Lasso Lesebuch 4, Schulbuch [Lesespaß]

Lasso Lesebuch 4 Lesespaß

Lasso Lesebuch 4, Teil A: Lesespaß Schulbuchnummer: 225275 Mit Bescheid des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung vom 7. März 2025, GZ 2024-0.746.251, gemäß § 14 Absatz 2 und 5 des Schulunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 472/86, und gemäß den derzeit geltenden Lehrplänen als für den Unterrichtsgebrauch an Volksschulen für die 4. Klasse im Unterrichtsgegenstand Deutsch (Lehrplan 2023) geeignet erklärt. Dieses Werk wurde auf der Grundlage eines zielorientierten Lehrplans verfasst. Konkretisierung, Gewichtung und Umsetzung der Inhalte erfolgen durch die Lehrerinnen und Lehrer. Liebe Schülerin, lieber Schüler, du bekommst dieses Schulbuch von der Republik Österreich für deine Ausbildung. Bücher helfen nicht nur beim Lernen, sondern sind auch Freunde fürs Leben. Kopierverbot Wir weisen darauf hin, dass das Kopieren zum Schulgebrauch aus diesem Buch verboten ist – § 42 Abs. 6 Urheberrechtsgesetz: „Die Befugnis zur Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch gilt nicht für Werke, die ihrer Beschaffenheit und Bezeichnung nach zum Schul- oder Unterrichtsgebrauch bestimmt sind.“ Bildrechte: © Bildrecht GmbH, Wien 2025 Umschlagillustration: Lisa Brenner, Stelzenberg 1. Auflage (Druck 0001) © Österreichischer Bundesverlag Schulbuch GmbH & Co. KG, Wien 2026 www.oebv.at Alle Rechte vorbehalten. Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, gesetzlich verboten. Redaktion: Barbara Beran-Dunst, Wien; Claudia Martinowski, Wien Herstellung: Andrea Maria Fellner, Wien Umschlaggestaltung: Oliver Stolz, Wien Layout: Moritz Lang – Büro für Gestaltung, Offenburg Satz: Manuela Strasser, Wien Druck: Paul Gerin GmbH & Co KG, Wolkersdorf ISBN 978-3-209-13326-7 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

www.oebv.at Lasso Lesebuch 4 Teil A: Lesespaß Pamela Mandl Sylvia Tesar Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

2 Inhalt Dein Lesebuch kennen lernen S. 5 ABC des Lesens S. 6–7 Wir sind nicht allein Ein guter Freund Andrea Erkert S. 8 So bist du ein guter Freund Keilly Swift S. 9–10 Einladung Georg Bydlinski S. 10 Sorgenfalter Magda Hassan S. 11-12 Was macht man, wenn man nicht mehr mitspielen darf? Peter Turrini S. 13–14 Zauberhaft Manche Dinge kann man nur dann farbig sehen, wenn man die Augen fest geschlossen hat Wolfgang Mennel S. 15 Ronja Räubertochter Astrid Lindgren S. 16–18 Aufstand der Märchenfiguren Elisabeth Steinkellner S. 19–20 Fast ein Zaubertrick Thomas Wieke S. 21–22 Alltägliches – oder doch nicht? Sind alle wirklich gleich? Christine Paxmann S. 23 Ausflug zur Burg Falkenstein Margarete Mittermayr S. 24–25 Der Pistenschreck Franz Sales Sklenitzka S. 26–27 Malala Malala Yousafzai S. 28 Mein blauer Tag Christa Kożik S. 29 Wir erforschen die Welt Jane Goodall Rachel Ignotofsky S. 30 Das Liebesleben der Tiere Katharina von der Gathen S. 31 Strom macht magnetisch Terry Cash, Barbara Taylor S. 32–33 Die österreichischen Euro-Münzen S. 34–35 Die Erfindung des Rollstuhls S. 36 Ein Vulkan bricht aus Hertha Beuschel-Menze u. a. S. 37 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

3 Inhalt Geheimnisvoll Das klingt gruselig! Tom Dahlke S. 38 Gruselbücher lesen Paul van Loon S. 39 Die Höhle von Lascaux Martin Kloß S. 40–41 Halloween S. 42 Eine unheimliche Totenmesse in St. Stephan Friedl Hofbauer S. 43–44 Jahr für Jahr Jahreszeiten Kristina Scharmacher-Schreiber S. 45 Jeder Tag ist Welttierschutztag Bernhard Lins S. 46–47 Weihnachten feiern Tilde Michels S. 48–49 Mantecados Tanja Dusy S. 50 Winterliche Belehrung Paul Maar S. 51 Die Frühlingssonne Christine Busta S. 52 Auf Entdeckungsreise Christoph Kolumbus Colin Hynson S. 53 Rebellenzellen Johanna Klement S. 54-56 Die Seidenstraße Rupert Matthews S. 57 Kleiner Eisbär, wohin fährst du? Hans de Beer S. 58–59 Tiere und Pflanzen Die Neuen Susanna Isern S. 60–61 Wie kommt der Löwenzahn in die Dachrinne? Sabine Dahm, Wolfgang Funke S. 62–63 Was kostet ein Haustier? Susanne Risch S. 64-65 Der Wettlauf Käthe Recheis S. 66 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

4 Inhalt Was Bücher können Lesen macht stark Keilly Swift S. 67–68 Bücher klären auf Katharina von der Gathen S. 69 Anschlag auf die Buchwerkstatt Annette Neubauer S. 70–73 Natur erleben und schützen So könnt ihr den Wald retten S. 74–75 Züchte deinen eigenen Baum S. 76–77 Greta Andrea Gregusova S. 78–79 Wir bauen eine Mini-Kläranlage Jessica Hergesell, Michael Kalff S. 80 Medienwelt Warum sind Smartphones so praktisch? Lena Thiele S. 81 Wie ist ein Computer aufgebaut? Lena Thiele S. 82–83 Was ist künstliche Intelligenz? Angelika Zahn S. 84 Beleidigen im Netz S. 85 Willkommen im Chatroom Julia Boehme S. 86–87 Chatten Dominik Nüse-Lorenz S. 87 Bis bald! Wie wird es werden? S. 88 Lina gründet ein Unternehmen Mike Schäfer S. 89 Oma gibt dem Meer die Hand Vera Ferra-Mikura S. 90–93 Erdbeereis selbst gemacht S. 94 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

