Paul Fleming (1609-1640) Wie er wolle geküsset seyn Nirgends hin / als au den Mund / da sinckts in deß Hertzens Grund. Nicht zu frey / nicht zu gezwungen / nicht mit gar zu fauler Zungen. Nicht zu wenig / nicht zu viel! Beydes wird sonst Kinderspiel. Nicht zu laut / und nicht zu leise / Beyder Maß‘ ist rechte Weise. […] Nicht zu harte / nicht zu weich. Bald zugleich / bald nicht zugleich. Nicht zu langsam / nicht zu schnelle. Nicht ohn Unterscheid der Stelle. Halb gebissen / halb gehaucht. Halb die Lippen eingetaucht. Nicht ohn Unterschied der Zeiten. Mehr alleine denn bei Leuten. Küsse nun ein Jedermann / wie er weiß / will / soll und kann. Ich nur und die Liebste wissen wie wir uns recht sollen küssen. VIEL | SEITIG 6 VIEL | SEITIG Aspalter | Baar | Hinum-Balaž | Kompein | Roth
1. Auflage (Druck 0001) © Österreichischer Bundesverlag Schulbuch GmbH & Co. KG, Wien 2026 www.oebv.at Alle Rechte vorbehalten. Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, gesetzlich verboten. Redaktion: Daniela Unfried, Wien; Carina Molnár, Wien; Felix Lanmüller, Wien Herstellung: Oliver Stolz, Wien Umschlaggestaltung und Layout: Joško Jureškin, Wien Satz: Reemers Publishing Services GmbH, Krefeld Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Horn ISBN 978-3-209-13536-0 (viel|seitig SB 6 + E-Book) ISBN 978-3-209-13539-1 (viel|seitig SB 6 E-Book Solo) viel|seitig 6, Schulbuch + E-Book Schulbuchnummer: 225254 viel|seitig 6, Schulbuch E-Book Solo Schulbuchnummer: 225255 Mit Bescheid des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung vom 27. August 2025, GZ 2024-0.746.283, gemäß § 14 Absatz 2 und 5 des Schulunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 472/86, und gemäß den derzeit geltenden Lehrplänen als für den Unterrichtsgebrauch für die 6. Klasse an allgemein bildenden höheren Schulen-Oberstufe im Unterrichtsgegenstand Deutsch (Lehrplan 2018) geeignet erklärt. Dieses Werk wurde auf der Grundlage eines zielorientierten Lehrplans verfasst. Konkretisierung, Gewichtung und Umsetzung der Inhalte erfolgen durch die Lehrerinnen und Lehrer. Liebe Schülerin, lieber Schüler, du bekommst dieses Schulbuch von der Republik Österreich für deine Ausbildung. Bücher helfen nicht nur beim Lernen, sondern sind auch Freunde fürs Leben. Kopierverbot Wir weisen darauf hin, dass das Kopieren zum Schulgebrauch aus diesem Buch verboten ist – § 42 Abs. 6 Urheberrechtsgesetz: „Die Befugnis zur Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch gilt nicht für Werke, die ihrer Beschaffenheit und Bezeichnung nach zum Schul- oder Unterrichtsgebrauch bestimmt sind.“ Schulbuchvergütung/Bildrechte © Bildrecht GmbH/Wien 2026 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
VIEL | SEITIG 6 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
2 Inhalt VIEL | SEITIG 6 Mündliche Kompetenz: Hören – Sprechen – Verstehen Literarische Textbeispiele Julia Engelmann: Meine Stimme S. 19 a. Weil ich etwas zu sagen habe: Gesprächsführung und improvisiertes Sprechen 006 b. Glaub an dich: Wirkungsvoller Auftritt 013 c. Ohne Plan sprechen: Die Stegreifrede 021 d. Mehrsprachigkeit: Niemand spricht nur eine Sprache 022 e. Digitales Projekt: Eine Rede schreiben und aufnehmen 030 Schriftliche Kompetenz: Planen – Schreiben – Überarbeiten Literarische Textbeispiele Xu Bing: Book from the Ground. from point to point S. 67 | John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter S. 68 | V. E. Schwab: Das unsichtbare Leben der Addie LaRue S. 68 | J. D. Salinger: Der Fänger im Roggen S. 69 | Wolf Wondratschek: Mittagspause S. 69 | Nicholas Blake: Der Meuchelmörder-Club S. 69 | Arthur Schnitzler: Leutnant Gustl S. 71 a. Die Maturatextsorten planen, schreiben und überarbeiten – Deine Meinung ist gefragt: Der Kommentar – Wiederholung bereits bekannter Maturatextsorten 032 047 b. Weitere Textsorten: Offener Brief und Exzerpt 061 c. Schreiben einmal anders: Kreatives Schreiben 067 d. Autobiographisches Schreiben: Innerer Monolog 070 e. Digitales Projekt: Drabble 073 Textkompetenz: Lesen – Verstehen – Bewerten Literarische Textbeispiele Peter Bichsel: Ein Tisch ist ein Tisch S. 75 | Aristoteles: Poetik S. 80 | Art Spiegelman: Die vollständige Maus S. 85 | Hermann Hesse: Über das Lesen S. 88 | Walter Moers: Nach Buchhaim S. 91 | Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther S. 96 | Patrick Süskind: Das Parfum S. 97 | Penelope Bagieu: Unerschrocken 2 S. 99 a. Woher Dinge ihren Namen haben: Texte reflektieren und bewerten 075 b. Was Text alles kann: Funktion und Intention 079 c. Worte sehen, Bilder lesen: TextBild-Interaktion verstehen 082 d. Meine Lesebiografie: Lesemotivation und -interessen 088 e. Fremde Welten durch Literatur entdecken: Geht das? 094 f. Digitales Projekt: Comics 099 Literarische Bildung: Epochen – Werke – Wirkung Literarische Textbeispiele Unbekannt: Das Nibelungenlied S. 102 | Dietmar von Aist: Slâfest dû, friedel ziere? S. 105 | Jürgen a. Auf dem Turnierplatz der mittelalterlichen Literatur 102 b. Der Mensch im Fokus: Reformation und Humanismus 111 c. Carpe Diem oder YOLO, denn das Leben ist vergänglich: Barock 117 1 2 3 4 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
3 Inhalt VIEL | SEITIG 6 Nendza: Die Wimpern S. 106 | Christine de Pizan: Das Buch von der Stadt der Frauen S. 108 | Mechthild von Magdeburg: Das fließende Licht Gottes S. 110 | Hrotsvit von Gandersheim: Dulcitius/ Abraham S. 111 | Hildegard von Bingen: Causae et Curae S. 111 | Daniel Kehlmann: Tyll S. 114 | Bibel: Psalm 23 S. 115 | vier Übersetzungen des Psalm 23.2 S. 116 | Ingeborg Bachmann: Römisches Nachtbild S. 121 | Safiye Can: linksgehenrechtsstehen S. 121 | Andreas Gryphius: Menschliches Elende S. 122 | Andreas Gryphius: Thränen in schwerer Kranckheit S. 123 | Andreas Gryphius: Es ist alles Eitel S. 123 | Johann Grob: An einen Deutschen Dichtgesezgeber S. 124 | Johann Steinmann: Horn der Glückseligkeit S. 124 | Theodor Kornfeld: Sanduhr S. 124 | Daniel Defoe: Robinson Crusoe S. 126, 127, 137 | Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise S. 130 | Robert Galbraith: Der Ruf des Kuckucks S. 131 | George Eliot: Middlemarch S. 131 | Yasmina Khadra: Die letzte Nacht des Muammar al-Gaddafi S. 131 | George Orwell: 1984 S. 132 | Sophie von La Roche: Geschichte des Fräuleins von Sternheim S. 134 d. Escape! aus der Unmündigkeit: Aufklärung 126 e. Sprache im Wandel 137 f. Digitales Projekt: Flarf 140 Mediale Bildung: Anwendung – Funktion – Wirkung a. Presse: Zwischen Enthüllung und Information 142 b. Be safe: Informationen aus dem Internet 157 c. Medienwandel verstehen: Über den richtigen Umgang mit der digitalen Meinung 164 d. Digitales Projekt: Memes auf den Grund gehen 166 Sprachlabor: Wörter – Sätze – Texte Literarische Textbeispiele Alicia Zett: Wie Wellen im Sturm S. 169 | Wise Guys: Denglish S. 178 a. Satzgrammatik 168 b. Rechtschreibung 170 c. Digitales Projekt: Ein Merkvideo erstellen 186 Anhang: Operatoren – Textsorten – Literaturgeschichte a. Lerninseln 188 b. Literaturlexikon 192 5 6 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
