeschlossen, dass jene Schüsse, die zwei Leben verlöschten, aus verirrten Pistolenkugeln von Schutzbündlern stammten. (nach: Neues Grazer Tagblatt, 1.2.1927) 1 Erzähle die Vorgänge in Schattendorf mithilfe von M1, M2, M3 und M4. Stelle fest, welcher Bericht die Sichtweise des Schutzbunds unterstützt und welcher die der Frontkämpfer. Beurteile die Glaubwürdigkeit der unterschiedlichen Berichte. (PMK III) 2 Recherchiere den Ausgang des Schattendorfer Prozesses. Erörtere seine Folgen. (PUK III) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
9 zu den Schulbuchseiten 16 und 17 Der Justizpalastbrand M1 Brand des Justizpalastes (Foto 15.7.1927) M3 Notiz zum Brand des Justizpalastes Q Der Justizpalast in Wien soll bis auf die Grundmauern niedergebrannt sein. Auch im Parlament ist ein Brand ausgebrochen. Nach einer verlässlichen Meldung sind im Justizpalast sämtliche Grundbücher verbrannt worden und außerdem eine zahlreiche Menge wichtiger Dokumente. (nach: Arbeiter-Zeitung, 4.2.1927) M2 Elias Canetti erinnert sich an den Tag des Justizpalastbrandes. Q Ich las im Kaffeehaus in Ober-St. Veit die Morgenzeitungen. Ich spüre noch die Empörung, die mich überkam, als ich die „Reichspost“ in die Hand nahm; da stand als riesige Überschrift: „Ein gerechtes Urteil.“ Im Burgenland war geschossen, Arbeiter waren getötet worden. Das Gericht hatte die Mörder freigesprochen. Dieser Freispruch wurde im Organ der Regierungspartei als „gerechtes Urteil“ bezeichnet, nein ausposaunt. Es war dieser Hohn auf jedes Gefühl von Gerechtigkeit noch mehr als der Freispruch selbst, was eine ungeheure Erregung in der Wiener Arbeiterschaft auslöste. Aus allen Bezirken Wiens zogen die Arbeiter in geschlossenen Zügen vor den Justizpalast, der durch seinen bloßen Namen das Unrecht für sie verkörperte. Es war eine völlige spontane Reaktion, wie sehr, spürte ich an mir selbst. Auf meinem Fahrrad fuhr ich schleunigst in die Stadt hinein und schloss mich einem dieser Züge an. Die Arbeiterschaft, die sonst gut diszipliniert war, die Vertrauen zu ihren sozialdemokratischen Führern hatte und es zufrieden war, dass die Gemeinde Wien von ihnen in vorbildlicher Weise verwaltet wurde, handelte an diesem Tage ohne ihre Führer. Als sie den Justizpalast anzündete, stellte sich ihnen der Bürgermeister Seitz auf einem Löschwagen der Feuerwehr mit hocherhobener Rechten in den Weg. Seine Geste blieb wirkungslos: Der Justizpalast brannte. Die Polizei erhielt Schießbefehl, es gab neunzig Tote. Es sind 46 Jahre her, und die Erregung dieses Tages liegt mir heute noch in den Knochen. Es ist das Nächste zu einer Revolution, was ich am eigenen Leib erlebt habe. Hundert Seiten würden nicht ausreichen, um zu schildern, was ich selber sah. Ich wurde zu einem Teil der Masse, ich ging vollkommen in ihr auf, ich spürte nicht den leisesten Widerstand gegen das, was sie unternahm. (nach: Elias Canetti (1905–1994), Die Fackel im Ohr) 1 Recherchiere die Vorgeschichte zum Brand des Justizpalastes. Erzähle den Hergang auch mithilfe von M1, M2 und M3. Du kannst dir den Brand auch in der österreichischen Mediathek – Justizpalastbrand Filmausschnitt 2 (https://www.mediathek.at) ansehen. Erkläre, was in M1 zu sehen ist. (PUK II) 2 Analysiere und interpretiere M2. Arbeite die Gründe, die Canetti für die Demonstrationen nennt, heraus. Beurteile seine Erklärung dafür, weshalb er sich an der Demonstration beteiligte. (PMK III) Österreich wird eine Republik Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
