Zeitbilder 4, Arbeitsheft

40  zu den Schulbuchseiten 94 und 95 Generation Nesthocker M1 Generation Nesthocker: mehr Töchter länger zu Hause Q „Wo gehst du hin?“ „Bis wann bleibst du weg?“ Kerstin P. kennt diese Fragen in- und auswendig. Sobald sie die Kinderzimmertür geöffnet hat, zählt sie auf ihrem Weg zum Haustor regelmäßig die Sekunden, wann die erste Frage kommt. Ihre Eltern werden immer schneller und übertrumpfen einander – Zeit zu üben hatten sie ja genug. Denn Kerstin P. ist 24 Jahre alt. Und sie lebt noch immer bei ihren Eltern. Sie ist kein Einzelfall. „Töchter ziehen immer später von zu Hause aus“, sagt eine Familiensoziologin. „Anfang der 2000er-Jahre gab es einen Knick. Seitdem nähern sich die jungen Frauen dem Verhalten der Männer an, und die Unterschiede verschwimmen.“ Die Zahlen der Statistik Austria bestätigen diesen Trend: Lebten 2012 noch 55,2% der 20- bis 24-jährigen Frauen zu Hause bei den Eltern, so waren es im Vorjahr schon rund 58%. Von den Männern waren es fast 67%, deren Anteil sank über die Jahre leicht. Zum Vergleich: 1971 waren es 15% der 24-jährigen Frauen und mehr als doppelt so viele Männer dieses Alters. Die so genannten Erwachsenenmarker hätten sich nach hinten verschoben, sagt die Soziologin: der Einstieg in den Beruf, Heirat, das erste Kind. Frauen binden sich zwar noch immer generell früher als Männer. Die junge Generation muss nicht sofort in die Erwerbstätigkeit hinein, ergänzt eine Entwicklungspsychologin. Dadurch werden die Ausbildungszeiten immer länger – mehr Frauen als Männer haben mittlerweile einen Hochschulabschluss –, und hat man schließlich einen Job, sind die Arbeitsplätze unsicher. Gleichzeitig haben sich die Kosten fürs Wohnen massiv erhöht – vor allem seit dem Vorjahr. Ebenso stiegen die Preise für Haushaltsenergie stark an. Privathaushalte wenden bereits einen wesentlichen Teil ihres Einkommens fürs Wohnen auf. Nur maximal ein Drittel der jungen Erwachsenen nutzt das „Kinderzimmer für immer“ aus Bequemlichkeit, um den Kühlschrank nicht selbst füllen oder die Wäsche nicht waschen zu müssen. Bei den anderen ist vor allem das Finanzielle das Problem. Kerstin P. schämt sich im Freundeskreis dafür. „Wer noch immer bei den Eltern wohnt, ist ein Loser“, sagt sie. Vergleicht man Österreich mit anderen Ländern der EU, so sind unsere Kinderzimmer allerdings gar nicht so lang belegt. Das durchschnittliche Alter, mit dem Kinder ausziehen, liegt hierzulande bei 25,5 Jahren und damit im unteren Drittel. Am ältesten sind sie in Montenegro mit 33,3 Jahren, gefolgt von Kroatien und Nord-Mazedonien. Auch an Italien reicht Österreich noch lange nicht heran. Die Schweden verlassen indes bereits mit durchschnittlich 17,5 Jahren die elterliche Wohnung. Auch die Deutschen, Franzosen und Niederländer sind generell jünger. (nach: wienerzeitung.at, 4.7.2023) 1 Fasse M1 zusammen. Ermittle, welche Faktoren dazu führen, dass junge Leute länger bei ihren Eltern wohnen. Stelle die im Text genannten Zahlen der EU-Länder in einer Grafik dar. (PSK III) 2 Interpretiere die Karikatur M2. (HMK III) 3 Bildet Kleingruppen, wenn möglich mindestens je eine reine Buben- bzw. Mädchengruppe und mindestens eine gemischte. Diskutiert, wann ihr einmal von daheim ausziehen wollt. Gibt es einen „idealen Zeitpunkt“? Erstellt eine Pro- und Kontra-Liste „Von daheim ausziehen oder nicht?“. Findet Argumente dafür und dagegen. Versetzt euch in die Rolle von Eltern: Was würdet ihr tun, wenn a) ihr eure Kinder möglichst lange zu Hause behalten wollt? b) ihr findet, sie sollten endlich ausziehen und einen eigenen Haushalt gründen? (PHK III) M2 Coffee to go (Karikatur, Trumix, 25.2.2018) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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