VIEL | SEITIG 6 4 So arbeitest du mit viel | seitig Ein Symbol- und Verweissystem führt durch das Buch und über die Inhalte des Buches hinaus. Einige Symbole zeigen dir, auf welche Weise du eine Aufgabe erarbeiten sollst: Paararbeit Merkenswertes Verweis auf eine andere Seite im Buch Gruppenarbeit Tipp Verweis ins Digitale Zusatzmaterial schreiben/ausfüllen Formulierungshilfe Verweis in die QuickMedia App Unterschiedliche Textkästen enthalten Informationen, die von besonderer Bedeutung sind: In Beispielkästen findest du konkrete Anwendungsfälle von Grammatikthemen oder auch Lösungsvorschläge. In den Formulierungshilfen erhältst du eine Auflistung nützlicher Phrasen, die z. B. beim Verfassen einer Textsorte hilfreich sein können. Die Infobox bietet Zusatzinformationen, die für das Verständnis von Originaltexten relevant sind. Im Kasten Merkenswert kannst du auf einen Blick die wichtigsten Punkte eines Themas nachlesen. Der Tippkasten gibt dir Hinweise, die dich bei der Aufgabenbearbeitung unterstützen können. Drei Symbole in der Randspalte geben Auskunft darüber, wo du weiteres Material findest. Der Pfeil mit Seitenangabe schickt dich auf eine andere Seite im Buch mit ähnlichem oder ausführlicherem Inhalt. Mit dem Online-Code unter der Weltkugel findest du auf oebv.at noch mehr Übungsmaterial, wie etwa weitere maturarelevante Schreibaufträge oder Grammatik- und Rechtschreibaufgaben. Scannst du eine gekennzeichnete Buchseite mit der QuickMedia App, gelangst du über dein Smartphone direkt zu Audios/Videos oder Links, die zum Bearbeiten einer Aufgabenstellung notwendig oder hilfreich sind. Download der QuickMedia App: 1. Scanne den QR-Code und lade die App auf dein Smartphone oder dein Tablet. 2. Scanne deinen Buchumschlag oder wähle dein Schulbuch in der App-Medienliste aus. 3. Scanne eine mit gekennzeichnete Buchseite oder wähle ein Audio/Video oder einen Link aus der App-Medienliste aus. 4. Spiele das Audio/Video ab. Die unterschiedlichen Farben für die Kompetenzbereiche sowie die Reiter1 an der rechten Buchseite zeigen das aktuelle Kapitel an. Jedes Kapitel enthält Sonderseiten: Das „Digitale Projekt“ am Ende eines Kompetenzbereichs bietet die Möglichkeit, einen Lehrplaninhalt vertieft zu bearbeiten und mithilfe digitaler Werkzeuge eine Projektaufgabe zu lösen. Ein spezielles Kapitel ist die „Schriftliche Kompetenz“, in dem kleinschrittig in den drei Phasen Planen – Schreiben – Überarbeiten an die Maturatextsorten herangeführt wird. Die Aufgabenstellungen entsprechen dem Maturaformat. Jede Textsorte wird anhand eines Aufgabenbeispiels angeleitet und durch zwei zusätzliche Schreibaufträge zum Üben ergänzt. Im Anhang bietet viel | seitig Kompaktwissen zu Methoden, Maturatextsorten und Literaturepochen. In den Lerninseln werden die Kriterien der Textsorten anhand von Mustertexten ausführlich erklärt. Die Mustertexte sind Lösungen zu den Aufgabenbeispielen im Kapitel „Schriftliche Kompetenz“. iOS Android 1 optische, oft farbige Abgrenzung von Abschnitten in einem Ordner oder in einer Kartei; bei Webseiten der Tab Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
1 Mündliche Kompetenz: Hören – Sprechen – Verstehen 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ: HÖREN – SPRECHEN – VERSTEHEN Wo nicht die Zeit ist, fasse dich im Reden kurz. Sophokles, aus: Elektra, zitate.eu Wer die Kunst zu schweigen nicht versteht, der weiß auch nicht zur rechten Zeit zu reden. Kaiser Heinrich der IV., zitate.eu Die Lust zu reden kommt zu rechter Stunde, und wahrhaft fließt das Wort aus Herz und Munde. Johann Wolfgang v. Goethe, zeno.org Reden lernt man nur durch reden. Cicero, zitate.net Lest das Zitat und besprecht zu zweit, ob ihr dem Inhalt zustimmen könnt oder nicht. a) Diskutiert die Bedeutung des Zitats für eure persönlichen Gespräche im Alltag. b) Erklärt euch gegenseitig, welche Haltung ihr vor und innerhalb von alltäglichen Gesprächen einnehmt. Bezieht euch dabei vor allem auf den ersten Absatz des Zitats von Gadamer. A 1 Ein gutes Gespräch ist ein Gespräch, aus dem ich anders herauskomme, als ich hineingekommen bin. Nur wenn wir uns der möglichen Gegenansicht aussetzen, haben wir Chancen, über die Enge unserer eigenen Voreingenommenheiten hinauszugelangen. nach Gadamer, Hans (1990): Wahrheit und Methode: Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik. Tübingen: Mohr, S. 373, 384. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
6 VIEL | SEITIG 6 1a Weil ich etwas zu sagen habe: Gesprächsführung und improvisiertes Sprechen Arten von Gesprächshandlungen Es gibt verschiedene Sprechsituationen, also Gesprächshandlungen, in denen du alleine das Rederecht bekommst. Man spricht dann von solistischen Äußerungen. Wie auch bei einem Solo einer Musikerin oder eines Musikers ist die ganze Aufmerksamkeit bei dir als Sprecherin bzw. Sprecher. Die wichtigsten Sprechhandlungen sind: Erklären – Erzählen – Berichten – Beschreiben – Argumentieren Oftmals ergeben sich fließende Gespräche erst durch Zuhören und Reagieren. Sprechen und Zuhören sind in unserem Alltag wechselseitig und voneinander abhängig. Jeopardy ist als TV-Quiz-Show bekannt geworden und funktioniert wie ein umgekehrtes Quiz. Es werden keine Fragen gestellt, auf die Antworten gesucht werden, sondern umgekehrt. Jemand macht eine Aussage (Antwort) und in der Gruppe wird möglichst schnell die passende Frage dazu gesucht. Überlege dir drei Begriffe. Finde einige beschreibende Aussagen dazu und lasse deine Gruppe raten, bis die richtige Frage gestellt wurde. Beispiel Aussage: „In der Regel dauert sie 50 Minuten.“ ➡ Gesuchte Frage: „Wie lange dauert eine Unterrichtseinheit?“ Das Situationsmodell Als soziale Wesen sind wir ständig in Kontakt mit anderen Personen. Oft kommunizieren wir mit diesen auch unvorbereitet. Solche Situationen sind zwar spontan zu bewältigen, man kann sich allerdings darauf einstellen. Im Situationsmodell werden dafür folgende Punkte festgehalten: • Thema • Sprecherinnen und Sprecher • Art und Weise der Kommunikation • Ziel der Kommunikation • Rahmenbedingungen Die Wichtigkeit der jeweiligen Punkte variiert1 je nach Gesprächssituation. Beispiel • In einem Fachgespräch steht das Thema im Vordergrund. • Sprechen gute Freunde miteinander, steht häufig die Beziehung der sprechenden Personen zueinander im Fokus. • Bei einem Bewerbungsgespräch ist die Art und Weise, wie mündlich und mit Gestik bzw. Mimik kommuniziert wird, besonders wichtig. A 2 1 sich unterscheiden Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