10 zu den Schulbuchseiten 26 und 27 Stalinismus – Diktatur in der UdSSR 1. Auf vielen Bildern ließ sich Stalin darstellen als Freund der a) Künstler. b) Frauen. c) Kinder. d) Unternehmer. 2. Gegründet wurde die Sowjetunion unter Lenin im Jahr a) 1914. b) 1917. c) 1922. d) 1924. 3. Lenin starb im Jahr a) 1917. b) 1922. c) 1924. d) 1932. 4. Stalin regierte als Diktator bis zu seinem Tod im Jahr a) 1953. b) 1945. c) 1968. d) 1971. 5. Die Sowjetunion modernisierte a) Kraftwerke, Straßen und Kanäle. b) Schulen, Krankenhäuser und Kinderheime. c) Kohlegruben, Autofabriken und Werften. d) Internetcafés, WLAN und Handynetz. 6. Arbeiterinnen und Arbeiter, die die vorgegebene Arbeitsleistung nicht erfüllten, a) bekamen weniger Lebensmittel. b) erhielten mehr Urlaub. c) bekamen weniger Lohn. d) wurden bestraft. 7. Genossenschaftlich verwaltete bäuerliche Großbetriebe nennt man a) Musterfarmen. b) Sowchosen. c) Kolchosen. d) Latifundien. 8. Die Folge der Kollektivierung war eine a) Wirtschaftsblüte. b) Inflation. c) Revolution. d) Hungerkatastrophe. M1 Teste dein Wissen! M2 Olga Dimitriewna berichtet über ihre Erlebnisse als politische Gefangene. Q Im August 1926 kam man eines Abends mich und die zwei anderen „politischen“ Frauen holen, um uns in die Gefängniskanzlei zu bringen, wo bereits andere „Politische“ versammelt waren, zusammen 29 Männer und drei Frauen. Eine G.P.U.-Abteilung (= Geheimpolizei der Sowjetunion) erwartete uns mit all den Vorbereitungen, die vor der Exekution üblich sind. Man ließ uns durch die Stadt gehen, und gegen Mitternacht kamen wir bei der GPU an, wo man uns sofort einsperrte, die zwei Frauen und mich in ein ganz kleines Zimmerchen, die 29 Männer in ein anderes, etwas größeres Zimmer. Dann absolute Stille. Wir bereiteten uns, jeder auf seine Art, auf den Tod vor. Inzwischen waren wir sehr erstaunt, die Nacht verstreichen zu sehen, ohne dass man uns holen kam. Den nächsten Tag brachte uns ein Soldat einen Teller Suppe und erklärte uns, dass wir eigentlich nicht auf der Liste derer stünden, die Essen bekommen sollten, inzwischen gebe er uns aber die Soldatensuppe. Es war nun klar, dass die Hinrichtung auf die nächste Nacht verlegt worden war. Wir warteten also diese Nacht ab, aber vergebens. Und so ging dies noch eine ganze Woche fort, während der wir jede Nacht die Hinrichtungskompanie erwarteten. Am neunten Tag kam man eine der Frauen und mich und noch siebzehn Männer holen. Ohne irgendeine Aufklärung brachte man uns in das Gefängnis zurück. (nach: Olga Dimitriewna, 18 Jahre Sowjetherrschaft. Erlebnisse und Erfahrungen einer Frau, 1936) 1 Ermittle die richtigen Antworten in M1. Das Schulbuch hilft dir dabei. Manchmal sind mehrere Antworten möglich. (HOK I) 2 Beschreibe, analysiere und interpretiere M2. (HMK I, HMK II, HMK III) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