5 Dein Lesebuch kennen lernen 12 Kapitel Jedes Kapitel hält spannende Lesetexte zu einem Thema bereit. Türkise Textstellen Manchmal gibt es Geschichten oder Gedichte, die Textabschnitte in türkiser Schrift enthalten. Wenn du schnell liest, lies alles. Wenn du noch nicht so schnell bist, lies nur die schwarzen Textstellen. Lesetipps Auf den Seiten 6 und 7 erhältst du Tipps, die dir beim Lesen und Verstehen von Texten helfen können. Wo du diese Tipps zum Beispiel anwenden kannst, zeigen dir die Fähnchen-Symbole neben den Lesetexten. Wortschatzkiste Hier werden schwierige Wörter erklärt. Versuche auch selbst diese Wörter zu verwenden. Buchtipp Hat dir gefallen, was du gelesen hast? Hier erfährst du, wie das Buch heißt, in dem du weiterlesen kannst. Sicher unterwegs im Internet Auf www.oebv.at findest du Tipps, wie und wo du im Internet nach Informationen suchen kannst. Gib den Online-Code im Suchfeld ein. n52x3e Arbeitsaufträge Arbeitet zu zweit. Arbeitet in Gruppen. Schau im ABC des Lesens nach. 1 16 17 35 40 45 50 55 60 5 Ronja Räubertochter Ronja wuchs mit jedem Tag und begann so allmählich, die Welt um sich herum zu erforschen. Lange glaubte sie, die große Steinhalle sei die ganze Welt. Und dort fühlte sie sich wohl, dort saß sie so geborgen unter der langen Tafel und spielte mit Tannenzapfen und Steinchen, die Mattis ihr mitbrachte. Und die Steinhalle war wahrlich kein übler Platz für ein Kind. Viel Spaß konnte man dort haben, und viel lernen konnte man dort auch. Ronja gefiel es, wenn die Räuber abends vor dem Feuer sangen. Still hockte sie dann unter dem Tisch und lauschte, und schließlich konnte sie alle Räuberlieder auswendig. Dann fiel sie mit glockenheller Stimme ein, und Mattis staunte über sein einzigartiges Kind, das so schön singen konnte. Auch das Tanzen brachte sie sich selber bei. Denn wenn die Räuber so recht in Schwung kamen, tanzten und hopsten sie wie närrisch durch den Saal, und Ronja guckte es ihnen schnell ab. Bald tanzte und hopste auch sie und machte Räubersprünge zu Mattis’ großem Vergnügen. Aber viel mehr hatte Ronja in ihrem kurzen Leben kaum gesehen. Von dem, was es außerhalb der Mattisburg gab, wusste sie nichts. Aber eines schönen Tages sah Mattis ein – wie sehr es ihm auch missfiel –, dass die Zeit gekommen war. „Lovis“, sagte er zu seiner Frau, „unser Kind muss lernen, wie es ist, im Mattiswald zu leben. Lass Ronja hinaus!“ „Schau an, hast du das endlich auch begriffen?“, sagte Lovis. „Wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre sie schon längst draußen.“ Und damit hatte Ronja die Erlaubnis, frei herumzustreunen, wie sie wollte. Vorher aber ließ Mattis sie dies und jenes wissen. „Hüte dich vor den Wilddruden und den Graugnomen und den Borkaräubern“, sagte er. „Woher soll ich wissen, wer die Wilddruden und die Graugnomen und die Borkaräuber sind?“, fragte Ronja. „Das merkst du schon“, antwortete Mattis. „Na, dann“, sagte Ronja. „Und dann hütest du dich davor, dich im Wald zu verirren“, sagte Mattis. „Was tu ich, wenn ich mich im Wald verirre?“, fragte Ronja. „Suchst dir den richtigen Pfad“, antwortete Mattis. „Na, dann“, sagte Ronja. „Und dann hütest du dich davor, in den Fluss zu plumpsen“, sagte Mattis. „Und was tu ich, wenn ich in den Fluss plumpse?“, fragte Ronja. „Schwimmst“, sagte Mattis. „Na, dann“, sagte Ronja. „Sonst noch was?“ „O ja“, sagte Mattis. „Aber das merkst du schon selber so allmählich. Geh jetzt!“ Und Ronja ging. Ihr wurde bald klar, wie dumm sie gewesen war. Wie hatte sie nur glauben können, dass die große Steinhalle die ganze Welt wäre? Nicht einmal die gewaltige Mattisburg war die ganze Welt. Nicht einmal der hohe Mattisberg war die ganze Welt, nein, die Welt war viel größer. Sie war so, dass einem der Atem stockte. Natürlich hatte Ronja gehört, wie Mattis und Lovis über das sprachen, was es außerhalb der Mattisburg gab. Vom Fluss hatten sie gesprochen. Aber erst als sie ihn mit seinen wilden Strudeln tief unter dem Mattisberg hervorschäumen sah, begriff sie, was Flüsse waren. Vom Wald hatten sie gesprochen. Aber erst als sie ihn so dunkel und verwunschen mit all seinen rauschenden Bäumen sah, begriff sie, was Wälder waren. Und sie lachte leise, weil es Flüsse und Wälder gab. Es war kaum zu glauben – wahr und wahrhaftig, es gab große Bäume und große Gewässer, und alles war voller Leben, musste man da nicht lachen! 10 15 20 25 30 4 Zauberhaft Zauberhaft lale4sb_10216_0001_A_K1_neues Layout.indd 16-17 11.10.24 12:03 2 3 Inhalt Inhalt Dein Lesebuch kennen lernen S. 5 ABC des Lesens S. 6–7 Wir sind nicht allein Ein guter Freund Andrea Erkert S. 8 So bist du ein guter Freund Keilly Swift S. 9–10 Einladung Georg Bydlinski S. 10 Sorgenfalter Magda Hassan S. 11-12 Was macht man, wenn man nicht mehr mitspielen darf? Peter Turrini S. 13–14 Zauberhaft Manche Dinge kann man nur dann farbig sehen, wenn man die Augen fest geschlossen hat Wolfgang Mennel S. 15 Ronja Räubertochter Astrid Lindgren S. 16–18 Aufstand der Märchenfiguren Elisabeth Steinkellner S. 19–20 Fast ein Zaubertrick Thomas Wieke S. 21–22 Alltägliches – oder doch nicht? Sind alle wirklich gleich? Christine Paxmann S. 23 Ausflug zur Burg Falkenstein Margarete Mittermayr S. 24–25 Der Pistenschreck Franz Sales Sklenitzka S. 26–27 Malala Malala Yousafzai S. 28 Mein blauer Tag Christa Kożik S. 29 Wir erforschen die Welt Jane Goodall Rachel Ignotofsky S. 30 Das Liebesleben der Tiere Katharina von der Gathen S. 31 Strom macht magnetisch Terry Cash, Barbara Taylor S. 32–33 Die österreichischen Euro-Münzen S. 34–35 Die Erfindung des Rollstuhls S. 36 Ein Vulkan bricht aus Hertha Beuschel-Menze u. a. S. 37 Geheimnisvoll Das klingt gruselig! Tom Dahlke S. 38 Gruselbücher lesen Paul van Loon S. 39 Die Höhle von Lascaux Martin Kloß S. 40–41 Halloween S. 42 Eine unheimliche Totenmesse in St. Stephan Friedl Hofbauer S. 43–44 Jahr für Jahr Jahreszeiten Kristina Scharmacher-Schreiber S. 45 Jeder Tag ist Welttierschutztag Bernhard Lins S. 46–47 Weihnachten feiern Tilde Michels S. 48–49 Mantecados Tanja Dusy S. 50 Winterliche Belehrung Paul Maar S. 51 Die Frühlingssonne Christine Busta S. 52 Auf Entdeckungsreise Christoph Kolumbus Colin Hynson S. 53 Rebellenzellen Johanna Klement S. 54-56 Die Seidenstraße Rupert Matthews S. 57 Kleiner Eisbär, wohin fährst du? Hans de Beer S. 58–59 Tiere und Pflanzen Die Neuen Susanna Isern S. 60–61 Wie kommt der Löwenzahn in die Dachrinne? Sabine Dahm, Wolfgang Funke S. 62–63 Was kostet ein Haustier? Susanne Risch S. 64-65 Der Wettlauf Käthe Recheis S. 66 lale4sb_13326_0001_A_K3_WieVo.indd 2-3 18.11.25 10:14 28 Malala „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“ Malala ist ein Mädchen aus Pakistan. Seit ihrem 11. Lebensjahr kämpft sie dafür, dass Mädchen in ihrer Heimat in die Schule gehen dürfen. Sie hat dafür als 17-Jährige einen der wichtigsten Preise erhalten: den Friedensnobelpreis. Ich schrieb darüber, wie sehr ich die Schule liebte und wie stolz ich auf meine Uniform war. Als ich einmal mit dem Schreiben angefangen hatte, konnte ich nicht mehr aufhören. Ich schrieb Reden und reiste durch das Land, um meine Geschichte zu teilen. Die Leute wollten mehr über mein Leben wissen! Ich sprach für all die Mädchen in meinem Tal, die nicht für sich selbst sprechen konnten. Und nun ist meine Stimme so laut wie nie zuvor. Leute in der ganzen Welt lasen meine Geschichte. Millionen kennen sie jetzt und helfen mir dabei, meine Botschaft der Hoffnung zu verbreiten. Ich habe mir immer gewünscht, die Welt zu einem friedlicheren Ort machen zu können. Und jeden Tag arbeite ich daran, dass mein Wunsch in Erfüllung geht. • Woher kommt Malala und wofür kämpft sie? Welchen Preis hat sie dafür erhalten? • Sucht im Internet nach weiteren Informationen über Malala. • Wofür würdest du dich einsetzen, wenn du dadurch die Welt verbessern könntest? Stell dir vor, alles wäre möglich. Malala Yousafzai 4 Alltägliches – oder doch nicht? LE▶ Sich in der Anschlusskommunikation über Leseinteressen bzw. Gelesenes selbstständig austauschen. ▶ Lesetraining, Seite 23 lale4sb_10216_0001_A_K1_neues Layout.indd 28 11.10.24 12:03 7 ABC des Lesens Über den Text sprechen Sprich mit jemandem darüber, was du gelesen hast. Ihr könnt euch gegenseitig Fragen stellen. • Wie gefällt dir der Text? • Hast du alles verstanden? • Hast du etwas Neues erfahren? • Möchtest du ähnliche Texte lesen? 4 So kannst du üben, flüssiger zu lesen. Flüssig lesen bedeutet, möglichst ohne Fehler und ohne längere Pausen zu lesen. Das kannst du so üben: nach dem Lesen Lest im Lesetandem Lies einen Text laut und zeige mit dem Finger mit. Ein Lesepartnerkind liest still mit. Wenn du beim Lesen einen Fehler machst, versuche ihn selbst zu verbessern oder dein Lesepartnerkind hilft dir dabei. Wiederhole den Satz und lies dann gleich weiter. Übt den Text für ein Vorlesetheater Bei einem Vorlesetheater musst du den Text nicht auswendig können. Übt euren Text, indem ihr ihn mehrmals in verteilten Rollen lest. Zum Vorlesetheater könnt ihr auch Publikum einladen. lale4sb_10216_0001_A_K1_neues Layout.indd 7 11.10.24 11:30 1 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