7 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Ordne die entsprechenden Begriffe den Fragen im Situationsmodell zu. Die Begriffe aus der Box können auch zweimal verwendet werden. Beispielantwort: „Rahmenbedingungen“ entspricht der Frage „Wo?“. Sprecher oder Sprecherin Art und Weise der Kommunikation Thema Ziel der Kommunikation Rahmenbedingungen Wann? Wo? Warum? Wozu? Worüber? Wer? Mit wem? Was? Wie? Bitte bleiben Sie dran … Gespräche am Telefon Nenne Situationen, in denen du telefonierst. Neben persönlichen Gesprächen mit Familie, Freundinnen und Freunden sowie Bekannten sind Telefongespräche ein wesentlicher Bestandteil des Arbeitslebens. Im Alltag sind sie wichtig, um Termine zu vereinbaren oder offene Fragen zu klären. Wie bei allen anderen (unvorbereiteten) Redeanlässen ist Folgendes zu berücksichtigen: • Deutlichkeit der Sprache • angemessene Lautstärke • Tonlage und Betonung • Sprechgeschwindigkeit • Sprechpausen • kurze Sätze • einfache Botschaften • anschauliche Formulierungen A 3 A 4 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
8 VIEL | SEITIG 6 Bringe die Tipps für erfolgreiches Telefonieren in die richtige Reihenfolge. aufmerksam zuhören und aussprechen lassen Am Ende alle wichtigen Informationen zusammenfassen (Termin, weiteres Vorgehen, …) und bestätigen lassen. Notwendige Unterlagen bei der Hand haben (Terminkalender, Unterlagen mit Informationen wie Befunde, Auftragsnummer, …). Den eigenen Namen (Vor- und Zunamen) nennen und, wenn nötig, diesen buchstabieren (Buchstabieralphabet). Gegebenenfalls nachfragen, sodass alle ausgetauschten Informationen klar sind. sich freundlich verabschieden Die Gesprächspartnerin/Den Gesprächspartner begrüßen und eventuell notieren, mit wem gesprochen wird. Den Grund des Anrufs nennen. Tipp Achte auf die Anrufzeit: Firmen, Praxen und öffentliche Einrichtungen sind am besten am Vormittag oder frühen Nachmittag zu erreichen. Das Ziel des Anrufs soll im Vorhinein klar sein. Österreichisches Buchstabieralphabet Wer am Telefon etwa seinen Namen Buchstabe für Buchstabe ansagen muss, bedient sich dafür am besten des allgemein gültigen österreichischen Buchstabieralphabets. Darin ist jedem Buchstaben im Alphabet ein Ansagewort zugeordnet, welches beim Buchstabieren eines Wortes genannt wird. Der Name Mayer wird beispielsweise wie folgt angesagt: Marie – Anna – Ypsilon – Emma – Rosa a) Buchstabiere deinen Nachnamen. b) Buchstabiere das Wort Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmütze so schnell wie möglich. Nimm dich dabei selbst auf, nur korrekte Versuche zählen. Wer beim Buchstabieren am schnellsten war, hat gewonnen. A 5 A 6 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
9 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Formulierungshilfe Guten Morgen/Tag/Abend, hier spricht … Bitte nennen Sie mir (nochmals) Ihren Namen. Könnten Sie ihn bitte buchstabieren? Einen Moment, bitte./Ich werde sofort nachsehen./Ich notiere. Ich verbinde Sie mit … Wie kann ich Ihnen helfen?/Was kann ich für Sie tun? Ich rufe an, denn …/Ich würde gerne wissen, ob …/Mir ist nicht ganz klar, … Haben Sie noch Fragen? Wie kann ich Sie am besten erreichen?/Wie sind Sie am besten zu erreichen? Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann … (paraphrasieren2) Danke für Ihr Verständnis. Ich veranlasse, dass … Wie besprochen …/Bezugnehmend auf … Vielen Dank für die Auskunft. Auf Wiederhören. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. Auf Wiederhören. Lies das Telefongespräch und ergänze die Lücken mit passenden Formulierungen. A: PuzzleMania GmbH, Frau Simunovic spricht, guten Tag! Wie ? B: Guten Tag. Alexander König hier. Beim Puzzle „Österreichs Wildblumen“ hat ein Stück gefehlt und das Puzzle ist somit unvollständig. A: Ich verstehe. In diesem Fall mir Ihre E-MailAdresse durchzugeben, damit wir Ihnen eine Nachricht mit einem Link zu einem Formular zukommen lassen können. Darin machen Sie genaue Angaben und laden ein Foto hoch, sodass wir genau eruieren3 können, welcher Teil fehlt. Diesen senden wir Ihnen dann an die angegebene Adresse zu. B: Oh, wunderbar. Das A: Würden Sie mir bitte Ihre E-Mail-Adresse durchgeben? B: Natürlich. A.Koenig@gmail.com. König mit „oe“ statt Umlaut geschrieben. A: Buchstabieren Sie bitte. B: Anna – Punkt – Karin – Otto – Emma – Nora – Ida – Georg @ gmail.com. A: Vielen herzlichen Dank. Ist notiert. Wenn Sie die Nachricht nicht innerhalb der nächsten Stunde bekommen, . B: Gut, und freue mich darauf, das fehlende Stück zu erhalten. A: Genau. Ich möchte Sie noch dass das nachgesendete Puzzlestück minimal von der Form abweichen kann, da dies auf kleinste Veränderungen beim Schnitt zurückzuführen ist. In der Regel passen die Stücke aber ausreichend gut. B: Vielen Dank für die Information. A: Es freut mich, dass ich Ihnen behilflich sein konnte. B: Danke. A: Viel Freude mit Ihrem Puzzle und einen schönen Tag. Auf Wiederhören. 2 einen Begriff mit anderen/ eigenen Worten umschreiben A 7 3 ermitteln Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