11 zu den Schulbuchseiten 28 und 29 Faschismus in Italien und Austrofaschismus M1 Jugendorganisation: Parade der Opera Nazionale Balilla (Foto 1928) M2 Mussolini an die Schwarzhemden Q Schwarzhemden! Zum fünften Male kehrt das Datum wieder, das unsre Hoffnungen anfacht und unsere unkriegerischen Feinde demütigt. Eisenbahnen, Straßen, öffentliche Gebäude und Wohnungen zeigen der Welt, wie der Faschismus Italien umwandelt. Diese Schau unserer Arbeit wird vervollständigt durch eure bewaffneten Legionen; eine Warnung für jeden, der in dem Wahnsinne, unseren Marsch aufzuhalten, sterben will. Schwarzhemden! Neue größere Anstrengungen erwarten uns aber. Das faschistische Regime weicht vor Hindernissen nicht zurück. Es geht an sie heran und überwindet sie. Schwarzhemden! Durchhalten! Wie in der Vergangenheit so auch in der Zukunft. Die Werkzeuge der Revolution vervollkommnen, unsere Kräfte vervielfachen, die Geister für alle Schlachten stählen. Dies ist noch und immer die Aufgabe der Führer und der Untergebenen. Schwarzhemden! Erhebet alle Fahnen und alle Gewehre für das faschistische Italien. Aus für alle Ziele, die wir auf dem entschlossenen Marsch mit unserer unerschütterlichen Sicherheit erreichen werden, Faschisten von ganz Italien! (nach: Villacher Zeitung, 1.11.1927) M3 Austrofaschismus: Der Politiker Ernst Rüdiger von Starhemberg unterstützte Dollfuß in seinem Bestreben, Österreich in einen faschistischen Staat nach italienischem Muster umzugestalten. Q Ich stehe noch ganz unter dem Eindruck dessen, was ich in Rom gesehen und erlebt habe. Ich bin zu der vollen Überzeugung gekommen, dass der Faschismus der einzige Weg zur Rettung Europas ist. Wir Österreicher müssen uns, um unser Vaterland der wahren Erneuerung und Wiedergeburt entgegenzuführen, Italien als Muster nehmen. Dann wird es nicht schwer fallen, unser Heimatland einer wirklich glücklichen Zukunft entgegenzuführen. Es ist wohl staunenswert, was unter der Führung Mussolinis aus Italien geworden ist. Es ist heute das glücklichste Land Europas. Geist, Willen, Begeisterung liegen in diesem System, das das italienische Volk zu solchen Höhen geführt hat. Mit wenig Geld, doch mit einem bewundernswerten Idealismus wurde kolossale Aufbauarbeit geleistet. Unter dem unvergesslichen Eindruck der Schöpfungen des faschistischen Staatswesens empfinde ich ehrlichste Bewunderung für die vollbrachten Leistungen. Mein heißer Wunsch wäre, dass sich auch in einem unabhängigen Österreich die Grundgedanken des italienischen Systems bald und vollkommen durchsetzen mögen. Dies allen Schwierigkeiten zum Trotz zu erkämpfen, ist mein fester Wille. Es ist mein fester Wille, alles daranzusetzen, um mit meinen Getreuen Österreich zu einer glücklichen Zukunft zu helfen. Man möge in dem Worte „Austrofaschismus“ nichts Schreckhaftes mehr sehen. Es beinhaltet für unsere Heimat Aufstieg und eine segensreiche Zukunft. Diejenigen, die vor dem Austrofaschismus Angst haben, werden wohl bald eines Besseren belehrt sein. Wir wollen für unser Land, das wir über alles stellen, nur das Beste, und wir werden es durchsetzen! (nach: Neues Wiener Journal, 8.9.1933) 1 Beschreibe M1. Erläutere, welche Elemente des Faschismus sichtbar werden. (HMK II) 2 Arbeite aus M2 die vier Botschaften und Aufforderungen Mussolinis an seine Anhänger heraus. (HMK I) 3 Erkläre mithilfe von M3, was Starhemberg an Mussolinis Italien besonders begeistert. Vergleiche M3 mit M2. Analysiere Starhembergs Wünsche für Österreichs Zukunft. Vergleiche die Bedeutung der Begriffe „Kampf“ und „kämpfen“ bei Mussolini und Starhemberg. Definiere „Austrofaschismus“, so wie Starhemberg ihn sah, und aus heutiger Sicht. (HMK II) Faschismus – Nationalsozialismus – Kommunismus Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
