viel|seitig 6, Schulbuch

105 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Nach einer Liebesnacht erwachen die Liebenden – das ist ein beliebtes Szenario im Minnesang. Dietmar von Aist ist der erste deutschsprachige Minnesänger, der mit seinem Lied Slâfest dû, friedel ziere dieses Motiv behandelt. Lies zuerst die Ausspracheregeln und anschließend das Gedicht. Bearbeite die Aufgabenstellungen zu dem Lied Slâfest dû, friedel ziere? unter dem Text. Mittelhochdeutsche Ausspracheregeln Texte in mittelhochdeutscher Sprache können anfangs etwas seltsam wirken. Wenn man sie jedoch laut liest, können oft einige Ähnlichkeiten zur heutigen deutschen Sprache erkannt werden. Es gibt einige Regeln, die beim Lesen und Übersetzen von mittelhochdeutschen Texten hilfreich sein können. • Meistens wird die erste Silbe eines Wortes betont. • „æ“ und „œ“ klingen wie die lang gesprochenen Umlaute „ä“ und „ö“. • Vokale, die mit ^ gekennzeichnet sind, werden lang ausgesprochen. • Alle anderen Vokale werden kurz gesprochen. • „ei“, „ie“, „ou“, „uo“ werden so gesprochen, als wären es zwei getrennte Vokale: „e+i“, „i+e“, „o+u“, „u+o“. • „st“ und „sp“ werden ebenfalls getrennt gesprochen: „s+t“, „s+p“. • „h“ ist nie ein Dehnungslaut für einen Vokal. • „v“ wird als „f“ ausgesprochen. • „ph“ wird als „pf“ gesprochen. • „c“ im letzten Laut eines Wortes wird wie „k“ ausgesprochen. • „z“ wird im ersten Laut eines Wortes oder nach Konsonanten als „ts“ gesprochen. Nach Vokalen wird „z“ als Zischlaut gesprochen. Slâfest dû, friedel ziere? „Slâfest dû, friedel8 ziere? man wecket uns leider schiere. ein vogellîn sô wol getân, daz ist der linden an daz zwî gegân.“ „Ich was vil sanfte entslâfen, nû rüefestû, kint, wâfen9! lieb âne leit mac niht sîn. swaz dû gebiutest, daz leiste ich, mîn friundîn.“ Diu frouwe begunde weinen: „dû rîtest hinnen und lâst mich einen10. wenne wilt dû wider her zuo mir? ôwê, dû füerest mîne fröide sant dir!“ von Aist, Dietmar: Slâfest dû, friedel ziere? In: Klein, Dorothea (Hrsg., 2010): Minnesang. Mittelhochdeutsche Liebeslieder. Stuttgart: Reclam, S. 58. a) Höre dir die Audioaufnahme Slâfest dû, friedel ziere? mehrmals an, um mehr über die Aussprache zu erfahren. b) Sprich zunächst bei einem Hördurchgang leise und beim nächsten laut mit. c) Übt zu zweit das laute Vorlesen des Textes. Ihr könnt entweder gleichzeitig lesen oder euch abwechseln. Übt so lange, bis ihr euch beim Lesen des Textes sicher fühlt. d) Sobald ihr euch bereit dazu fühlt: Erstellt beim Vorlesen eine Audiodatei. e) Hört euch die fertige Audiodatei an, um einen besseren Eindruck von eurer eigenen Aussprache zu erhalten. Gebt euch gegenseitig Feedback. f) Fertige eine neuhochdeutsche Übersetzung des Textes an. A 10 1 8 Geliebter 5 9 „zu den Waffen” (gemeint ist ein Warnruf), „O weh” 10 10 allein Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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