Sexl Physik 7, Schulbuch [Teildruck]

c) Österreichs Kraftwerksverbund Öffentliche Elektrizitätswerke gibt es in Österreich seit 1886. Der Inlandstrombedarf hat sich seit 1970 verdreifacht und betrug 2023 74 500 GWh. Zu ca. 90 % wurde der Bedarf durch heimische Kraftwerke gedeckt. Von dem in Österreich erzeugten Strom wurden rund 60 % in Wasserkraftwerken (25.4, 26.3), 21 % in Wärmekraftwerken und 19 % mit Windkraftanlagen, Photovoltaik und Geothermie erzeugt. Mit diesem hohen Anteil von Wasserkraft an der Stromerzeugung liegt Österreich in Europa nach Norwegen an zweiter Stelle (Tabelle 25.1). Österreich hat im Jahr 1978 nach einer Volksabstimmung beschlossen, auf Kernkraftwerke zu verzichten. Land Wasserkraft Wärme Kernenergie Sonne & Wind Norwegen 89 % 1 % – 9 % Österreich 60 % 21 % – 19 % Schweiz 56 % 5 % 33 % 6 % Frankreich 12 % 10 % 64 % 14 % Deutschland 5 % 53 % 1 % 40 % Europa 17 % 40 % 19 % 23 % 25.1 Stromerzeugung in einigen europäischen Ländern 2023 (Quelle: Internationale Energieagentur IEA) Die vermehrte Stromerzeugung in Wärmekraftwerken erhöht die Abhängigkeit von importierten Brennstoffen. Im Jahr 1980 wurden etwa 10 % der erzeugten elektrischen Energie exportiert, im Jahr 2000 war die Bilanz ausgeglichen. Seither steigen die Stromimporte je nach Wirtschaftslage (2022: 13 % Importe). Sowohl aus wirtschaftlichen Gründen als auch zur Verminderung der Umweltbelastung ist bei Kraftwerken ein hoher Wirkungsgrad wichtig. Während Wasserkraftwerke einen Wirkungsgrad von 90 % erzielen, liegt der Wirkungsgrad von Wärmekraftwerken bei 40 %. (Eine Steigerung auf bis zu 90 % ist durch die Nutzung der Abwärme als Fernwärme erreichbar. Dies wird als Kraft-Wärme-Kopplung bezeichnet.) Die Verteilung erfolgt über ein Hochspannungsnetz (110 kV, 220 kV, 380 kV) von insgesamt über 18000km Länge (25.3). Der Verbundbetrieb erfordert eine genaue Abstimmung der von allen Kraftwerken gelieferten Leistungen auf den Bedarf und eine genaue Netzfrequenz von 50 Hz. d) Ökostrom Ökostrom ist elektrische Energie aus erneuerbaren Energieträgern. Daten zur erneuerbaren Energie In Österreich betrug 2022 der Anteil erneuerbarer Energie am Energiebedarf 33,8 % (bei Strom: 74,7 %) und soll bis zum Jahr 2040 auf 100 % gesteigert werden (bei Strom bis 2030). EU-weit soll der Anteil erneuerbarer Energie bis 2030 auf 42,5 % gesteigert werden. Lexikon Ökostrom: Strom aus erneuerbaren, also nicht fossilen Energieträgern. Dazu zählen Wind, Sonne, Erdwärme, Wasserkraft, Biomasse, Deponie-, Klär- und Biogas, Abfall mit hohem biogenen Anteil sowie Wellen- und Gezeitenenergie. (Quelle: e-Control) Energiequelle: in großem Rahmen nutzbarer Energielieferant (Quelle: Duden) Energieträger: Feste, flüssige, gasförmige und radioaktive Stoffe, die Energie in sich speichern. Sie dienen der Energieerzeugung. Primärenergieträger werden im Wesentlichen in ihrer natürlich vorkommenden Form genutzt (Erdöl, Erdgas, Kohle, Uranerz, Wasserkraft). Sekundärenergie entstammt dagegen einem Umwandlungsprozess (Benzin, Heizöl, Strom, Fernwärme). (Quelle: Fischer Weltalmanach) Treibhauseffekt: Die Treibhausgase (Wasserdampf, CO2, CH4, fluorierte Kohlenwasserstoffe) absorbieren einen Teil der von der Erde abgestrahlten Wärmestrahlung und strahlen sie teilweise zur Erde zurück. Ohne Treibhauseffekt wäre die mittlere Temperatur der Erdoberfläche − 18 °C statt + 14 °C. Der Planet Venus verdankt seine hohe Temperatur von 460 °C dem Treibhauseffekt. Die Verluste bei der Umwandlung der Primärenergie in andere, direkt nutzbare Energieformen (z. B. elektrische Energie) und bei der Energieverteilung betragen rund 25%. Nur drei Viertel der Primärenergie werden daher nutzbringend verwendet. Aber auch die Nutzenergie (Sekundärenergie) wird schließlich größtenteils in Abwärme umgewandelt. So erwärmt die Fahrt eines Autos oder die Heizung eines Hauses letztlich die Umgebung, und diese Wärme kann nicht weiter genutzt werden. Daher spricht man von „Energieverbrauch“, obwohl Energie streng genommen nicht verbraucht wird. 25.2 Verteilung des Nutzenergiebedarfs in Österreich 2023 nach verschiedenen Sektoren (Quelle: Statistik Austria) Verkehr Produktion Haushalte Dienstleistungen Landwirtschaft 2 % 34 % 28 % 26 % 10 % 25.3 Das österreichische Hochspannungsnetz (hier dargestellt: 220 kV- und 380 kV-Leitungen) wird von Austrian Power Grid betrieben. (Quelle: Austrian Power Grid APG) Stand 2025 380-kV-Leitung / in Bau 220-kV-Leitung / in Bau APG-Netzknoten APG-Umspannwerk / in Bau *Seps *Mavir *Eles *Terna *Swissgrid *TenneT *TenneT *Amprion *TransnetBW *Ceps Österreich braucht Strominfrastruktur. Österreichisches Höchstspannungsnetz 25.4 Das Flusskraftwerk Ybbs/Persenbeug (NÖ) erzeugt bei einer Fallhöhe von 10,9 m und einem maximalem Durchfluss von 2 650 m³/s eine Leistung von 236,5 MW. 25 Energie 2 Energieversorgung Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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