12 zu den Schulbuchseiten 32 und 33 Deutschland wird eine nationalsozialistische Diktatur 1920; Ziele der NSDAP; „Marsch auf Berlin“; „Mein Kampf“; Weltwirtschaftskrise; 1932; Propaganda; Rüstungsaufträge; Reichspräsident Hindenburg; Jänner 1933; Joseph Goebbels; Februar 1933; Notverordnung „Zum Schutz von Volk und Staat“; „Heimtückegesetz“; „Ermächtigungsgesetz“ M1 Wordbox M2–M5 Nationalsozialistische Wahlplakate 1 Verfasse aus den Daten, Namen und Fakten in M1 einen Bericht über den Aufstieg der NSDAP. (HFK III) 2 Beschreibe die Wahlplakate M2–M5. Erkläre, mit welchen Mitteln welche Wählerschichten erreicht werden sollen. (PMK II) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
13 zu den Schulbuchseiten 34 und 35 Das Ende der Demokratie und der Ersten Republik 1. Wessen Reden beeinflussten Adolf Hitler? 2. Wann wurde die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei in Österreich gegründet? 3. Welche Ansichten vertrat diese Partei? 4. Ab wann hatte die NSDAP in Österreich starken Zulauf? 5. Aus welchen Gründen war Engelbert Dollfuß gegen den marxistischen Sozialismus und gegen den Nationalsozialismus? 6. Weshalb kam es zum Juli-Putsch 1934? 7. Wer wurde nach Engelbert Dollfuß Bundeskanzler? 8. Warum unterstützte Mussolini Österreich ab 1936 nicht mehr? 9. Was passierte im Februar 1938 in Berchtesgaden? 10. Was hätte am 13. März 1938 stattfinden sollen? 1 Ermittle die Antworten zu den oben gestellten Fragen und schreibe sie auf. (HSK I) Faschismus – Nationalsozialismus – Kommunismus Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
14 zu den Schulbuchseiten 36 und 37 Nationalsozialismus in Österreich richtig falsch 1. Die Regierung Dollfuß unterstützte die NSDAP. 2. Hitler hielt seine Rede zum „Anschluss“ am 12. März 1938 auf dem Heldenplatz in Wien. 3. Die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher lehnte den „Anschluss“ ab. 4. Die Volksabstimmung über den (bereits vollzogenen) „Anschluss“ wurde am 10. April 1923 durchgeführt. 5. Bei der Volksabstimmung wurde das Wahlgeheimnis streng beachtet. 6. Gleich nach dem Einmarsch wurden die österreichischen Soldaten und Beamten auf die Verfassung vereidigt. 7. Die Nationalsozialisten brachten Goldbestände von Berlin nach Wien. 8. „Arisierung“ ist die nationalsozialistische Bezeichnung für die Einbeziehung der jüdischen Bevölkerung in das Berufs-, Wirtschafts- und Gesellschaftsleben im Deutschen Reich. 9. Presse, Rundfunk und Film wurden „gleichgeschaltet“ und unterstanden dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. 10. Das „Heimtückegesetz“ verbot jede Kritik an der Regierung oder der Partei. M1 Richtig oder falsch? M2 Emigration aus Wien: Vor dem Polizeikommissariat Margareten stellen sich zahlreiche Jüdinnen und Juden um Pässe an. (Foto Albert Hilscher (19.8.1892 in Hannover–12.11.1964 in Wien), österreichischer Presse- und Sportfotograf, Mai 1938) 1 Prüfe in M1, ob die Sätze wahr oder falsch sind. Stelle die falschen Sätze richtig. Schreibe sie in dein Heft. (HSK II) 2 Beschreibe, analysiere und interpretiere M2. Welchen Eindruck macht das Foto auf dich? (HMK I, HMK II, HMK III) 3 Recherchiere die Biographie des Fotografen. Erläutere, zu welchem Zweck das Foto dienen sollte. (HOK II) 4 Stellt euch vor, ihr müsstet so rasch wie möglich eure Heimat, eure Freundinnen und Freunde und eure Familien verlassen. Schreibt eure Gedanken dazu in eine Wordcloud. (PHK III) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