6 ABC des Lesens Ein Leseziel angeben Bevor du den Text liest, kannst du dir überlegen, welche Erwartungen du hast und warum dich der Text interessiert. • Liest du den Text zur Unterhaltung oder um dich zu informieren? • Gibt es bestimmte Aufgaben, die du nach dem Lesen lösen sollst? 1 vor dem Lesen Kopfkino Versuche, dir während des Lesens Bilder vorzustellen. Manche Dinge und Vorgänge kannst du dir gut vorstellen, bei anderen ist das schwieriger. Denke auch daran, wie sich etwas anfühlt. 2 Tipp: Überlege auch, welche Wörter du nicht verstehst, und unterstreiche diese Textstellen in einer anderen Farbe. Suche dann die Wörter in einem Lexikon oder im Internet. Mitlesen Lass dir einen Text von einem guten Leser oder einer guten Leserin vorlesen. Beim Zuhören liest du still mit. Dann wird der Text noch einmal vorgelesen. Diesmal sprichst du Wort für Wort halblaut mit. Zum Schluss liest du den Text allein vor. So kannst du üben, fehlerlos und ohne lange Pausen zu lesen – man nennt das „flüssig“. 3 während des Lesens während des Lesens Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

7 ABC des Lesens Über den Text sprechen Sprich mit jemandem darüber, was du gelesen hast. Ihr könnt euch gegenseitig Fragen stellen. • Wie gefällt dir der Text? • Hast du alles verstanden? • Hast du etwas Neues erfahren? • Möchtest du ähnliche Texte lesen? 4 So kannst du üben, flüssiger zu lesen. Flüssig lesen bedeutet, möglichst ohne Fehler und ohne längere Pausen zu lesen. Das kannst du so üben: nach dem Lesen Lest im Lesetandem Lies einen Text laut und zeige mit dem Finger mit. Ein Lesepartnerkind liest still mit. Wenn du beim Lesen einen Fehler machst, versuche ihn selbst zu verbessern oder dein Lesepartnerkind hilft dir dabei. Wiederhole den Satz und lies dann gleich weiter. Übt den Text für ein Vorlesetheater Bei einem Vorlesetheater musst du den Text nicht auswendig können. Übt euren Text, indem ihr ihn mehrmals in verteilten Rollen lest. Zum Vorlesetheater könnt ihr auch Publikum einladen. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

8 Ein guter Freund Meine Hand berührt dich. Deine Hand berührt mich. Meine Hand tröstet dich. Deine Hand tröstet mich. Meine Hand hält dich. Deine Hand hält mich. Schön, einen Freund zu haben, das wollte ich dir nur mal sagen! Setzt euch für dieses Fingerspiel im Kreis auf. • Tippe mit der linken Hand an deinen rechten Zeigefinger und mit der rechten an den linken Zeigefinger. • Streiche mit der linken Hand über den rechten Zeigefinger und mit der rechten über den linken Zeigefinger. • Umschließe mit der linken Hand den rechten Zeigefinger und mit der rechten den linken Zeigefinger. • Mach eine Faust, strecke einen Daumen aus und hebe dabei deinen Arm in die Luft. Am Ende deute auf ein beliebiges Kind. Andrea Erkert (bearbeitet) Wir sind nicht allein LE▶ Literarische Kompetenz erweitern. ▶ Lesetraining, Seite 10, 11 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

9 So bist du eine gute Freundin oder ein guter Freund Starke Freundschaften helfen uns durch schlechte Zeiten und machen gute Zeiten noch schöner. Hier findest du eine Anleitung, wie du deine Freundinnen und Freunde unterstützen kannst. Schließe niemanden aus Es ist schön, zu einer Gruppe zu gehören, aber achte darauf, dass sich niemand ausgeschlossen oder gar gemobbt fühlt. Wenn du andere teilhaben lässt, werden sie das auch für dich tun. Zeige deine Wertschätzung1 Nimm dir Zeit, Danke zu sagen, vielleicht durch einen handgeschriebenen Brief. Respektiere2 die Eigenheiten anderer Achte die Eigenschaften, die deine Freundinnen und Freunde zu etwas Besonderem machen, von ihrer Kultur bis hin zu ihren Hobbys und Interessen. Unterstütze andere und höre zu Ob man über ein Problem sprechen will oder Trost braucht, eine gute Freundin oder ein guter Freund ist in schweren Zeiten immer für einen da. Sei hilfsbereit, wenn du kannst Eine schwierige Aufgabe ist gemeinsam schneller erledigt. Dann bleibt mehr Zeit zum Spielen. 2 Mein Wortschatz 1 Wertschätzung: jemanden Respekt und Wohlwollen entgegenbringen; 2 respektieren: etwas gelten lassen Wir sind nicht allein Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

10 Stress in der Freundschaft Auch in den besten Freundschaften gibt es manchmal Auseinandersetzungen. Diese Tipps können helfen, Streit zu schlichten und die Freundschaft zu bewahren. Danach ist sie vielleicht stärker als zuvor. • Redet miteinander. • Sei versöhnlich und nicht nachtragend. • Rede über deine Gefühle mit einem Erwachsenen. • Bitte um Entschuldigung. • Versuche zu verstehen, warum du und dein Freund oder deine Freundin sich so verhalten haben. Keilly Swift (bearbeitet) EINLADUNG Wenn du den Zettel wendest, steht hinten gar nichts drauf. Wenn du mir Briefe sendest, mach ich sie sicher auf. Drum schreib mir auf den Zettel, dass du mich gerne magst. Ich hab auch nichts dagegen, wenn du’s persönlich sagst! Georg Bydlinski • Nimm dir Zeit und verfasse einen Brief an eine gute Freundin oder einen guten Freund. Schreibe auf, was du an ihr oder ihm besonders magst. • Gestaltet ein Plakat in Kleingruppen: Schreibt in die Mitte groß das Wort FREUNDSCHAFT und schreibt dann in Wolken rundherum, was euch in einer Freundschaft besonders wichtig ist. Wir sind nicht allein LE▶ Handlungs- und produktionsorientiertes Aufarbeiten von ausgewählten Texten durch praktisches, selbsttätiges Handeln. ▶ Lesetraining, Seite 10, 11 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