10 VIEL | SEITIG 6 Ohren spitzen für die Moderation Wählt in der Gruppe ein umstrittenes Thema aus der Liste a-d aus. Eine Person hält einen Ball und äußert ihren ersten Gedanken zu dem gewählten Thema. Danach wirft sie den Ball einer anderen Person zu, diese wiederholt die vorherige Aussage in eigenen Worten. Danach äußert sie einen eigenen Gedanken bezugnehmend zum Hauptthema bzw. zur vorhergehenden Aussage. Danach wird der Ball weitergegeben, bis jedes Gruppenmitglied gesprochen hat. a) Freie Auswahl der Unterrichtsfächer – Mathematik nur mehr freiwillig? b) Tägliche Turnstunde – notwendig oder sinnbefreit? c) Hausübungen – sinnvolles Üben oder Zeitverschwendung? d) (Keine) Haustiere in Stadtwohnungen? Die Aufgaben der Moderation Die Moderation übernimmt die Gesprächsleitung in diversen Kommunikationssituationen. Die Moderatorin/Der Moderator geht dabei folgenden Aufgaben nach: • das Gespräch in einen Kontext einbetten (Thema angeben, Grund nennen, Gäste vorstellen) • auf den roten Faden beim Gespräch achten • das Gespräch in die gewünschte Richtung leiten • Einhaltung der Gesprächsregeln einfordern • bei Streit eingreifen und vermitteln • Redezeiten im Auge behalten und ausgeglichen verteilen • zusammenfassen und rückfragen (Inhalte spiegeln und Verständnisfragen stellen) • Überleitung zwischen Themenblöcken vollziehen • abschließendes Festhalten der Ergebnisse Moderierende Personen ergreifen niemals Partei und bleiben stets neutral. Mehr Informationen zum Thema Moderation findest du in viel | seitig Band 5. Formulierungshilfe Können Sie konkrete Beispiele nennen? Erläutern Sie bitte genauer, was dagegen/dafür spricht. Wenn ich Sie richtig verstehe, meinen Sie, es solle … (paraphrasieren)? Welche Alternativen kann man in Betracht ziehen? Was wäre denn der Unterschied zu xy? Wie stehen Sie zur Position von xy/zum Thema xy? Bleiben Sie bitte sachlich. Das ist mit Sicherheit auch ein interessanter Punkt, aber nicht Thema in diesem Gespräch. Bitte achten Sie auf die Zeit und erläutern Sie kurz Ihren Standpunkt … A 8 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
11 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Ordne die Aussagen den passenden Aufgaben der Moderation zu. Aufgabe der Moderation Aussage 1 das Gespräch in einen Kontext einbetten A Apropos. Das führt uns gleich zu einer weiteren Frage. 2 auf den roten Faden achten B Es gibt vielfältige Ansichten, wie mit diesem Thema umzugehen sei. Interessant ist, wie sich die Politik diesbezüglich positionieren wird. 3 Redezeit im Auge behalten C Herzlich willkommen zu unserer Gesprächsrunde zum Thema „Insektenprotein in Nahrungsmitteln“. Zu Gast sind heute … 4 Überleitung zwischen Themenblöcken vollziehen D Sie meinen also, es solle keinesfalls verboten, sondern verstärkt Aufklärung betrieben werden? 5 Einhaltung der Gesprächsregeln einfordern E Das ist mit Sicherheit ein interessanter Punkt, aber nicht Thema in diesem Gespräch. 6 zusammenfassen und rückfragen (Inhalte spiegeln und Verständnisfragen stellen) F Kommen wir doch noch auf andere Proteinquellen zu sprechen. 7 das Gespräch in die gewünschte Richtung leiten G Bitte achten Sie auf die Zeit und erläutern Sie kurz Ihren Standpunkt. 8 abschließend Ergebnisse festhalten H Lassen Sie Herrn Gültekin bitte aussprechen. Heute hab’ ich leider keinen Text für dich – das Improvisationstheater Auf der Bühne ist es wichtig, Emotionen nicht nur sprachlich, sondern auch mithilfe der Körperhaltung zum Ausdruck zu bringen. Reagiere mittels Sprache, Mimik und Gestik angemessen auf folgende Aussagen. a) Warum bist du schon wieder zu spät? b) Ja! Ich habe die Prüfung geschafft! c) Mein Kater ist seit einigen Tagen nicht mehr aufzufinden. Wir haben überall gesucht. d) Wir dachten, du würdest mit uns auf das Konzert gehen. A 9 A 10 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
12 VIEL | SEITIG 6 Bewegt euch frei im Raum. • Stelle dir eine Figur/Rolle vor, die du einnehmen möchtest. Lege Alter und Namen fest. Überlege, welche Informationen es zu dieser Figur noch geben kann. • Überlege dir, welche Körperhaltungen, Mimik und Gestik typisch für sie sein könnten. • Bewege dich in dieser Rolle/als diese Figur frei im Raum. Bei einem akustischen Signal stoppen alle und frieren in ihrer Position ein. Einzelne Personen werden nun befragt, wer sie sind. Ausgehend von eurer Haltung findet ihr euch in eurer fiktiven Figur wieder, stellt euch einander vor und erfindet eine kurze Geschichte zu eurem Charakter. Schauspiel ohne Skript – die hohe Kunst der Improvisation Das Improvisationstheater ist eine besondere Theaterform. Dabei wird kein vorab einstudierter Text vorgetragen. Der Handlungsverlauf entwickelt sich erst während des Spielens – unter Einbezug des Publikums – und die Schauspielerinnen bzw. Schauspieler reagieren spontan darauf. Herausfordernd für die Akteurinnen und Akteure ist, dass sie selbst noch nicht wissen, wie ihre Kolleginnen und Kollegen handeln werden und worauf sie sich einstellen müssen. Es ist die Königsdisziplin des unvorbereiteten Handelns und Sprechens. Tipp Für das Improvisationstheater braucht es im Grunde nur zwei Werkzeuge: Selbstbewusstsein und Spontanität. Also, ab auf die Bühne! Sollte es zu einer Blockade kommen, ist das Wort „Nein“ und eine Absage an Angebote im Spielen wenig hilfreich, da der Entwicklungsprozess freier Szenen nicht unterbrochen werden soll. Mit folgenden Strategien kannst du eine Blockade umgehen: • Zeit „erspielen“ (das Überlegen mimisch darstellen) • Rückfragen, ob du richtig verstanden hast, was andere Schauspielerinnen bzw. Schauspieler meinen (Inhalte spiegeln) • Spielangebote von anderen aufgreifen/sich helfen lassen • weitere Vorgaben vom Publikum einholen • Gedanken laut äußern – innerer Monolog Bildet kleine Gruppen und wählt einen der folgenden Szenenanfänge aus. Steigt, ohne euch abzusprechen, in die Szene ein. Überlege vorab kurz, in welcher Rolle du an der Szene teilnehmen möchtest. a) Ihr seid beim Wandern und Gewitterwolken nähern sich äußerst schnell. b) Ein Teil der Klasse wartet vor der Schule. Durch eine WhatsApp-Nachricht habt ihr soeben erfahren, dass der Treffpunkt für den Ausflug am Hauptbahnhof ist. Der Zug fährt bereits in 20 Minuten ab. A 11 A 12 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
13 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Findet euch als kleine Gruppe vor einem Publikum zusammen. Lasst euch sämtliche Vorgaben für eine Improvisation von den Zuschauerinnen und Zuschauern geben. Notwendig sind dafür folgende Informationen: • Figuren: Wer? • Ort: Wo? • Zeit: Wann? • Ausgangssituation: Was? • Gefühlslage: Wie? Das Publikum darf immer wieder neue Vorgaben an die Personen auf der Bühne einbringen und die Rahmenbedingungen (Ort, Rollen, Situationen, …) verändern bzw. erweitern. Das kann durch zivilisiertes Hineinrufen ins Spiel oder mithilfe von Schildern geschehen. 1b Glaub an dich: Wirkungsvoller Auftritt Präsentation und Handout In diesen Formulierungshilfen zum gelungenen Präsentieren haben sich einige unpassende Phrasen eingeschlichen. a) Streiche die falschen Formulierungen durch. Formulierungshilfe • Zuerst ein paar Worte zu … /Zuerst möchte ich XY thematisieren. • Da es kein Handout gibt, macht ihr euch am besten selbst Notizen zu meinem Referat. • Ich darf Sie/euch sehr herzlich zu meiner heutigen Präsentation begrüßen. Ich werde über XY sprechen. • Jetzt zu der Frage, ob … • Bitte lest euch diesen Abschnitt selbst durch. • Bei dieser Folie wurde ein Bild vergessen. • Auf dieser Folie/diesem Bild/dieser Grafik ist vergessen worden … • Heute muss ich euch etwas über das Thema XY erzählen. • Wer kann mir nun eine Zusammenfassung zu meinem Referat geben? • Abschließend sei noch erwähnt, dass … • Sollte es noch offene Fragen geben, stehe ich Ihnen/euch nun gerne dafür zur Verfügung. b) Ordne die richtigen Phrasen aus der Formulierungshilfe den drei Phasen einer Präsentation zu, indem du sie mit der entsprechenden Farbe markierst. Einleitung – Hauptteil – Schluss A 13 A 14 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
