Zeitbilder 4, Arbeitsheft

9 zu den Schulbuchseiten 16 und 17 Der Justizpalastbrand M1 Brand des Justizpalastes (Foto 15.7.1927) M3 Notiz zum Brand des Justizpalastes Q Der Justizpalast in Wien soll bis auf die Grundmauern niedergebrannt sein. Auch im Parlament ist ein Brand ausgebrochen. Nach einer verlässlichen Meldung sind im Justizpalast sämtliche Grundbücher verbrannt worden und außerdem eine zahlreiche Menge wichtiger Dokumente. (nach: Arbeiter-Zeitung, 4.2.1927) M2 Elias Canetti erinnert sich an den Tag des Justizpalastbrandes. Q Ich las im Kaffeehaus in Ober-St. Veit die Morgenzeitungen. Ich spüre noch die Empörung, die mich überkam, als ich die „Reichspost“ in die Hand nahm; da stand als riesige Überschrift: „Ein gerechtes Urteil.“ Im Burgenland war geschossen, Arbeiter waren getötet worden. Das Gericht hatte die Mörder freigesprochen. Dieser Freispruch wurde im Organ der Regierungspartei als „gerechtes Urteil“ bezeichnet, nein ausposaunt. Es war dieser Hohn auf jedes Gefühl von Gerechtigkeit noch mehr als der Freispruch selbst, was eine ungeheure Erregung in der Wiener Arbeiterschaft auslöste. Aus allen Bezirken Wiens zogen die Arbeiter in geschlossenen Zügen vor den Justizpalast, der durch seinen bloßen Namen das Unrecht für sie verkörperte. Es war eine völlige spontane Reaktion, wie sehr, spürte ich an mir selbst. Auf meinem Fahrrad fuhr ich schleunigst in die Stadt hinein und schloss mich einem dieser Züge an. Die Arbeiterschaft, die sonst gut diszipliniert war, die Vertrauen zu ihren sozialdemokratischen Führern hatte und es zufrieden war, dass die Gemeinde Wien von ihnen in vorbildlicher Weise verwaltet wurde, handelte an diesem Tage ohne ihre Führer. Als sie den Justizpalast anzündete, stellte sich ihnen der Bürgermeister Seitz auf einem Löschwagen der Feuerwehr mit hocherhobener Rechten in den Weg. Seine Geste blieb wirkungslos: Der Justizpalast brannte. Die Polizei erhielt Schießbefehl, es gab neunzig Tote. Es sind 46 Jahre her, und die Erregung dieses Tages liegt mir heute noch in den Knochen. Es ist das Nächste zu einer Revolution, was ich am eigenen Leib erlebt habe. Hundert Seiten würden nicht ausreichen, um zu schildern, was ich selber sah. Ich wurde zu einem Teil der Masse, ich ging vollkommen in ihr auf, ich spürte nicht den leisesten Widerstand gegen das, was sie unternahm. (nach: Elias Canetti (1905–1994), Die Fackel im Ohr) 1 Recherchiere die Vorgeschichte zum Brand des Justizpalastes. Erzähle den Hergang auch mithilfe von M1, M2 und M3. Du kannst dir den Brand auch in der österreichischen Mediathek – Justizpalastbrand Filmausschnitt 2 (https://www.mediathek.at) ansehen. Erkläre, was in M1 zu sehen ist. (PUK II) 2 Analysiere und interpretiere M2. Arbeite die Gründe, die Canetti für die Demonstrationen nennt, heraus. Beurteile seine Erklärung dafür, weshalb er sich an der Demonstration beteiligte. (PMK III) Österreich wird eine Republik Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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