15 zu den Schulbuchseiten 38 und 39 Frauen: viele Kinder für das Reich! M1 Frau sucht Mann Q Deutsche Minne: BDM-Mädel, gottgläubig, aus bäuerlicher Sippe, artbewusst, kinderlieb, mit starken Hüften, möchte einem deutschen Jungmann Frohwalterin seines Stammhalters sein (niedere Absätze – kein Lippenstift). Nur Neigungsehe mit zackigem Uniformträger. (nach: Heiratsanzeige, „Völkischer Beobachter“, 12.8.1934) M2 Eine emigrierte Deutsche schreibt 1939. Q Jahrelang haben die Nazis sich als Retter der deutschen Familie ausgegeben und Märchen darüber verbreitet, dass andere Ideologien die Familien zerstören. Während in anderen Ländern der Wohlstand der Familien gesichert wird, werden in Hitlers Reich durch die Kriegspolitik die Familien gewaltsam auseinandergerissen und zerstört. Die Ehe ist für die Nazis keine Gemeinschaft zweier Menschen, die das Glück ihrer Familie und ihre Zukunft gestalten und darum gerne Kinder haben wollen. Im Dritten Reich wird die Ehe als Zuchtanstalt und die Frau als Gebärmaschine betrachtet. (nach: Der deutschen Frauen Glück und Leid) 1 Analysiere die Wortwahl in der Heiratsanzeige M1. Wie stellt sich die Frau selbst dar? (HMK II) 2 Arbeite aus M2 heraus, welche Rolle den Frauen von den Nationalsozialisten zugewiesen wird. (HMK II) 3 Beschreibe, analysiere und interpretiere das Foto M3. Erläutere, was auf die Vorstellungen der Nationalsozialisten von einer idealen Vorzeigefamilie hinweist. (HMK I, HMK II, HMK III) M3 Eine deutsche Vorzeigefamilie: das Ehepaar Reichel aus Ermannsdorf in Sachsen mit seinen Kindern (Foto 1943) Faschismus – Nationalsozialismus – Kommunismus Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
16 zu den Schulbuchseiten 42 bis 45 Jugend im Nationalsozialismus M1 Ein Propagandaaufmarsch von Angehörigen des Deutschen Jungvolkes und der Jungmädel im Lustgarten in Berlin: im Vordergrund Angehörige der Hitlerjugend mit Fanfaren und Landsknechttrommeln, im Hintergrund die Fahnengruppe des Bundes Deutscher Mädel (Foto Heinrich Hoffmann (1885–1957), Archiv des ehemaligen Presseimperiums des Berliner Großverlegers August Scherl, 1934) M2 Propagandaplakate zum Eintritt in die Hitlerjugend und in den Bund Deutscher Mädel (um 1937) M4 Hitler spricht beim Jugendtreffen in Berlin am 1.8.1934. (Foto Heinrich Hoffmann (1885–1957), 1934) M3 Hitler über die Jugend, 2.12.1938 Q Adolf Hitler: „Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln. Und wenn nun diese Knaben mit zehn Jahren in unsere Organisation kommen, dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend, dann kommen sie in den Arbeitsdienst, dann übernimmt sie die Wehrmacht zur weiteren Behandlung auf zwei Jahre, dann nehmen wir sie in die SA, SS und so weiter. Und sie werden nicht mehr frei, ihr ganzes Leben, und sie sind glücklich dabei.“ (nach: Karl-Heinz Huber, Jugend unterm Hakenkreuz, 1982) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
17 zu den Schulbuchseiten 42 bis 45 M7 Bund Deutscher Mädel: Jungmädel basteln Spielzeug. (Foto 1942) M5 Jungmädchen im Bund Deutscher Mädel (BDM) – Jutta Schneider erinnert sich 2011. O Ich war zehn Jahre alt und musste in die Hitlerjugend eintreten. Dafür brauchte ich eine Jungmädchenkluft. Meine Mutter hatte nicht so viel Geld, um eine zu kaufen. Ohne Kluft durfte ich nicht hingehen. Aber hingehen musste ich, weil die Mutter sonst bestraft wurde. Alle Kinder in Deutschland bekamen so eine Uniform. Die das bestimmt hatten, dachten