8 zu den Schulbuchseiten 16 und 17 Schattendorf und die Folgen M1 1927: Schüsse von Schattendorf D Schattendorf war 1927 eine sozialdemokratisch geführte zweisprachige Gemeinde. Am 30. Jänner 1927 hielt in diesem Ort die rechtsgerichtete Frontkämpfervereinigung Deutsch-Österreichs in „ihrem“ Gasthof Tscharmann eine Versammlung ab. Schutzbündler, mit Verstärkung aus den Nachbargemeinden, hielten vorerst in 500 Metern Entfernung eine Gegendemonstration ab, aber bald zogen sie durch die Hauptstraße und vor das Gasthaus Tscharmann. Im Tumult fielen aus dem Gasthaus heraus Schüsse, die einen kroatischen Kriegsinvaliden und ein Kind tödlich verletzten. Die drei Schützen aus dem Gasthof wurden daraufhin festgenommen und der Justiz übergeben. (nach: Digitales Museum, hdgoe.at/schuesse-schattendorf, 20.3.2024) M2 1927: Schüsse von Schattendorf Q Ein wahnsinniges Verbrechen, scheinbar sinnlos, ist von bewaffneten Arbeiterhassern im Burgenlande gesetzt worden. In einem friedlichen sozialistischen Dorf des Burgenlandes sind bewaffnete Frontkämpfer als Versammlungsveranstalter maskiert eingefallen. Sie haben von ihrem Versammlungslokal aus zuerst auf friedliche Menschen geschossen. Um ½ 5 Uhr wurde nochmals von den Frontkämpfern geschossen: Ein Kriegsinvalider und ein Eisenbahnerkind waren nun die Opfer dieser Salve. Ihr Blut ist noch nicht vertrocknet, da sind schon bürgerliche Federn am Werke, um diesen Mord in einen angeblichen Brutalitätsakt des Republikanischen Schutzbundes umzulügen. (nach: Tagblatt, 2.2.1927) M3 Karl Renner zu den Schüssen von Schattendorf Q Es ist auch nach der Darstellung des Bundeskanzlers völlig klar geworden, dass es sich hier nicht um einen Akt der so genannten Notwehr gehandelt hat, denn der Mann, der hinter den vergitterten Fensterscheiben steht und von dort aus das Jagdgewehr und ein Militärgewehr benützt, um auf die Massen zu schießen, befindet sich nicht im Zustande der Notwehr. (nach: Arbeiter-Zeitung, 4.2.1927) M4 1927: Schüsse von Schattendorf Q Wir haben in der gestrigen Nachmittagausgabe die Vorgänge vor dem Bahnhof in Schattendorf geschildert, wo etwa 300 uniformierte Schutzbündler sich auf elf Frontkämpfer stürzten und mehrere von ihnen blutig misshandelten; das war eine Heldentat, würdig der Schutzbündler, eine Heldentat, die in den sozialdemokratischen Blättern sorgfältig verschwiegen wird. Es folgten die Ereignisse in Schattendorf, wo die Schutzbündler eine behördlich angemeldete Frontkämpferversammlung belagerten und gewalttätig ins Haus eindrangen, bis der Wirtssohn nach einigen Alarmschüssen mehrere scharfe Schüsse aus einem Jagdgewehr abgab, durch welche die schon genannten beiden Personen getötet worden seien – wie behauptet wird. Doch ist auch das bisher noch nicht erwiesen: die Untersuchung wird wohl die notwendige Aufklärung bringen; noch ist es ja nicht ausgeschlossen, dass jene Schüsse, die zwei Leben verlöschten, aus verirrten Pistolenkugeln von Schutzbündlern stammten. (nach: Neues Grazer Tagblatt, 1.2.1927) 1 Erzähle die Vorgänge in Schattendorf mithilfe von M1, M2, M3 und M4. Stelle fest, welcher Bericht die Sichtweise des Schutzbunds unterstützt und welcher die der Frontkämpfer. Beurteile die Glaubwürdigkeit der unterschiedlichen Berichte. (PMK III) 2 Recherchiere den Ausgang des Schattendorfer Prozesses. Erörtere seine Folgen. (PUK III) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
RkJQdWJsaXNoZXIy MjU2NDQ5MQ==