11 Sorgenfalter Staunend sehe ich mir meine Welt an. Ihre vielen Seiten lassen mich immer wieder Neues entdecken. Da sehe ich in der Ferne ein Leuchten, ein Schimmern und Glänzen. Ein Falter zeichnet feine Linien in die Luft. Ich staune über seine Kunststücke und folge seinen Spuren. „Wer bist du?“, frage ich? Du lächelst: „Ich bin dein Sorgenfalter. Ich falte große Sorgen klein.“ „Mein Sorgenfalter?“, frage ich neugierig. Du nickst stolz: „Sieh dich um! Auf jedem Blatt liegt eine Sorge. Es gibt kleine und große, weiße und bunte, dunkle und helle. Komm und hilf mir.“ Gemeinsam falten wir das Papier wieder und wieder. Mit jedem Mal entsteht etwas Neues und Einzigartiges. „Aber am wichtigsten ist es, gut zuzuhören!“, flüsterst du. „Die Sorge ist manchmal sehr leise und auch, wenn sie schreit, nicht leicht zu verstehen.“ Zuerst höre ich nur ein Knacken und Rauschen, dann erkenne ich eine Melodie und schließlich spüre ich, wie das gefaltete Blatt sanft zu schwingen beginnt. Du nickst: „Sorgen möchten fliegen. Und je besser wir zuhören, umso höher steigen sie.“ Magda Hassan (gekürzt) Buchtipp Die ganze Geschichte und welches Lied die Autorin beim Schreiben im Kopf hatte, kannst du in dem Buch „Sorgenfalter“ von Magda Hassan lesen. Wir sind nicht allein LE▶ Literarische Kompetenz erweitern. ▶ Lesetraining, Seite 12 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

12 Falte deinen Sorgenfalter Was, wenn Sorgen wie Blätter wären? Wenn du sie falten und fliegen lassen könntest. 3 Probiere es aus! 1. Nimm ein quadratisches Stück Papier und schreibe deine Sorgen darauf auf. 2. Zweimal in der Mitte falten und wieder entfalten. Danach beide Diagonalen falten und wieder entfalten. 5. Wo die Flügel sich aufrichten (Kreise) nicht flachdrücken. Überstehende Spitze nach hinten falten. 6. Den Schmetterling in der Mitte falten. Jetzt kannst du deinen Schmetterling fliegen lassen. 4. Die oberen Flügel nach oben zur Mittellinie falten.Umdrehen und die Spitze nach oben, über die Kante hinaus, falten. 3. Zu einem Dreieck zusammenklappen. en255n Wir sind nicht allein LE▶ Nutzen von schulstufenentsprechenden Sach- und Gebrauchstexten. ▶ Lesetraining, Seite 13 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

13 5 10 15 20 Was macht man, wenn man nicht mehr mitspielen darf? Auf der Wiese hinter deiner Siedlung spielst du mit den anderen Fußball und plötzlich heißt es, dass du zu langsam, zu patschert1 und überhaupt ein Ei bist. Vor allem der öde René, der immer der Beste sein will und dem die Frau Mama eine nagelneue Fußballdress gekauft hat, will unbedingt, dass du ausgeschlossen wirst. Das ist bitter, aber geh auf keinen Fall mit gesenktem Kopf weg, sondern stell dich an den Rand des Fußballplatzes. Stell dich neben die paar Mädchen, die ihren Stars, vor allem diesem öden René, voller Bewunderung zuschauen. Dich werden sie anschauen wie einen ausgespuckten Kaugummi, weil du in ihren Augen ein Versager bist. Da musst du durch. Fang an, das Spiel zu kommentieren. Nicht so laut, dass es die Buben hören, aber die Mädchen sollen verstehen, was du sagst: „Und wieder übernimmt der tolle Fußballspieler René den Ball, trippelt den gegnerischen Stürmer mit einer Körpertäuschung aus, läuft auf der linken Flanke vor, schiebt den Ball durch die Beine vom Verteidiger, eine gelungene Gurke, der Tormann rennt aus dem Gehäuse, der unaufhaltsame René hebt den Ball über ihn drüber, es ist kein Abseits, René steht allein vor dem gegnerischen Tor, gleich schießt er ein – aber was geschieht? René stolpert über seine eigenen Beine, es prackt ihn voll hin und das Leder rollt wie eine müde Buchtel2 neben das Tor. René steht auf, sieht, dass seine Fußballdress ein bisschen zerrissen und voll verdreckt ist, fängt an zu schluchzen und schreit: „Mami, Mami … !“ Mein Wortschatz 1 patschert = ungeschickt 2 Buchtel = Fußball (auch: Wuchtel) • Lies zuerst die Überschrift und überlege: Was würdest du machen, wenn du ausgeschlossen wirst? • Hast du selbst schon einmal jemanden ausgeschlossen? Erzähle davon. Wir sind nicht allein Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Buchtipp Weitere Ratschläge für schwierige Situationen kannst du in dem Buch „Was macht man, wenn …” von Peter Turrini entdecken. 14 25 30 35 Die Bewunderung der Mädchen für René, den Star, wird blitzartig sinken, aber für dich wird sie steigen. Zumindest werden sie dich von der Seite angrinsen. Jetzt läuft alles in die richtige Richtung. Wenn du so weitermachst, kannst du ein berühmter Sportsprecher werden oder ein berühmter Schiedsrichter, der einen Haufen Geld verdient. Und was wird aus dem Mamibubi René? Der wird Zeugwart bei einem Pimperlverein1. Das sind die, die auf die Leiberln und auf die Fußballschuhe von den anderen aufpassen müssen. Fußballschuhe stinken übrigens immer nach Schweißfüßen. Geschieht ihm recht. Du siehst, es kann große Vorteile haben, wenn du einmal bei einem Fußballspiel ausgeschlossen wirst. Peter Turrini • Dreht die Geschichte um: Aus Buben werden Mädchen, aus Mädchen werden Buben. Auch Mädchen spielen gerne Fußball! • Lies den Spielkommentar vor wie eine Sportsprecherin oder ein Sportsprecher. Die anderen sollen gebannt deiner Stimme lauschen. • Kennst du dich mit Fußball aus? Was bedeuten diese Wörter: trippeln, Körpertäuschung, Flanke, Gurke, Abseits? Mein Wortschatz 1 Pimperlverein = kleiner, unwichtiger Verein Wir sind nicht allein LE▶ Literarische Kompetenz um die Auseinandersetzung mit Textgattungen, Beschaffenheit und Merkmalen von Texten erweitern. ▶ Lesetraining, Seite 14 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

15 Manche Dinge kann man nur dann farbig sehen, wenn man die Augen fest geschlossen hat Zum Beispiel: Eine tomatenblaue Krawatte. Zwei grasrote Handschuhe. Drei hochzeitskleidschwarze Autos. Vier rote Sessel mit himmelbunten Punkten. Fünf erdbeergoldene Hüte. Sechs weiße Rappen. Sieben dottergelbe Deutschlehrer. Acht orangefarbene Kiwis. Neun kiwigrüne Orangen. Zehn zimtweiße Zitronen. Elf bunte Fußballspieler mit roten Hemden. Zwölf rothaarige Blonde. Dreizehn blaue Briefkästen. Vierzehn gelbe Raben. Fünfzehn zitronenblaue Äpfel. Sechzehn gelbe Rotweinflecke. Siebzehn nudelblaue Fahrräder. Achtze … • Findet lustige Eigenschaften für Dinge, Menschen oder Tiere. Setzt euch in einem Kreis auf: Ein Kind beginnt die Aufzählung, das nächste Kind macht weiter. Bis zu welcher Zahl kommt ihr? • Übt den Text für ein Vorlesetheater. 2 3 (Jetzt habe ich leider die Augen geöffnet, weil es an der Haustür geklingelt hat. Vielleicht versuche ich es nachher noch einmal. Gestern bin ich bis 38 gekommen.) Wolfgang Mennel Zauberhaft LE▶ Lesestrategien bewusst nach Zielvorgabe einsetzen. ▶ Lesetraining, Seite 15 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

