b) Direkte nicht-thermische Wirkung Wissenschaftlich noch immer diskutiert wird die so genannte nicht-thermische Wirkung elektromagnetischer Felder. Oft wird in diesem Zusammenhang von Krebs fördernden Bedingungen berichtet. Manche wissenschaftlich nicht abgesicherten Studien behaupten, dass niederfrequente elektromagnetische Felder die Produktion von Melatonin, jenem Hormon, dem tumorhemmende Wirkung nachgesagt wird, beeinträchtige und/oder sich die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke unter dem Einfluss elektromagnetischer Felder ändere. Da sich die Ergebnisse nur schwer interpretieren lassen, können keine eindeutigen Rückschlüsse auf eine negative Wirkung gezogen werden. Ganz allgemein kann man sagen, dass der menschliche Körper in den vergangenen Jahren mehr elektromagnetischen Feldern in bestimmten Frequenzbereichen ausgesetzt war, als dies früher der Fall war. Die Vielfalt der auftretenden Strahlung („Wellenbad“) ist einer der Gründe, warum eine Festlegung eines „Elektrosmog-Grenzwertes“ kaum möglich ist. Eine große Schwierigkeit bei einzelnen Studien zur Wirkung von elektromagnetischen Wellen ist, dass kaum Vergleichsgruppen gefunden werden können, die über einen längeren Zeitraum keinen elektromagnetischen Wellen ausgesetzt sind. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann eine Gesundheitsschädigung durch elektromagnetische Wellen nicht eindeutig nachgewiesen werden. Untersuche, überlege, forsche: Gefahrenpotenzial? 55.1 S2 Wichtig bei der Diskussion um Gesundheitsschädigung ist die Festlegung von Grenzwerten. Sucht die aktuell in Österreich geltenden Grenzwerte heraus und diskutiert, welche Probleme sich bei der Bestimmung von Grenzwerten ergeben. Führt jene Faktoren an, die dabei eine grundlegende Rolle (Dauer der Exposition, Sendeleistung, …) spielen und zieht Schlüsse für euch daraus. 55.2 S2 Überlege dir die möglichen biologischen Wirkungen von den schon vorher im Kapitel besprochenen elektromagnetischen Wellen (sichtbares Licht, UV-Strahlung, Röntgenstrahlung) auf den Körper. In welche Bereiche lassen sich diese Wellenarten einreihen? 55.1 Das Bild zeigt ein so genanntes Elektrosmogmessgerät. Das Gerät erfasst elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder. Derartige Geräte sind aber mit Vorsicht zu verwenden, da seriöse (genaue) Messungen nur mit viel komplizierteren Versuchsanlagen durchgeführt werden können. Die korrekte Interpretation der Daten ist dabei besonders wichtig. 55.2 Die Durchlässigkeit der Erdatmosphäre für elektromagnetische Strahlung hängt von der Wellenlänge ab. Das Diagramm gibt an, in welcher Höhe einfallende Strahlung von der Erdatmosphäre zur Hälfte absorbiert wird. Was bedeutet in diesem Zusammenhang der Begriff „optisches Fenster“? 1 m 1 mm 1 pm Wellenlänge Höhe in km 0 30 60 90 120 150 Radiofenster Optisches Fenster 55.3 Die Sonne emittiert auch Röntgenstrahlung, die von dem Millionen Grad heißen ionisierten Gas der Sonnenkorona ausgeht. Die hellen Bereiche zeigen starke Magnetfelder an, in denen geladene Teilchen beschleunigt werden. Diese aktiven Regionen sind oft der Ursprung von Sonnenflecken und Sonneneruptionen (Flares). Elektromagnetische Strahlung aus dem Weltraum Den Großteil unseres Wissens über den Kosmos gewinnen wir aus der elektromagnetischen Strahlung, die von der Materie des Weltraums emittiert wird. Auf unsere Erdatmosphäre trifft Strahlung aus allen Bereichen des elektromagnetischen Spektrums. Nur ein kleiner Teil dieser Strahlung, hauptsächlich im Bereich des sichtbaren Lichts und des nahen Infrarotbereichs (ca. 300 nm bis 3 μm; optisches Fenster) und im so genannten Radiofenster (zwischen ca. 1 mm und 30 m), kann auf der Erde registriert werden, für alle anderen Bereiche sind wir auf Satellitenbeobachtungen angewiesen (55.2). Mit zahlreichen Weltraumteleskopen können mittlerweile große Teile des elektromagnetischen Spektrums als Informationsquelle für den Weltraum genutzt werden. 55.4 Die Galaxie Centaurus A lässt sich gut im sichtbaren Licht erkennen. Die energiereichen Materiestrahlen (Jets) sieht man besser im Röntgen- und Radiowellenbereich. Mit neuen Beobachtungen im Infrarot-Bereich durch das James-Webb-Weltraumteleskop erhoffen Forschende herauszufinden, welche Masse das riesige Schwarze Loch im Zentrum hat und wo genau diese Jets ausgestoßen wurden. 55 4 Elektromagnetische Schwingungen und Wellen Elektromagnetische Wellen Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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