sicherlich in weiser Voraussicht daran, dass die Kinder mal sehr durcheinandergewirbelt würden. Dann wusste man gleich, wohin sie gehören. Jeden Mittwoch ging ich zum Dienst, und wenn ein Mädchen nicht kam, mussten alle antreten und zu dem Haus marschieren, in dem die Schwänzende wohnte. Die Grete schwänzte immer. Ihre Mutter wollte nicht, dass die Tochter da hingeht. Die Führerin wurde ganz böse und sagte, dass sie die Grete anzeigen werde. Von da ab schwänzte sie nie mehr. Dabei war es oft ganz lustig bei ihnen. Wir lernten neue Lieder, mussten aber auch viel auswendig lernen. Parteiprogrammpunkte oder den ganzen Lebenslauf von unserem Führer Adolf Hitler. Den mussten wir vor- und rückwärts kennen. Sein Geburtstag war äußerst wichtig, denn da traf sich die ganze Hitlerjugend Deutschlands und sang und sang und Reden wurden gehalten und Volkstänze getanzt. Nur Kuchen und Saft gab es nicht wie auf einem richtigen Geburtstag. (nach: Jutta Schneider (geb. 1927) aus Reisbach: Biografie-Wettbewerb Was für ein Leben!, dhm.de) M6 Aus einem Schreiben Heinrich Himmlers vom Jänner 1942 Q Alle Rädelsführer, und zwar Rädelsführer männlicher und weiblicher Art, unter den Lehrern diejenigen, die feindlich eingestellt sind und die Swing-Jugend unterstützen, sind in ein Konzentrationslager einzuweisen. Dort muss die Jugend zunächst einmal Prügel bekommen und dann in schärfster Form exerzieren und zur Arbeit angehalten werden, irgendein Arbeitslager oder Jugendlager halte ich bei diesen Burschen und bei diesen nichtsnutzigen Mädchen für verfehlt. Die Mädchen sind zur Arbeit im Weben und im Sommer zur Landarbeit anzuhalten. Der Aufenthalt im Konzentrationslager für diese Jugend muss ein längerer, zwei bis drei Jahre, sein. Es muss klar sein, dass sie nie wieder studieren dürfen. Bei den Eltern ist nachzuforschen, wie weit sie das unterstützt haben. Haben sie es unterstützt, sind sie ebenfalls in ein Konzentrationslager zu verbringen und das Vermögen ist einzuziehen. (nach: Bundesarchiv Koblenz, NS 19/neu 219, Bl. 71f.) 1 Beschreibe mithilfe des Schulbuchs auf S.33 und M1 bis M4 den Weg eines „gleichgeschalteten“ Deutschen. Nimm Stellung, wie sich dieses System auf dein Leben auswirken würde. (PMK I, PUK III) 2 Höre dir in der österreichischen Mediathek (https://www.mediathek.at) die Rede Hitlers „Ansprache an die Jugend“ von 1939 an. Erkläre, wie diese auf dich wirkt. (PMK II) 3 Interpretiere M5 und M7. Stelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede fest. (HMK III) 4 Vergleiche M3 und M5. Begründe, warum Grete die Treffen beim BDM nicht mehr schwänzte. (HMK II) 5 Kläre dir unbekannte Begriffe in M6. Begründe das brutale Vorgehen der Nationalsozialisten gegen Jugendliche, die nicht ihren Vorstellungen entsprachen. Beurteile die Sprache des Textes. (PUK III) Faschismus – Nationalsozialismus – Kommunismus Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