16 5 Ronja Räubertochter Ronja wuchs mit jedem Tag und begann so allmählich, die Welt um sich herum zu erforschen. Lange glaubte sie, die große Steinhalle sei die ganze Welt. Und dort fühlte sie sich wohl, dort saß sie so geborgen unter der langen Tafel und spielte mit Tannenzapfen und Steinchen, die Mattis ihr mitbrachte. Und die Steinhalle war wahrlich kein übler Platz für ein Kind. Viel Spaß konnte man dort haben, und viel lernen konnte man dort auch. Ronja gefiel es, wenn die Räuber abends vor dem Feuer sangen. Still hockte sie dann unter dem Tisch und lauschte, und schließlich konnte sie alle Räuberlieder auswendig. Dann fiel sie mit glockenheller Stimme ein, und Mattis staunte über sein einzigartiges Kind, das so schön singen konnte. Auch das Tanzen brachte sie sich selber bei. Denn wenn die Räuber so recht in Schwung kamen, tanzten und hopsten sie wie närrisch durch den Saal, und Ronja guckte1 es ihnen schnell ab. Bald tanzte und hopste auch sie und machte Räubersprünge zu Mattis’ großem Vergnügen. Aber viel mehr hatte Ronja in ihrem kurzen Leben kaum gesehen. Von dem, was es außerhalb der Mattisburg gab, wusste sie nichts. Aber eines schönen Tages sah Mattis ein – wie sehr es ihm auch missfiel –, dass die Zeit gekommen war. „Lovis“, sagte er zu seiner Frau, „unser Kind muss lernen, wie es ist, im Mattiswald zu leben. Lass Ronja hinaus!“ „Schau an, hast du das endlich auch begriffen?“, sagte Lovis. „Wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre sie schon längst draußen.“ Und damit hatte Ronja die Erlaubnis, frei herumzustreunen, wie sie wollte. 10 15 20 25 30 4 Mein Wortschatz 1 gucken = schauen Zauberhaft Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

17 35 40 45 50 55 60 Vorher aber ließ Mattis sie dies und jenes wissen. „Hüte dich vor den Wilddruden und den Graugnomen und den Borkaräubern“, sagte er. „Woher soll ich wissen, wer die Wilddruden und die Graugnomen und die Borkaräuber sind?“, fragte Ronja. „Das merkst du schon“, antwortete Mattis. „Na, dann“, sagte Ronja. „Und dann hütest du dich davor, dich im Wald zu verirren“, sagte Mattis. „Was tu ich, wenn ich mich im Wald verirre?“, fragte Ronja. „Suchst dir den richtigen Pfad“, antwortete Mattis. „Na, dann“, sagte Ronja. „Und dann hütest du dich davor, in den Fluss zu plumpsen“, sagte Mattis. „Und was tu ich, wenn ich in den Fluss plumpse?“, fragte Ronja. „Schwimmst“, sagte Mattis. „Na, dann“, sagte Ronja. „Sonst noch was?“ „O ja“, sagte Mattis. „Aber das merkst du schon selber so allmählich. Geh jetzt!“ Und Ronja ging. Ihr wurde bald klar, wie dumm sie gewesen war. Wie hatte sie nur glauben können, dass die große Steinhalle die ganze Welt wäre? Nicht einmal die gewaltige Mattisburg war die ganze Welt. Nicht einmal der hohe Mattisberg war die ganze Welt, nein, die Welt war viel größer. Sie war so, dass einem der Atem stockte. Natürlich hatte Ronja gehört, wie Mattis und Lovis über das sprachen, was es außerhalb der Mattisburg gab. Vom Fluss hatten sie gesprochen. Aber erst als sie ihn mit seinen wilden Strudeln tief unter dem Mattisberg hervorschäumen sah, begriff sie, was Flüsse waren. Vom Wald hatten sie gesprochen. Aber erst als sie ihn so dunkel und verwunschen mit all seinen rauschenden Bäumen sah, begriff sie, was Wälder waren. Und sie lachte leise, weil es Flüsse und Wälder gab. Es war kaum zu glauben – wahr und wahrhaftig, es gab große Bäume und große Gewässer, und alles war voller Leben, musste man da nicht lachen! Zauberhaft Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

18 65 70 75 80 Sie folgte dem Pfad geradewegs hinein in den wildesten Wald und kam zum Weiher. Dort am Weiher blieb sie den ganzen Tag und tat vieles, was sie noch nie ausprobiert hatte. Sie warf Tannenzapfen ins Wasser und lachte, als sie merkte, dass sie davonschaukelten, wenn sie nur mit den Füßen plätscherte. So viel Spaß hatte sie noch nie gehabt! Ihre Füße fühlten sich so froh und frei an beim Plätschern und noch froher beim Klettern. Um den Weiher lagen große, bemooste Findlinge1 zum Hinaufklettern, und dort standen Fichten und Kiefern zum Hangeln2. • Lest den Text im Lesetandem. • Astrid Lindgren hat viele Bücher geschrieben. Sucht in der Bibliothek nach weiteren Büchern der Autorin. Mein Wortschatz 1 Findling = großer Stein 2 hangeln = klettern mithilfe der Hände Ronja kletterte und hangelte, bis die Sonne über den waldigen Bergrücken zu sinken begann. Da aß sie das Brot und trank Milch aus der Holzflasche, die sie in einem Lederbeutel mitgenommen hatte. Danach legte sie sich ins Moos, um eine Weile auszuruhen, und hoch über ihr rauschten die Bäume. Sie guckte hinauf und lachte leise, weil es sie gab. Dann schlief sie ein. Als sie erwachte, war es schon dunkler Abend, und sie sah die Sterne über den Baumwipfeln glühen. Da begriff sie, dass die Welt noch viel mehr war, als sie geglaubt hatte. Aber es betrübte sie, dass man die Sterne nicht erreichen konnte, wie sehr man sich auch danach streckte. Astrid Lindgren (bearbeitet) en5ae3 Zauberhaft LE▶ Sich in der Anschlusskommunikation über Leseinteressen bzw. Gelesenes selbstständig austauschen. ▶ Lesetraining, Seite 16, 17 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