14 VIEL | SEITIG 6 Aristoteles und das Dreieck der Rhetorik Wer an Rhetorik und das Reden vor Publikum denkt, kommt am antiken Philosophen, Wissenschaftler und Sprachforscher Aristoteles nicht vorbei. Das vermeintlich älteste Kommunikationsmodell geht auf ihn zurück. Es kann bei der Vorbereitung von Präsentationen oder Reden unterstützen. Dreieck der Rhetorik Rednerin/Redner/Ethos Sachwissen Thema/Logos Interesse Zuhörende/Pathos Glaubwürdigkeit Aristotelisches Dreieck der Rhetorik Merkenswertes Die Rhetorik ist die Redekunst und die Lehre von der wirkungsvollen Gestaltung der Rede. Vor jeder Präsentation, jedem Vortrag oder jeder mündlich gehaltenen Rede solltest du dir folgende Fragen stellen: • Thema: Welche Inhalte muss ich erklären, damit das Thema für ein unwissendes Publikum verständlich wird? • Rednerin/Redner: Welches Redeziel verfolge ich? Welche Botschaft möchte ich vermitteln? Wie möchte ich wirken? • Zuhörerin/Zuhörer: Was soll meine Rede beim Publikum bewirken? In welcher Beziehung stehen Vortragende und Publikum zueinander? Welches Vorwissen und welche Erwartungen könnten die Zuhörerinnen und Zuhörer haben? Beachte außerdem folgende Punkte aus dem rhetorischen Dreieck von Aristoteles: • Das Publikum kann nur mit glaubwürdigen Argumenten überzeugt werden (Logos). • Die Glaubwürdigkeit der redenden Person ist die wichtigste Eigenschaft, um ein Publikum zu überzeugen (Ethos). • Gefühle beim Publikum zu wecken, ist das Um und Auf, um die Aufmerksamkeit der Zuhörenden zu bekommen (Pathos). a) Gib in eigenen Worten wieder, was die Begriffe Logos, Pathos und Ethos bedeuten. b) Finde ein Beispiel aus dem Alltag (Schule, Werbung, Politik), zu jedem der drei Begriffe. A 15 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
15 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Wer entscheidet eigentlich, was in der Schule passiert? Die Direktion, das Lehrpersonal und natürlich du! Der Schulgemeinschaftsausschuss (kurz: SGA) ist eine Kommission, bestehend aus der Direktorin/dem Direktor, drei Schülerinnen und Schülern, drei Erziehungsberechtigten und drei Lehrpersonen. Der SGA ist für mittlere und höhere Schulen bestimmt und kann über wichtige schulische Entscheidungen beraten, wie etwa Schulveranstaltungen, die Hausordnung oder Verbesserungen in der Ausstattung der Schule. a) Findet euch in Gruppen zu je fünf Personen zusammen. Befragt eine Künstliche Intelligenz (KI) und lasst euch von dieser ein zufälliges Präsentationsthema für mögliche „Verbesserungsvorschläge für die Schule“ geben. Nun sind eure Ideen gefragt, die ihr später als Vertretungsperson der Schülerschaft vor dem SGA präsentieren werdet. Achtet darauf, dass jede Gruppe ein anderes Thema wählt. Die Präsentation soll etwa fünf Minuten dauern. b) Füllt gemeinsam die rechte Spalte der Tabelle mit euren ersten Ideen aus. Beantwortet die Fragen in der Tabelle möglichst genau und passend zu eurem Thema. Thema Welche Inhalte muss ich erklären, damit das Thema für ein unwissendes Publikum klar wird? Rednerin/Redner Was ist mein Redeziel? Was ist meine Botschaft? Wie möchte ich wirken? Zuhörerin/Zuhörer Welche Wirkung soll beim Publikum erzielt werden? In welcher Beziehung stehen wir zueinander? Welches Vorwissen und welche Erwartungen könnte das Publikum haben? c) Recherchiere zum gewählten Gruppenthema in Einzelarbeit und mache dir Notizen. d) Verfasse mithilfe deiner Notizen aus der Gruppen- sowie Einzelarbeit einen Rohentwurf deiner Präsentation. Tipp • Schreibe (handschriftlich oder digital) den gesamten Redetext in großer und deutlicher Schrift auf. • Verwende Absätze, Aufzählungszeichen und Einrückungen. • Markiere Schlüsselwörter farbig oder fett. • Schreibe diese auf Kärtchen, die idealerweise maximal A5-Format haben. A 16 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
16 VIEL | SEITIG 6 e) Findet euch erneut in eurer Themengruppe zusammen und erstellt ein gemeinsames Handout. Beachtet: Das Handout ist für den SGA bestimmt und soll dort als Grundlage für Entscheidungen dienen. Eine Vorlage für die Handout-Gestaltung findest du online. Merkenswertes • Das Wort Handout stammt aus dem Englischen to hand out und bedeutet austeilen bzw. aushändigen. • Ein Handout kannst du entweder vor oder nach einer Präsentation austeilen. • Es soll den Inhalt deiner Präsentation gekürzt und übersichtlich darstellen. • Quellen, weiterführendes Material, Grafiken, Bilder und Anregungen sollen Platz haben. f) Wählt eine Person pro Gruppe und Thema, welche die Präsentation vor der Klasse hält. Die vortragende Person darf die Stichwortkärtchen verwenden. g) Nach Abschluss aller Präsentationen stimmt die Klasse darüber ab, welches Thema und Handout die Klassensprecherin oder der Klassensprecher an den SGA weiterleiten kann. Poetry Slam – der Eiskunstlauf der Literatur Diskutiert in kleinen Gruppen, welche Formen von Lyrik euch einfallen. Besprecht dabei die Merkmale lyrischer Texte. Lies das Interview mit der österreichischen Poetry Slam-Meisterin Elif Duygu. Fasse anschließend die für dich fünf wichtigsten Kernaussagen zum Thema Poetry Slam in eigenen Worten zusammen und halte diese schriftlich fest. Poetry Slammerin Elif Duygu Interviewerin: Elif Duygu, eine der Gewinnerinnen des SAG’S MULTI4-Redewettbewerbs im Jahr 2015/16 und österreichische Slam-Meisterin, ist heute bei uns zu Gast. Ihre Liebe zum Reden und Vortragen vor Publikum ist für sie heute gleichzeitig Hobby, Passion und Beruf. Elif, wie würdest du „Poetry Slam“ einer oder einem 15-Jährigen erklären? Elif: Poetry Slam ist ein literarischer Dichterinnen- und Dichter-Wettstreit um die Gunst des Publikums. Es gibt gewisse Regeln, die man befolgen muss, wie zum Beispiel ein vorgegebenes Zeitlimit oder, dass die Texte eigenständig verfasst worden sein müssen. Man darf sich weder verkleiden, noch Requisiten verwenden. Man muss den Text (Prosa, Gedicht etc.) mündlich vortragen. Für die Zuhörenden gilt „respect the poet“ – das bedeutet, es muss wirklich absolute Ruhe herrschen. h2744i A 17 A 18 1 4 SAG’S MULTI ist ein mehrsprachiger Redewettbewerb, bei dem Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund ihre Gedanken zu einem vorgegebenen Thema präsentieren können. Die Rede wird zweisprachig gehalten, die Teilnehmenden können wählen, welche Sprachen sie verwenden wollen. 5 10 15 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
