194 VIEL | SEITIG 6 verdienen. Berühmte Vertreter sind der erste große deutschsprachige Epiker, Hartmann von Aue, mit seinen Epen Erec (ca. 1200) und Iwein (1180/85), der berühmteste Epiker des Mittelalters Wolfram von Eschenbach, mit seinem Parzival (Anfang des 13. Jahrhunderts), der heute als erster deutscher Entwicklungsroman gilt und Gottfried von Straßburg mit Tristan und Isolde (ca. 1210). • Aus dem Spätmittelalter stammt der erste Prosa-Roman, der gänzlich auf Verse verzichtet: der Prosa-Lancelot (ca. 1280). Lyrik • Zunächst dominieren religiöse Gebrauchstexte (Gebete, kirchliche Lieder, Taufgelöbnisse) in lateinischer Sprache. • Aus der heidnisch-germanischen Dichtung sind nur wenige Textzeugnisse, etwa in Form von Zaubersprüchen, Merkversen und Rätseln (z. B. Merseburger Zaubersprüche), erhalten, die ab dem 10. Jahrhundert von Mönchen in Klöstern aufgeschrieben werden. • So auch das Hildebrandslied, das einzig erhaltene Heldenlied aus der Zeit des Frühmittelalters, das allerdings nur fragmentarisch erhalten geblieben ist. Beim Hildebrandslied findet sich der germanische Stabreim. Eine Neuaufbereitung des Stoffes (Vater-Sohn-Konflikt) erfährt das Hildebrandslied im Jüngeren Hildebrandslied (15.–17. Jahrhundert). Heldenlieder werden, genauso wie die berühmteste Lyrikform des Mittelalters – der Minnesang – gesungen. • Die deutschsprachigen Minnesänger orientieren sich an den französischen Troubadours. An den Höfen ist die hohe Minne besonders beliebt. Hierbei werden (meist anwesende) höher gestellte Frauen lobgepriesen. Die Liebe findet jedoch keine körperliche Erfüllung. Später erfolgt – insbesondere durch den heute bekanntesten Minnesänger Walther von der Vogelweide – eine Abkehr von dieser hohen Minne hin zur niederen bzw. ebenen Minne. Dabei stehen die gegenseitigen Gefühle und die Erfüllung der Liebe im Fokus dieser lyrischen Lieder. • Der Minnesang weist ein großes Repertoire an Vers-, Strophen- und Reimformen auf, da die Einzigartigkeit der Melodien von zentraler Bedeutung sind. Die Minnesänger begleiten sich bei ihrem Auftritt am Hofe selbst mit einem Instrument (Fidel, Laute). • Aus dem Minnesang entwickelt sich der Meistersang, der hauptsächlich von Handwerkern in größeren Städten praktiziert wird. Der Meistersang lebt von einem starken Pathos3 und verfolgt ein strenges Regelwerk. • Politischer wird es mit den Spruchdichtungen. Die Dichterinnen und Dichter greifen hierbei aktuelle politische (aber auch religiöse und persönliche) Probleme der Zeit auf. Manchmal weist die Spruchdichtung auch einen belehrenden Charakter auf. Dramatik • Die dramatischen Formen der Antike werden im Mittelalter abgelehnt, da sie nicht mit dem mittelalterlichen Weltbild und Selbstverständnis der Menschen zusammenpassen. • Eine (wenngleich auch wenig verbreitete) Form des Dramas im Mittelalter stellt das geistliche Spiel dar, das hauptsächlich an den Feiertagen (Oster- bzw. Weihnachtsspiele) aufgeführt wird. Es wird zunächst in lateinischer Sprache verfasst, erfährt im Mittelalter aber nach und nach eine Hinwendung zur Volkssprache. • Die christlichen Dramen von Hrotsvit von Gandersheim zählen zu den wenigen erhaltenen Dramen der damaligen Zeit. Sie verfolgen eine stark moralisierende Absicht. Anhand des Aufbaus der Dramen merkt man, dass es sich vermutlich um Lesedramen gehandelt haben muss. 3 emotionaler Redestil Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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