19 Aufstand der Märchenfiguren „Ich will keinen Prinzen“, ruft Schneewittchen, reißt sich die Krone vom Kopf und wirft sie auf die Erde. „Ich will viel lieber bei den sieben Zwergen bleiben!“ „Genau“, stimmt die Müllerstochter ein, öffnet ihren streng geflochtenen Zopf und fährt sich so lange mit beiden Händen wild durchs Haar, bis dieses nach allen Seiten absteht. „Ich will auch keinen Prinzen! Ich will mit dem Rumpelstilzchen eine Weltreise machen!“ „Und ich habe es satt, dass die Stiefmütter in den Märchen immer die Bösen sind!“, empört sich die Stiefmutter von Hänsel und Gretel und stemmt die Hände in die Hüften. „Ich liebe nämlich meine Stiefkinder und ich bin gut zu ihnen!“ „Ganz meine Meinung!“, ereifert sich die Hexe. „Ich bin eine weise Frau mit guter Menschenkenntnis und hervorragendem Kräuterwissen. Wie komme ich dazu, dass ich ins Feuer gestoßen werde? Unerhört ist das!“ „Was jammert ihr?“, schaltet sich der Prinz ein. „Für mich interessiert sich überhaupt kein Mensch. Ich darf immer erst im letzten Moment auftauchen und irgendeine Prinzessin mit auf mein Schloss nehmen. Niemand fragt nach meiner Frisur, meinen Hobbys oder ob ich überhaupt mit so einer zickigen Prinzessin zusammenleben will!“ „Und ich“, zetert1 einer der sieben Zwerge, „trete immer nur in der Gruppe auf! Ich will auch einmal im Mittelpunkt stehen und eine Hauptrolle spielen! Und dieser verflixte lange Bart hängt mir beim Essen immer in die Suppe! Ich hab ein für alle Mal genug davon!“ „Habt ihr Verwöhnten keine anderen Probleme?“, schnaubt der arme Handwerksbursche. „Ich muss immer erst mit großer List und unter schwierigen Bedingungen zu Geld und Wohlstand kommen! Wo bleibt da die soziale Gerechtigkeit?“ 5 10 15 20 25 Mein Wortschatz 1 zetern = schimpfen, jammern Zauberhaft Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

20 „Und ich“, gesteht der Wolf und tritt verlegen von einem Bein aufs andere, „bin eigentlich sehr gut mit Rotkäppchen befreundet.“ „Ja“, nickt Rotkäppchen und ihre Wangen werden so rot wie ihr Käppchen. „Ich hab die Nase voll davon“, schimpft die Großmutter, „dass ich immer als alte, gebrechliche Oma auftreten muss! Ich fühle mich frisch und gesund und will endlich einen Rock’n’Roll-Tanzkurs1 machen!“ „Mich nervt es, dass ich ständig das einsame Ungeheuer spielen muss“, brummt der Drache. „Ich würde so gerne einmal eine Party schmeißen und allen zeigen, dass Drachen sehr freundliche und gesellige Wesen sind!“ „Und ich“, seufzt der Zauberer, „wünsche mir nichts sehnlicher, als ein ganz normales Leben zu führen, ohne Magie und Zauberkunst. Einfach mal im Schaukelstuhl sitzen und Radio hören, das wäre toll!“ „Es ist eigentlich alles ein Riesen-Schlamassel2 mit diesen Märchen!“, fasst der Riese die Beschwerden der Märchenfiguren zusammen. Alle nicken. „Ich gehe!“, beschließt Schneewittchen kurzerhand, steigt aus ihrem gläsernen Sarg und schreitet davon, ohne sich ein einziges Mal umzudrehen. „Gute Idee!“, sagen die anderen, und sie klettern aus dem Märchenbuch und ziehen fort in die weite Welt, ohne zurückzuschauen. „Adieu!“, ruft ihnen der Märchenerzähler hinterher und klappt das Märchenbuch mit den leeren Seiten zu. Und leise fügt er hinzu: „Ich wünsche euch viel Glück, da draußen in der weiten Welt!“ Elisabeth Steinkellner (gekürzt) • Übt den Text für ein Vorlesetheater in verteilten Rollen. Ihr könnt die Geschichte auch nachspielen. • Welche Märchenfiguren kommen vor und was denkst du, warum sind sie alle so schlecht gelaunt? 30 35 40 45 50 Mein Wortschatz 1 Rock’n’Roll = eine lebhafte, schnelle Musikrichtung 2 Schlamassel = Notlage, Unglück en7dv5 Zauberhaft LE▶ Literarische Kompetenz um die Auseinandersetzung mit Textgattungen, Beschaffenheit und Merkmalen von Texten erweitern. ▶ Lesetraining, Seite 18 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

21 Fast ein Zaubertrick Glaubst du, dass es möglich ist, 15 Streichhölzer mit nur einem Holz in die Höhe zu heben? Unmöglich, denkst du jetzt sicher. Ist es aber nicht! Der kleine Trick muss nur sorgfältig vorbereitet werden, sonst funktioniert er nicht. Zunächst wird ein Streichholz auf den Tisch gelegt, es dient als eine Art „Mittelpfeiler“ für die gesamte Konstruktion. Dann werden 14 (Achtung, das fünfzehnte wird noch gebraucht) Hölzer über dieses eine gelegt. Sie müssen allerdings auf eine besondere Weise gegeneinander versetzt werden: Nummer Eins wird, mit dem Zündkopf nach rechts zeigend, so über den unten liegenden „Mittelpfeiler“ geschoben, dass etwa ein Drittel des Holzes nach rechts übersteht und zwei Drittel nach links. Nummer Zwei wird ganz dicht darunter gelegt, aber genau entgegengesetzt, nämlich so, dass der Zündkopf mit einem Drittel des Holzes nach links übersteht und die übrigen zwei Drittel nach rechts. Nummer Drei liegt dann wieder (wie Nummer Eins) mit dem Zündkopf und dem oberen Drittel nach rechts zeigend über dem „Mittelpfeiler“. So geht es weiter, bis alle 14 Hölzchen ganz dicht beieinander und miteinander „verschränkt“ liegen. Zweckmäßigerweise hatte man das erste der 14 Querhölzer so auf das Längsholz geschoben, dass der Zündkopf des Längsholzes frei blieb und später eine Art natürlichen Halt gegen das Verrutschen bildet. Wenn dann alle 14 Querhölzer dicht beieinander liegen, schaut unten noch ein Stück des Längsholzes hervor, dort kann man es anfassen. 5 10 15 20 25 30 1 Zauberhaft Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

22 Allerdings wird zum Anheben der gesamten Konstruktion noch ein zweites Längsstreichholz oben auf die Querhölzerschicht gelegt, und zwar exakt über das bereits unten liegende „Mittelpfeiler“-Holz. Nun nimmt man ganz vorsichtig die beiden frei stehenden Enden der Längshölzer zwischen Daumen und Zeigefinger und verfügt damit über eine Zange. Wenn man diese Zange beim langsamen Anheben der 14 Querhölzer richtig fest zusammendrückt, gelingt das Kunststück – falls man alles richtig macht. Jetzt ist es also soweit: Während man das Streichholzpaket langsam, die Hölzchen-Zange fest zugedrückt, nach oben führt, rutschen die 14 Querhölzer rechts und links in eine Art Dachkonstruktion mit ineinander verschränktem Dachfirst1. Aber sie halten und damit ist bewiesen: Man kann tatsächlich 15 Streichhölzer mit nur einem einzigen in die Höhe heben! Thomas Wieke (bearbeitet) 35 40 Mein Wortschatz 1 Dachfirst = oberste Kante eines Daches Zauberhaft LE▶ Lesestrategien bewusst nach Zielvorgabe einsetzen. ▶ Lesetraining, Seite 19 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