17 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Interviewerin: Wie läuft die Organisation ab und wie wird die Jury zusammengestellt? Elif: Wenn es ein Wettbewerb ist, dann werden beliebige Leute aus dem Publikum ausgesucht, um die Jury zu stellen. Die Bewertung ist halt immer subjektiv. Die höchste und niedrigste Wertung wird immer gestrichen. So wird dafür gesorgt, dass anwesende Familie sowie Freunde und Freundinnen die Wertung nicht stark beeinflussen. Interviewerin: Was ist für dich das Besondere am Poetry Slam? Elif: Es ist für jede und jeden etwas dabei und für alle offen zugänglich. Es gibt ja auch kein Alterslimit. Aufgrund der Wertung ist es sozusagen der „Eiskunstlauf der Literatur". Leider hat das Format noch nicht jeden erreicht. Interviewerin: Wie hat sich die Poetry SlamSzene entwickelt? Elif: Im deutschsprachigen Bereich ist die Szene schon sehr groß und professionalisiert. In jedem deutschsprachigen Land oder Gebiet gibt es Poetry Slams, die von verschiedenen Vereinen organisiert werden. Das bedeutet, man kann in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Südtirol diese Veranstaltungen besuchen. Die größte deutschsprachige Organisation, die Poetry-Slam-Wettbewerbe ausrichtet, ist Kampf der Künste. Die deutschsprachigen Meisterschaften sind auch extrem groß und hunderte von Poeten und Poetinnen haben da eine Chance, ihre Texte zu präsentieren. Der Hype um Poetry Slam wird immer größer, mittlerweile füllt ein Slam schon mal einen ganzen Theatersaal. Ich fände es cool, wenn man in Zukunft nicht mehr ins Burgtheater geht, um Theatervorführungen anzusehen, sondern jungen Autorinnen und Autoren zuhört. Das wäre auch für Redewettbewerbe, wie SAG’S MULTI wünschenswert. Interviewerin: Du hast selbst türkische Wurzeln und sagst in deinen Texten unter anderem, dass du in der Schule oft kämpfen musstest, um die deutsche Sprache zu erlernen. Welchen Rat würdest du Schülerinnen und Schülern mit anderer Erstsprache als Deutsch in Hinblick auf das Schreiben eigener Texte und das Vortragen vor Publikum geben? Elif: Ich denke, jede Schülerin und jeder Schüler muss irgendwann kämpfen, man muss wirklich dranbleiben und sich durchboxen. Aber man kann alles lernen! Wenn man eine Rede oder einen Slam-Text einige Male übt und vorspricht, dann wird man mit der Zeit immer besser. Mit einer anderen Muttersprache aufzuwachsen, wird oft sehr negativ dargestellt. Ich stelle mir das immer so vor: Ein Kind mit anderer Erstsprache wächst mit zwei Gläsern auf, die beide halbvoll sind. Ein Kind mit nur einer Muttersprache wächst mit einem Glas auf. Am Anfang hat das erste Kind zwar zwei halbvolle Gläser, und das andere Kind ein volles Glas, aber nach einiger Zeit und Übung hat das erste Kind dann zwei volle Gläser – und einen Vorteil! Interviewerin: Ist das der Grund, warum du beim Redewettbewerb SAG’S MULTI teilgenommen hast? Warum würdest du Jugendliche dazu ermutigen, an einem solchen Wettstreit teilzunehmen? Elif: Ja genau, es ist total schön, dass SAG’S MULTI Mehrsprachigkeit explizit fördert und es kein Nachteil ist, Türkisch oder Serbisch als Muttersprache zu haben. Das ist sonst schon oft so. Bei SAG’S MULTI wird Jugendlichen eine Bühne gegeben, auf der sie ihre Meinung äußern können und ernst genommen werden. Interviewerin: Welche Tipps und Tricks hast du für einen gelungenen Slam-Text für Schülerinnen und Schüler? Elif: • Wenn du auf die Bühne willst, dann lasse dich nicht von der Wertung verunsichern. Wertung ist immer subjektiv, atme tief ein und los geht‘s. • Verwende persönliche Texte, in denen Themen vorkommen, die dich selbst gerade beschäftigen. So bist du immer authentisch. Außerdem kannst du auf diese Weise Herausforderungen oder Probleme in deinem Leben bearbeiten. • Hab’ Spaß auf der Bühne und beim Reden! Interviewerin: Wie wird man denn eine gute Rednerin oder ein guter Redner vor Publikum? Elif: Man kann fast alles lernen. Nur weil man anfangs unsicher ist, muss das nicht bedeuten, dass man es nicht hinkriegen kann. Man kann 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 95 100 105 110 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
18 VIEL | SEITIG 6 seinen Text immer und immer wieder üben, zum Beispiel in den Öffis, am Weg zur Schule, zur Uni, zur Arbeit oder vor dem Spiegel. Aber jeder Mensch ist natürlich anders und man muss sein persönliches Konzept finden, das für einen selbst am besten funktioniert. Interviewerin: Gibt es zum Abschluss noch Empfehlungen von dir: Welche Poetry-Slam- Poetinnen und -Poeten prägen dich? Welche Interpretinnen und Interpreten haben deiner Meinung nach etwas zu sagen? Elif: Im englischsprachigen Raum finde ich Rudy Francisco super, im deutschsprachigen Raum das Team MYLF (Mieze Medusa und Yasmin Hafedh) und den deutschen Meister Jean- Philippe Kindler. Interviewerin: Danke für das informative und spannende Gespräch, Elif. Wir wünschen dir viel Erfolg und viel Spaß beim Slammen! Hinum-Balaž, Tanja (2025): Poetry Slam – der Eiskunstlauf der Literatur. viel | seitig 6, Wien: öbv, 16f. Infobox Elif Duygu wurde in der Türkei geboren, hat 2015/16 in Wien im 11. Bezirk (Simmering) maturiert und dann das Bachelor-Studium English and American Studies abgeschlossen. Ihr Ziel ist es, von der Kunst leben zu können. Sie wurde im September 2022 österreichische Poetry-Slam-Meisterin in der Team- und Einzelkategorie. Tipp Für Inspirationen zu Poetry-Slam-Texten kannst du folgende Webseiten besuchen: • Poetry Slam TV Youtube-Kanal • RadioPoeten Podcast mit Elif Duygu Kaffee und Erdbeermarmelade • Kampf der Künste So wird gegendert Gendergerechte Sprache ist gesetzlich verankert und ein bedeutsamer Bestandteil der Geschlechtergleichstellung. So müssen offizielle Texte (z. B.: rechtliche Texte, amtliche Formulare und Briefe, Schulbücher etc.) inhaltliche und rechtliche Vorgaben erfüllen und den modernen Richtlinien entsprechen. Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist damit betraut, Empfehlungen für eine zeitgemäße, einheitliche und orthografisch korrekte Schreibweise abzugeben. Es gibt einige Möglichkeiten der gendergerechten Sprache, der Genderstern gehört seit 2025 nicht mehr zu den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung und des österreichischen Bundeskanzleramts. Überlegt gemeinsam, welche Genderformen euch bekannt sind. 115 120 125 130 A 19 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