18 zu den Schulbuchseiten 46 und 47 Der Weg in den Zweiten Weltkrieg M1 Hitler in einer Rede an die Generäle der Wehrmacht 1939 Q Der Sieger wird später nicht danach gefragt, ob er die Wahrheit gesagt hat oder nicht. Bei Beginn und Führung des Krieges kommt es nicht auf das Recht an, sondern auf den Sieg. Herz verschließen gegen Mitleid. Brutales Vorgehen. 80 Millionen Menschen müssen ihr Recht bekommen. Ihre Existenz muss gesichert werden. Der Stärkere hat Recht. (nach: Ian Kershaw, Hitler. Auszug aus der zweiten Ansprache Adolf Hitlers vor Vertretern der Generalität auf dem „Berghof“ bei Berchtesgaden betreffend die Kriegseröffnung gegen Polen, 22. August 1939. Der Historiker Kershaw zitiert hier ein Dokument (789-PS) der Nürnberger Prozesse.) 1 Fasse Hitlers Aussagen (M1) mit eigenen Worten zusammen. Bewerte seine Haltung. (PUK III) 2 Recherchiere zur Besetzung des Sudetengebietes in der Tschechoslowakei. Erkläre, weshalb die auf dem Bild M2 dargestellten Menschen mit Jubel darauf reagierten. (PMK II) 3 Beschreibe, analysiere und interpretiere M3. (HMK I, HMK II, HMK III) M2 Einmarsch der deutschen Truppen in der Tschechoslowakei: Die Soldaten werden bejubelt. (Foto März 1939) M3 Karikatur (Punch Magazine, 1935) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
19 zu den Schulbuchseiten 48 und 49 „Blitzkriege“ und Weltkrieg richtig falsch 1. Der Zweite Weltkrieg begann mit dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939. 2. In „Blitzkriegen“ besetzte die deutsche Wehrmacht in den Jahren 1939 bis 1943 Polen, Dänemark, Schweden, Belgien und Frankreich. 3. Zur Unterstützung der italienischen Eroberungspläne besetzten deutsche Truppen Jugoslawien, Griechenland und Nordafrika. 4. Die Volksabstimmung über den (bereits vollzogenen) „Anschluss“ wurde am 10. April 1923 durchgeführt. 5. Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion erfolgte im Juni 1940. 6. Der deutsche Angriff kam Anfang Dezember 1941 vor Leningrad, Moskau und Stalingrad zum Stehen. 7. Die Gründe für das Scheitern der deutschen Wehrmacht in der UdSSR waren der tiefe Schlamm, der harte Winter und der sowjetische Widerstand. 8. In Ostasien unterstützten die USA Japan gegen die chinesische Eroberungspolitik mit einem Ausfuhrverbot von Stahl und Erdöl nach China. 9. Mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 und dem darauf folgenden Kriegseintritt der USA wurde aus dem europäischen Krieg ein Weltkrieg. M1 Richtig oder falsch? 1 Prüfe, ob die Sätze in M1 richtig oder falsch sind. Verbessere die falschen Sätze in deinem Heft. (HMK II) 2 Arbeite aus dem Brief M2 die Empfindungen und Erlebnisse des deutschen Soldaten heraus. (HMK II) 3 Beschreibe M3. Versetze dich in die Lage des Soldaten und verfasse einen Brief an deine Familie. (HSK III) M2 Ein deutscher Soldat in Stalingrad schreibt 1942 an seinen Vater. Q Du bist mein Zeuge, dass ich mich immer gesträubt habe, weil ich Angst vor dem Osten hatte, vor dem Kriege überhaupt. Ich war nie Soldat, immer nur uniformiert. Was habe ich davon? Was haben die anderen davon, die sich nicht gesträubt haben und keine Angst hatten? Der Tod muss immer heroisch sein, begeisternd, mitreißend, für eine große Sache und aus Überzeugung. Und was ist es in Wirklichkeit hier? Ein Verrecken, Verhungern, Erfrieren, nichts weiter wie eine biologische Tatsache, wie Essen und Trinken. Sie fallen wie die Fliegen und keiner kümmert sich darum und begräbt sie. Ohne Arme und Beine und ohne Augen mit zerrissenen Bäuchen liegen sie überall. Man sollte davon einen Film drehen, um den „schönsten Tod der Welt“ unmöglich zu machen. (nach: Letzte Briefe aus Stalingrad, 1957) M3 Zweiter Weltkrieg – Stalingrad: deutscher Soldat nach der Kapitulation (Foto, Anfang Februar 1943) Faschismus – Nationalsozialismus – Kommunismus Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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