23 Sind alle wirklich gleich? Oma, Mama und Anna sitzen in der Küche und reden sich die Köpfe heiß. Mama ist sauer, weil so wenig Frauen im Betriebsrat sind. „Dabei ist das doch eine Riesenchance, da kann man was bewegen“, sagt Anna. „Es ist gar nicht so lange her, da mussten Frauen noch ihre Männer fragen, ob sie arbeiten dürfen“, meint Oma. „Wählen, ein eigenes Konto haben, arbeiten – das alles mussten sich Frauen erkämpfen!“ Mama haut auf den Tisch. „Die Frauenbewegung hat viel bewirkt“, ergänzt Oma, die in ihrer Jugend gerne studiert hätte, aber ihr Vater hat es verboten. „Unvorstellbar!“, sagt Anna. „Auch heute verdienen Frauen oft für dieselbe Arbeit weniger Geld als Männer“, sagt Mama. 3 Für das Recht kämpfen Opa erinnert sich noch gut. Als junger Mann ist er 1968 bei den Studierenden-Protesten mitgelaufen. Zusammen mit Oma. Damals ging es um Weltfrieden und Gleichberechtigung. Manche Künstlerinnen haben in ihrer Kunst das Thema Frauenbewegung und Frauenrechte verarbeitet. Frida Kahlo (1907-1954) war eine mexikanische Malerin. In ihren Werken machte sie auf ihre Herkunft, auf ihr körperliches und seelisches Leiden aufmerksam. Ihr Werk wurde im Zuge der Frauenbewegung ab 1970 wiederentdeckt. Christine Paxmann • Wie denkst du darüber, dass Frauen auch heute noch oft weniger Geld verdienen als Männer? Alltägliches – oder doch nicht? LE▶ Sich in der Anschlusskommunikation über Leseinteressen bzw. Gelesenes selbstständig austauschen. ▶ Lesetraining, Seite 20 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Raiding 24 Ausflug zur Burg Falkenstein Lisa und Michael wollen mit ihren Eltern an diesem Sonntag einen Ausflug zur Burg Falkenstein machen. Nach dem Mittagessen fahren sie zunächst mit dem Bus nach Königsbach. Dort angekommen holt die Mutter sofort ihre Wanderkarte aus dem Rucksack heraus und alle schauen sich die Route nochmals auf der Karte an. Lisa bemerkt, dass es sowohl einen Wanderweg als auch eine Mountainbikestrecke zur Burg gibt. Lisa liest vor: „Routeninfo zur Wanderung: Start: Wanderparkplatz (Königsbach) Ziel: Burg Falkenstein Wanderzeit: ca. 4 Stunden (gesamter Rundweg) Höhenmeter: 831m Gute Beschilderung vom Parkplatz aus (Wanderweg Nr. 2A) Alltägliches – oder doch nicht? Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

25 Fahrplan Münzbach – Bad Leopold W W SaSo Wtgl. W W Sa, So Münzbach 06:05 08:17 08:47 10:47 11:47 13:47 15:47 17:47 18:47 Mauerbach 06:12 08:22 08:52 10:52 11:52 13:53 15:53 17:53 18:53 Haag 06.15 08:25 08:55 10:55 11:55 13:55 15:55 17:55 18:55 Königsbach 06:17 08:27 08:57 10:57 11:57 13:57 15:57 17:57 18:57 Olkrucken 06:18 08:28 08:58 10:58 11:58 13:58 15:58 17:58 18:58 Waldkirchen 06:21 08:31 09:01 11:01 12:01 14:01 16:01 18:01 19:01 Forstenau 06:26 08:36 09:06 11:06 12:06 14:06 16:06 18:06 19:06 Falkenau 06:32 08:42 09:12 11:12 12:12 14:12 16:12 18:12 19:12 Bad Leopold 06:40 08:50 09:20 10:20 12:20 14:20 16:20 18:20 19:20 W an Werktagen Sa an Samstagen (wenn Werktag) So an Sonn- und Feiertagen tgl. täglich Achtung: an Samstagen, Sonn- und Feiertagen fahren kleinere Busse Mountainbikestrecke-Info: Streckenlänge: 14 km Höhenmeter: 831m Straßenbeschaffenheit: 9 km gekieste Forststraßen, 5 km Asphalt Vom Wanderparkplatz ausgehend die Bundesstraße in Richtung Raiding radeln. Kurz nach dem Ortsende von Raiding die Bundesstraße verlassen und links auf die Forststraße abbiegen. Ab hier ist die Mountainbike-Strecke (M5) gut beschildert.“ „Nun geht’s aber los!“, ruft der Vater und die ganze Familie macht sich auf den Weg. Nach etwa eineinhalb Stunden legen sie eine kurze Rast bei einem schönen Aussichtsplatz ein. Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch erreichen sie schließlich die Burg. Es bietet sich ihnen ein herrlicher Anblick. „Wandern macht durstig und hungrig“, meint Michael. Sofort packen sie ihre Jause aus und stärken sich. Dann stürmen Lisa, Michael und ihre Mutter die schmale Stiege auf den hohen Turm hinauf. Von hier oben hat man einen wunderschönen Ausblick auf das Hügelland und auf die Berge. Sie rasten ungefähr eine Stunde. Dann brechen sie wieder auf. Sie marschieren nicht mehr denselben Weg zurück. Mithilfe der Wanderkarte finden sie die richtige Wanderstrecke retour zum Parkplatz. Mit dem letzten Bus fahren sie nach Falkenau nach Hause. „Es war ein schöner Ausflug“, sagt Michael und alle stimmen ihm zu. Margarete Mittermayr en8t3q Alltägliches – oder doch nicht? LE▶ Nutzen von schulstufenentsprechenden Sach- und Gebrauchstexten. ▶ Lesetraining, Seite 21 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

26 Der Pistenschreck Der Schneefall wurde immer dichter, immer heftiger blies der Wind. Kaum, dass man noch die Hand vor den Augen sehen konnte. Weiterfahren ist sinnlos, dachte Michael und rutschte zum Pistenrand, um die neuen Schi abzuschnallen. In diesem Augenblick tauchte urplötzlich ein Schatten im Schneetreiben auf und raste genau auf den Jungen zu. Stahlkanten knirschten, und im nächsten Moment schleuderte ein heftiger Stoß Michael in den Schnee. Als er sich nach der ersten Schrecksekunde wieder hochrappeln wollte, spürte er einen dumpfen Schmerz im linken Knöchel. Erst als er die Stöcke zu Hilfe nahm, gelang es dem Jungen, sich aufzurichten. Der „Geisterfahrer“ war inzwischen längst im Schneegestöber verschwunden. „Volltrottel!“, fluchte Michael. „Sichtweite Null und der Idiot schießt wie eine Wildsau den Hang herunter!“ „Kann ich bestätigen“, hörte Michael eine Frauenstimme neben sich. „Ich hoffe, dir ist nichts Schlimmes passiert?“ Überrascht sah sich der Junge um. Eine vermummte Gestalt hatte ihn angesprochen. Am Anorakärmel erkannte Michael ein Schischulabzeichen – eine Schilehrerin! „Ich bin die Gabi“, sagte die Unbekannte, „und werde dich jetzt ins Tal bringen!“ „Nicht nötig“, sagte Michael. „Ich bin schon wieder okay. Schade nur um die neuen Schi!“ Wehmütig fuhr er mit dem Handschuh über die zerschrammten Oberkanten seiner Bretteln. Dabei entdeckte er auf der Einstellschraube der Fersenautomatik violette Streifen – Spuren vom Laufflächen-Belag des Unbekannten, der Michael niedergestoßen hatte! „Der Kerl muss ja tiefe Furchen in seinem Schi haben“, meinte Gabi. „Vielleicht erwischen sie den Typ noch in der Talstation, wenn ich jetzt sofort anrufe. Du hast natürlich nicht gesehen, wer dich da niedergebügelt hat?“ „Bei dem Schneesturm? Ein gelber Schianzug ist alles, woran ich mich erinnere …“ 5 10 15 20 25 30 35 Alltägliches – oder doch nicht? Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

