198 VIEL | SEITIG 6 • Die meist mündlich überlieferten Schwänke wurden in Schwanksammlungen oder Volksbüchern zusammengefasst. Eine bekannte Sammlung von Schwänken und mündlichen Erzählungen ist Jörg Wickmanns Rollwagenbüchlein (1555), das sich bereits bei dessen Erscheinen großer Beliebtheit erfreute. Volksbücher gelten als wichtiger Vorläufer des Romans. Darin werden Schwänke und Erzählungen rund um eine Person oder ein Thema gesammelt. Bekannte Beispiele sind Kurzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel (1515), Historie von D. Johann Fausten (1587) oder Schildbürger (1598). Die Texte in den Volksbüchern und Schwanksammlungen weisen eine einfache, volksnahe Sprache und leicht verständliche Struktur auf. • Das wichtigste volkstümliche Werk der Zeit ist Das Narrenschiff (1494) von Sebastian Brant. Darin werden menschliches Fehlverhalten und Laster satirisch dargestellt, indem das Bild eines Schiffes entworfen wird, das mit 100 Narren ins fiktive Land „Narragonien“ segelt. Das Narrenschiff war ein Bestseller und begründete die Narrenliteratur. • Als bedeutendster Vertreter des Humanismus gilt der niederländische Gelehrte Erasmus von Rotterdam, der auch als „Fürst des Humanismus“ betitelt wird. Sein wichtigstes Werk ist das in lateinischer Sprache verfasste Lob der Torheit (1511). Dabei handelt es sich um eine ironische Lobrede, in der die personifizierte Torheit als olympische Gottheit auftritt und ihre Errungenschaften auf der Erde präsentiert. Mit seinem Werk übt Erasmus von Rotterdam scharfe Kritik an den Ständen, der Wissenschaft, der Religion und der Politik. Lyrik • Als Weiterführung des mittelalterlichen Minnesangs entsteht der Meistersang. Als Meistersinger treten Handwerker auf, die die Texte schreiben und musikalisch inszenieren. Der Meistersang ist ein dreistrophiges Lied, das sich stofflich an biblischen Texten orientiert und strengen Regeln folgt. • Auch lyrische Texte der Narrenliteratur erfreuen sich großer Beliebtheit. Als Beispiele sind die Verssatiren Narrenbeschwörung (1512) und Schelmenzunfft (1512) von Thomas Murner zu nennen. • Außerdem dominieren Kirchen- und Volkslieder. Dramatik • Zum Zwecke der Belehrung und Bildung entstehen Dialoge und Tischgespräche, die beispielsweise die Frage nach dem richtigen Verhalten in bestimmten Situationen beantworten. Sie sind teils satirisch und weisen so auf gesellschaftliche und soziale Missstände hin. Wichtige Dialoge stammen vom niederländischen Gelehrten und wichtigsten Vertreter des Humanismus Erasmus von Rotterdam. Dem Thema Frauenbildung widmet er sich im Dialog Der Abt und die gelehrte Frau. • Die aufkommenden Fastnachtsspiele gelten als wichtige Vorläufer des weltlichen Dramas. Sie weisen meist einen derben Charakter (z.B. Prügeleien, wüste Beschimpfungen, sexuelle Anzüglichkeiten) auf und erfreuen sich beim Volk großer Beliebtheit. Die Fastnachtsspiele werden als Teil des Fastnachtstreibens von männlichen Laiendarstellern8 aufgeführt und benötigen keine Bühne. Als wichtiger Vertreter dieser Fastnachtsspiele gilt Hans Sachs. • Das Humanistendrama in lateinischer Sprache orientiert sich am Drama der Antike und dient hauptsächlich dazu, die Sprache und Redefertigkeit zu schulen. • Im Gegensatz dazu dient das deutschsprachige Schuldrama der Vermittlung von christlichen Inhalten im Sinne der Reformation. → Arbeitsblatt Das Narrenschiff h2f8gz 8 Frauen werden in der Regel von verkleideten Männern dargestellt. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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