197 VIEL | SEITIG 6 • 1517: Martin Luther äußert Kritik an der römisch-katholischen Kirche, insbesondere am Ablasshandel6. Als Diskussionsanstoß verfasst Luther 95 Thesen in lateinischer Sprache. Obwohl es zu keinem offenen Dialog mit den kirchlichen Entscheidungsträgern kommt, gelangt die Kritik Luthers in deutscher Übersetzung ins Volk und findet dort Resonanz. Luthers Arbeit führt in weiterer Folge zur Reformation, der Erneuerung des christlichen Glaubens und der Entstehung des Protestantismus. • 1524/1525: Bauernaufstände • 1517: Thesenanschlag durch Martin Luther: Er will eine Erneuerung des christlichen Glaubens bewirken. Mit diesem Religionskonflikt beginnt eine religiöse und gesellschaftliche Bewegung – die Reformation. • 1529: 1. Türkenbelagerung Wiens • 1555: Der durch die Reformation angestoßene Religions- und Glaubenskonflikt zwischen Katholizismus und Protestantismus soll mit dem Augsburger Frieden beendet werden. Nun können die Landesherren über die Religion ihres Volks entscheiden. Die religiösen Spannungen bleiben aber weiterhin bestehen und erreichen ihren Höhepunkt später im 30-jährigen Krieg (1618-1848). Drei Fakten zur Literatur der Reformation und des Humanismus • Die Epoche und somit auch die Literatur des Humanismus ist eng an die Renaissance und die Reformation gekoppelt. Der Renaissance (franz. „Wiedergeburt“) geht es um ein Wiederaufleben der antiken Kultur. Die Reformation war eine religiöse Bewegung, die zur Spaltung der Kirche führte. Der Begriff Humanismus stammt vom lateinischen „humanitas“ und bedeutet so viel wie Menschlichkeit. Ziel dieser geistigen Bewegung ist neben der Unterhaltung, die Erziehung und Bildung der Menschen. Vom Gedankengut des Mittelalters, in dem Gott im Mittelpunkt stand, wird sich abgewandt. Der Wunsch nach Bildung führt zur Gründung von Universitäten in Europa (z.B. 1365 in Wien). Als idealer Mensch wird der Universalgelehrte angesehen, der eine umfassende Bildung besitzt und sich seines eigenen Verstandes bedient, ohne sich von einschränkenden Denkmustern und der Kirche beeinflussen zu lassen. Als Universalgelehrter galt der Künstler und Wissenschaftler Leonardo Da Vinci. • Latein ist die Sprache der Gebildeten und dominiert insbesondere im geistlichen Bereich. Martin Luther, als wichtiger Wegbereiter der Reformation und Begründer des Protestantismus, setzt es sich zum Ziel, die Bibelinhalte dem einfachen Volk direkt, das heißt ohne die Vermittlung durch Geistliche, zugänglich zu machen. Hierzu veröffentlicht er 1534 eine vollständige Bibelübersetzung. Sein Werk zeichnet sich durch die einfache Verständlichkeit aus, Übersetzungen davor waren meist schwer verständlich, da sie Wort-für-Wort-Übersetzungen waren. Luthers Bibelübersetzung beeinflusst stark die Entwicklung der deutschen Standardsprache. Zudem setzt sich Martin Luther für die schulische Bildung von Jungen und Mädchen gleichermaßen ein, damit alle lesen lernen können. • Entscheidend für einen niederschwelligen Zugang zur Literatur ist die Entwicklung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg (erste Druckerei, 1448). Somit wird die Vervielfältigung und Verbreitung von Texten stark vereinfacht. Der Literaturbetrieb verschiebt sich nun weg vom Adel und der Kirche hin zum Bürgertum. Gattungen: Entstehung, Vertreterinnen/Vertreter, Textsorten Epik • Als besonders geeignet für die pointierte7 Darstellung von zwischenmenschlichen Konflikten erweist sich die epische Kurzform des Schwanks. 6 Freikaufen von Sünden durch Geldzahlungen 7 zugespitzte Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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