27 Die Schilehrerin pfiff durch die Zähne. „Schon wieder der Pistenschreck in Gelb! Aber heute kriegen wir ihn!“ In der Kassenhalle der Talstation saßen sie schon nebeneinander, als Gabi und Michael eintrafen: drei Verdächtige, die der Liftwart und der Kassier vor dem Parkplatz „abgefangen“ und höflich zum Platznehmen auf eine Bank gebeten hatten – ein junger Bursche in einem neongelben, hautengen Renntrikot, ein bebrillter Dreißiger (der aussah wie ein Bankbeamter auf Urlaub) in einem gelb-grünen Schianzug und ein etwas älterer Herr mit Bauchansatz. Er trug einen sonnengelben Anorak zur schwarzen Schihose. Hilflos schaute Michael von einem zum andern. Wie sollte er jetzt feststellen, wer ihn vor zwanzig Minuten oben am Berg gerammt hatte? „Eine Unverschämtheit“, fauchte der ältere Mann, „uns hier festhalten zu wollen! Meine Familie holt sich inzwischen kalte Füße im Auto!“ Und der Dreißigjährige mit der Brille verkündete finster: „Mich sehen Sie hier nie wieder!“ Nur der junge Bursche im Rennfahrertrikot nahm die Sache von der heiteren Seite. „Sind wir jetzt alle verhaftet?“, fragte er lachend. „Keine Angst, meine Herrschaften, es dauert nicht mehr lang“, versicherte Gabi. „Jetzt möchte ich nur noch kurz Ihre Schi sehen!“ „Was soll denn das wieder?“, brauste der mit der Brille auf. „Die hab’ ich schon auf dem Autodach!“ Aber die Schilehrerin gab nicht nach. Es stellte sich heraus, dass der Bursche im Rennanzug lilafarbene Schi mit weißen Laufflächen hatte, der Mann mit der Brille grüne Schi mit violettem Belag und der Familienvater gelbe Schi mit grauer Unterseite. „Das genügt“, sagte Gabi. Sie hatte herausgefunden, wer der „Pistenschreck“ war. „Ich danke Ihnen für Ihr Entgegenkommen. Sie …“ – und dabei wandte sie sich an einen der drei Verdächtigen – „muss ich leider bitten, auf das Eintreffen der Polizei zu warten. Wir müssen Ihre Personalien aufnehmen. Es wird diesmal nicht ohne Anzeige abgehen …“ Franz Sales Sklenitzka (bearbeitet) • Woher weiß Gabi, wer der Pistenschreck ist? Markiere die Stelle im Text. • Gibt es Wörter im Text, die du nicht kennst? Unterstreiche sie und finde heraus, was sie bedeuten. • Übt den Text für ein Vorlesetheater. 40 45 50 55 60 65 Alltägliches – oder doch nicht? LE▶ Literarische Kompetenz erweitern. Wortschatz mit geeigneten analogen oder digitalen Hilfsmitteln ausdifferenzieren. ▶ Lesetraining, Seite 22 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

28 Malala „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“ Malala ist ein Mädchen aus Pakistan. Seit ihrem 11. Lebensjahr kämpft sie dafür, dass Mädchen in ihrer Heimat in die Schule gehen dürfen. Sie hat dafür als 17-Jährige einen der wichtigsten Preise erhalten: den Friedensnobelpreis. Ich schrieb darüber, wie sehr ich die Schule liebte und wie stolz ich auf meine Uniform war. Als ich einmal mit dem Schreiben angefangen hatte, konnte ich nicht mehr aufhören. Ich schrieb Reden und reiste durch das Land, um meine Geschichte zu teilen. Die Leute wollten mehr über mein Leben wissen! Ich sprach für all die Mädchen in meinem Tal, die nicht für sich selbst sprechen konnten. Und nun ist meine Stimme so laut wie nie zuvor. Leute in der ganzen Welt lasen meine Geschichte. Millionen kennen sie jetzt und helfen mir dabei, meine Botschaft der Hoffnung zu verbreiten. Ich habe mir immer gewünscht, die Welt zu einem friedlicheren Ort machen zu können. Und jeden Tag arbeite ich daran, dass mein Wunsch in Erfüllung geht. • Woher kommt Malala und wofür kämpft sie? Welchen Preis hat sie dafür erhalten? • Sucht im Internet nach weiteren Informationen über Malala. • Wofür würdest du dich einsetzen, wenn du dadurch die Welt verbessern könntest? Stell dir vor, alles wäre möglich. Malala Yousafzai 4 Alltägliches – oder doch nicht? LE▶ Sich in der Anschlusskommunikation über Leseinteressen bzw. Gelesenes selbstständig austauschen. ▶ Lesetraining, Seite 23 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

29 Mein blauer Tag Ein Tag war aus dem Kalender gefallen und lag am Morgen vor meiner Tür. Er sagte: Kind, du kannst tun, was du willst. Ich gehöre heute nur dir. Zuerst habe ich eine Stunde und mehr in den großen Spiegel gesehn. Ich kam mir selber so nahe wie nie. Und die Uhr, die blieb freundlich stehn. Dann ging ich aus der Stadt hinaus mit ’nem Riesenlutscher im Mund. Drei Katzen liefen hinter mir her und auch ein dicker Hund. Ich kam zu einem kleinen Bach, wo blaue Vergissmeinnicht stehen. Da hab ich mich nackt ins Wasser gesetzt, und die Fische zupften an meinen Zehen. Ich lag auf der Wiese, als glückliches Kind, und der Wind streichelte mich dann wach. Denn es war schon Abend und über mir fielen Sterne vom Himmelsdach. Da fühlt’ ich mich plötzlich doch sehr allein und beschloss, nach Hause zu gehn. Mein blauer Tag drückte sein Mondauge zu. Ich hab ihn nie mehr gesehn. Christa Kożik • Wie gefällt dir das Gedicht? Tausche dich mit einem anderen Kind aus. • Was würdet ihr an einem freien Tag zusammen unternehmen? 2 Alltägliches – oder doch nicht? LE▶ Lesestrategien einsetzen. Sich in der Anschlusskommunikation über Gelesenes austauschen. ▶ Lesetraining, Seite 24, 25 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

30 Jane Goodall Primatenforscherin, Verhaltensforscherin und Anthropologin1 Jane Goodall wurde 1934 in England geboren. Sie interessierte sich von Kindesbeinen an für Tiere, brachte Regenwürmer nach Hause und machte Hühner nervös, wenn sie die Hennen beim Eierlegen beobachtete. Als junge Frau entwickelte Jane den Wunsch, die Tierwelt Afrikas zu studieren. Da ihr für den Besuch einer Universität die finanziellen Mittel fehlten, arbeitete sie als Kellnerin und legte Geld für eine Fahrt nach Afrika beiseite. Ihr Umfeld war der Ansicht, dass ein Aufenthalt in Afrika für eine Frau zu gefährlich sei. Durch ihre sparsame Lebensführung finanzierte Jane eine Reise nach Kenia. Dort lernte sie Louis Leakey kennen: Er war von Janes fundierten Kenntnissen über Afrika beeindruckt und stellte sie als Sekretärin ein. Der Forscher ging der Frage nach, ob Schimpansen Ähnlichkeiten zu menschlichen Vorfahren aufwiesen. Jane war aufgrund ihrer exzellenten Beobachtungsgabe dafür prädestiniert2, in Tansania Schimpansen zu studieren, indem sie mit den Tieren in der Wildnis lebte. Die Schimpansen begegneten Jane mit Misstrauen. „Sie hatten noch nie einen weißen Affen gesehen“, sagte Jane. Schließlich überwand ein Männchen, das Jane David Greybeard nannte, seine Scheu und näherte sich Jane an. Nachdem sich die Tiere an ihre Anwesenheit gewöhnt hatten, konnte Jane bislang nicht bekannte Verhaltensweisen dokumentieren. Die Beobachtung, dass die Schimpansen Zweige als Hilfsmittel einsetzten, war revolutionär, da die Wissenschaft davon ausgegangen war, dass nur der Mensch zum Gebrauch von Werkzeugen fähig war. Heute ist bekannt, dass Schimpansen den Menschen ähnlicher sind als vermutet. Rachel Ignotofsky Mein Wortschatz 1 Anthropologin = Wissenschaftlerin, die sich mit der Lehre des Menschen beschäftigt 2 prädestiniert = geeignet Wir erforschen die Welt LE▶ Wortschatz mit geeigneten analogen oder digitalen Hilfsmitteln ausdifferenzieren. ▶ Lesetraining, Seite 26 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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