153 2 SCHRIFTLICHE KOMPETENZ 1 MÜNDLICHE KOMPETENZ 3 TEXTKOMPETENZ 4 LITERARISCHE BILDUNG 6 SPRACHLABOR 5 MEDIALE BILDUNG VIEL | SEITIG 6 Mitteräcker: Das ist ein Anachronismus, so wie vieles, was wir machen und nutzen. Aber wahrscheinlich ist es, je mehr digitale Endgeräte wir verwenden, durchaus auch eine willkommene Abwechslung für viele, sich zu entschleunigen und mal aus der Multitasking-Situation auszusteigen. […] Falter: Der VÖZ9 hat den Kollektivvertrag10 aufgekündigt. Wären plus 8,6 Prozent (wie 2022) oder mehr Gehalt auch für den Standard schlicht nicht mehr zu stemmen? Mitteräcker: So ist es. Wenn wir die Gehälter erneut so stark erhöhen, bedeutet das, dass wir uns weniger Journalistinnen und Journalisten leisten können. Man kann durchaus argumentieren, dass es eine gewisse Lose-lose-Situation für alle Beteiligten ist. Falter: „Die Zeichen stehen auf Kürzung und Konsolidierung11“, stand in Ihrer eigenen Zeitung dazu zu lesen. Mitteräcker: Und die öffentliche Hand hat sehr viel dazu beigetragen, dass eine Konsolidierung in der Vergangenheit noch nicht stattgefunden hat. Und jetzt müssen wir nachholen, wofür andere Märkte zehn Jahre Zeit hatten. Falter: Warum? Mitteräcker: Die Politik hat gewisse Medientitel in einem hohen Maß über Inserate gefördert, die nicht nach objektiven Kriterien vergeben wurden. Das führte zu massiven Marktverzerrungen. Jetzt schlagen die Konjunktur und die Inflation zu. Es wird spannend sein, wer am Ende überlebt. Falter: Gleichzeitig schüttet die Regierung Millionen an Digitalförderung an Verlage aus, damit sie sich reformieren. Mitteräcker: Ja, aber am Ende auch mit der Gießkanne. Wir alle wissen, wie kreativ manche Verlage mit ihren eingereichten Projekten waren. Und es ist sehr wenig Geld im Vergleich zu den gegenwärtig zwei Milliarden Euro an Werbeumsätzen, die den Markt jährlich in Richtung Tech-Giganten verlassen. Falter: Aber es hilft? Mitteräcker: Ja, es hilft. Es bedeutet aber auch, dass man immer wieder neue Projekte umsetzen muss. Projekte, die deutlich mehr kosten als das Fördervolumen. Der Journalismus wird dadurch nicht gefördert. Es ist ein komplexer Umweg. Und auf die Journalismusförderung, die für den Medienstandort wirklich relevant ist, warten wir noch. […] Falter: Letzte Woche ging Ihr Chefredakteur Martin Kotynek überraschend ab, Sie sprachen von unterschiedlichen Sichtweisen „hinsichtlich unserer Möglichkeiten am Markt und wie wir diesen begegnen sollten“. Was heißt das genau? Die Frage Paywall12 ja oder nein kann es wohl nicht gewesen sein, denn seit kurzem hat der Standard auch ein Premium-Abo-Angebot hinter einer Bezahlschranke. Mitteräcker: Natürlich ist es vollkommen klar, dass wir uns in Zukunft aus einem Mix aus Abo- und Werbeerlösen finanzieren werden, da waren wir komplett einer Meinung. Wir kamen aber zu unterschiedlichen Schlüssen in der Analyse der Marktsituation und den Finanzierungsmöglichkeiten und an welchen Stellschrauben wir drehen wollen. […] Falter: Was spricht gegen eine Paywall, wie sie mittlerweile fast alle heimischen Mitbewerber haben? Mitteräcker: Dass wir Leserinnen und Leser an das frei zugängliche Angebot von orf.at verlieren. Mit Standard Pur – also werbefrei und damit auch konform mit der Datenschutzgrundverordnung – waren wir in Europa Pioniere. Wir haben ein E-Paper und die Möglichkeit, zu spenden und in Summe aus allen Angeboten mehr Digital-Abos als unsere Mitbewerber in Österreich, soweit ich das überblicke. […] Falter: Warum hat der Standard, ungewöhnlich für ein Qualitätsblatt, kein Redaktionsstatut? Mitteräcker: Wir arbeiten gerade daran. Wir sind ein Familienunternehmen. Unsere Familie hat mehrfach bewiesen, dass ihr die demokratiepolitische Aufgabe von Medien ein Anliegen ist. Dass ein Statut irgendetwas verändert an der Art und Weise, wie wir arbeiten, wage ich zu bezweifeln. […] Falter: Aber das ist ja das Besondere am Journalismus. Eine Redaktion ist keine Steuerberatungskanzlei. 25 9 Verband österreichischer Zeitungen 10 Arbeitsrechtliche schriftliche Vereinbarung in der beispiels- weise Grund- gehälter, Sonderzahlungen oder Kündigungstermine festgelegt sind. 30 35 11 Bestimmte Inhalte einer Webseite sind nur gegen Bezahlung einsehbar. 40 45 50 55 S. 154 60 65 70 75 12 Zusammenfassung aller bisheriger Herausforderungen um daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. 80 85 90 95 100 105 110 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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