19 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Merkenswertes Möglichkeiten der gendergerechten Sprache • Paarform: Beide Formen werden genannt und durch Konjunktion oder Schrägstrich getrennt. Die weibliche Form steht meist zuerst. Beispiel: Schülerinnen und Schüler, die Ärztin/der Arzt, eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter • Geschlechtsneutrale Formulierungen: Es wird kein konkretes Geschlecht genannt und komplizierte Formulierungen werden vermieden. Beispiel: die Person, die Personen; alle (statt jede und jeder), niemand (statt keine und keiner), Studierende (statt Studentinnen und Studenten), die Beschäftigten (statt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) • Passivform und Infinitiv: Die man-Form sollte vermieden werden. Beispiel: Das kann auch so gesehen werden. (anstelle von: Man kann das auch so sehen.) • Bei akademischen Titeln und gewissen Funktionsbezeichnungen gibt es spezifische, weibliche Formen, sie werden meist hochgestellt. Beispiel: Dr.in (männlich: Dr.), Mag.a (männlich: Mag.), Prof.in (männlich: Prof.) https://www.bundeskanzleramt.gv.at/agenda/frauen-und-gleichstellung/gleichbehandlung/sprachliche-gleichbehandlung/ geschlechtergerecht-formulieren.html#paarform (abgerufen am 21.03.2025) Lies das Interview „Poetry Slam – der Eiskunstlauf der Literatur“ und unterstreiche im Text alle gendergerechten Formulierungen. a) Überprüfe, welche Formen der gendergerechten Sprache im Interview verwendet werden und finde jeweils zwei Beispiele. b) Reflektiert in Kleingruppen, welche Formen der gendergerechten Sprache ihr in euren Texten schon verwendet habt und in Zukunft verwenden wollt. Sieh dir die Poetry-Slam-Performance McMigrations Memories von Elif Duygu an. a) Analysiere Intonation, Betonung und Stimme in der Performance von Duygu. b) Halte Besonderheiten Duygus Mimik und Gestik schriftlich fest. Lies dir den Textausschnitt aus Julia Engelmanns Poetry-Slam-Text Meine Stimme zweimal halblaut vor. Meine Stimme Wenn ein Korn zu Boden fällt, wird niemand es fallen hören. Doch fallen viele simultan, wird der Lärm die Ruhe stören. Ich bin eine von fast acht Milliarden. Was kann ich da erwarten? Du willst mir doch nicht sagen, dass ich irgendeinen Einfluss habe? S. 16 A 20 A 21 A 22 1 5 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
20 VIEL | SEITIG 6 Was nützt es, wenn ich ehrlich bin? Das macht doch die Welt nicht ehrlich. Und wenn ich kein Fleisch mehr kaufe, sind die Tiere trotzdem tot. Was nützt es, wenn ich gütig bin? Das ändert nicht die bösen Menschen. Und teile ich, was ich nicht brauche, fehlt den anderen trotzdem Brot. Was nützt es, wenn ich Müll sortiere? Die Erde bleibt ja doch verschmutzt. Was soll ich Fremdes reparieren? So vieles bleibt ja doch kaputt. […] Du bist einer von fast acht Milliarden. Worauf willst du noch warten? Was, wenn ich jetzt sage, dass wir alle einen Einfluss haben? In: Engelmann, Julia (2016): Jetzt, Baby. Neue Poetry-Slam-Texte. München: Goldmann, S. 84–88. a) Lies den Auszug laut vor und ändere deinen Vortragsstil. Stell dir vor, dein Publikum wären Jugendliche. b) Sprich, als wären Politikerinnen und Politiker im Parlament dein Publikum. c) Trage den Auszug laut vor. Dieses Mal vor Kindern unter zehn Jahren. Nun gehört die Bühne ganz dir! Werde zur Poetin oder zum Poeten und verfasse deinen eigenen Slam-Text. Beachte dafür folgende Vorgaben: • Dauer: ca. drei Minuten • selbstständig verfasster Text • Der Text kann sich reimen, muss er aber nicht. • Der Text sollte auswendig oder mit wenig Hilfe vorgetragen werden können. a) Einigt euch im Klassenverband auf ein gemeinsames Überthema für euren KlassenPoetry-Slam, z.B.: Herkunft, Heimat, Erstsprache, meine Heldin/mein Held oder Klima. b) Verfasse einen kurzen Slam-Text zum Thema deiner Klasse. c) Lies deinen Text mehrmals durch und überarbeite ihn gegebenenfalls. d) Probe deinen Text (vor dem Spiegel, vor einem Familienmitglied etc.). e) Trage deinen Text der Klasse vor. 10 15 20 25 Das Mikro ist an! A 23 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
21 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 1c Ohne Plan sprechen: Die Stegreifrede Beschreibe dieses Standbild des Moments vor Beginn einer politischen Rede. a) Analysiere die Redeumgebung und das Setting (Hintergrund, Wand, Mikrofon und Ausstattung). b) Stelle Vermutungen an, worum es in dieser Rede gehen könnte. c) Diskutiert in der Klasse, inwiefern bei diesem Bild eine Stegreifrede zu erwarten ist. Begründet eure Meinungen. Nimm dir einen Alltagsgegenstand aus deiner Umgebung, den du als „beste Erfindung der Welt“ anpreist. Sobald du das Objekt in den Händen hältst, legst du los – ohne dir vorher Notizen zu machen. • Beschreibe den Gegenstand. • Erkläre dessen Bedeutung. • Führe Argumente an, warum es sich um die „beste Erfindung“ handelt. • Gib einen Ausblick auf die künftige Entwicklung des Gegenstands, weitere Verwendungsmöglichkeiten usw. • Sprich ungefähr zwei Minuten. Metaphorische Sprache hilft mittels bildhafter Beschreibungen, Inhalte zu veranschaulichen und besser verständlich zu machen. So können leichter emotionale Bezüge zu abstrakten Begriffen hergestellt werden. Vervollständige spontan die folgenden Sätze, indem du einen bildhaften Vergleich anstellst. Beispiel Verliebt zu sein ist wie Schmetterlinge im Bauch zu haben. a) Familie ist wie … b) Lesen ist wie … c) Winter ist wie … d) Schule ist wie … e) Spiele spielen ist wie … Aus dem Stegreif Etwas „aus dem Stegreif“ zu machen, bedeutet, spontan oder ohne lange nachzudenken, zu handeln. Bei einer Stegreifrede wird also unvorbereitet vor einem Publikum über ein Thema gesprochen. Diese Formulierung ist seit dem 17. Jahrhundert in Verwendung. Damals war mit Stegreif der Steigbügel zum Aufsteigen auf ein Pferd bzw. Absteigen von einem Pferd gemeint. Der Moment vor der Rede A 24 A 25 A 26 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
22 VIEL | SEITIG 6 Die ursprüngliche Bedeutung war also „ohne vom Pferd abzusteigen“ und meint heute im übertragenen Sinne, etwas ohne Vorbereitung zu tun. Folgende Tipps können deine Stegreifrede noch verbessern: • das Publikum ansprechen und einbeziehen • anführen, worauf du eingehen möchtest • langsam sprechen und rhetorische Pausen einlegen • Thesen mit vollständiger Argumentation untermauern (Beispiele anführen) • sichere Körpersprache (Gestik, Mimik, Körperhaltung) • freundlich und selbstbewusst auftreten • die Stegreifrede abrunden, z.B. durch Zusammenfassen der wichtigsten Aussagen oder das Entwerfen einer Zukunftsvision Jede Schülerin bzw. jeder Schüler formuliert auf einem Blatt Papier ein Thema, wie z.B. „Computerspiele“, und wirft es in eine Box. Sind alle Begriffe eingesammelt, ziehen alle der Reihe nach einen Zettel aus der Box und äußern nacheinander spontan die Gedanken und eigene Meinung zu dem jeweiligen Begriff. Die Zuhörenden passen gut auf und geben anschließend Feedback zum Gesagten. Dabei achten sie auf: • Aufbau (Reihenfolge des Gesagten) • Verknüpfung der Inhalte • Unklarheiten • Füllwörter5 • Sprache 1d Mehrsprachigkeit: Niemand spricht nur eine Sprache Lies die drei Zitate in den Sprechblasen. „Die Sprache ist der Schlüssel zur Welt.“ Wilhelm von Humboldt ( 1767–1835, Philosoph), deutscher Linguist, Schriftsteller und Staatsmann „Eine andere Sprache zu lernen bedeutet nicht nur, verschiedene Wörter für dieselben Dinge zu lernen, sondern auch eine andere Art, über Dinge nachzudenken.“ Flora Lewis (1922–2002), amerikanische Journalistin „Eine andere Sprache zu können, ist wie eine zweite Seele zu besitzen.“ Karl der Große (742–814 n. Chr.), erster westeuropäischer Kaiser A 27 5 Füllwörter sind Wörter ohne Inhalt, die dazu verwendet werden, um eine Pause zu überbrücken; z. B. ähm, äh, uh, also, naja, hm A 28 Der Ursprung des Begriffs „aus dem Stegreif“ Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
23 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Nun bist du an der Reihe: Definiere nach dem Lesen dieser berühmten Zitate zum Thema „Sprache bzw. verschiedene Sprachen sprechen“, was Mehrsprachigkeit für dich persönlich bedeutet. Mehrsprachigkeit bedeutet für mich … Sieh dir den Social-Media-Beitrag von Alma Zadić6 an. a) Benenne das von Alma Zadić zum Anlass des Internationalen Tags der Muttersprachen thematisierte Phänomen. Merkenswertes Die Bezeichnung Muttersprache ist nicht mehr üblich. In der Sprachwissenschaft ist vielmehr die Bezeichnung Erstsprache oder L1 gängig. b) Nenne deine Lieblingswörter – in allen Sprachen, die du sprichst. c) Überlege, ob du verschiedene Sprachen oder Varianten einer Sprache unterschiedlich einsetzt. Erläutere die jeweiligen Situationen und möglichen Gründe. Infobox Der Internationale Tag der Muttersprache Es handelt sich hier um einen Tag, an dem die Sprachenvielfalt gefeiert wird – und zwar am 21. Februar. Die UNESCO7 hat diesen Tag im Jahr 2000 ins Leben gerufen, um Mehrsprachigkeit und Sprachen in all ihren Formen an diesem Gedenktag bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren. Es ist außerdem Ziel, das kulturelle Erbe, das mit Sprachen verbunden ist, zu betonen. Individuelle und gesellschaftliche Mehrsprachigkeit Wir leben in einer Gesellschaft, in der uns Sprachenvielfalt täglich begegnet. Jede und jeder von uns ist in gewisser Weise mehrsprachig. Es werden dabei einige Formen von Mehrsprachigkeit unterschieden. Formuliere passende Definitionen für die folgenden Begriffe bzw. beschreibe, was damit gemeint ist. Suche dazu im ersten Schritt nach mehreren Definitionen im Internet. Gib diese schließlich in deinen eigenen Worten zusammengefasst wieder. a) äußere Mehrsprachigkeit: b) innere Mehrsprachigkeit: c) Diglossie: A 29 6 geb. in Bosnien Herzegowina, Politikerin und Juristin, Bundesministerin für Justiz von 2020 bis 2025 7 englisch: United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization A 30 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
24 VIEL | SEITIG 6 Jeder Mensch ist mehrsprachig Bei Mehrsprachigkeit denken viele sofort an das Erwerben einer Fremdsprache, was oft mit viel Fleiß und Zeit verbunden ist. Manchen fällt dazu vielleicht noch ein, dass unzählige Menschen mehrsprachig aufwachsen. Was hat es aber nun mit der Annahme auf sich, dass alle Menschen mehrsprachig sind? „Hallo“ in verschiedenen Sprachen Dazu muss man wissen, dass beim Sprachgebrauch zwischen innerer und äußerer Mehrsprachigkeit unterschieden wird. Die äußere Mehrsprachigkeit bezieht sich auf das Sprechen verschiedener Sprachen – ob es sich dabei um die Erstsprache in Kombination mit einer oder gar mehreren Fremdsprachen oder um Erst- und Zweitsprache handelt, macht keinen Unterschied. Wenn Kinder zwei- oder mehrsprachig aufwachsen, können sie mehrere Erstsprachen haben. Diese werden meist automatisch und ohne sich bewusst dafür anzustrengen, erworben. Oft wird die Zweitsprache durch die Sprachumgebung erlernt, wie zum Beispiel im Kindergarten oder durch den Konsum von Medien. Wenn in einer Gesellschaft mehrere Sprachen oder Varianten einer Sprache gesprochen werden, wird das Diglossie genannt. Innere Mehrsprachigkeit findet innerhalb einer Sprache statt. Sprecherinnen und Sprecher einer Sprache passen dabei ihre Ausdrucksweise meist unbewusst der jeweiligen Situation an. Dabei kommt es zu Wechsel zwischen verschiedenen Varianten, den Varietäten, einer Sprache (z. B. Dialekt oder österreichische Standardsprache) oder auch je nach Kommunikationssituation zum Einsatz von verschiedenen Sprachregistern (z.B. Jugendsprache oder Umgangssprache). Code-Switching Code-Switching ist ein besonderes Phänomen der Mehrsprachigkeit. Damit wird das Wechseln von der einen in die andere Sprache bezeichnet. Dieser Wechsel findet innerhalb einer Kommunikationssituation statt, also beispielsweise in einem Gespräch – auch mehrmals. Hallo Mama! Si dobro? Ja ja, mir geht’s eh ok. Još uvijek sam am Hauptbahnhof. Imam Verspätung a a naravno da nas vlak u Gänserndorf u ceka. Ale bilo je taaaako schön! Danke, Mama! Vidimo se kasnije! Čau, baba!8 Code-Switching kann unbewusst passieren oder von multilingualen Menschen bewusst eingesetzt werden. Manchmal ist es nur das Auswechseln einzelner Wörter, manchmal sind es ganze Satzteile, Sätze oder überhaupt der Wechsel in die andere Sprache während des Gesprächs. Es handelt sich dabei um äußere Mehrsprachigkeit, die von mehrsprachigen Sprecherinnen und Sprechern angewendet wird. 8 Code- Switching von Deutsch und Kroatisch Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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